Guten Morgen neues Jahr! Guten Morgen 2026!
Eine große Nasenbärfamilie gräbt sich auf Insektensuche durch die Wiese.
Neujahrstag. Traditionell gehen wir am Neujahrsmorgen immer schwimmen. Aber hier am Rio Paraná gibt es keine geeignete Badestelle.
Kann man nichts machen….
Wir machen heute ganz ruhig. Sitzen unter der Markise, lesen, dösen, lassen den Tag vorüberziehen. Hin und wieder nieselt es.
Abends tischen wir uns unser traditionelles Neujahrsessen auf.
Das selbstgemachte Veggie-Kassler ist gut in der Pökellake durchgezogen, auf dem Kartoffelstampf schmilzt ein Stück Butter und ein Berg Sauerkraut dampft auf den Tellern. Viiiiieeeel Sauerkraut ist sehr wichtig, je mehr Sauerkraut man an Neujahr isst, desto besser stehen im Jahr die Finanzen.
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Bis zum vierten Januar dürften wir im Tati Yupi Park bleiben, aber es zieht uns weiter. Wir wollen Paraguay sehen!
Über die Matschpiste zum Tor, unzählige gelbe Schmetterlinge flattern über den Weg
In der Freiluft-Möbelbauwerkstatt wird fleißig gedrechselt. Yerba Mate wird frisch gestampft, wir haben es noch nicht probiert.
Wild sprudelt der Rio Acaray. In der Ferne ragen die Türme von Cuidad del Este empor, zum Glück müssen wir heute nicht durchs Zentrum fahren.
Stattdessen durch einen Randbezirk
Alles spielt sich draußen ab. Die Leute sitzen vor ihren Häusern, es wirkt alles sehr entspannt.
Wir lassen die Stadt hinter uns, die Strassen sind in einem sehr guten Zustand. Randvoll und schlammbraun wälzt sich der Rio Monday durchs Land. Rings um uns herum Soja, Soja, Soja.
Eine 7 Kilometer lange Piste soll uns uns zum Nacunday Wasserfall bringen. Nach den Regentagen könnte der Zustand schwierig sein, wir werden sehen.
Die Piste ist gut zu befahren, nicht zu matschig, Rappelkiste gleitet dahin…
Soja. Soweit das Auge reicht…
In Itaypyte erwartet uns ein ruppiges Pflaster, da sind die Lehmpisten angenehmer. Farbenfrohe Farmhäuser, manche stabil, andere weniger. Unter großen Bäumen sitzen Familien im Schatten, die Leute schauen erstaunt, wir winken uns zu.
Die Weihnachtsdeko aus Plastikbechern hängt niedrig, wir fürchten, sie runterzureißen. Leise klickern die Becher übers Dach.
Noch ein bißchen Piste und wir stehen vor der Schranke zum Nacunday Nationalpark
Der Eintritt kostet 20.000 Guarani pro Person, 35.000 für Rappel und nochmal 25.000 zum Übernachten. Das ist mal ´ne Ansage.
Der freundliche Ranger in dicken Socken und FlipFlops rechnet 95.000 zusammen, vielleicht gibt er uns Rabatt, ist uns recht…
Ungefähr 12,-€ umgerechnet.
„Solo effectivo!“ Nur Barzahlung, gut, daß wir schon Guarani haben.
Bis zum Wasserfall sind es nochmal zwei Kilometer.
Hinein in den Dschungel!!
Das macht Spaß! Endlich mal wieder richtige Piste fahren! Durch grüne Tunnel, Äste klatschen auf die Frontscheibe, knirschen an Rappels Seite entlang. Durch die offenen Fenster rieseln Blätter und Krabbeltiere….uäähhh….schnell wieder raus damit…..
Dicke Bambusstangen neigen sich über den Weg. Große Blätter und Zweige schränken unsere Sicht ein. Wir glitschen über die rote Pampe, sind gespannt, was uns hinter der nächsten Kurve erwartet.
Ein parkender Pkw stoppt unsere schöne Fahrt. Auf der anderen Seite zwei tiefhängende dicke Äste, denen wir nicht ausweichen können.
Und nun?
Mit Kraft und Mut geht alles. Ein Ast knallt unschön auf´s Dach. Martin bugsiert Rappel in Zentimeterarbeit präzise am Pkw vorbei. Geschafft!
Die Piste führt uns auf eine sonnenbeschienene Wiese, schief wie sau, aber wunderschön. Ein Schattenplatz ist schnell gefunden, unsere Ausgleichskeile versinken im weichen Boden. Dann stehen wir eben schief, ist auch nicht schlimm.
