Die Rappelkiste im Wellnesshimmel und Meer

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Am Montag telefonieren wir mit Dani, dem Steyr Spezi in der Schweiz. Er lädt uns gleich für den nächsten Tag in seine Werkstatt ein. Hoffentlich kann er unsere Schieflage richten. An der schweizer Grenze holen wir uns den Stempel auf das Formular 56.96, das die Rappelkiste von der Autobahnmaut befreit. In Kappel angekommen, stellen wir uns vor das große Werkstatttor. “ Wir suchen den Steyr Spezi, sind wir hier richtig?“ Unser Gegenüber schüttelt den Kopf, schmunzelt dann aber. Das ist Dani. Er wirft einen ersten Blick auf die Rappelkiste und sagt: “ das kann nichts Schlimmes sein…“ Erstmal Kaffee/ Tee trinken und plaudern. Nach einer guten halben Stunde manövriert Martin unseren Lkw in die Werkstatt, dort wird der Wagen genauestens von unten inspiziert. Und inspiziert….Die gute Nachricht ist: keine Feder gebrochen! Allerdings sind die Federn auf der einen Seite etwas schlapp und könnten Verstärkung gebrauchen. Das muß aber nicht jetzt gemacht werden. Mit etwas Umsicht können wir auch im Gelände fahren. Aber da wir schon mal hier sind, schlägt Dani vor, daß Martin alles gründlich abschmiert. Gute Idee! Beide robben mit Fett bewaffnet unter dem Steyr herum, schmieren hier mit schwarzem, dort mit blauem Fett, die Handbremse wird nachgestellt und noch eine Kleinigkeit und noch eine…..die kleinen Blinklichter auf den Kotflügeln funktionieren jetzt auch wieder. Die Rappelkiste wird rundum verwöhnt – das ist keine Werkstatt – das ist ein Wellnesshimmel! Abends um halb 7 ist Feierabend. Wir können auf dem Gelände übernachten.

Fazit: Jeder Steyr ist hier sehr gut aufgehoben! Obendrein trifft man sehr nette, freundliche Menschen, gesegnet mit einem ganz speziellen Humor!

Für uns geht`s weiter nach Frankreich, wir suchen den Frühling und wärmere Temperaturen. Bei Cruseilles biegen wir ab und parken oberhalb von einem See, die Sonne scheint und außer uns ist hier nur eine ältere Dame unterwegs. Wir holen die Liegestühle und den Rotwein und wollen noch etwas in der Sonne sitzen. Die ältere Dame spricht uns an. Wie sich herausstellt: eine Umweltaktivistin. Es beginnt ein interessantes Gespräch in vier Sprachen. Französisch,Englisch,Deutsch und Handundfuß. Sie erklärt uns alles über eine seltene Krötenart, die sich jetzt hier zum laichen trifft und preist die Spezialitäten der Savoien an. Besonders den Coeur de Savoie, einen Bergkäse. Nach ca 20 Minuten verabschiedet sie sich, sie muß weiter Kröten über die Strasse tragen. Es wird auch kühl, wir gehen rein. Eine halbe Stunde später klopft es an der Tür. Die freundliche Dame ist wieder da und hält mir ein großes Stück Käse entgegen! Als Geschenk! „Coeur de Savoie! Cadeau,bon apetit!“ Wir sind total gerührt! Ist das nicht unglaublich nett? Und köstlich!!! Wirklich sehr gut!

Der nächste Morgen: es regnet in Strömen! Wir fahren nach Süden über die Landstrasse ins Isèretal. Eigentlich müssten wir abbiegen, doch ein Schild verbietet alles über 7,5 t. Wir nehmen den nächsten Abzweig, die Richtung stimmt ja. Und landen auf einer schmalen, einspurigen Bergstrasse! Hier sollte uns möglichst niemand entgegen kommen. Es geht in engen Kurven steil bergauf und bergab, es ist wunderschön hier! Vereinzelt taucht ein Bauernhof auf, sehr einsam hier oben gelegen. Der Regen betont den leicht vermoderten Charme der französischen Häuser. Schließlich landen wir tatsächlich wieder auf der richtigen breiten Landstrasse. Frankreich: das Land der Kreisel und Überlandtelefonleitungen!

