Morgens, kurz vor 8 Uhr in Melgarejo. Ein frischer, kühler Morgen.
Wir haben einen Termin bei Alex, dem Dreher.
Die Tage beginnen früh in Paraguay, alle nutzen die Morgenkühle, bevor es wieder so heiß wird.
Für das Frühstück werden die Grills angefeuert. Morgens, mittags, abends: Grillfleisch. Laut Schätzungen liegt der Verzehr von Salat in Paraguay bei einem Salatkopf pro Person pro Jahr!
Die kleinen Lädchen haben auch schon alle geöffnet.
Pünktlich stehen wir vor der Werkstatt.
Es geht gleich los, schnell wird der Selentblock ausgebaut und begutachtet.
Das Teil ist echt runtergeschrubbt.
Die Innenhülse wird nur aufgefrischt.
Der Mitarbeiter macht sich an die Arbeit, Alex passt währenddessen neue Kolben in einen Motor ein.
Zuerst das Loch für die Innenhülse, dann wird der Block auf Maß gedreht, da wirbeln die Späne
Fertig!
Schon wird das Teil wieder eingebaut. Ein kräftiger Ruckeltest……hier knallt nichts mehr! Passt!
Ungefähr 10,-€ bezahlen wir für die ganze Reparatur.
Prima!
Wir sind unterwegs zum Mbaracayu Nationalpark. Der letzte Rest des atlantischen Regenwaldes in Paraguay und eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. Hier wachsen und leben die meisten endemischen Arten dieses Planeten. Rückzugsort für Jaguare, Kaimane, Harpyen und den Glockenvogel, dem Nationalvogel Paraguays. Bewohnt von zwei indigenen Völkern, den Aché und verschiedenen Stämmen der Guaraní. Allen gemeinsam ist, daß sie den Kontakt zur paraguayanischen Gesellschaft meiden, so gut es geht.
Klingt spannend!
Extrem bedroht von illegaler Abholzung, um Flächen für Marihuanaanbau zu schaffen. Indigene und Parkranger, die sich dem entgegenstellen, werden kurzerhand ermordet.
Klingt furchtbar….
Rappelkiste gondelt auf die Ruta Nacional 13.
Heute war Schlachtetag. Am Haken baumeln die Eingeweide und der Kopf des armen Schweines. Die Metzgerin sitzt gemütlich unter den Kadaverteilen
Das Rumpelpflaster in Repatriacion rüttelt uns ordentlich durch, die Lehmpisten sind auch rumpelig, aber angenehmer zu fahren.
Das magere Hündchen will erst gar nicht aufstehen…
Immergrün und ganzjährig: der Weihnachtsbaum
Es wackelt, rüttelt und schwankt, aber es knallt nicht mehr! Hallelujah!
Da im Schatten würden wir am liebsten einfach stehen bleiben….
Aber wir rollen weiter durch die Sommerhitze…
Immer wieder eilen Tinamous über die Piste. Kurzstreckenflieger, sie heben nur kurz ab, flattern wie wild mit den Flügeln und landen sofort wieder.
Paraguay ist ein wunderschön grünes Land
Die Gebäude leuchten farbenfroh
Über staubige Vorstadtpisten nähern wir uns Caaguazu
Cuaagazu City, hier machen wir Mittagspause.
Danach sausen wir auf wunderbar glattem Asphalt dahin
Erreichen am späten Nachmittag Curuguaty.
Diese Rinnen sind noch schlimmer als die Bodenschwellen
Curuguaty besitzt den typischen Charme der paraguayanischen Städte.
Zweite Pause.
Martin sammelt neue Infos über die Attraktionen vom Mbaracayu Nationalpark…..
Oh, der Salto Karapá sieht wunderschön aus….
Es scheint, als können wir nur eine kurze, geführte Tour machen. Oder eine kurze, geführte Kajakfahrt. Oder eine noch kürzere Wanderung ohne Besonderheiten….das klingt ja nicht mehr so verlockend und spannend erst recht nicht….
Und jetzt?
Wir haben noch eine Wanderung auf einem Schluchtkamm – bei DER Hitze? – abgelehnt….
und den Salto Jaguarete mit Badepool in petto. 65 Kilometer entfernt. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, daß die Strasse dorthin eine Sackgasse ist. Das wären dann 130 Kilometer hin und zurück.
No.
Und so ändern wir mal wieder spontan Pläne und Richtung und biegen bei Paso Real ab, auf eine Piste nach Westen. Auf der Karte stehen Orte mit so schönen Namen wie Blumenort, Grünfeld oder Rosenhof. Da werden wir bestimmt was zum übernachten finden.
Die Piste ist ein räudiges, staubiges Biest. Wir schleichen und schunkeln dahin.
Na bravo! Solche Brücklein bringen immer etwas Spannung in die Sache…
Und die nächste, die sieht noch brüchiger aus….
Halten aber alle ohne knacken oder knirschen.
Halb 6 Uhr, wir erreichen einen winzigen Ort.
Ein paar Häuschen, eine kleine Tankstelle mit einem Laden, vor dem einige Männer stehen.
Hier werden wir mal nachfragen, ob wir bleiben dürfen.
„Die sind alle gleich angezogen….“ fällt Martin sofort auf. „Alle die gleichen Latzhosen und Mützen…“
Verfolgt von aufmerksamen Blicken halten wir und fragen den jungen Tankwart, ob wir hier übernachten dürfen.
Normalerweise bekommen wir immer sofort ein fröhliches: „Claro! No problema, bienvenidos!“ als Antwort.
