Saudi Arabien: Das Musikfestival in Hofuf 20.12.2022

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Nur 850 Meter Fußweg sind es von der Rappelkiste bis zum Qaisariah Souk. Dort findet ein Musikfestival statt. Durch schummrige Gassen wandern wir los. Die Häuser sind alt, niedrig und haben kaum Fenster.

An der Hauptstrasse leuchten die Schaufenster kleiner Lädchen. Die Regale sind bis unter die Decke gefüllt mit gebrauchten Ersatzteilen für alles.

Hier wird repariert und recycled, jedes Teil mehrfach genutzt, sogar stromlose, uralte Singernähmaschinen kann man hier erwerben. Toll!

Auf dem zentralen Platz in Hofuf geht´s hoch her. Lichter, Leute, lachen und Stimmengewirr. Edle Restaurants bereiten sich auf die Abendgäste vor, im Hintergrund singt leise der Muezzin.

Alle Geschäfte sind geöffnet, es wird flaniert. Schmale Verkaufsnischen, jeder Zentimeter wird ausgenutzt, um Ware anzubieten. Hülsenfrüchte, daneben Parfüm, daneben Olivenöl, daneben Schuhe, dieses Schlappenmodell ist sehr beliebt bei arabischen Männern.

Viele Caféstühle sind besetzt. Zum Kaffee trinken wird kurz der Schleier gelupft

Wir sind die einzigen Touristen und werden interessiert beobachtet. Vor allem die Frauen sind sehr offen, winken mir zu, lächeln mit den Augen. Kaum sitzen wir auf einer Bank, setzt sich eine junge Frau neben mich und fragt mich aus. Woher? Wohin? Wie lange in Saudi Arabien und so weiter. Sehr freundlich….

Rechts führen Gassen hinein in den Souk. Kleidergeschäfte. Vor den Läden hängen Bisht, die traditionellen Männergewänder und Mäntel für Frauen, bunt, bestickt und bodenlang, manche aus dünnen, fein wehenden Stoffen, andere festgewebte, dicke Wintermäntel

Die schwarzen Abaya Geschäfte daneben ein krasser Gegensatz

Der Souk umfasst die Altstadt. Sorgfältig restauriert wölben sich die Lehmwände der Häuser in die schmalen Gassen, frisch gestrichen, alles sehr sauber, kein Staubflöckchen

Zurück zum Platz, dort spielt der erste Musikant.

Rhytmisch begleitet von Iphone und Miniboombox zupft er sein Oud. Er spielt hochkonzentriert, ohne eine Miene zu verziehen. Kein Fuß wippt im Takt, es bewegt sich nichts außer den flinken Fingern. Faszinierend….eine Musikmaschine…..da! Jetzt hat er sich bewegt!

Aus einem umzäunten Karree etwas weiter weg ertönt Trommel und Sprechgesang. Männer sitzen im Kreis, einer von ihnen läuft außen um den Kreis herum mit einem Tüchlein in der Hand. Plötzlich lässt er das Tüchlein in den Schoß eines Sängers fallen und es beginnt eine wilde Jagd, immer um in die Gruppe herum, hin und her, bis er den frei gewordenen Platz bekommen hat. Die Zuschauer lachen und applaudieren, der nächste ist dran,

Wir wandern zur großen Bühne. Eine Tanzgruppe führt einen Schwertertanz auf. Hell blitzen die Säbel.

Martin setzt sich an einen Kaffeetisch, ich geh weiter vor, der Mann am Eingang winkt mich hinein hinter die Absperrung, ich soll näher an die Bühne.

Hinter mir sammelt sich der schwarze Block

Die Leute sind freundlich, lustig und offen, eine sehr angenehme Atmosphäre, macht Spaß!

 

 

Martin hat auch schon Gesellschaft, ein Mann hat sich einen Stuhl herangezogen, den Arm vertraulich um Martin gelegt und fragt ihn aus. Seine Familie knipst 100 Fotos.

Langsam wandern wir zurück, setzen uns nochmal auf eine Bank. Eine Frau setzt sich dazu, kramt in ihrer Handtasche und bietet mir ihr Parfüm an. Will sie mir damit etwas sagen? Nein, es ist sicher nur sehr nett gemeint, ich probiere…Jetzt dufte ich nach einem schweren, orientalischen Parfüm.

Auf der einen Seite des Platzes sind die Kaffee- und Essenstände, umringt von Menschen. Ein junger Mann fragt, ob er uns etwas zu essen kaufen darf. Huch, wie nett! Leider gibt es nur Fleischgerichte, wir lehnen vielmals dankend ab. Martin erklärt ihm, daß wir kein Fleisch essen. „Ah! No problem!“

Zwei Frauen am Kaffeetisch lächeln herüber „Welcome!“

Eine wunderbar entspannte und fröhliche Stimmung auf dem Musikfestival, wir genießen das sehr.

Durch das bunt angestrahlte Tor verlassen wir schließlich das Fest, laufen durch eine hell erleuchtete Einkaufsstrasse mit Cafés.

dann wieder entlang der Gebrauchtwarenläden an der Hauptstrasse, total faszinierend, was dort alles angeboten wird.

hinein in immer stillere Seitengassen

Wir haben Hunger, in einer Bäckerei erstehen wir für ein paar Pfennig frisches Brot. Der Ofen erinnert uns an das großartige „Klatschbrot“ in Georgien, das war so gut!

Dieses hier ist zwar frisch gebacken, aber ungesalzen und ziemlich fade…..

Immer ruhiger werden die Gassen,

dann blitzt vor uns, hell und sauber wie ein frisch geputzter Leuchtturm, die Moschee – wir sind zuhause

Ein Tag in Hofuf voller Erlebnisse. Die Wanderung durch die Höhlen vom Jebel Al Qarah und dann Musik und Tanz….ein toller Tag!

Gute Nacht!

Bis dann, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

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