Nach einem Ruhetag beim Fritz Haus laufen wir am nächsten Mittag den Berg hinunter zum Restaurant Violeteria.
Ein paar Tische und Stühle vor den Kühltheken, einfache, gute Küche ohne Brimborium. So gefällt uns das.
Es gibt Fisch, dazu können wir jeweils drei Beilagen wählen. Auf einen brasilianischen Teller gehören Reis und Pommes immer zusammen.
Da hat aber jemand Hunger!
Ich wähle Brokkolireis und Kartoffelpüree als Variante. Guten Appetit!
Sehr, sehr lecker!
Es ist Sonntag, wir machen es wie die Cariocas: nach dem Essen geht´s zum Strand, nach Ipanema.
Eine der breiten Fahrbahnen ist für Autos gesperrt, Spaziergänger, Jogger, Radfahrer haben immer sonntags die Strasse für sich.
Vorne am Strand ist mächtig was los
Bälle fliegen durch die Luft, das akrobatische Futevollei ist sehr beliebt bei Frauen und Männern.
Es ist voll, aber wir finden leicht noch einen Platz in der ersten Reihe, wo wir unser Handtuch ausbreiten können.
Das Meer ist heute auch in Sonntagslaune, die gelbe Fahne bedeutet: Medio Risco.
Martin taucht durch die 3-4 Meter hohen Wellen.
Die Strömung hat einen tiefen Pool vorn an der Wasserkante gegraben, perfekt zum eintauchen und planschen. Heute versucht nichts, einem die Füße wegzuziehen.
Die lässigen Lifeguards haben alles im Blick. Also jedenfalls immer einer von beiden…
Ein herrlicher Sonntag in Ipanema.
Baden, sonnen, rumliegen, dem Strandleben zusehen.
Die Sonne steht tief, als wir aufbrechen.

Abendjogger traben den Boulevard entlang.
Die verpackten Beachbars türmen sich hoch auf den Karren. Schwere Last, wie weit müssen die Männer diese Karren wohl ziehen?
Heute ist der erste Advent fällt uns auf 🕯
Von Weihnachtsstimmung keine Spur…..
In nur 15 Minuten, absolute Rekordzeit, bringt uns der Fahrer zurück zum Fritz House. Kein Stau heute.
Zack! Das ging so schnell, jetzt bleibt sogar noch Zeit, Wäsche zu waschen.
Die Waschmaschine schlägt auch jeden Rekord, aber in Lahmheit…Erst mitten in der Nacht kann Martin endlich unsere Wäsche holen.
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Natürlich werden wir nicht abreisen bevor wir die beiden berühmtesten Attraktionen von Rio de Janeiro besichtigt haben:
Cristo Redentor und Zuckerhut
Um nicht stundenlang Schlange stehen zu müssen, wollen wir möglichst die erste Bahn hinauf zum Corcovado nehmen. Um 7 Uhr morgens sind wir bereit und warten auf unseren Fahrer.
Ein Äffchen turnt durch die Bäume und schaut aus sicherem Abstand neugierig auf uns hinunter
Die Bäume hängen voll Jackfruit
Im weihnachtlich geschmückten Wagen geht es zum Corcovado
Im Sonnenlicht wacht Cristo über die Stadt.
Um 8 Uhr stehen wir am Ticketautomaten, keine Schlange vor uns. Die Automaten kennen unzählige Sprachen, es ist kinderleicht, ein Ticket zu ziehen.
Die erste Bahn ist schon weg, aber für die zweite bekommen wir Plätze. Top!
Danach gäbe es erst wieder für 9:30 Uhr freie Karten. Glück gehabt!
Vor dem obligatorischen albernen Fotostop müssen wir etwas warten.
10 Minuten später sitzen wir im Zug zum Corcovado Gipfel. 710 Meter erhebt sich „der Bucklige“ über Rio de Janeiro.
Bei einem Zwischenhalt bieten findige Händler gekühlte Wasserflaschen an.
20 Minuten lang rattert die Zahnradbahn nach oben, vorbei an dicken Jackfrüchten. Sie sind die größten und schwersten Baumfrüchte der Welt.
Der Ausblick aus den Zugfenstern ist schon mal grandios
Oben angekommen erklimmen wir die letzten 220 Stufen zu Fuß.
Der erste Blick auf Cristo Redentor
Hui, so früh morgens und hier ist es schon so voll!
Wir erobern uns einen Fotoplatz und legen los:
Cristo schaut mit ernster Miene, die Mundwinkel leicht herabgezogen. Der Blick ist leblos und kalt, denn die Augen haben keine Pupillen.
Bedauerlich, denn sein Ausblick auf den Zuckerhut ist fantastisch!
