Ouro Preto – Stadt der Barockkirchen und Kolonialbauten. Studenten- und Künstlerstadt. Hier verbindet sich auf perfekte Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit. Geschichte an jeder Ecke und lebendiges Stadtleben.
Rappelkiste bleibt am Bahnhof, wir spazieren die Rua Diogo hinauf.
An der Praça Monsenhor Castilho Barbilo wird eine Weihnachtskrippe aufgebaut.
Auf der Bühne liegen schlaffe, luftlose Krippenfiguren. Schaf, Esel, Ochs und die heilige Familie zum aufpusten. Kitsch kennt keine Grenzen.
Die Basilika Nossa Senhora de Pilar ist die am prächtigsten ausgestattete Kirche in Ouro Preto. In der Hochzeit des Goldrausches war die Gemeinde groß und sehr reich.
Der Zutritt ist nicht umsonst, im Pfarreikiosk erstehen wir Tickets. 20RS für 2 Leute über 60, ca 3,20€.
Im Vorraum steht eine hohe Tür in der Mitte, vielleicht wird sie nur für besondere Anlässe geöffnet?
Hinter der Tür Glanz und Glimmer, Schnörkel und Dekoration auf jedem Millimeter. Brasilianischer Barock in Reinform.
Wow! Das erschlägt uns fast!
Hier schimmern 434kg Gold und 400kg Silber. 472 geschnitzte Engel schwärmen durch den Raum
Rokoko Malerei, Dekoration aus verschiedenen Epochen. Die Basilika wurde im Laufe des 18.Jhds fortwährend weiter ausgeschmückt.
Durch einen Seitengang kommen wir zur Sakristei, die Kommode an der Wand misst stolze 8,40 Meter.
In den Schubladen des Tisches ließen die frommen Brüder angeblich schnell ihr üppiges Essen verschwinden, wenn unerwarteter Besuch kam. An den Wänden schockieren die typisch düsteren Bilder von Leid und Quälerei.
Ein paar Treppen hinunter befindet sich im Gewölbe unter der Kirche ein Museum für sakrale Kunst.
Als gelernte Goldschmiede interessieren wir uns sehr für die Handwerkskunst der alten Meister.
Prunk und Prachtgewänder, feinste Stickereiarbeiten von gottergebenen Frauen, ausgezeichnete Handarbeit
Diamantohrringe und Kronen für: die Holzstatuen!
Das haut uns um. Solch elegante, edle, fantastische Arbeiten! Für Holzstatuen! Krass!
Aufwendige, detailverliebte Silber- und Goldschmiedearbeiten, präzise ziseliert.
Auch wenn uns der Stil überladen vorkommt, begeistert uns die Perfektion der Gold- und Silberschmiedekunst.
Meisterarbeit.
Die reichen Minenbarone haben sich ihre Hoffnung auf Vergebung und Seelenheil im Himmel richtig was kosten lassen.
Die Hügel von Ouro Preto sind steil, wir ächzen bergauf…
Keine Durchfahrt für Lkws….och Mönsch…..
Ein fantastischer Ausblick, unten steht die Basilika NS de Pilar, die wir eben besucht haben.
Am Horizont biegt sich eine Felsbanane
Martin entdeckt unsere Rappelkiste, ganz klein und versteckt
Bei Chocolates Ouro Preto machen wir eine kurze Pause
Bevor wir zur Igreja Nossa Senhora do Rosario dos Pretos kommen, schauen wir uns noch die Ausstellung eines kleinen Kulturzentrums an.
Mit aktueller Weihnachtsausstellung….
Neben der Tür klappern große Nußknacker mit den Kiefern ein Weihnachtslied. „🎶 Feliz Navidad🎶“…….
Nossa Senhora ist wegen Baufälligkeit geschlossen. Schade….
Der Goldrausch ist lange vorbei, keiner hat mehr Geld für die vielen Kirchen
Auf dem Weg durch die Altstadt linsen wir in die schicke Lobby des Hotels um die Ecke und in elegante Hauseingänge
Die Altstadt von Ouro Preto ist bestens erhalten und das Schönste: alle Häuser sind bewohnt. Die alten Kolonialbauten sind nicht nur hübsch renovierte Fassade, sondern immer noch voller Leben.
