Guten Morgen!
Sechs superschöne Tage in Peruíbe, hätten wir nicht gedacht, daß wir so lange bleiben.
Heute geht´s weiter, ein Start mit Verzögerung, denn das Fangband der Tür hat sich verklemmt, die Tür geht nicht mehr zu. Martin macht sich an die Reparatur.
Ciao Peruíbe!
Unsere erste Aufgabe: jemand finden, der unsere Gasflasche füllt. Wir versuchen es bei dieser Bude, laut IOverlander sei es hier kein Problem. Aber die Zeiten haben sich geändert, sie können es nicht machen. Es ist verboten, erklären sie uns.
Auch die nächsten zwei Läden tauschen nur brasilianische Flaschen, das wird also nichts mit unserer deutschen Flasche.
An São Paulo wollen wir schnell vorbei, zu groß diese Stadt, wir verzichten gerne auf einen Besuch.
Die Küste entlang rollen wir mal schneller, mal langsamer nach São Vicente, dort wollen wir mit der Fähre übersetzen. Eine lange Brücke überquert den Canal dos Barreiros. Die ersten Kilometer durch die Stadt läuft´s noch ganz gut….
Dann stehen wir im Stau. Außer etwas Obst haben wir nicht richtig gefrühstückt, es ist brüllend heiß. Kreuz und quer brausen Mopeds vorbei, erst im letzten Moment zu sehen. Meter für Meter schieben wir uns vorwärts. Ein Elend. Die Hoffnung auf einen Pausenparkplatz am Strand zerschlägt sich, hier können wir nirgends anhalten. Sehr anstrengend. Für die 10 Kilometer durch die Stadt zum Hafen brauchen wir über eine Stunde. Vor dem Fährableger wartet eine lange Autoschlange, wir reihen uns ein und warten….
Eine kleine Ewigkeit später stehen wir ganz vorne bei den Einweisern.
Und sie winken uns raus! Wir dürfen nicht auf die Fähre, wir sind ihnen zu groß! WHAT?!
Zwei Stunden haben wir uns hierhergequält und sie nehmen uns nicht mit!
Zu Erschöpfung und Hunger gesellt sich nun auch Verzweiflung. 13 Kilometer müssen wir durch das Hafengebiet fahren, um wieder zur Schnellstrasse zu kommen.
So ein richtig räudiges Hafengelände, müllig, verrottet, abgezäunt mit Stacheldrahtrollen.
Hinter mehreren Riesen-Lkws schleichen wir im Schneckentempo um tiefe Schlaglöcher herum, holpern und rumpeln eine qualvolle Stunde lang über zerbrochenen Asphalt. Dann endlich können wir von der Rumpelpiste auf die Schnellstrasse fahren. Bei der ersten Tanke kommt die langverdiente Pause. Uff!
In einem weiten Bogen geht es nach Norden, insgesamt sind wir jetzt ein großes S gefahren, ich kann nochmal zum Hafen runterwinken.
60 Kilometer später nehmen wir die Ausfahrt nach Bertioga, genug für heute.
Gerade runter zum Strand, wir entdecken Frittierbuden am Fischerhafen und freuen uns…
Weit und breit ist kein Parkplatz zu finden. Nicht, weil Rappel zu groß ist – nein, es gibt einfach gar keine Parkplätze in Strandnähe. Seltsam, wo parken denn die Strandtouristen? Einbahnstrassen zwingen uns zu Umwegen, heute ist es aber wirklich anstrengend. Noch ein Versuch zwischen Häuserschluchten, wenigstens irgendeine Seitenstrasse wird doch etwas für uns haben….Stop!
Da ist ein schöner, leerer Parkplatz zwischen den Häusern und direkt am Strand! Volltreffer!
Badesachen an, die Stühle mitgenommen und durch den ultrafeinen Sand zum Meer. Ab ins Wasser…..