Ein paar Stufen geht es hinunter zur Gipfelspitze. Nicht so einfach, von hier aus noch Fotos zu machen. Und dabei haben ja erst zwei Bahnen Leute nach oben gebracht.
Na also, mit dem richtigen Lichteinfall zeigt Cristo doch noch ein ganz leichtes Lächeln
Unter uns Rio de Janeiro im Wolkendunst, Cristo hat einen Traumblick über die Stadt, auf Zuckerhut und Maracaná Stadion.
Wir schieben uns durch die Menschenmassen, nochmal zurück zum Erlöser.
Tausende Specksteindreiecke bedecken die Statue. Jede kleine Fliese wurde in Handarbeit von Arbeiterinnen auf ein feines Netzt geklebt. Es wird erzählt, daß die Frauen die Namen ihrer Liebsten auf die Rückseiten geschrieben haben. Ein schöner Gedanke.
Wir besuchen noch kurz die Kapelle im Sockel, dann steigen wir die Stufen wieder hinab zur Bahn.
Eine Stunde waren wir oben. Mit gemischten Gefühlen. Man kann den Besuch bei Cristo Redentor nicht wirklich in Ruhe genießen. Überall liegen Leute auf dem Boden oder drängeln für das perfekte Foto. Der Platz ist beengt, dabei hatten wir noch Glück, denn es war noch nicht übervoll. Kein Schatten, keine Bänke.
Es geht nur um Foto, Foto, Foto. Ehrlich gesagt, kann man hier auch nicht viel mehr machen.
Cristo Redentor gehört definitiv zu einem Rio Besuch dazu, aber einmal reicht uns wahrscheinlich für immer.
Mit der nächsten Bahn zuckeln wir den steilen Hang wieder runter
und bestellen ein Uber zum Pan de Azúcar, nur 2,5 Kilometer entfernt.
Völlig überraschend: keine Warteschlange bei der Seilbahnstation!
Der freundliche Mensch am Ticketschalter bietet uns sofort den Seniorenpreis an ( wie hat er das bloß so schnell erraten? )
So bekommen wir die Tickets zum halben Preis, super!
Ab in die Seilbahn!
Bei der Mittelstation auf dem Morro da Urca steigen wir aus und winken nochmal rüber zu Cristo
Es ist herrlich hier oben. Ein paar Grad kühler als in der Stadt. Schattenbäume und Bänke. Viel Platz für alle Besucher und eine fantastische Aussicht.
Weiter geht´s zur Bahn auf den Zuckerhut
Eingehüllt in ein Puderzuckerwölkchen….
Feine Tröpfchen in der Luft, nochmal etwas kühler, sehr willkommen.
Wir stehen mitten in den Wolkenschleiern
Ich wage mich hinaus auf den Aussichtssteg, unten leuchtet weiß der Copacabana Strand
Es gibt Snackbars, Souvenirs, Bänke zum ausruhen und genießen und ein sehr schön gelegenes Restaurant, den Classico Sunset Club.
Hier kann man auch ein Sonnenuntergangsdinner buchen, das ist bestimmt wunderschön!
Die Skulptur einer Scharlachtangare markiert den Beginn eines Wanderweges durch den Wald an der Südseite des Zuckerhuts.
Wir wussten gar nicht, daß es einen Wald auf dem Zuckerhut gibt…..
Schön gestaltete Picknickplätze, Infotafeln erläutern die Entstehung des Zuckerhuts
Es gibt zarte Blüten zu bewundern, Kunst und ein Gewächshaus
Bromelien, diese klugen Pflanzen, sammeln Wasser. Ein winziger Teich in der Mitte.
Am Ende wird´s sportlich: über Treppen und eine enorm steile Rampe ächzen wir nach oben
Uns gefällt es sehr gut
auf dem Zuckerhut – oh! ein Reim!
Nach der Wanderung und einem kleinen Picknick gondeln wir hinunter zur Mittelstation.
Eine Schattenbank ist frei, Martin holt uns Erfrischungsgetränke. Seltsamerweise schmeckt uns heute das Heineken, ist sonst nicht so unser Favorit.
Hier bleiben wir eine Weile sitzen, sehen den dunklen Riesenvögeln zu
und den Flugzeugen beim starten und landen auf der kurzen Landebahn…
Ein Weißbüscheläffchen turnt übers Gebäude
In den Bäumen zwitschern Vögel, es ist ruhig und entspannt hier oben, kühl und sehr angenehm.
Unten glitzert das Meer, direkt neben der Talstation liegt der Praia Vermelha. Da werden wir jetzt baden gehen, Badezeug haben wir in Rio immer dabei.