Hier nicht.
Der junge Mann antwortet uns gar nicht, sondern ruft etwas hinüber zu der Gruppe Männer.
Die Männer sehen sich alle ähnlich. Nicht nur wegen der Kleidung. Sie sind alle blond, gleich groß, aber unterschiedlichen Alters. Vielleicht sind es Brüder.
Wir laufen rüber, kratzen unser spanisch zusammen und tragen unser Anliegen vor.
Die Antwort lässt auf sich warten. Zuerst beraten die Männer untereinander. Wir verstehen kein Wort.
„Solo una noche?“ fragt der Älteste. Ja, nur heute Nacht, morgen früh sind wir wieder weg, versichern wir auf spanisch.
„De donde son?“ woher wir kommen, lautet die nächste Frage. Alemania. Erstauntes Nicken bei allen Männern.
„Hablas ingles tambien?“ Ob wir auch englisch können? Ja, gerne können wir uns auf englisch unterhalten!
„Oder Hochdeutsch?“ fragt der Mann. Wir stutzen….“Du sprichst ja deutsch?“ rufen wir begeistert.
„Wir sprechen alle deutsch“ sagen die Männer und kichern.
Das sind ja lustige Gesellen!
Ab jetzt ist die Unterhaltung einfach. Wir dürfen uns heute Nacht unter den großen Baum stellen. Dankeschön!
Rappel ist geparkt, wir sind hundemüde, ein kühles Bier wäre jetzt toll.
Wir gehen zum Laden. Drinnen gibt es alles, was man so brauchen kann. Auch diese Latzhosen und Baseballkappen. In einem Gang räumt eine Frau Regale ein. Verblüfft bleibe ich stehen: sie trägt ein dunkles weites Kleid, ihre Haare sind verborgen unter einer weißen Haube.
Jetzt geht mir ein Licht auf! Wir sind bei Mennoniten!
Hier werden wir kein Bier im Kühlschrank finden!
Dann nehmen wir Limo, das tut´s auch. Hauptsache kalt.
Kaum sitzen wir auf der Treppe, kommt die Polizei. Zwei Beamte, sehr freundlich und interessiert stellen sie uns 1000 Fragen. Martin zeigt die Honda Dax. „OH! Honda!“ rufen sie begeistert. „Falls irgendwas ist, wir sind direkt nebenan“ verabschieden sie sich.
Ein paar Kinder kommen und schauen uns neugierig und sehr schüchtern an. Wir winken und fragen, ob wir ein Foto machen dürfen? Schüchternes nicken….
Voll süß die drei.
Einer der Brüder spannt die Pferdekutsche an.
Ist das zu glauben? Mit Pferdekutsche??
Wir sind bei den Waltons gelandet!
Die Tankstelle und der Shop schließen, zwei der Brüder fahren mit der Kutsche davon, das große Tor wird geschlossen.
Peter wohnt hier, mit seinem kleinen Sohn Eduard auf dem Arm kommt er nochmal rüber zu uns, zum plaudern. Er hat viele Fragen. Sein Plautdietsch, der deutsche Dialekt, ist nicht einfach zu verstehen.
Welche Religion wir haben? Woher in Deutschland? Ob wir mit dem reisen Geld verdienen? Wann wir morgen früh aufstehen? Er möchte uns gerne ein Getränk anbieten, aber Alkohol hat er nicht, ob wir ein Wasser möchten? Super nett!
Eine halbe Stunde lang beantworten wir alle Fragen, dann wünscht er Gute Nacht.
Gute Nacht John Boy, gute Nacht Mary Ellen…..
Bei den Waltons! Nicht zu fassen!
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Ab 5 Uhr morgens hören wir die Milchkannen klappern. Pferdegetrappel, Kutschen ziehen vorbei.
Die Tankstelle sieht aus wie auf einem Edward Hopper Bild
Es wird hell, Shop und Tankstelle haben geöffnet.
Einmal volltanken, bitte!
Mehr und mehr Leute kommen mit ihren Kutschen zum einkaufen.
Wir gehen hinüber zum Shop um uns zu verabschieden. Im Eingang treffen wir auf eine Familie, zwei Frauen, zwei Mädchen und ein kleiner Junge. Die Frauen und Mädchen alle in demselben, dunklen Kleid und großen Strohhüten. Sie würdigen uns keines Blickes, die Mädchen schauen strikt an uns vorbei, es sieht etwas angestrengt aus.
Der kleine Junge – in Latzhose versteht sich – lacht schüchtern und freut sich, als wir ihm zuwinken.
1000 Dank für eure Gastfreundschaft! Ein tolles Erlebnis für uns und vielleicht ebenso für die kleine Gemeinschaft, die wir kennenlernen durften.
Draußen sehen wir die Kutsche mit der Familie von vorhin abfahren. Das große Mädchen hebt schüchtern die Hand, schaut aber weiter konsequent geradeaus. Die Kleine sieht das und traut sich, zu winken. Wir winken zurück, auf Wiedersehen!
80 Kilometer Piste liegen vor uns. Nicht einzuschätzen, wie lange wir für die Strecke brauchen werden.
Unser Ziel ist die Laguna Blanca, dort gibt es angeblich einen schönen Badeplatz.
Na denn….bis gleich, liebe Grüße!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin































































































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