Morgenlicht über dem Rio Paraguay
Das erste kleine Fährboot kreuzt hinüber zur Flussinsel
Wir starten früh, vor uns liegen viele Kilometer, wir möchten nach Norden, zu den Lagunen in den Gran Chaco fahren.
Ciao Concepcion!
Durch leere Gassen steuert Martin die Rappelkiste zum Bäcker in einem hübschen blauen Haus.
Wir betreten einen sehr hohen Raum, meterhohe Wände mit einer hellblauen Blümchentapete, die sich an einigen Stellen löst. Dunkle Balken an der Decke, zwischen den Balken ein orange-weißes Zickzackmuster.
Durch eine offene Tür sehen wir im dämmrigen Nebenraum pralle Mehlsäcke und viele Holztreppen.
In dunklen Holzregalen hinter der Theke lagern fertig gepackte Tüten mit jeweils 10 Brötchen. Wir möchten eigentlich nicht soviel, aber das ist, was sie verkaufen. Diese Tüten. die Tüte kostet nur 5000PYG, noch nicht mal 70 Cent, wir nehmen sie mit. Und noch 4 Madalenas dazu. Der Patron thront hinter der Kasse von 1930 und kassiert.
Jetzt heißt es für mich wieder: Zähne zusammenbeißen….denn es geht steil hinauf, auf die Nanawabrücke über den Rio Paraguay.
50 Meter hoch! Der Horror für mich!
Martin bleibt da ganz ruhig, ein Glück!
Eine ewig lange Baustelle bremst unsere Fahrt. Wir essen unsere Madalenas, sie schmecken wie Honigkuchen mit Rosinen, sehr lecker!
Links und rechts der Piste wächst ein dichter Palmendschungel.
Der Boden zwischen den Büschen ist nass, sumpfig, voller Wasserlöcher. Der Wald undurchdringlich, hier kommt man nur mit Machete durch. Wie haben sich wohl die „Entdecker“ gefühlt, als sie sich durch solche Wälder gequält haben? Schweißtriefend, zerstochen von unzähligen Insekten. Ohne zu wissen, wo oder wann sie wieder rauskommen….oder ob sie das überhaupt überleben….
Endlich wechselt es auf Asphalt, nun sausen wir dahin, können Strecke machen.
Ein Steppengrasfeuer, mit Absicht gelegt, daduch soll sich die Grasqualität verbessern…
HUST! Fenster zu!
Oh mann, ist das langweilig…..kilometerlang geradeaus…..gähn…..
Und schon ist es vorbei mit dem Sausetempo, zurück zum Schneckentempo.
Holpern, über einen Mix aus Rumpelrüttelpiste, Asphaltflecken und Schlaglöchern….
es ist unglaublich heiß, wir schütten Liter um Liter Wasser in uns hinein…
Hah! Fester Boden unter den Reifen!
Schnurgeradeaus. Mit Kurven hat man es hier nicht so….
Es wäre dringend Zeit für eine Pause. Bei einer kleinen Tanke gibt es endlich die Gelegenheit. In der Karte ist extra ein Hinweis eingetragen: sie verkaufen Alkohol!
Das kann nur eines bedeuten: wir sind wieder in Mennonitenland.
Als wir in den Shelter klettern, machen wir eine unschöne Entdeckung: die Rüttelpiste hat ein paar Schrankriegel geöffnet. Überall sind Gewürze verstreut, Scherben liegen auf dem Boden, Kleiderschränke sind entleert. Eine Riesensauerei.
Zwei Stunden später sind wir wieder unterwegs, immer schön geradeaus. Immer tiefer hinein in die Weiten des Chaco.
Gran Chaco klingt abenteuerlich, nach wildem Westen…..Schilder warnen vor Jaguaren und Mähnenwölfen. Die würden wir sehr gerne sehen.
Ein langer, ermüdender Fahrtag. Schon 16 Uhr. Wir verlassen die Ruta PY09 und biegen ab auf eine Piste Richtung Osten.
Bei der ersten Gelegenheit wollen wir für heute Feierabend machen.
Bis zu den Lagunen ist es noch ziemlich weit. Die salzige Wasserlandschaft soll ein Vogelparadies sein. Und es soll Tapire und Ameisenbären geben, vielleicht sehen wir welche.
Zunächst sehen wir nur die Überreste eines großen Gürteltieres
Ein Paratodo-Baum. Oder ein Lapacho. Beide haben sehr hartes, widerstandsfähiges Holz
Die Piste ist fest und lässt sich sehr gut fahren. Aus dem dichten Gebüsch fliegen Vögel auf, sausen von links nach rechts über den Weg. Mächtige Schwarzbussarde kreisen über uns.
Eine ¾ Stunde sind wir schon auf der Piste, gerademal 23 Kilometer haben wir zurückgelegt. Wir sind hundemüde, die Hitze setzt uns zu und kein einziger Platz zum Übernachten in Sicht….
Entweder ist alles dicht zugewachsen oder eingezäunt.
Ein Holzbrücklein trägt uns ohne zu klagen über einen Salzfluss
Hier ist es schön!
Martin hält am Pistenrand, ich checke die Lage.
Der Untergrund ist rissig, salzkrustig. Unter der Kruste weich und instabil. Mit Rappels Gewicht werden wir einsinken.
Was sind denn das für interessante Tierspuren…..
Tapir!
Ich bin ganz aufgeregt….Tapir!
Aber Tapir hin oder her, ein Nachtplatz ist das Flussufer nicht.
Wir ziehen weiter………
Große Vogelnester hängen in den Bäumen. Heurollen stecken in Netzen mit den Nationalfarben. Kraftstrotzende Zeburinder trotten über die Weiden. So ein Bulle bringt 200-300 Kilo auf die Waage.
Kilometer um Kilometer….Zäune. Ganz Paraguay scheint in Privatbesitz zu sein.
Flaschenbäume säumen die Piste. Samu´u oder Palo Boracho genannt, die Wahrzeichen des Gran Chaco in Paraguay. In den dicken Bäuchen speichern sie Wasser.
Wir haben uns schon damit abgefunden, im nächsten Ort am Sportplatz oder an einer Tanke zu übernachten, als wir die Zufahrt zu einer Lagune entdecken. Ohne Zaun!
Der Untergrund ist fest! Hocherfreut bringt Martin unsere Rappelkiste in Parkposition.
Endlich angekommen!
Zwei Stunden haben wir für die 52 Kilometer Pistenfahrt hierher gebraucht.
Nach einer kurzen Pause repariert Martin, schon wieder energiegeladen, unser Fenster. Es lässt sich nur noch mit Gewalt schließen.
Startfreigabe für die kleine Fliegerin.
Von der Lagune ist nicht viel übrig. Wir sind mitten in der Regenzeit, die Lagunen müssten eigentlich gut gefüllt sein.
Aber es scheint ein Trockenjahr zu sein.
Um 19Uhr20 geht die Sonne unter. Dafür sind wir ehrlich dankbar….
Vogelschwärme suchen ihre Nachtplätze auf
Liebe Sonne! Du kannst gerne morgen etwas später aufstehen. Lass dir ruhig etwas Zeit! Oder bring doch ein paar Wolken mit….
Jetzt kühlt es endlich ein wenig ab. Ein leichtes Lüftchen kommt auf. Wir bleiben noch lange draußen, im Shelter hält sich eisern die Tageshitze.
Ein außergewöhnlich schöner Sternenhimmel glitzert über uns
Wir bleiben auf jeden Fall morgen hier stehen und erholen uns vom langen Fahrtag.
Bis dann, liebe Grüße!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin
























































































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