Paraguay – „El cable se rombe!“ Pisten und Kabel – Zum Salto Mbocaruzú und in den Ybycui Nationalpark 09.02.2026

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein, Archiv, Paraguay | 0

Die angenehmste Zeit ist morgens zwischen 4 und 8 Uhr. Da kühlt es merklich ab und wir können endlich richtig schlafen.

Nach 8Uhr wird es schnell wieder schwülwarm.

Rappelkiste ist startklar, wir wechseln heute die Wasserfälle: vom Salto Cristal zum Salto Mbocaruzú.

Die Schwimmwesten hängen zum trocknen auf der Leine, Lifeguards sind wohl nur am Wochenende unten am Salto

Eine halbe Stunde Fahrt auf dem Weg zurück, den wir schon kennen,

dann kommt der Abzweig auf unbekanntes Terrain. Weichsandig, aber gut zu fahren.

 

Wir nehmen eine Abkürzung, die nicht auf unserer Karte eingezeichnet ist, aber von der Richtung her zu stimmen scheint.

Passt, wir sind auf Kurs.

Schattiger Wald und ein großer See. Sofort halten wir Ausschau nach einem Badeplatz, aber der See ist komplett eingezäunt, keine Chance..

Wieder ein Abzweig, die Piste wird rumpeliger

Über ein Viehgitter rollen wir auf das Gelände einer Estancia

Kurz darauf das zweite Tor, weit offen, wir rollen durch.

Gauchos kommen uns entgegen, grüßen freundlich. Rappelkiste stoppt und wartet, damit sich die Pferde nicht erschrecken

So, da hängt das erste Tiefkabel. Ich hebe es mit unserem neuen Stecken über den Steyr.

Top ausgerüstet heute!

 

Eines dieser feinen Brücklein, auf das Rappelkiste geradeso draufpasst….

Es poltert, aber die Bohlen sind stabil wie Stahlbeton….

 

Neugierig beäugt von Rind und Pferd schaukeln wir weiter….echt heftig, das geht langsam auf´s Genick, unsere Köpfe wackeln hin und her

Jetzt wird´s richtig räudig. Immer wieder schlägt unser Koffer weit aus….

Fordernd für Mensch und Material, aber macht Spaß

Ein drittes Tor, diesmal geschlossen. Und sehr eng. Passen wir da durch?

Ausprobieren….

Laaangsaam…

Wie für Rappel gemacht.

Dahinter halten uns ein paar weitere Tiefhängkabel auf.

Wir sind nur noch 8 Kilometer vom Salto Mbocaruzú entfernt, kurz vorm Ziel.

Das nächste Kabel…..diesmal doppelt. Wieder anhalten, Stock nehmen, hochhalten

Kaum berühren sich die beiden Kabel, stieben Funken in alle Himmelsrichtungen……….

Verdammt! Die Kabel sind nicht isoliert!

Was für ein Schreck!

Da können wir nicht drunter durchfahren. Was nun?

Ein paar Männer kommen dazu. „Muy peligroso!“ werden wir gewarnt. Ja, das haben wir gemerkt!

Wir fragen, ob noch mehr so tiefe Kabel kommen?

Der Mann spricht sehr schnell, ich verstehe nur „ultimo“. Das heißt: „letzte“

Das wär ja super! Dürfen wir über die Wiese fahren? Dann könnten wir das Kabel umfahren.

Erst heißt es „No!“ – dann dürfen wir doch.

Martin steuert Rappel auf das dichte Grasland.

Zu unserer Überraschung ist der Untergrund nass und pampweich. Nicht so schlimm, Rappelkiste schafft das locker.

Einen Wall hinauf und wir stehen wieder auf der Piste.

Wär ja auch zu blöd, wenn wir so kurz vorm Ziel nicht weiterkämen und umdrehen müssten.

Nur 100 Meter weiter befinden sich ein paar Farmhäuser

Und direkt neben den Farmhäusern hängt ein straff gespanntes dickes Kabel. Viel zu tief für Rappelkiste.

Verdammt.

Hochdrücken geht nicht.

Martin geht über die Wiese. Hier könnten wir das Kabel hochhalten, aber nicht hoch genug. Der Stecken ist zu kurz.

Aber wenn ich während der Fahrt auf dem Kotflügel stehe, ginge es.

Der Farmer von vorhin kommt zu uns und überschüttet uns mit einem Wortschwall. Wir verstehen nur: „cable se rompe!“und „muy caro!“ => Kabel kaputt und sehr teuer. Der Ton ist nicht freundlich.

Wir dürfen nicht über die Wiese.

Okay….hier wird uns niemand helfen. Das ist neu für uns, das haben wir noch nicht erlebt bisher.

Nützt nichts.

8 Kilometer vor dem Wasserfall und wir müssen tatsächlich umdrehen. Verfluchte💩 😩😖👎

Kurz rutscht die Laune in den Keller, denn für die 10 Kilometer hierher haben wir 1½ Stunden gebraucht.

 

Alles wieder zurück.