Man hört schon das Rauschen des Wasserfalls. Ein kurzer Wanderweg bringt uns hin. Auf dem Boden liegt eine Zirpe, leider tot, aber so können wir endlich mal eine in Ruhe betrachten.
Lautes Rauschen und Donnern, wir sind am Nacunday Wasserfall
Jetzt ist das natürlich etwas schwierig, wenn man vorher bei den Iguazu Fällen war. Da kommt kein anderer Wasserfall mit.
Aber wir blenden das aus und lassen uns auch von diesen braunen, herabstürzenden Wassermassen beeindrucken.
Wo kommt das bloß alles her? Immer wieder die gleiche erstaunte Frage…
Im Wald ist ein netter Picknickplatz eingerichtet.
Auf den Tischen wimmelt es vor Schmetterlingen
Große Malachitfalter, wunderschön
Und nicht nur auf den Tischen. Sie landen auch auf unseren Shirts und Hosen.
Und auf dem Boden.
Manche zurückhaltend in der Farbe, dafür auf das Feinste gemustert
Andere blenden uns fast mit ihrem leuchtenden Türkis
Der Wald ist erfüllt vom zirpen, knistern und knirschen der Zykaden. Ein schmaler Pfad führt hinein, vorbei an knorrigen Baumpilzen.
Die Stämme überwachsen von Moosen und Pilzen. Alabasterweiss recken sie ihre zarten Schirmchen gen Himmel.
Ein paar Meter weiter strahlt mitten in einem Sonnenfleck ein magisches Licht
Ein Einzelgänger schiebt sich unter einem Stück Rinde hervor
Für uns endet der Weg vor einer tiefen Felsspalte. Steil abwärts, nass und glitschig. Och nöö, heute nicht.
Zurück. Winzige Wasserperlen schmücken die Pflanzen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind hoch, wir wandern durch ein Dampfbad.
Wieder bei den Picknicktischen fesseln uns nochmal die bunten Schmetterlinge. Lange schauen wir zu, regelrecht gebannt von der Schönheit
Manche landen auf unseren Armen
Ein Malachit tut mir den Gefallen und landet auf meinem Finger
Unbeschreiblich schön!
Aus dem Moos neben der Rappelkiste wachsen hauchfeine Kelche. Blüte oder Pilz? Wahrscheinlich eher Pilz.
Baumfrüchte liegen neben grazilen Blattskeletten
Wir setzen uns in den Schatten, doch schnell wird es ungemütlich:
Millionen von Insekten freuen sich soooo sehr uns zu sehen!
Na bravo!
Nee, das ist nicht auszuhalten!
Da hilft nur noch unser Moskitozelt. Wir parken um, denn wir brauchen mehr Platz zum aufbauen.
So ist es schon viel besser!
Jetzt noch die Ventilatoren rein, dann ist alles perfekt!
Die Insekten tanzen jetzt draußen um uns herum, wir sitzen gemütlich bis in die Nacht.
Lauschen den Geräuschen des Dschungels und lassen den Vollmond über uns leuchten
Tja….das Blöde ist, daß wir ja irgendwann mal aus dem Zelt rausmüssen.
Darauf haben die hungrigen Insektenscharen nur gewartet.
Eine Invasion! Innerhalb von 30 Sekunden sind wir völlig zerstochen.
Nervös und leicht in Panik wegen des Überfalls rollen wir das Zelt zusammen, bauen die Markise ab und flüchten ins Auto.
Schnell, schnell, schnell!
Im Shelter hält sich immer noch die Tageshitze. Es ist unschön warm. Obendrein juckt und piekst es überall.
Leben am Limit…..
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Ein Vogel weckt uns. Er klingt wie einer dieser Elektowecker: „dididi….dididi…..dididi…..“ nonstop. Jemand hat vergessen ihn abzuschalten….
Ein paar junge Leute haben unten am Fluss übernachtet, wir plaudern morgens ein wenig. Sie heißen Hoffmann und Bergmann mit Nachnamen. „This is, what we all dream of“ sagen sie mit Blick auf die Rappelkiste.
Wir fahren heute nach Hohenau.
Dort wollen wir nach geeigneten Werkstätten suchen, denn Rappelkiste hat ein paar Wehwehchen.
Und es gibt einen Pool……..
Bis später, liebe Grüße!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin

























































































































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