Brasilien – Rückwärts aus dem Dschungel: Marumbi Nationalpark und Curitiba 31.10.2025

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Wir sind unterwegs zum Marumbi Nationalpark. Das Wetter ist einigermassen stabil, wir möchten eine Regenwaldwanderung machen. Hin und zurück zehn Kilometer, entlang des Rio Ipiranga und fünf Wasserfällen.

Kurz hinter Porto do Cima biegen wir ab auf eine Piste zum Visitorcenter, wo die Wanderung beginnt.

Hinein in den Wald, Mata Atlantico

Der Weg ist etwas löchrig und schmal, aber voll okay

Links und rechts im Wald stehen Luxusvillen mit parkähnlichen Gärten, wir tuckern langsam voran, während der Pfad immer enger wird.

Langsam werden wir unsicher, ob das hier eine so gute Idee ist. Auf beiden Seiten streifen Pflanzen über die Rappelkiste, der Weg ist jetzt sehr schmal geworden, rechts von uns geht es steil hinunter zu einem Fluss.  Äste schlagen aufs Dach…

Noch ein paar Meter weiter, dann wissen wir: Nee! So geht es nicht!

Ab hier müssten wir den Weg erstmal abgehen, um zu sehen, ob wir durchkommen. Noch zwei Kilometer bis zum Visitorcenter. Niemand kommt mehr an Rappelkiste vorbei. Wir können sie jetzt nicht einfach hier abstellen. Also rückwärts wieder raus.

Ein gutes Stück zurück, bis zur nächsten Villa, dort können wir wenden, aber auch nicht parken.

Puhhh! Geschafft!

Das war´s mit Regenwaldwandern für heute.

Noch ein Blick auf den wunderschönen Eingang der Villa, sieht traumhaft verwunschen aus…

Und dann nix wie raus hier!

Wir könnten uns morgen mit einem Taxi zum Visitor Center bringen lassen.

Aber der Wetterbericht verkündet Regen für morgen, deshalb machen wir uns auf nach Curitiba.

Statt den großen Umweg zurück zur Schnellstrasse zu machen, nehmen wir eine Abkürzung.

Im Internet warnte ein Reisender vor der Brücke: nur 3,5 Tonnen! So ein Quatsch mal wieder! 24 Tonnen sagt das Brückenschild.

Wir testen:

Brücke hält!

Die Strasse schlängelt sich entlang des Rio Nhundiaquara, den wir schon von Morretes kennen.

Ganze sieben Kilometer, dann ist diese Fahrt zuende:

Höhenbeschränkung auf 2,50 Meter, das schafft Rappel beim besten Willen nicht. Mist.

Zum zweiten Mal heute müssen wir umdrehen…

Ein Riesenbogen zurück. Vorbei am „kleinen Stück Paradies“ und blühenden Bananenstauden bis zur Brücke – die hält auch beim zweiten Mal

Durch Porto de Cima

Und Morretes

bis zur Schnellstrasse nach Curitiba

Von nun an geht´s bergauf und wie!

Tiefe Wolken hängen in den Bäumen, Schwerlastverkehr schnauft die Strasse hoch, der Dschungel links und rechts ein undurchdringliches Dickicht.

Ca 70 Kilometer von Morretes entfernt kommt die Skyline von Curitiba in Sicht, auf 935 Metern Höhe.

Wir wollen zuerst beim Bahnhof schauen, ob wir dort auf einem der Großparkplätze halten können.

Am Botanischen Garten mit dem berühmten Glashaus vorbei, rein in den Moloch. Die Jakarandabäume stehen in voller Blüte.

Um es kurz zu machen:

zuerst ist es angenehm zu fahren, aber dann Baustellen, Umleitungen, Einbahnstrassen, Verkehrshorror, Stress.

Die Parkplätze haben genug freien Platz für uns, aber leider auch Höhenschranken.

Okay, 10 Kilometer weg von der Stadtmitte liegt der SO Camping. Wir pfadfinden uns durch die halbe Stadt….anstrengend. Dort endlich angekommen, stehen wir vor einer extrem steilen Einfahrt, einem tiefhängenden Stromkabel und einem verschlossenen Tor. Man soll anrufen, aber nirgends steht eine Telefonnummer. Pffffffff………..Wir sind kurz davor, alles abzublasen und Curitiba wieder zu verlassen. Voll genervt.

Ein letzter Versuch, nochmal 5 Kilometer quer durch die Stadt zum Arya Parking. Letzte Hoffnung.

