Wir starten früh, denn es gibt viel zu tun.
Ciao São João!
In Rio das Ostras kaufen wir Gemüse und Ananas beim Hortifruti, schlappe Brötchen in einer Panaderia, Mehl und Wein im Supermercado. Vor der Lavanderia Bubbles gibt es einen Parkplatz. Endlich Wäsche waschen!
Ach, was sind wir glücklich über die Self-Service-Laundries in Brasilien. Auch wenn vor dem Bezahlen erstmal eine Menge Daten abgefragt werden.
Alles erledigt, wir machen die Platzsuche heute kurz. Nur ein paar Kilometer raus dem Stadttrubel, der erste Platz am Strand ist unser.
Die Brandung kräftig, die Strömung heftig, keiner im Wasser, das alte Lied. Bis Macaé ist es wirklich nicht so leicht einen Badeplatz zu finden.
Aber wir haben einen schönen Blick, frisch gewaschene Wäsche, Schatten neben der Rappelkiste und eine gut gefüllte Vorratskammer.
Den restlichen Tag widmen wir der totalen Entspannung…….
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Guten Morgen!
Wie gerne würden wir jetzt einfach weiter die Küste entlang nach Norden fahren…..
Aber unsere Zeit in Brasilien läuft ab.
Bis zur Grenze im Süden liegen ca 2000 Kilometer vor uns und wir möchten unbedingt noch in die Provinz Minas Gerais, zu den Barockstädten.
Wehmütig verabschieden wir uns vom Meer.
Los geht´s!
Anderthalb Stunden brauchen wir schon mal, um durch Macaé zur Ruta 101 Richtung Belo Horizonte zu kommen.
Ein Fahrtag.
Die Städtchen sind schlicht, die Leute gelassen, die Landschaft grün und hügelig
Warmer Fahrtwind, wie aus einem Föhn, bläst durch die Fenster, wir sind dankbar für jedes Lüftchen und sei es auch noch so warm.
In Itaperuna bleiben wir im Stau stecken. 38,5°C, hohe Luftfeuchtigkeit, kein Fahrtwind mehr, wir zerfliessen…..
273 Kilometer haben wir geschafft, sehr anstrengend in der Hitze. Bei einer kleinen IPI MAX Tankstelle ist Schluss für heute.
Wir sitzen auf der Treppe und schwitzen vor uns hin. Kardinalvögel und Goldtangaren hüpfen herum.
Ein 26 Meter-Laster hält neben uns. Der Fahrer fragt, ob er sich hier hinstellen darf? Natürlich! Er parkt extra so, daß wir noch freie Sicht zwischen Auflieger und Anhänger haben.
Die Aussicht ist zwar ohnehin nicht gerade berauschend, aber das ist doch sehr nett.
Vom Grundstück gegenüber winkt ein Mann. Martin geht rüber. Falls wir möchten, können wir sein Plumpsklo benutzen, bietet er Martin an.
Das brauchen wir zum Glück nicht, aber die Freundlichkeit aller Leute haut uns immer wieder aufs Neue um.
Zur Hitze gesellt sich schließlich warmer Nieselregen. Na bravo! Also rein in die klamme Hütte, boa noite!
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Halb neun Uhr morgens, die Lkws um uns rum sind schon im Morgengrauen gestartet.
Nachts hat ein kräftiger Regen die Luft etwas abgekühlt, was für ein Genuß!
Die Mangobäume hängen voller noch grüner Früchte. Undurchdringlicher Dschungel und samtig grüne Hügel. Häuser stapeln sich auf den Hängen.
Braucht jemand etwas hübsches für den Garten?
Die langen, spitzen Ananas sind die besten der Welt! Abacaxi, saftig und süß, noch nie vorher haben wir so gute Ananas gegessen.
So schön diese grünen Hügel auch sind, der Gedanke, daß das alles mal Regenwald war, stimmt traurig.
Langsam zieht die Strasse bergauf. Ab 700 Höhenmetern wird Kaffee angebaut
Die Plantagen wachsen die Hügel unaufhaltsam hinauf
Kaffee, Kaffee, Kaffee, das Gold der Neuzeit.
Wir tauchen ein in Bambuswald. Schlittern über Baustellen. Husten im Rauch aus den Kaffeeröstereien
Mittags durchqueren wir Ponte Nova, auf mehreren Hügeln hübsch am Rio Piranga gelegen.
