Der Berg ruft!

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Murg…was für ein Name! Die Gemeinde Murg in der Nähe der schweizer Grenze hält einen am Hochrhein gelegenen Stellplatz bereit. 10,-€ die Nacht, nicht gerade geschenkt, aber recht schön.

 

Seit Ende Februar sind wir wieder unterwegs, haben alles in Berlin soweit erledigt und anschließend ein paar wunderbare Tage in Mecklenburg verbracht.

Der Februar war grau, ohne Sonne, dafür mit viel Nieselregen. In McPomm zeigt sich der Frost von seiner schönen Seite.

Von Nordosten sind wir nach Südwesten gereist und haben Freunde und Geschwister besucht. Jetzt soll es zügig nach Italien gehen. In Kempten machen wir eine Nacht Rast am Illerstadion. Eine hübsche Stadt, geprägt von Häusern mit aufgemaltem Stuck und kleinen Fachgeschäften. Abends klopft es an der Tür, Martin schaut raus. Da stehen Sophie und Thomas! Überraschung! Sie haben uns zufällig beim nach Hause gehen entdeckt.

Die beiden haben wir 2019 in Albanien kennengelernt. Inzwischen sind sie, nach ausgiebiger Kanada und USA Tour mit ihrem Landy, hier sesshaft geworden. Wir freuen uns riesig, die beiden wiederzusehen und haben uns viel zu erzählen. Ein prima Abend!

 

Der Dieselpreis erreicht ungeahnte Höhen. 2,24€/l und der Preis steigt täglich. Unsere Rappelkiste braucht im Schnitt 20 Liter/100 km auf normaler Strasse, die gestiegenen Kosten treffen uns erheblich. Wir hoffen auf bessere Konditionen in Österreich.

Vor uns ragen die schneebedeckten Alpen empor. Wir steuern die Paßstrasse bergauf und nähern uns der Grenze.

Juhuhh, 1,85€ pro Liter Diesel in Österreich! Unfassbar, wie man sich über 1,85€ pro Liter plötzlich freuen kann. Wir tanken voll.

Bei der Burg Ehrenberg ist die „Highline 179“ hoch oben über die Strasse gespannt. Eine schauerliche Hängebrücke für Fußgänger, luftig leicht, ein Grusel für uns. Niemals möchten wir da drüber laufen!

Über den Fernpaß und ab auf den Brenner.

Kurz hinter Klausen biegen wir ab. Der Berg ruft, wir möchten in die Dolomiten.

An bläulichen Eisskulpturen vorbei fahren wir hinauf nach St. Christina, wo wir an der berühmten Saslong die Rappelkkiste abstellen.

 

Und auf geht´s! Mittenrein in die Hüttengaudi!!

 

Mächtig was los, die Gondeln speien ununterbrochen Skifahrer aus, die zur nächsten Bahn oder zur Theke strömen. Die Musik ist laut und teilweise schwer zu ertragen:   …“hier spricht der Bierkapitän…kann ich bitte mal die Bierbäuche sehen…“.

Aber den meisten Leuten gefällt´s, es wird mitgesungen und getanzt, Partystimmung im Freien und wir mittendrin….

Der Skipass, den wir für morgen erstehen, ist an den CovPass gekoppelt. Beides wird zusammen eingescannt, erst dann ist der Skipass gültig. Wir freuen uns auf die Piste. Die Sonne strahlt vom Himmel und so soll es die kommenden Tage bleiben.

Um 8 Uhr morgens kommt der freundliche Parkwächter und kassiert 15,-€.  Das letzte Mal skifahren war in Frankreich, im Winter 2017/´18, lange her. In den Dolomiten waren wir bestimmt seit 10 Jahren nicht. Viel zu lange her. Wir nehmen die Bahn rauf zum Col Raiser. Ein Traumwetter!

Die Pisten sind relativ leer, es macht unglaublich Spaß!!

 

Mittags sind wir ganz allein auf dem Hang. Die meisten Leute sind zum Essen auf einer der Hütten. Im Wald halten wir, um kurz zu verschnaufen. Es ist ganz still. Plötzlich betritt direkt vor uns eine Gemse die Piste. In aller Seelenruhe überquert sie die Bahn, dreht den Kopf zu uns….ein paar Sekunden schauen wir uns an….ich stumm vor Glück, die Gemse eher nachdenklich, mit schrägem Kopf….zack, springt sie über den Pistenrand wieder in den Wald…

 

Die Seilbahn hinauf zur Seceda auf 2519 Meter soll nur zu 80% ausgelastet werden, ist aber dennoch ganz schön voll. Die Mitarbeiter achten sehr penibel darauf, daß alle in den Gondeln ihre Masken tragen. Schließlich hängen ihre Arbeitsplätze davon ab, daß die Skigebiete geöffnet bleiben können.