Auf dem nächsten Hügel wartet die Igreja Sao Francisco de Paula auf unseren Besuch.
Es geht steil bergauf, wie kann es auch anders sein….
Nach 80 Metern Aufstieg machen wir einen kurze Pause bei der Igreja Sao Jose, leider wegen Baufälligkeit geschlossen.
Weiter geht´s….himmelwärts….
Sao Francisco, die letzte der großen Kirchenbauten in Ouro Preto. Anfang des 19.Jhd erbaut, der Goldrausch ging dem Ende zu, die Minen waren schon fast völlig leergekratzt.
Ein fröhlicher Spaziergänger spricht uns an. Woher kommt ihr? Ah, Alemania!
„Schaut euch die Kirche an“ lacht er: „zwei Türme und ein Buddha!“
Aha? Hm…..
Joah, bei näherer Betrachtung und mit etwas Fantasie sieht der schwere Giebel aus wie ein dicker Buddha im Schneidersitz.
Völlig außer Atem lassen wir uns auf den bröckelnden Stufen nieder, über uns der Dicke…
Die Kirche ist geschlossen. Schade, den Innenraum hätten wir uns gerne angesehen.
Wir wandern um die Kirche herum. Ach, die Leute sind so blöd mit ihren Kritzeleien.
Wenn´s wenigstens irgendwie Kunst wär, aber so? Einfach nur blöd.
Pause, hier weht ein kleines Lüftchen, es ist wieder sehr heiß heute. Toller Blick von hier oben
Abwärts….
In die Rua Getulio mit ihren winzigen Geschäften, schönen Cafe´s und Restaurants
Quer durch die Stadt zieht das grüne Band des „Horto dos Contos“. Der Garten der Geschichten.
Im Casa dos Contos könnten wir Folterwerkzeuge besichtigen, nein, danke, heute nicht.
Wieder schnaufen wir bergauf, durch weihnachtlich geschmückte Gassen, zur Praça Tiradentes
Wir sind gespannt auf die Juwelier- und Goldschmiedegeschäfte. Auf fein geschliffene Steine und handgefertigten Schmuck. Ich mache mir Hoffnung, vielleicht ein kleines Weihnachtsgeschenk zu finden.
Wir tingeln von Laden zu Laden. Sehen sehr schöne Steine. Aber der Schmuck ist durchweg Industrieware. Mit sehr schönen Steinen, aber keine besondere Handwerkskunst. Eine Enttäuschung.
Auf der Praça steht das Denkmal für Tiradentes, dem „Zahnzieher“, der berühmte Freiheitskämpfer des 18.Jhds. Ein hochgebildeter Mann, ausgebildet in der Zahnmedizin, der sich nicht abfinden wollte mit dem hohen Goldzins, den Portugal verlangte.
Das Gold wurde langsam knapp, Portugal erhöhte nochmals den Druck. Höhere Abgaben, mehr Produktion!
Tiradentes plante, eine brasilianische, unabhängige Republik auszurufen. Von einem Mitverschwörer verraten, der dafür Steuerfreiheit versprochen bekam, wurde er verhaftet, später in Rio de Janeiro gehängt.
Damit nicht genug, anschließend wurde er gevierteilt und die Teile überall dort ausgestellt, wo man Aufruhr vermutete. Wo heute das Denkmal steht, wurde sein Kopf aufgespießt. Gruselige Vorstellung…
Kurze Pause auf den Stufen.
Dann machen wir uns auf den Weg zur nächsten Kirche.
Nicht weit und natürlich auf einem Hügel, steht die Igreja Nossa Senhora do Carmo.
Die Kirche ist auch geschlossen, das gibt´s doch nicht?! Wir fragen im kleinen Museum, ah, es ist nur Mittagspause.
Also genießen wir erstmal den Blick, hinüber zum Buddha…
Vor der Tür einer Biscoteria parkt dieser geniale „Rust´nRoll“ VW Käfer.