Klingt idyllisch, sieht in Wirklichkeit so aus:
der Rio Piranga schiebt sich müde als eine braune, träge Brühe voran. Besonders auffällig in der Stadt: die konsequente Unattraktavitität.
Nun sind wir im brasilianischen Hochland. Schwere LKWs schnaufen mühselig bergauf. Viele kleine Orte mit vielen Bodenschwellen bremsen uns aus. Unser Durchschnittstempo sinkt auf 40 km/h.
Sechseinhalb Stunden Fahrt, dann sehen wir die ersten Barockstädte im Wolkennebel. Auf 1111 Metern über dem Meeresspiegel ist die Luft ist etwas kühler.
Ende des 17.Jhd gab es erste Goldfunde in Minas Gerais. Etwas später stolperten die Goldgräber über Smaragde, Saphire und Diamanten, so sagt es die Legende. Ein gigantischer Goldrausch brach aus. Afrikanische Sklaven und indigene Völker wurden zur Arbeit in den Minen gezwungen. Völker, die sich weigerten, wurden ausgerottet. Alles im Namen der portugiesischen Krone, die 20% der Vorkommen für sich beanspruchte.
Von allen gepriesenen Barockstädten haben wir uns Ouro Preto ausgesucht. „Schwarzes Gold“ bedeutet der Name. Das Minengestein aus dem das Gold gewonnen wurde, ist schwarz.
Unsere eigentlich geplante Route in die Stadt tauschen wir gegen den Vorschlag von Tante G**gle
Was für ein Desaster!
Tante G** führt uns in zugeparkte Gassen, verflucht eng.
Als würde das nicht reichen: jetzt geht es auch noch steil bergab, aber sowas von steil bergab!!
Wer runter fährt muss auch wieder rauf, durch enge Kurven, in einer einspurigen Gasse, zum Glück kommt uns niemand entgegen!
Horror!
Was soll ich sagen? Wer rauf fährt muss auch wieder runter…..11% Prozent Gefälle, klingt vielleicht nicht viel, fühlt sich aber an wie kurz vor senkrecht bergab.
Müde vom langen Fahrtag kommen wir am Bahnhof an, in der Hoffnung auf einen Parkplatz. Feierabendverkehr, keine Chance. Ein selbsternannter Parkwächter will uns in eine Lücke quetschen, nao Senior, das passt nicht! Wir stellen Rappel illegal ab und laufen vor zu einem Riesenparkplatz. Fast leer. „Motorhomie?“ fragt der zuständige Wächter nach, das klingt immer so nett. Aber wir dürfen hier nicht übernachten. Auch nicht auf dem riesigen Rondell vor dem Parkplatz. Alles betteln hilft nicht. „Nao, nao, desculpe…“
Zurück zum Bahnhof. Dort erwartet uns schon der Selfmade Parkwächter. Aufgeregt redet er auf uns ein, wir kapieren gar nichts. Erst als er auf den Schulbus zeigt und der Fahrer kommt, verstehen wir. Schulbus raus -> Rappel rein in die Lücke! Hallelujah!!
Der „Helfer“ möchte 5RS ( ca 0,85€ ) für seine Mühen, bekommt er.
Hauptsache, wir stehen.
Feierabend!
Wir setzen uns auf eine kleine Bank, entspannen von diesem anstrengenden Fahrtag. Vor allem den letzten Teil in die Stadt hinein, hätten wir so nicht gebraucht.
Die Mitte des Platzes schmückt dieser hübsche Pavillon, wofür war der wohl mal? Für ein Streichquartett? Teepavillon? Einfach nur so?
Im Hintergrund prunken die prächtigen Bauten aus der Goldrauschzeit, wir freuen uns auf den Rundgang durch Ouro Preto morgen.
Ein angenehmer Abend, es ist kühl und trocken!!! Endlich mal raus aus der feuchtwarmen Dampfsauna.
Der Abendhimmel leuchtet heute sehr dramatisch in violetten Farben,
Es beginnt zu regnen, wir gehen rein.
Morgen schauen wir uns die Stadt an, freuen uns drauf…
Bis dann, liebe Grüße!
Julia & Martin





























































































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