Das haben wir uns aber echt verdient! Wir bleiben noch ein bißchen hier sitzen, bis es dämmert,
Feierabend!
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Das ist unser Blick aus dem Fenster.
Der Strand….nicht zu voll, würde ich sagen….
Den Tag mit einem Bad im Meer beginnen, was gibt es schöneres? Das Wasser ist warm, die Wellen genau richtig, perfekt!
Dann die Räder holen und zum Bäcker radeln, gleich um die Ecke. Es gibt hier Radwege!
Am Eingang müssen wir aus einem Automaten eine digitale Tafel ziehen, dann öffnet sich das Drehkreuz.
Das Baguette sieht fantastisch aus, wir lassen uns noch vier Minikreppel mit Pudding einpacken. Alles wird auf der Digitafel vermerkt. Dann zur Kasse. Dort die Tafelnummer zeigen, bezahlen und anschließend die Tafel wieder in einen Automaten stecken. Danach öffnet sich wieder ein Drehkreuz. Was für eine Prozedur, wird hier wirklich so viel gestohlen?
Nun denn, für all diese Mühe bekommt man das beste Baguette auf diesem Kontinent bisher!
Im Krill Mercado gibt es guten Käse und – Überraschung! – Torrontès aus Argentinien. Unser Lieblingsweißwein.
Heute ist Strandtag. Wir müssen uns unbedingt einen Sonnenschirm kaufen….
Nicht allzuviel los, baden, lesen, sonnen…..Platz haben wir genug…
Gegen 16 Uhr packen alle zusammen, der Kiosk schließt. Wir tragen unsere Sachen zurück zu Rappel, sitzen im Schatten und kosten den kühlen Torrontés, mmmmmmmhhhhhh……..
Bertioga ist prima!
Boa noite!
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Ach, Berti! Wie gerne würden wir bleiben….Aber es geht schon auf Mitte November. Ob wir eine Verlängerung des Aufenthaltes bekommen ist unklar, wir können erst Ende November den Antrag stellen. Eventuell müssen wir Ende Dezember das Land verlassen und wir haben noch viel vor.
Also: packen, schwimmen und dann los, Ciao Berti!
Es wird ein schwarzer Tag.
Vor einem großen Mercado wollen wir parken, dazu müssen wir rangieren. Martin fährt in Zeitlupe rückwärts…..KRACH!
Unsichtbar für unsere Spiegel stand direkt hinter uns eine Mopedfahrerin. Glück im Unglück: das Moped ist hin, aber der Fahrerin ist nichts passiert, großes Glück!!
Alles weitere läuft ganz ruhig ab. Es gibt kein Geschrei und kein Gezeter. Große Freude, als wir sagen, daß wir versichert sind. Ihr Mann Pedro kommt, alle beide bleiben freundlich und ruhig.
Wir müssen zur Polizei hinfahren, sie kommen nicht hierher. Also los. Die Polizeistation hat Mittagspause. Eine halbe Stunde warten wir in einem schäbigen Raum auf wackeligen Plastikstühlen. Dann kommt ein Officer in zivil mit fetter Knarre an der Hüfte und einer schwarzen Marke um den Hals. Die sieht aus wie eine Plakette der dunklen Macht: ist da wirklich ein Bild von Darth Vader aufgedruckt?
Diese Station ist nicht zuständig, wir müssen zur Policia Militar, 20 Kilometer weiter.
Okay. Dort heißt es warten…..Alle Officer sind bis an die Zähne gepanzert und bewaffnet und unglaublich freundlich.
Per Translate bekommen wir alles erklärt, mit einer Engelsgeduld werden Fragen beantwortet. Martins und Rappels Papiere werden immer wieder eingesammelt und zurückgegeben, irgendwann verlieren wir den Überblick….
Eine Stunde sitzen wir herum, dann erklärt man uns, daß das Moped hergebracht werden muss, damit sie selber Fotos mit dem Diensthendi machen können. Hier lacht man über solche Umständlichkeiten – Pedro fährt los und organisiert einen Pickup Truck.