Zum Café gehört ein kleiner Garten, mit einem Schälchen Kekse und einem Glas der berühmte Chocolate de Ouro Preto wird die Mittagspause angenehm überbrückt.
Zweiter Anlauf zur Kirchenbesichtigung: ja, die Tür ist offen!
NS do Carmo, reich verziert im Rokoko Stil, erbaut Ende des 18.Jhd.
Der Innenraum ist auffallend hell.
Die Decke in himmelblau, gemalt von einem italienischen Künstler, wirkt wie eine freundliche Einladung in den Himmel.
Über dem Altar, auf der Himmelstorte steht Maria mit dem Kinde
Berühmt ist die Kirche für die Azulejos, die einzigen in der Provinz Minas Gerais.
Entlang der Seitenwände stehen geschnitzte Nischen mit Heiligenfiguren.
Ein reines Horrorkabinett.
Mit ihren grauen Gesichtern sehen die Statuen halbverwest aus…sie tragen Echthaarperücken?! Echt gruselig!
Liegt da eine Mumie hinter Glas?!
Nein, auch eine Holzfigur, aber auch gruselig…
Dieser bedauernswerte Heilige hat große Angst vor dem Kollegen im weißen Hemd…
Die sehen alle zum Fürchten aus……
Durch einen dunklen Gang gelangt man ins Consistorio, ausgestattet mit schweren Möbeln und einer leichten, schönen Rokokodecke
Jetzt die steile Treppe hinauf in den ersten Stock
Guckguck!
In der Galerie steht ein Beichtstuhl aus vergangenen Zeiten, hier blieb kein Sünder anonym.
Vorbei an einer meterhohen Tür, wundervoll gearbeitet,
wieder treppab
und hinaus
aus der Kühle des Kirchenraumes in die Hitze des Tages
Eine ham wa noch…
Über die Praça Tiradente in eine Gasse.
Schau´mal! Was für schöne Fenster! Und innen wunderschön ausgemalte Räume, die Zimmertüren genauso prächtig wie die Fenster, was für ein wunderschönes Haus!
Genauso das schon fertig renovierte Nachbarhaus. So viel Liebe zum Detail!
Wir bummeln über einen Kunsthandwerksmarkt
Dahinter die Igreja Sao Francisco de Assis, das Meisterwerk von Aleijandinho, dem „kleinen Krüppel“
Der uneheliche Sohn eines berühmten portugiesischen Zimmermanns und einer afrikanischen Sklavin gilt als der größte Künstler der barocken Kunst in Minas Gerais. Später an Lepra erkrankt und furchtbar entstellt, ließ er sich Meißel und Hammer an die verkrüppelten Hände binden, um weiter arbeiten zu können.
Die Igreja Sao Francisco hat er architektonisch gestaltet und den Innenraum ausgestattet.
Hier müssen wir nochmal ein Ticket lösen, das auch den Eintritt ins Aleijandinho Museum beinhaltet
Die Holz- und Steinmetzarbeiten sind wirklich beeindruckend
Über dem Altar lenkt ein Himmelstor den Blick auf die ausgemalte Decke
Der Altarraum selbst ist opulent und überprächtig ausgeschmückt
Englein tummeln sich fröhlich in der Spitze
und um den Kronleuchter
Bemalte Holztafeln schmücken Wände und Decke
Unglaubliche Pracht.
In den Nischen können wir die berühmten Schnitzfiguren von Aleijandinho näher betrachten.
Etwas ratlos schauen wir uns an. Ziemlich marionettenhaft, oder?
Die beiden Mondgesichter auf den Säulen scheinen sich erstaunt zu fragen:
wie sind wir bloß hierher gekommen?
Trotzdem bewundern wir die üppige, aber doch harmonische Ausstattung und die Schnitzkunst in Stein und Holz.
Jetzt möchten wir noch ins Aleijandinho Museum. Vom Kirchenwärter lassen wir uns den Weg erklären, verstehen aber nur „rechts“ und „Kirche“, also so gut wie nix.