Schön ist es auf dem Zuckerhut und dem Urca da Morro, das könnten wir gerne wiederholen.
Praia Vermelha: was von oben verlockend aussah, entpuppt sich unten als ein vollgepackter Sonnenschirmdschungel.
Och nö….wir fahren lieber rüber nach Ipanema,
Am Strand von Ipanema halten wir Ausschau nach Abuelha 71, der Beachbar von Marcelho.
„Martin!“ ruft jemand laut, Marcelho winkt. Ein Profi. Hat sich den Namen gemerkt, uns wiedererkannt, als ob wir Stammgäste wären. Wir werden fröhlich begrüßt und bekommen einen schönen Platz unterm Sonnenschirm und die besten Caipirinhas
Hier ist was los!
Schwer beladen stapfen Händler durch den heißen Sand, tragen riesige Kleiderständer mit Bikinis, großen Tüchern oder stapelweise Hüten vorbei.
Bieten warmen Mais, Kekse und Getränke an. Entfachen ihre Minigrills und rösten Fleisch- und Garnelenspieße. Harte Arbeit.
Die Händler sind nie aufdringlich, quittieren unser freundliches „Nao, obrigado“ mit einem Lächeln und ziehen weiter.
Manchmal fragt jemand, woher wir kommen. „Alemania“ – Zweimal bekommen wir ein fröhliches “ Oh! 7:1! Jogou bem!“ – „Gut gespielt!“ – als Antwort. Auch wir können uns an dieses legendäre Fußballspiel bei der WM 2014 genau erinnern.
Nur ein einziger kleiner dicker Junge versucht, uns mit weinerlicher Miene und einer rührseligen Favela Geschichte zum Kauf seiner Kekse zu überreden. Alles per Translator auf seinem nagelneuen Iphone. Tut uns leid, Amigo. Nao, obrigado!
Dosen- und Müllsammler patroullieren auf und ab
Ein megaschöner Nachmittag in Ipanema. Das baden im Meer so erfrischend, die Wellen sehen lieb aus, ziehen aber kräftig nach links und rechts, man muss gut gegenhalten, die Strömung ist stark. Mit der leichten Brise lassen sich die 32°C unterm Schirmchen sehr gut aushalten.
„One more?“ fragt Marcelho. „Claro!“
Die Schatten werden länger, 17 Uhr, so langsam werden die Schirme zusammengeklappt und die Stühlchen nach oben geschleift. Die Strandbars beginnen, ihre Sachen zusammenzupacken.
Wir packen´s auch…..Ciao, ciao Abuelha 71, diese Beachbar möchten wir wärmstens empfehlen!
Unser letzter Nachmittag am Strand von Ipanema. Wir wollen morgen weiterfahren. Sechs Tage Rio de Janeiro sind erstmal genug. Ein letzter Blick….seufz…..
Rio de Janeiro hat uns überrascht. Hat uns viel mehr geboten, als wir erwartet hatten. Vieles kannten wir vorher nicht, hatten von vielem noch nie etwas gehört. Eine Stadt, die nicht auf Anhieb attraktiv ist, aber wenn man sich ein bisschen umschaut, entdeckt man sehr viel Schönheit, Charisma und Lebensfreude.
Und nicht eine Sekunde haben wir uns unsicher oder bedroht gefühlt.
Was würden wir unternehmen, wenn wir nochmal hier wären?
Auf jeden Fall ins Museo da Almanha gehen. Den Mercado de Pulgas und den Samstagsmarkt besuchen. Mit der Bodinho rauf nach Sta Teresa rumpeln und dort auf dem Platz vor einem Café sitzen, später durch die Gassen hinunterlaufen. Nochmal zur Escadaria Selaron, dort eine Weile auf den Stufen sitzen, anschließend ein Bier vor der kleinen Bar in Lapa trinken. Eine Tour durch Rocinha machen. Eine Wanderung im Tijuca Nationalpark. Auf jeden Fall nochmal auf den Zuckerhut. Dort oben vielleicht ein Sonnenuntergangsdinner genießen.
Und jeden Nachmittag in Ipanema am Strand sitzen.
Rio de Janeiro gefällt uns sehr gut, wir würden gerne wiederkommen.
Morgen ziehen wir weiter nordwärts.
Liebe Grüße, bis dann!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin



























































































































































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