Georgien: Ankunft in Batumi 27.04.2022

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Guten Morgen Schwarzes Meer!

Herrlich, morgens als erstes einen Spaziergang am Meer zu machen!

Wir stehen kurz vor der Grenze nach Georgien. Heute verlassen wir die Türkei.

Die Türkei hat uns begeistert! Die unglaubliche Weite der Landschaft, ganz gleich in welcher Region, die gewaltigen Gebirgszüge, wunderschöne Seen. Die Gegensätze von Stadt und Land, Istanbul, Kappadokien, Anatolien. Und nicht zuletzt die herzliche Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, wir haben uns jederzeit willkommen gefühlt. Gerne wieder und dann für länger, ganz bestimmt!

Güle Güle und Çok Teshekkürler!

 

Der superlange Fahrtag von gestern steckt uns in den Knochen, heute lassen wir es ruhiger angehen.

Bis zur türkisch – georgischen Grenze sind es 3½  Kilometer. Nach 500 Metern Fahrt beginnt die Lkw Schlange. Türkische, iranische, russische, ukrainische. Jeder Zentimeter zugeparkt mit Lkws. Direkt hinter dem letzten Tunnel ist der Grenzübergang Sarp/Sarpi.

Ausreise Türkei: der Grenzer läßt sich die Papiere zeigen, möchte die Honda Dax sehen. „Ah, Honda! Gut!“ Er macht ein Foto vom Moped.

Ich muß zum Fußgängerübergang. Im Gebäude irre ich etwas herum, wo geht´s denn lang? Freundliche Reisende zeigen auf die Rolltreppe. Also rauf, dann endlose Gänge bis zum Ausreiseschalter. Ich stelle mich in die Schlange.

„Only turkish passports“ steht da, oh, da bin ich wohl falsch! Nebendran ist ein unbesetzter Schalter für „Other Countries“. Ich stelle mich dort an.  Tumult bricht aus!

„NO NO NO!!“ rufen die Sicherheitsleute, aufgeregt fuchteln sie in der Luft herum, ich soll SOFORT wieder rüber zu Turkish Passports!!! Du meine Güte!

Der Pass wird gescannt, einmal in die Kamera schauen zum biometrischen Abgleich, Stempel, zack – ausgereist.

Weiter durch lange Gänge. Durch die Fenster kann ich die Rappelkiste im Lkw Chaos sehen. Alle quetschen sich dort kreuz und quer durcheinander.

 

Einreise Georgien: die Beamtin ist sehr ernst. Kein Lächeln, dafür viele Fragen, zuerst auf georgisch, dann zum Glück auf englisch.

„Zum ersten Mal in Georgien? Wo wirst du wohnen? Hotel? Camper? Welcher Campingplatz? Welche Stadt? Du reist herum? Wie lange? Wo in Georgien wirst du reisen? PCR Test oder Impfung? Herzeigen!“

Ich zücke mein Telefon und zeige den Impfpass. Verächtlicher Blick. Kein Scanner, keine QR Code App.

„Wie oft geimpft? Wo steht das? Wo ist das Datum? Herzeigen!“

Ich zeige die Impfdaten, wortlos reicht sie das Telefon zurück, Stempel, zack: eingereist! Halbe Stunde hat´s gedauert.

Jetzt stehe ich auf der georgischen Seite. Von der Rappelkiste ist nichts zu sehen. Um mich herum Wechselstuben, Versicherungsbuden, SimCardbuden, Fußgänger, Rollkoffer, Taxis, Lkws.

Eine halbe Stunde wandere ich hin und her. Auf einer großen Leuchttafel steht:

BRAVERY! Another word for Ukraine!

Tapferkeit! Ein anderes Wort für Ukraine!

 

Da ist sie! Rappelkiste schiebt sich eisern durch´s Getümmel zum Grenzposten.

„Was für ein Durcheinander“ sagt Martin „ich musste dreimal die Dax vorzeigen.“ Ohne die Papiere gesehen zu haben und noch bevor Martin das Moped überhaupt erwähnt hat, fragen die Grenzer : „Motorbike?“ Da haben wohl die türkischen Kollegen schon ein Foto geschickt.

Von Kontrolle zu Kontrolle zu Kontrolle. „Vaccination?“ Martin will den Cov-Pass zeigen…“No, no, okay!“ Alle sind sehr freundlich und höflich.

 

Welcome to Georgia!

Zuerst kümmern wir uns um die vorgeschriebene Kfz Versicherung. Die Dame in der Versicherungsbude stuft uns unbegründet in den höchsten Tarif und möchte  20% Kommisionsgebühr, nein Danke! Ein Grenzer hat Martin gesagt, wo wir 5 Kilometer hinter der Grenze eine günstige Insurance abschließen können.

Viel günstiger! Und der Wechselkurs ist auch besser, wir holen unsere ersten Lari.

Batumi liegt 12? Kilometer nördlich der Grenze. Unterwegs sehen wir viele georgische Lkws mit deutscher Werbung. So gekauft und so gelassen.

Hallo Batumi!

Der erste Eindruck:

Wohnblocks aus sowjetischer Zeit, Autos, denen Teile fehlen, holprige Strassen, chaotischer Verkehr – im Kreisel wird rückwärts gefahren, wenn es gerade nicht vorwärts geht.