Ach, das finden wir schon…
Die steile Gasse rechts runter, vorbei an einem entzückenden Restaurant, da wieder rechts.
Eine Treppe führt uns wieder hinauf zur Kirche Sao Francisco, hat er das gemeint? Irgendwo in den Hinterräumen der Kirche?
Wir umkreisen die Kirche, landen wieder beim Eingang und fragen nochmal. „Rechts, rechts, Kirche…..“
Zweiter Versuch. Rechts, rechts…diesmal die Gasse weiter, vorbei an schönen Häusern und tollen Ausblicken auf die Stadt. Eine andere Treppe hinauf….
Über uns eine Kirche hinter verschlossenem Gitter
Das wird´s wohl auch nicht sein….wieder rauf und rechts in die nächste Gasse. Das gibt´s doch nicht, das muss doch zu finden sein!
Beinahe wollen wir aufgeben, da entdecken wir plötzlich das Schild „Museu Aleijandinho“
Es ist in der Kirche, die wir eben von unten gesehen haben!
Warum dies ein Museum sein soll, ist uns nicht ganz klar. Eine normale Kirche mit Figuren von Aleijandinho.
Die gequälten Gesichtsausdrücke hat er sehr gut eingefangen
Ebenso Arroganz
Jedes Englein schaut anders drein.
Vielleicht sind die Proportionen nicht perfekt, aber vielleicht schauen Engel auch genau so aus? Wer weiß?
Wir haben nach mehr als vier Stunden jedenfalls genug von Englein, Heiligen, Gold und Schnörkeln.
An den Studentenhäusern, den Republicas, vorbei, geht es hinunter ins Tal zu den Studentenkneipen.
Vor der Bar do Glacio sind die Kellner noch mit Stuhl- und Tischaufbau beschäftigt, die Wartezeit überbrücken wir auf einer schattigen Bank mit einem Getränk aus dem Supermercado.
Neugierig beäugt von einer Echse
Sieht das nicht einladend aus, der Platz vor der Bar do Glacio? Wir schlendern rüber und bestellen eine kühle Flasche Eisenbahn.
Nichts löscht Durst besser als kaltes Bier, finden wir. Saudé!
Herrlich sitzt man hier.
Die Speisekarte offeriert interessante Gerichte, zum Beispiel:
Kann man sagen, was man will: die ÜbersetzerApps haben Humor!
Martin geht nochmal los und holt im Hortifruta gegenüber tütenweise Gemüse
Dann bestellen wir noch ein Eisenbahn und die kleinste Portion Pommes mit Räucherkäse:
750gr Pommes, kleiner gibt´s nicht!
Dazu frittierter Fisch, kleinste Portion: 500gr. Na, da werden wir sicher satt!
Mit Dauerhupen fährt ein knallroter VW Käfer, geschmückt mit Tannengrün, Weihnachtskugeln und bunt blinkenden Lichtern vorbei. Fröhliche junge Menschen mit Weihnachtsmützen rufen „Buon Natale!“ aus dem Autofenster. Später kommt noch ein blauer Käfer mit blinkenden Rentieren auf dem Dach, überlaut dröhnt „Jingle Bells Rock“ aus den Boxen.
Im Abendlicht gehen wir nach Hause, der leuchtende Linienbus wünscht Feliz Natal
Immer noch 25°C, das wird wieder eine warme Nacht. Müde sind wir und kaputt.
War schön heute, unser Stadtrundgang in Ouro Preto. Eine wunderschöne Stadt, hat viel Spaßgemacht!
Liebe Grüße! Bis morgen!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin






































































































































































































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