Die Suche nach einem Übernachtungsplatz führt uns nach St-Martin-de-boulogne. Das Werbeschild der hiesigen Bar hat uns überzeugt: „le chat vert“ – die grüne Katze. Wir stehen auf einer Wiese vor der kleinen Ortschaft, von hier aus könnte man sehr schön wandern. Wenn es nicht so regnen würde…..Stattdessen schauen wir uns lieber die grüne Katze von innen an. Eine alte, schwere Holztür führt direkt in den Raum, große unebene Steinplatten auf dem Boden, dunkle Holzbalken über uns und mittendrin ein nach allen Seiten offener riesiger Kamin. Es ist fantastisch! Bei einem Glas Rotwein beschließen wir, morgen hier zu bleiben. Nachts lässt dann auch der Regen nach.  Wir verbringen den Tag mit Arbeiten an der Rappelkiste. Es gibt immer noch etwas zu bauen und fertigzustellen. Abends gehen wir wieder auf ein Getränk in die grüne Katze. Ein Stammgast spricht uns an: woher, wohin etc. Sein Kumpel unterbricht und sagt: „das sind die Beiden mit dem LKW“! – „Oh, le camion rouge, der rote camion!“ Alle wollen jetzt etwas über die Rappelkiste wissen! Wir unterhalten uns mit der halben Bar, bekommen viel Rotwein ausgegeben und als wir uns schließlich verabschieden, bezahlen wir im Vergleich zu gestern erheblich weniger! Vive la France!

Es regnet wieder, als wir morgens aufbrechen. Noch ein Tag auf der Landstrasse. Wir wollen zu unserer bevorzugten Winzerei nach Richerenche in der Provence. Seit vielen Jahren sind wir dort schon Kunden. Dort angekommen werden wir wie immer sehr ausführlich beraten, probieren den vorzüglichen Wein, kaufen ein und übernachten gleich da auf dem Parkplatz.

Es ist Sonntagmorgen. Wir sind in St-Paul-trois-chateaux und laufen durch die verwinkelten Gassen zum Bäcker. Die Glocken der mittelalterlichen Kirche läuten, die Leute stehen davor und plaudern, die Sonne scheint. Die Bäckerin hat ihr schlafendes Baby im Tragetuch dabei und bedient die Kunden. Es duftet herrlich nach Croissants! Wir kaufen welche und knuspriges Baguette.

( Martin sagt, das war ein Rosamunde-Pilcher-Absatz…..)

Jetzt aber wirklich ans Meer! Zwischen Sète und Agde kennen wir einen Stellplatz direkt am Strand, da wollen wir hin. Nach einem langen Fahrtag kommen wir an und suchen uns einen Platz mit Meerblick. Der Mistral bläst, aber wir können im Windschatten vom Lkw sitzen. Hier würden wir gerne ein paar Tage bleiben, aber wir müssen dringend waschen und unser Internetkontingent ist verbraucht. Also brechen wir am nächsten Morgen wieder auf, um alles zu erledigen. Wir fahren nach Agde. Martin hat hier die Sommer seiner Kindheit verbracht und wir waren schon oft gemeinsam da. Aber nie mit der großen Rappelkiste. Nach über einer Stunde geben wir die Suche nach einem zentrumsnahen Parkplatz auf. Es ist schon spät, wir wollen aber in Agde übernachten. Also doch hoch zum Hyper U, dem Supermarktparkplatz. Echt nicht schön, aber mit Waschsalon. Die Wäsche erledigen wir schon mal. Wir wollen gerade anfangen zu kochen, als es an der Tür klopft. Der Mann von der Securité, hier dürfen wir nicht übernachten. Ich frage ihn, wo wir hin können, die Campingplätze sind ja noch geschlossen?! Ah, er weiß Rat! Gleich ein paar Meter weiter, vor die große Autogarage, die öffnen erst morgen früh um 8 Uhr wieder, das ist kein Problem und er guckt auch auf seiner Runde nach uns! Na, das ist doch ein Angebot! Wir parken um. Hier ist es auch nicht schön, aber wir verbringen eine ruhige und gut bewachte Nacht.

Morgens finden wir in Marseillan einen Automaten, wo wir eine Internetsimkarte kaufen können. Wir parken in einem ganz entzückenden Hafen, sollen wir hier bleiben? Nein, wir fahren zurück zum Strandplatz und richten uns hier für ein paar Tage ein. Bald müssen wir uns entscheiden, ob wir nach Andorra zurück in den Winter zum skifahren gehen oder weiter Richtung Süden…….

bis bald!

Julia & Martin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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