Inzwischen wissen wir, daß jede Fahrt durch den Stadtstau ewig dauert, deshalb geht es schon früh los.
Eine Stunde stauen wir uns durch die Stadt, bis zum Museu do Amanhã, dem Museum für morgen.
An der Praça Mauà, im alten Hafengelände, steigen wir aus. Schwere, geradlinige Bauten umgeben den Platz.
An der Seite steht das MAR, das Museu do Arte Rio. Zwei Gebäude, alt und neu, verbunden durch ein gewelltes Sonnendach.
Allen gegenüber, auf´s Wasser hinaus gebaut, das Museu do Amanhã, das Museum für Morgen, entworfen von Santiago Calatrava
Ein starker Kontrast.
Vor uns streckt sich ein langgezogener, schneeweißer, Drache mit Stachelrücken und hochgerecktem Kopf.
Filigran und leicht.
Von einem Regenwasserbecken umgeben, das die Fassade kühlt und einen aquarelltürkisen Schimmer auf die Wände spiegelt
2017 wurde das Gebäude zum „Grünsten Bauwerk“ der Welt gekürt. Jede Strebe ist ein bewegliches Solarpanel.
Wir schlendern einmal ringsum. Die Luft ist deutlich kühler beim Wasserbecken. Auf dem Wasser schwebt ein Stern, dessen Oberfläche sich durch Licht und Perspektive ständig verändert.
Verschwenderisch weit hinaus ragt das Dach, nur dem Wunsch nach ausgewogener Form folgend.
Foto Stop:
Wir probieren mal eine typische Fotopose, wie man sie hier überall sieht.
Ganz spontan, locker und entspannt, aus dem Moment heraus…..
Ach nee, lieber doch anders….
Von hier aus sieht man zur Brücke, die Rio mit Niteroi verbindet. Die werden wir demnächst auch überqueren, schluck….
Nach einer kompletten Umrundung gehen wir mal rein. Das Atrium des Museums ist lichtdurchflutet, die Wände wie tektonische Erdplatten gestaltet
Unter der Decke hängt eine vier Meter große Weltkugel, die verschiedene Erdprozesse wie Meeresströmungen, CO2 Gehalt, aktuelle Hoch-und Tiefdruckgebiete in Echtzeit anzeigt.
Dieser freundliche kleine Kerl mit Mitarbeiterausweis bietet seine Hilfe zur Orientierung an. Wir lassen uns von ihm den Weg zeigen…
Ein hochinteressantes Museum über die Themen Kosmos und Erde, den Einfluss des Menschen, Zukunft, Herausforderungen und Chancen.
Der Eintritt beträgt 6,40€. Solche Preise würden wir uns für deutsche Museen auch sehr wünschen.
Heute haben wir noch sehr viele andere Besichtigungen auf der Liste, aber dieses Museum ist sicher einen Besuch wert. Vielleicht morgen….
Nicht weit entfernt befindet sich das 3000qm große Mural das Etnias, das größte Graffiti der Welt.
Ein menschenleerer Boulevard entlang der ehemaligen Hafengebäude führt dorthin, hier sollen irgendwann Ateliers und Cafés entstehen. Das wird ein buntes Viertel, kann man sich gut vorstellen.
„Todos somos um“ – „wir sind alle eins“ lautet der Titel des Murals. Von Eduardo Kobra und einem großen Team in harter Fleißarbeit pünktlich zu den olympischen Spielen 2016 fertiggestellt.
Von den einst prächtigen, leuchtenden Farben ist nicht viel übrig. Verblichen und von Bäumen verstellt fristet das berühmte Werk ein verwaschenes Dasein. Ein paar Vorher – Nachher Fotos:
Neu – und 10 Jahre später:
Verblichen wie der schöne Gedanke dahinter. „Wir sind alle eins“
Wir ziehen weiter, heute erkunden wir das Viertel „Centro“. Ein spannendes Nebeneinander von Alt – und Neubauten
Ringsum eingezwängt von breiten Strassen steht die Igreja de Nossa Senhora da Candelaria, die als eine der schönsten von Rio gilt. Die Fassade wird als eine der schönsten der Welt gepriesen ( nun, Ansichtssache….) Innen ist sie mit herrlichen Wandgemälden ausgeschmückt.