Der Parkplatz ist randvoll. Martin spricht mit dem Parkwächter, dieser telefoniert mit dem Chef…

Da sehe ich den Daumen hochgehen!

Der freundliche junge Mann hat eine Nische für uns gefunden!! Hallelujah!

Zwei Stunden sind wir kreuz und quer durch die Stadt gegurkt, um einen Parkplatz zu finden.

Martin manövriert Rappelkiste in die Lücke, passt. Erstmal ankommen und Pause.

Dann rufen wir ein Uber zum Bahnhof, Tickets kaufen für den Serra Verde Express.

In einer Seitenstrasse stehen und liegen viele  Obdachlose, vielleicht warten sie vor einer Suppenküche. Vor einem Laden liegt ein Mann auf dem Boden und schläft. Hoffentlich schläft er nur. Solche Bilder kennen wir gut aus Berlin.

 

Am Bahnhof ist alles sauber und organisiert, die Dame im Ticketschalter spricht sehr gut englisch. Wir fragen, ob wir in Fahrtrichtung links sitzen können? Das entscheidet das System, antwortet die nette Dame, da kann sie gar nichts machen…

Hoffen wir das Beste. 240RS kosten die Tickets, ca 39,-€ zusammen für uns beide.

Und jetzt? Ein Uber zum Praça Garibaldi, bitte. Altstadt und Ausgehviertel von Curitiba.

Am Platz befindet sich die „Rosenkranzkirche der schwarzen Bevölkerung von Sao Benedito“, so lautet der volle Name. Bekannt für Azulejos aus Portugal.

In der Mitte der Praça steht ein Furcht einflössender Brunnen. Das Tier sieht gequält und völlig verängstigt aus. Eingezwängt in ein steinernes Joch spuckt oder besser gesagt: kotzt es Wasser.

Eine Hommage an die Einwanderer und Maultiertreiber. Grauenhaft, die armen Maultiere…

In der Fußgängerzone reihen sich ein paar Kneipen aneinander

In den Schankgärten sitzen ein paar Leute, auf den Tischen stehen sogenannte „Torres“. Biergefüllte Glastürme mit Zapfhahn.

Und, ach ja….es ist Halloween

Wir schlendern ein bißchen weiter, der Berliner Bär Imbiss ist leider geschlossen.

Da ist die Ausgehmeile anscheinend auch schon zuende, wir laufen zurück und setzen uns zu „Enio´s“

Der Kellner hat deutsche Vorfahren, erzählt er stolz. „Ah! Dann sprichst du ein bißchen deutsch?“ fragen wir. „Nao!“ lacht er, kein Wort.

Zwei Choppe Germanica Pils, bitte! Das schmeckt sehr gut!

Die Deko in der Bar erinnert uns an lange vergangene Zeiten. Röhrenradios! Der Fernseher mit Knöpfen! Das wirkt schon sehr altertümlich, wir sind damit aufgewachsen. Mein Bruder war so stolz auf sein Tonbandgerät, lange her…

In der Dämmerung laufen wir zu unserem Uber Treffpunkt.

Vor einer Kneipe stehen junge Leute. Aufgereiht, Gesicht zur Wand, die Hände hinterm Kopf. Links die Männer, rechts die Frauen. Schwer bewaffnete Policia Militar steht hinter ihnen. Jeweils einer muss sich umdrehen, die Hände wie in Handschellen vorne zusammen und sich durchsuchen lassen. Obwohl die Officer nicht grob sind, sieht das so brutal aus, so gefährlich und unheimlich, sowas kennen wir nicht.

Vielleicht eine Drogenrazzia? In Brasilien sind die Drogengesetze sehr streng.

 

Da kommt unser Uber. Den Fahrstil in Curitiba kann man als entschlossen-schnittig bezeichnen.

Schnell sind wir einmal quer durch die Stadt zum Arya Parkplatz gedüst.

 

Auf uns wartet noch Arbeit: die Wassertanks sind fast leer. Am Parkplatz gibt es einen Wasserhahn, der Manager gibt uns einen Schlauch. Im Shelter räume ich alles um die Wasseranlage herum frei, denn irgendwo haben wir ja ein Leck. Das hoffen wir jetzt zu finden. Totales Chaos im Shelter.

Martin kämpft währenddessen mit dem geliehenen Schlauch. Es spritzt überall raus, taugt überhaupt nichts das Ding.

Leicht genervt lassen wir es für heute gut sein und räumen alles wieder zurück. Morgen wieder……

Für heute ist Feierabend.

Morgen müssen wir früh los, um 8 Uhr wollen wir beim Bahnhof sein.

Liebe Grüße, bis gleich!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

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