Wir warten in einem schmutzigen Vorraum.
Dann winkt man uns in ein Büro. Unter der Decke dröhnt ein riesiger, wahnsinnig lauter Ventilator.
Paperworks. Mit Einfingertechnik wird ein Protokoll ins Hendi getippt. Nach wie vor sind alle sehr freundlich, das macht die Sache sehr entspannt.
Nach einer weiteren Stunde, es wird immer noch getippt, kommt Pedro zurück. Er hat das Moped gebracht.
Fotosession.
Martin füllt danach Formulare aus, die anschließend zerknüllt und weggeworfen werden.
Soooo, Officer Flavio kommt mit den ausgedruckten Protokollen. Leider fehlt dann doch wieder etwas, er geht wieder raus zum Drucker….
4½ Stunden sind vergangen, am Ende bekommt jeder einen Stapel Papiere. Officer Flavio unterschreibt alles, unsere Unfallgegnerin auch, wir müssen nichts unterschreiben…
Alle sind die ganze Zeit ruhig, freundlich und bemüht. „Braucht ihr Wasser? Oder eine Dusche? Ihr könnt gerne mit zu uns kommen“ laden uns Pedro und seine Frau ein. Das ist unfassbar nett, aber wir lehnen freundlich ab.
Die Versicherung kümmert sich um alles weitere. Wir verabschieden uns, alles Gute!
Es ist 17:30 Uhr, um 19 Uhr wird es immer schlagartig dunkel.
Und wir machen den Kardinalfehler überhaupt: wir fahren nicht die 20 Kilometer zurück nach Bertioga und stellen uns auf den bewährten Platz. Nein, wir fahren weiter. Und wir wissen, daß das keine gute Idee ist.
35 Kilometer weiter soll es laut IOverlander einen guten Platz geben. Vergiss es! Zuerst geraten wir auf kleinste Strassen, landen dann in einem komplett überwachten Villenviertel vor einer Schranke.
Weiter….durch kleine Dörfer, durch enge Gassen. Keine Chance, Wachhäusl, Schranken, Stacheldraht und Zufahrtssperren.
Weiter, was bleibt uns übrig? Im nächsten Ort wieder alles viel zu eng, zugeparkt, voll.
Inzwischen ist es stockfinster. Beide sind wir hundemüde, Martin am Limit. Wir quälen uns vorwärts, es wird bergig. Steil bergauf, steil bergab, ohne Staudruckbremse, denn die hat den Geist aufgegeben. Aus dem Nachtdunkel kommen uns Radfahrer ohne Licht auf unserer Strassenseite entgegen, Fußgänger laufen auf der Fahrbahn. Es ist die Hölle.
Nach zunehmend verzweifelter Fahrt sichten wir von der Bergkuppe aus in Boiçucanga einen großen Parkplatz, auf dem genügend Platz für Rappelkiste ist. Hallelujah!
Die Rettung.
2½ Stunden haben wir für die 50 Kilometer hierher gebraucht.
Einparken. Dankbar, erschöpft und glücklich. Endlich Feierabend.
Kaum geparkt, hält ein Radfahrer neben uns. Martin aus Deutschland lebt seit 15 Jahren hier und hat Redebedarf.
Gut ist: wir müssen nur nicken, nicht antworten, er bestreitet den Großteil der Unterhaltung allein. Er ist supernett, gibt uns Tips zum wandern und essen gehen und so weiter. Nur sind wir halt zu müde gerade.
Ein Pärchen fragt nach einem Selfie mit Rappelkiste. Klar, machen wir…
Können wir jetzt bitte nur noch in Ruhe einen Wein trinken und diesen beschi***** Tag vorbei sein lassen?
Ja.
Morgen sehen wir weiter, liebe Grüße!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin
































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