Am Nachmittag machen wir den Einkehrschwung beim Erwin. Als wir zuletzt dort waren, war es eine kleine Hütte, urig mit Bergbauerncharme und allein von Erwin bewirtschaftet. Damals haben wir einen unvergeßlichen Nachmittag mit ihm und ein paar „Willies“ ( Williams Christ Birnenbrand ) verbracht. Die Zeiten sind vorbei, die Hütte ist groß ausgebaut, viele Leute arbeiten jetzt hier im Service. Was geblieben ist, ist die leise, schöne, südtiroler Musik. Vor der letzten Abfahrt für heute genehmigen wir uns ein Bier, das Dolomitenpanorama vor Augen. Ein perfekter Tag!

Mit müden Beinen stapfen wir über den Parkplatz zum Steyr. Mit den schweren Skistiefeln klettere ich die Treppe hinauf und versuche, die Tür aufzuschließen. Fehlanzeige! Der Schlüssel dreht sich nicht. Martins auch nicht. Und nun? Müssen wir draußen bleiben?!

Martin kramt aus der Werkzeugkiste ein Spray heraus, einmal einsprühen und es funktioniert! Wie schön! Wir ziehen uns schnell um und genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages bei einem kühlen Rosé.

Kurz nach 8 Uhr in der Früh fahren wir mit dem Steyr von der Saslong hinauf zum Plan de Gralba oberhalb von Wolkenstein. Die Nacht war eisig, minus 12°C. Zum Glück nur draußen, unsere Heizung arbeitet problemlos. Das angeblich unverzichtbare zusätzliche Höhenkit für die Heizung ab 1500 Höhenmeter haben wir nicht. Und brauchen es hier auch nicht. Aber unsere Abflüsse sind eingefroren. Wir improvisieren mit einer kleinen Schüssel. Muskelkater haben wir beide nicht – erstaunlich – aber müde Beine.

Der Parkplatz Plan de Gralba ist fast voll, wir ergattern mittags gerade noch den letzten Platz. Die Rappelkiste leuchtet als roter Farbtupfer inmitten von all dem Weiß. 11,20€ kostet hier die Nacht. Wir gönnen uns einen Ruhetag.

 

Dicke Wolken wabern am nächsten Morgen über die Gipfel. Immer schön langsam, erstmal Kaffee trinken. Ab Mittag soll die Sonne kommen.

Und so ist es. Wir schnallen die Skier an und wedeln los. Die Pisten sind wunderbar zu fahren, der Schnee griffig. Oben auf den Gipfeln liegt echter Schnee, aber die meiste Zeit kurven wir auf Schnee aus der Schneekanone bergab. Der Kunstschnee hat sich in den letzten Jahren extrem gut entwickelt, ist nicht mehr so körnig. Auf das salzen wird komplett verzichtet. Läßt sich sehr gut fahren.

Gegen 15 Uhr geht´s zum Einkehrschwung zu einer kleinen Hütte ohne Musik ( Halleluja!! ) So sehen glückliche Skihasis aus.

Nach 17 Uhr sind die Schneekatzen im Einsatz, es wird langsam dunkel. Die Hüttenmitarbeiter werden mit Schneemobilen ins Tal gebracht, geduckt gegen die Kälte sitzen sie in den Anhängern.

Wir entdecken, daß unser Astabweiser aufgeplatzt ist. Anscheinend lief irgendwo Wasser in das Gestänge. Jetzt im Frost hat das Eis eine Schweißnaht gesprengt. Nicht gut.

 

Der Tag war so schön, das wollen wir wiederholen.

Nach einem weiteren fabelhaften Skitag kehren wir vor der letzten Abfahrt wieder bei der kleinen Hütte ein. Für Martin ein Bier und für mich einen heißen Eierlikör mit Sahne, bitte! Köstlich!

Im letzten Sonnenlicht schwingen wir ab zum Plan de Gralba. Die Strecke führt genau bis vor die Rappelkiste. Zwei wunderbare Skitage in Wolkenstein. Jetzt sind die Knochen müde, wir brauchen eine Pause vom skilaufen und beschließen, nach Cortina d´ Ampezzo weiterzufahren.

 

Der Dolomiti Superskipass ist jeden Cent wert. Uns hat es so gut gefallen, wir sind gespannt auf die Pisten in Cortina.

Bis dann, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

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