Mittags rollt Rappelkiste aus dem Parque Manantial.
Es geht los! Paraguay angucken!
Als erstes steht Kultur auf dem Programm: die berühmten Ruinen der Jesuiten Reduktion von Trinidad, ganz in der Nähe.
Die Geschichte der Jesuiten in Paraguay ist hochinteressant. Die Ruinen von Trinidad sollen die schönsten sein.
Ich kann nicht genau sagen, was wir eigentlich erwartet haben, aber irgendwie …..mehr.
Mehr Ort, mehr Gebäude, mehr Geschichte, mehr, was man sich ansehen kann.
Hier stehen ein paar Grundmauern und ein, zugegeben, beeindruckender Kirchenrest.
10,-€ Eintritt soll es kosten. Für was?
Wir belassen es beim Blick durch das Tor, klettern zurück in die Rappelkiste und starten unsere Fahrt Richtung Norden.
Nicht über die gut ausgebauten PY06 und PY01. Wir wollen uns Zeit lassen und gemütlich über Landstrassen fahren.
Über paraguayische Landstrassen haben wir einiges gelesen. Bei Regen nicht mehr befahrbar, heißt es.
Aber heute glüht die Sonne.
So sieht eine landestypische Landstrasse aus:
und so
und so
Es rumpelt und scheppert, es knirscht und quietscht. Immer wieder hören wir dieses furchtbare Knallen, als ob jemand mit dem Hammer auf Metall schlägt. Was ist das bloß? Jetzt bloß nicht irgendwo liegenbleiben….
Braune Flüsse und kleine Farmen, weit verstreut.
Auch wenn es bedeutet, daß 30km/h die Höchstgeschwindigkeit ist, wir lieben diese Landstrassen ❤️
Die Landschaft erinnert uns ein bißchen an Hessen oder Oberbayern.
Hügelig und grün, nur mit Soja und rotem Lehm statt Weizen und Teerbelag
In den Örtchen ist alles mit diesen Steinen gepflastert. Wirkt harmlos, ist aber noch rumpeliger als die Lehmpiste.
Nach einer Stunde holprigem Geschwanke rollen wir unerwartet auf Asphalt. Huiiii….jetzt sausen wir dahin….
Einmal TRÖÖÖT für Gaucho Gil! Den Beschützer der Reisenden…
Das sieht doch recht gemütlich aus
Wir halten Ausschau nach einem Übernachtungsplatz, aber Paraguay macht es uns nicht leicht. Alles scheint in Privatbesitz zu sein, gesichert durch Lehmwälle oder Zäune, nirgends ein Parkplatz.
Bei einer kleinen Tankstelle halten wir und fragen, ob wir übernachten dürfen.
Claro! Hinten auf der Wiese, no problema! Welcome!
Sooo nett!
Unser erster Freistehplatz in Paraguay, umgeben von Limetten, Mandarinen und Bananen.
Nachts ist es still, am Himmel glitzern Milliarden von Sternen, direkt über uns funkelt der Orion, wunderschön…..
**********************************************************************************
Ciao, Ciao kleine Tankstelle! Muchas gracias!
Ladungssicherung auf paraguayisch, Rasenmähertransport
Da ist wohl der Sprit ausgegangen, der Mopedfahrer lässt sich ziehen
Ein erster Blick auf die Cordillera del Ybytyruzú, toller Name!
Dort befindet sich auch der zweithöchste Berg Paraguays. Der Cerro Akati mit 600 Metern Höhe.
Mmmmmmhhhh, da hängt das „lecker“ Hühnchen am Haken…wer hat Appetit auf Gockel vom Grill?
Die Essbüdchen sind der Hammer
Wir kommen nach Villarica.
Überall sitzen die Leute draußen, süffeln ihren Mate oder lassen sich frische Tereré stampfen.
Der Strassenrand ist müllig, aber das Obst und Gemüse sehen sehr gut und frisch aus
Die konfiszierten Mopeds bei der Polizeistation sind schon komplett vom Gras überwuchert…
Zur Mittagszeit erreichen wir Independencia. Eine deutschsprachige Kolonie, 1919 von Winzern aus Baden gegründet. Der Weinanbau florierte, bis bessere argentinische und chilenische Weine den Markt fluteten. Jetzt spielt Weinanbau nur noch eine geringe Rolle.
Wir wollen zu Egons Werkstatt.
„Holá??“rufen wir in die überdachte Halle.
Kein Mensch weit und breit zu sehen.
Irgendwann taucht aus den Tiefen der Werkstatt ein Mechaniker auf. Egon ist nicht da, er kommt gegen 15 Uhr.
Okay, dann warten wir. Machen Fotos. Martin von diesem Dornröschen….
ich von diesen….
15 Uhr – kein Egon. Auch um 16 Uhr nicht und nicht um 17 Uhr. Es ist heiß, langweilig und ermüdend. Martin fragt nochmal nach, no, keiner weiß, wann Egon kommt.
Mañana.
Nun gut. Suchen wir uns einen Übernachtungsplatz.
Wir fahren ein paar Kilometer zurück nach Melgarejo.
Baustellenabsperrung auf paraguayisch. Schlicht und effektiv.