Leider ist gerade Messe, wir möchten nicht stören und linsen nur kurz durch die offene Tür.
Als nächstes wollen wir zur Igreja Sao Francisco da Penitencia, die mit einer wahren Blattgoldschwemme von sich reden macht.
Die Kirche steht versteckt hinter Bäumen, ein hoher Zaun versperrt den Zutritt, wir müssen uns im Klosterbüro anmelden für einen Besuch. Das ist uns zu umständlich und wir möchten auch keine geführte Tour.
Also lassen wir diesen Besuch ausfallen und wandern weiter zur kleinsten Gasse Rio de Janeiros.
Was soll man sagen…..
Wenn man die kleinen Gassen italienischer Städte kennt, vermag diese hier als Sehenswürdigkeit nicht recht überzeugen…
Aber dahinter liegen wunderschöne Altstadtgassen mit vielen Cafés und Restaurants. Stühle und Tische auf den Strassen, ein Ausgehviertel vom Feinsten. Überall wird getafelt, die Cariocas haben Mittagspause. Musik, lautes Geplauder, feines Essen – ein sprudelndes Viertel voller Genuss.
Wir erholen uns ein wenig von der Hitze auf einer Schattenbank im Eingang einer kleinen Kapelle.
Etwas weiter befindet sich Arco de Telles. Zuerst ein Wohnviertel für die Oberschicht, dann abgebrannt und zu einem „Ort der Verderbtheit“ mutiert. Wohnsitz von Dieben und Prostituierten, bis es abermals abbrannte. Heute beherbergt eine letzte, übriggebliebene Gasse Bars und Ateliers.
Wir wandern hinüber zum Palacio Tiradentes. Ursprünglich stand hier ein kaiserliches Parlament mit einem berüchtigten Gefängnis im Untergeschoß. Der Freiheitskämpfer Tiradentes – der Zahnzieher – saß dort drei Jahre lang bis zu seiner Hinrichtung.
1922 wurde das Gebäude abgerissen und der heutige Palacio erbaut. Die Statue von Tiradentes steht davor.
Hier schließt sich die Rua Sete de Septembro an, eine quirlige Einkaufsstrasse.
Ein enges Nebeneinander von alt und neu, so faszinierend! Uns war nicht bewusst, daß so viel von Rios Altstadt erhalten geblieben ist. Wie schön, daß so viele alte Schätze bis heute überlebt haben.
Unser Ziel ist die Confeitaria Colombo.
1894 von portugiesischen Einwanderern als Süßwarengeschäft eröffnet und 1918 komplett im Jugendstil renoviert. Schon von außen eine Augenweide.
Innen überwältigend, ein Jugendstiltraum mit Kristallspiegeln und Palisanderholzmöbeln.
Die Spiegel kamen aus Antwerpen. Was für eine Aufgabe, diese Kostbarkeiten unbeschädigt mit Schiffen hierher zu transportieren.
Über dem ersten Geschoss leuchten die Farben des Oberlichtes, Luxus und Stil bis ins kleinste Detail.
An der Kuchentheke ist es schwer, sich zu entscheiden….wir wählen Tarte Limao
Köstlich!
In den Schränken stehen die originalen Kristallgläser und edles Porzellan von Anfang des 20.Jhd.
So edel wie früher wird heute nicht mehr serviert. Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie während der Belle Epoque die eleganten Damen und Herren der Oberschicht hier gespeist haben.
Gestärkt und erholt geht es wieder hinaus ins Getümmel.
Manche der alten Häuser sind nur einzimmerbreit, alle Anfang des 20.Jhds erbaut in voller Jugendstilpracht. Wieviel Mühe sich die Architekten gegeben haben. Dahinter ragen die lieblosen Wohntürme der späteren Jahre in den Himmel.
Etwas weiter die Strasse entlang steht das königlich portugiesische Lesekabinett, 1887 eröffnet.
Gehen wir mal rein
Das ist umwerfend!
Das ist Harry Potter live!
Neben der Tür tickt laut eine Uhr, an den Tischen arbeiten ein paar Studenten. Es würde einen überhaupt nicht wundern, wenn sie Umhänge von Hogwarts tragen würden.