Und eine wunderschöne Schrift…

 

Häuser, bunt zusammengewürfelt aus allem, was sich finden läßt. Wellblech, rohe Ziegel, Holz, unterschiedliche Fenster, Türen, Balkons, alles verbaut am gleichen Haus. Irgendwie Kunst, uns gefällt das Durcheinander. Dazwischen Altbauten, die von der früheren Pracht der Stadt erzählen.

Mitten im Wohnviertel eine Raffinerie, es riecht stark nach Diesel.

Am Meer ragen modernste Wolkenkratzer empor, Stararchitektur. Was für ein Kontrast! Dazu fette Autos, vom Feinsten. Der Verkehr ist wie „Italien hoch 5“. Rote Ampeln sind nur bunte Lichter, Verkehrszeichen lediglich Vorschläge. Aber anders als in Italien wird hier selten gehupt, alle schlängeln sich so durch. Martin liebt das. „Jeder guckt auf jeden und alle kommen flott voran!“

In einem kleinen Weinladen am Strassenrand erstehen wir die erste Flasche vom berühmten georgischen Wein. Der Händler schenkt uns noch ein Weinglas dazu. Stolz trägt er seine Deutschkenntnisse vor: „Guten Tag! Dankeschön! Gut!“

Wir fahren raus aus der Stadt. Zuviel Trubel für den Anfang. Die Magnolien blühen zwischen Schienen und Teer, wir sausen nach Norden.

Nicht weit von Batumi liegt Chakvi. Kurz davor biegen wir ab zum Strand.

Geradeso passt die Rappelkiste unter der Eisenbahnbrücke durch, wir passieren ein paar Appartmenthochhausbauprojekte und sind am Meer.

Rundgeschliffene helle Steine, gemütlich grasende Kühe ohne Hirte, ein paar schlafende Hunde, im Süden die Skyline von Batumi.

Etwas weiter hinten entdecken wir einen verfallenen Picknickplatz, eine grüne Terasse unter Pinien, wie für uns gemacht.

 

Hoppla! Direkt hinter uns verläuft die Bahnlinie! Ellenlange Güterzüge rauschen vorbei, viele viele Gas – und Petrolwaggons von Gazprom. Die Schwierigkeiten mit den Gaslieferungen nach Europa durch den Krieg in der Ukraine sind seit Tagen das Hauptthema der Nachrichten.

Statt Meeresrauschen also Eisenbahnrauschen, macht nix.

Wir bekommen Gesellschaft. Ein Mann winkt herüber und setzt sich bei uns in die Nähe. Er starrt uns an und telefoniert dabei aufgeregt und ausdauernd. Moment mal….das ist doch kein Telefon? Nein, tatsächlich, es ist eine flache Tonscherbe, die er sich ans Ohr hält. Aha?!

Nach ein paar Minuten tippt er energisch auf die Scherbe und steckt sein „Handy“ weg. Er zückt einen kleinen Ast. Seine „Zigarette“, tief inhaliert er, pustet den „Rauch“ wieder aus und winkt uns fröhlich zu.

Zack, das Tonscherbenhandy wieder raus. Das funktioniert auch als Handfeuerwaffe. Er zielt auf die friedlichen Kühe und drückt ab. Nicht getroffen, die Kühe grasen weiter….

Nach einer Stunde verschwindet er wieder.

Zeit, sich um die lose Fettkappe zu kümmern. Martin hämmert sie vorsichtig gerade, säubert alles und zieht Kleber ringsrum. Mal sehen, ob das hält.

Zwei Leute parken ihren Pkw in der Nähe und machen ein kleines Feuer. Die Frau trainiert schießen mit einer Zwille. Äußerst treffsicher!

Es wird Abend, wir genießen zwei letzte Gläser Old Sports Gin aus Griechenland.

 

Unser Nachbar kommt herüber. „Russki? Gruzinski?“ Nein, wir sprechen weder russisch noch georgisch, wie wär´s mit englisch? Njet, er zückt sein Telefon. Übersetzerapp, prima Erfindung, jetzt klappt´s mit der Unterhaltung. Woher? Wohin? Was ist das für ein Lkw? „Hier gibt´s nur russische Trucks, aber die sind nix“ sagt er. Seine Frau und er kommen aus Russland und leben in Batumi. „Besser hier zu leben als in Russland“ sagt er.

Nach 10 Minuten verabschiedet er sich, aber später kommt er mit einem riesigen Fleischspieß vom Lagerfeuer und einer Flasche Rotwein zurück. „Den Wein machen wir selbst!“ verkündet er.

Das ist so nett! Den Spieß müssen wir leider ablehenen, zu unvegetarisch, aber den Wein nehmen wir gerne! „Spasibo!“ Er freut sich, wünscht einen schönen Abend und geht wieder. „Do svidaniya!“

Das fängt ja super an in Georgien, was für ein toller Empfang!

Der selbstgemachte Rotwein schmeckt sehr rauchig, holzig, eigenwillig. Gewöhnungsbedürftig. Jetzt noch den anderen aus dem Weinladen probieren….eine starke Gewürznote, fremd, aber nicht schlecht.

Hinter uns donnern die Züge vorbei, rostige Sowjetloks mit dutzenden Waggons und blitzneue flotte Personenzüge. In Batumi gehen die Lichter an, die Hochhäuser leuchten, ein Riesenrad blinkt.

Wir bleiben erstmal hier, zum einleben.

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

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