Eine Gasse führt hinab zum Fluß. Rappelkiste passt gerade noch so durch.
Direkt am Ufer liegt ein romantischer, schattiger Picknickplatz.
Kühl sprudelt das Wasser über kleine Steine, ach, da werden wir uns gleich erstmal abkühlen…..herrlich hier!
Aber das Tor ist zu niedrig. Oder Rappel zu groß. Es geht nur um wenige Zentimeter, aber wir passen einfach nicht durch…
Schade…..
Am Stadtpark finden wir dann ein feines Plätzchen für heute Nacht.
Dankbar für jede Wolke, die uns etwas Schatten bringt, sitzen wir auf der Treppe
Beobachten die schönen Vögel, die über die Wiese stolzieren.
Das Abendkonzert ist mal wieder großartig!
Ton ab:
***************************************************************************************
Zweiter Versuch bei Egon am nächsten Morgen.
Egon ist nicht da. Keiner weiß, wann er kommt.
Aber Martin erreicht ihn am Telefon. Er ist bei der Ernte, kommt aber mittags rein.
Okay. Wir warten….
Um halb 11 kommt er tatsächlich, ein sehr netter Typ, er spricht deutsch. Wir schildern Rappelkistes Probleme.
Die Staubremse bekommt er hin, wir machen einen Termin für übermorgen.
Die Roststellen um die Frontscheibe könnte er schweißen, aber die Scheibe rausnehmen will er nicht. Etwas weiter ist ein Lackierer, wir sollen den fragen.
Als Tito die Scheibe sieht, schüttelt er den Kopf. Nein, das macht er nicht, wir sollen Javier anrufen. Mist, da will keiner ran an die Scheibe.
Martin macht sich Gedanken….“Wenn die Scheibe kaputt geht, hängen wir hier fest.“
Besser nochmal Elvio in Hohenau kontakten. Irgendwann muss er ja mal zurück sein aus dem Urlaub.
Wir vertagen die Scheibe.
So. Zeit bis übermorgen. Nicht weit weg ist der Salto Suizo Wasserfall.
Für Parkplatz und Eintritt werden hohe Gebühren verlangt, lesen wir. Das ist ja blöd…..
Oder zum Salto Mirian Mabel, ganz in der Nähe. Auf der Karte sieht es so aus, als könnten wir von dort auch zum Salto Suizo wandern.
Da fahren wir hin. Die ersten Kilometer so:
Dann einmal abbiegen und es wird etwas enger….mit Bretterbrücklein….
Das Brücklein trägt Rappelkiste locker hinüber, es knirscht noch nicht mal.
Ojeh, jetzt wird´s noch enger….wie kommen wir am Bagger vorbei?
Locker!
Die Gegend erinnert uns an eine Serie aus den 70ern: „Unsere kleine Farm“ und die Ingalls Familie.
Was ist denn da passiert? So kommen wir am Strommast nicht vorbei…
Eine Dose Spinat rein und schon kann ich den Pfeiler zurückschieben, bis Rappel dran vorbei ist.
Wenig später hängen Kabel zu tief. Am Wegrand findet sich ein Zweiglein zum Kabel hochhalten. Richtig viel zu tun auf der Strecke…
Das Zweiglein ist etwas zu kurz, ich klettere auf den Kotflügel, halte das Kabel hoch und Martin fährt langsam durch.
Yeah! Abenteuer!
Was kommt als nächstes?
Ein Stück Wald mit Bachdurchquerung und ein schräger dicker Ast. Martin hebt ihn übers Dach.
Noch zwei Kilometer.
Eine Minisiedlung aus vier Häusern, zwischen denen ein weiteres Tiefkabel herunterhängt.
Ein junger Mann kommt gleich herbei, klettert auf den Kotflügel und hebt das Kabel rüber.
„Buen viaje!“ wünscht er uns. Supernett, hilfsbereit, unkompliziert. Klasse!
Schließlich rollen wir auf den Camping beim Salto Mirian Mabel. Ein wunderschöner Platz mit Schattenbäumen und kleiner Kneipe.
Wir hören das Rauschen des Wasserfalls, stellen Rappelkisten auf einen Schattenplatz und schlüpfen in die Badesachen.
Eine Treppe runter, dann müssen wir über diese Hängebrücke, boah…wie das wackelt!
Das ist unser Pool…
Wunderschön! Kaltes, klares Wasser, herrlich….und ganz für uns allein….
Rings um uns herum flattern Schmetterlinge
Wir planschen, bis uns richtig kalt geworden ist.
Dann balancieren wir über die Brücke zurück, die Treppe rauf, zur Rappelkiste.
Dort packen wir frische, trockene Badesachen in den Rucksack und ziehen gleich wieder los: zum Salto Suizo.
Liebe Grüße, bis gleich!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin






























































































































Schreibe einen Kommentar