Ein Blick nach oben
Staunend drehen wir uns im Kreis, das Licht im Kronleuchter ändert sich
Alle Besucher flüstern, jeder Zentimeter atmet hier Geschichte, sehr beeindruckend
Völlig überwältigt verlassen wir die Bibliothek und wenden uns nach links zum Largo Sao Francisco de Paula.
Dort steht die gleichnamige Kirche, eine der größten katholischen Kirchen Rios.
Schon etwas erschöpft von unserem Rundgang bietet uns die Kirche einen Moment der Ruhe und Kühle. Der Raum ist für unseren Geschmack völlig überladen mit Steinmetzschnörkeleien. Wo immer es geht, noch ein Schnörkelchen, noch eine Verzierung mehr.
Tausende Glühbirnen stecken in den Wänden, um die Kirche abends ins Rampenlicht zu setzen.
Hinter dem Altar erhebt sich eine zehnstöckige Hochzeitstorte. Oben drauf steht Jesus, sehr effektvoll durch ein Oberlicht beleuchtet.
Auf geht´s, wieder hinaus in die Hitze…
Auf uns warten noch die Hängenden Gärten am Petrobras Gebäude, der letzte Programmpunkt für heute.
Etwas ratlos irren wir zwischen den Wolkenkratzern hin und her.
Die Gärten sind nirgends zu entdecken. Dann finden wir endlich das Petrobras Gebäude, verborgen hinter Planen und Netzen, es wird komplett renoviert. Das wird nix mit den Gärten.
Reicht uns jetzt aber auch wirklich mit Sightseeing.
Was machen wir? Zum Strand? Oder zur kleinen Bar in Lapa?
Wir waren noch nicht am Copacabana Strand. Also dort hin.
Unter Schattenbäumen laufen wir die Avenida Rio Branco hinunter, vorbei am Teatro Municipal und dem Museum der schönen Künste.
Auch hier ein Mix der Baustile. Früher waren sogar die Hochhäuser schöner.
Kurz nach 15 Uhr, wir müssen uns sputen, um 17 Uhr packen ja alle Beachbars schon wieder zusammen.
Ein Uber bringt uns hin.
Am Strand sind mit Wasser besprühte Wege angelegt, damit man bessser auf dem Sand laufen kann.
Wieder so ein großer Moment:
wir beide am Praia Copacabana!
Natürlich haben wir Badesachen im Rucksack.
Die Wellen wirken harmlos
Aber sie haben eine enorme Wucht. Von unten zieht gleichzeitig eine kräftige Strömung an den Knöcheln und versucht einen zum stolpern zu bringen und aufs Meer hinaus zu ziehen.
Ein zweifelhaftes Vergnügen. Hier spielen nicht wir mit den Wellen, sondern umgekehrt die Wellen mit uns.
Trotz ein wenig stolpern und Gegenwehr sind wir herrlich erfrischt und lassen uns im Sand nieder.
Was gehört untrennbar zur Copacabana dazu?
Caipirinha!
Ehrlich gesagt schmecken die Caipis hier etwas wässrig. Längst nicht so gut wie in Ipanema. Auch die zweite Runde von einem anderen Mixer kann nicht 100%ig überzeugen. Zudem werden wir um 10RS Wechselgeld betuppt.
Das ist nicht so schlimm, aber wir merken: Praia Copacabana ist etwas anderes als Ipanema.
Wir bleiben, bis alle zusammenräumen.
Im Untergeschoss unter dem Strand gibt es WCs. Für Leute über 60 ist die Benutzung kostenlos.
Die Sonne lässt das Copacabana Hilton in Gold glänzen.
Unser Uber braucht wie immer etwas über eine Stunde für die 10 Kilometer durch die Stadt.
Ein langer Tag im Centro mit vielen, vielen Eindrücken.
Rio de Janeiro überrascht uns, hat so viel mehr zu bieten, als Copacabana und Zuckerhut.
Tolle Stadt!
Liebe Grüße, bis morgen!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin


































































































































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