Apt in der Provence

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein | 0

Klickt auf das Bild für den ganzen Text!

 

 

Die Provence im Sommer mit ihren leuchtenden Lavendelfeldern! Wir sind seit vielen Jahren immer im Frühjahr hier gewesen, jetzt zum erstenmal im Sommer und es ist herrlich! Die Landschaft flimmert in der Sonne, aber die Hitze ist gut auszuhalten. Die Zikaden veranstalten einen unglaublichen Lärm, manche nennen dieses Geräusch „Zikadengesang“, das können wir nicht ganz nachvollziehen. In der Abenddämmerung wird es Stück für Stück weniger, bis auch die letzte Zikade schlafen geht, dann ist es plötzlich sehr still…..

Auf der Fahrt nach Apt halten wir in St. Gilles, das Anbaugebiet Costières-de-N´ìmes produziert hervorragende Weine und wir kaufen immer gerne bei der Cooperative in St. Gilles ein wenig Vorrat für zuhause.

In Apt angekommen richten wir uns auf einem Schattenplatz auf dem Camping municipal ein, heute unternehmen wir nicht mehr viel, der Fahrtag war lang und ermüdend.

Eigentlich ist auf einem Campingplatz immer Waschtag angesagt. Es ist nicht zu übersehen, das der Camping ein wenig verkommt. Die einst bunten Blumenbeete sind vertrocknet, die Stellplatzwiese schon lange nicht mehr gemäht und verdorrt. Die Äste der Bäume ragen ungeschnitten weit in die Stellplätze und das Schlimmste: die Waschmaschine ist nicht mehr da! Die Duschräume waren noch nie luxuriös, aber nun werden defekte Armaturen wohl auch nicht mehr repariert. Aber es ist nach wie vor sehr sauber.

Wir schlendern durch die Altstadt von Apt mit ihren schattigen, engen Gassen und hohen Häusern. Kaufen herrlich knisprige Croissants, luftig wie Wolken! Wie jedesmal gehen wir beim Töpfer vorbei und erstehen ein paar von seinen leuchtend bunten Tassen. Vorm „Le Troquet“ sitzen wir unter Platanen und trinken Kaffee, der Wirt ist ein lauter, lustiger Vogel. Dann ziehen wir weiter an den vielen kleinen Geschäften vorbei, die die Altstadt beleben. Unsere Lieblingsbar „Le Marigny“ ist geschlossen, hier hat uns jedes Jahr Samu, der Wirt sofort wiedererkannt und äußerst großzügig bewirtet. Letztes Jahr hatte er bereits angekündigt, daß er schließt, so ist es keine Überraschung aber etwas wehmütig denken wir an die schöne Zeit zurück. Den ganzen Nachmittag verbringen wir in der Stadt, bleiben lange vor einem kleinen „Tabak / Presse“ sitzen und sehen den anderen Passanten zu.

   

Zum Essen kehren wir zum Campingplatz zurück. Um 22 Uhr wandern wir nochmal los zur Bühne, die anlässlich des Nationalfeiertages auf dem großen Parkplatz aufgebaut ist. Hier spielt eine Coverband, ein paar Kinder tanzen, die Leute sitzen herum, die Stimmung ist etwas lahm, wir bleiben nicht so lange.

Samstag, der große Markttag! Für uns findet hier der schönste Markt statt, den wir kennen! Die gesamte Altstadt ist gesperrt und überall sind Stände aufgebaut. Hier verkaufen die kleinen Produzenten aus der Region, es gibt alles, die typischen Seifen, getöpfertes oder aus Olivenholz geschnitztes Geschirr, provencalische Stoffe, die unverwechselbaren Patchworkdecken, leichte Sommerkleider       

 

jede Menge unterschiedliche Würste, Tapenaden, Honig, manche bieten nur zwei Sorten Ziegenkäse an, andere bieten Stücke von riesigen Käselaiber, es gibt Holzspielzeug und Gewürze, Olivenöle und viele Sorten Essig, kandierte Früchte, Oliven, Nüsse und natürlich Fisch, Obst und Gemüse.