Über die Wiese, die Rumpelpiste bergauf und bergab

Wieder schlägt der Koffer weit nach rechts und links aus…

Kabel werden hochgehalten

Die Brücke hält ein weiteres Mal dem Rappelgewicht stand

An der Kreuzung beim See halten wir.

Der Salto Mbocaruzú ist also abgehakt.

Und jetzt?

Neues Ziel: zum Ybycui Nationalpark.

Auf der Piste links könnten wir den Weg nach César Barrientos abkürzen…..

Statt 26 Kilometer würden wir nur 9 Kilometer fahren. Klingt verlockend.

Wir probieren es und nehmen den Weg durch den Wald. Sieht gut aus….

Aber bald entwickelt sich das hier eher zu einem Wanderweg….Es wird enger und enger….

 

 

Wir zögern….Macht das hier Sinn? Oder werden wir hier auch gleich steckenbleiben?

Schluss mit den Experimenten! Umdrehen!

Beim wenden biegen Äste den Außenspiegel nach vorn, Martin muss erstmal alles wieder richten.

Zurück auf die altbekannte Strecke!

Ohne neue Überraschungen gondeln wir zurück zur Ruta Nacional 18.

Biegen gleich wieder ab nach César Barrientos, diese Piste fahren wir jetzt zum zweiten Mal….

Vorbei an den kleinen Lädchen und bunten Farmhäusern.

Hinter César beginnt Neuland für uns.

Tempo 40, hahaha….schön wär´s! 18km/h beträgt unsere Höchstgeschwindigkeit….

Schöne Farben: der Kontrast vom Wiesengrün zu den roten Lehmpisten. Das Glitzern der Bäche und das Spiel der Wolken mit Licht und Schatten…

Wir kreuzen eine andere Zufahrt zum Salto Mbocaruzú. Na? Nochmal probieren? Nein, keine Lust mehr auf Testfahrten und Tiefhängekabel….

Zwei Stunden sind wir jetzt seit dem Wendepunkt unterwegs….es wird mal wieder ein unerwartet langer Fahrtag.

10 Kilometer südlich von César sehen wir im Wald das Rangerhaus und die offene Schranke zum Ybycui Nationalpark.

Keiner da, das Haus ist leer.

Auf diesem Weg scheinen nicht viele Leute in den NP einzufahren.

Nun denn….wir schon….

Schnell wird die Piste holperiger, hier fährt definitiv kaum jemand durch…

Hauptsache, der Weg bringt uns wirklich zu den Wasserfällen im Ybycui NP. Inzwischen sind wir etwas mißtrauisch, was die Zielgenauigkeit der paraguayischen Pisten betrifft.

Immer tiefer in den Wald hinein….

Dann beginnt es zu regnen…das der Untergrund jetzt auch noch lehmig-schlammig wird, hat uns noch gefehlt. Wir brauchen eine Pause und finden eine kleine Haltebucht. Hier könnten wir auch übernachten, falls es länger regnen sollte.

Aber das Glück ist mit uns, es hört gleich wieder auf zu tröpfeln, wir können weiter über Felsstufen, Rinnen und Löcher rumpeln

Eine Stunde sind wir seit dem verlassenen Rangerhaus unterwegs, da entdecken wir ein parkendes Auto.

Zurück in der Zivilisation!

Vor uns liegt eine große Wiese. Hinweisschilder zeigen den Weg zum Salto Mina, wir sind genau richtig rausgekommen!

Ein freundlicher Ranger kommt rüber zu uns. „Dürfen wir hier campen?“ fragen wir hoffnungsvoll.

„Si, claro!“

Diese Erleichterung!

Übernachten mit Rappelkiste kostet 35.000PYG pro Nacht( 4,93€)

Für uns beide kommen noch einmalig 40.000PYG ( 5,64€) Parkeintritt dazu. Voll okay.

Der Fluss und der Salto sind 100 Meter zu Fuß durch den Wald.

Badesachen an und los.

Über flachgewaschene Felstreppen fließt herrlich kühles Flusswasser. Zum schwimmen zu niedrig, aber zum reinlegen perfekt….

Tut das gut nach dem langen Fahrtag in dieser Hitze!

Flussaufwärts sitzen ein paar Leute im Wasser

Wir steigen ein paar Treppenstufen hinab zum Salto Mina.

Phänomenal!

Feste Sandboden, langsam wird es tiefer, bis man nicht mehr stehen kann.

Planschen, schwimmen, glücklich sein…..

 

Ein paar andere leute sind auch hier und natürlich hat jemand eine BoomBoomBox mit ans Ufer geschleppt, aber die Salsamukke läuft nur leise. Eigentlich ist es hier nämlich verboten, Musikboxen mitzubringen….So leise ist es ganz nett…

Irgendwann wird uns das Wasser zu kalt –> zu kalt! Ein tolles Gefühl!

Wir laufen nach Hause.

Über unseren Köpfen sausen Libellen hin und her und jagen die Mosquitos.

Ein anstrengender Tag. 70,5 Kilometer Rumpelfahrt haben wir heute zurückgelegt , dafür haben wir 5½ Stunden gebraucht.

Es hat sich gelohnt, hier ist es so schön, hier bleiben wir erstmal….

Liebe Grüße, bis morgen!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

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