   

Man kann hier stundenlang schlendern, probieren, einkaufen und dem Gipsy-Swing der sehr guten Strassenmusikanten lauschen.

Jetzt im Sommer breitet sich der Markt noch größer aus als im Frühjahr, eine unglaubliche Vielfalt und Farbenpracht! Wir setzen uns auf einen kleinen Platz in den Schatten der Bäume. Hier steht ein Menu-mobile, eine junge Frau verkauft vegetarisches Essen und serviert einen vorzüglichen Rosé aus der Gegend.

 

Gegen 14 Uhr packen die Stände langsam zusammen, wir nehmen unsere Einkäufe und spazieren gemächlich zurück zur Rappelkiste.

Nachmittags radeln wir zur Weinprobe bei Sylla. Hier produzieren sie Weine aus dem Vaucluse und dem Luberon, zwei sich gegenüber liegenden Anbaugebieten. Wir machen uns schon mal Notizen für den Einkauf am Montag. Es ist so heiß, ein Schild vor einem Café / Bar wirbt mit verschiedenen Thé glacé ( Eistee ), das wär jetzt genau das richtige! Ich bestelle einen Minzeistee. Serviert wird ein großes Glas Wasser mit Eiswürfeln, obenauf schwimmt ein einsamer Teebeutel! Was?! Und die ganze Komposition für nur 3,-€ !!

Wir verbringen den Rest des Tages in der Hängematte, beschallt vom Zikadengezirpe. Um Mitternacht gibt es ein schönes Feuerwerk zum Nationalfeiertag, das wir vom Platz aus sehen können. Wir gehen ohnehin bei den lauen Nächten erst sehr spät ins Bett.

Am Sonntag herrscht große Aufregung, heute ist das Finale der Fußball-WM und Frankreich hofft auf den Titel! Die jungen Leute vom Platz haben den Fernseher nach draussen gestellt, Tische und Bänke aufgebaut, alles mit Fahnen geschmückt. Viele Freunde sind gekommen, komplett ausstaffiert mit Schals, Fahnen, Kopftüchern in blau-weiß-rot, sie haben Trillerpfeifen und Tröten dabei und verbreiten eine Stimmung wie im Stadion. Wir setzen uns mit dazu, dann beginnt es und alle singen inbrünstig die Nationalhymne mit.

Es wird ein spannendes Finale gegen Kroatien mit ein paar kuriosen Toren und auch mit wahrhaft weltmeisterlich geschossenen Toren. Am Ende siegt völlig verdient Frankreich 4:2 und wird Weltmeister. Ein unglaublicher Freudentaumel bricht los, die jungen Leute zünden ihre Glitzer- und Konfettikanonen und Sprühluftschlangen, schreien wild durcheinander, tanzen, bespritzen sich gegenseitig mit Bier, fallen sich in die Arme! Sie singen die Nationalhymne und schwenken ihre Fahnen! Dann starten einige von ihnen laut hupend zum Autokorso, die anderen verfolgen noch die Siegerehrung und jubeln enthusiastisch mit, als der Manschaftskapitän den Pokal hochhält!

 

Noch die ganze Nacht durch hört man das Hupen der feiernden Autofahrer, das irgendwann morgens vom Donnern und Blitzen eines Gewitters abgelöst wird.

Wir haben lange überlegt, ob wir wirklich die schönen Strände verlassen und in die Stadt zum Markt fahren sollen, oder ob wir einfach am Meer bleiben. Jetzt sind wir froh, daß wir so entschieden haben. Apt war wieder, wie jedes Mal, so wunderschön, es hat sich ganz sicher gelohnt!

Es ist Montag, wir fahren los und machen uns auf die Suche nach einem schönen See in den Bergen. Mal sehen, was wir finden können,

bis bald, liebe Grüße

Julia & Martin

Drink positive!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.