Georgien – Entlang des Adjari Tskali zum Goderzi Pass 08.05.2022 – 09.05.2022

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Zurück zur Landstrasse, mittags überlassen wir den Fußballplatz wieder allein den Kühen.

Durch das supergrüne Tal führt die Landstrasse entlang der braunen Stromschnellen des Adjari Tskali.

Kleine Cafés und Restaurants, Marktstände und Schlauchboote am Strassenrand. Wildwasserrafting wird angeboten.

Dörfer mit schlichten Häusern, Kühe am Strassenrand, die Kälbchen hüpfen aufgeschreckt zur Seite, als wir vorbeibrausen. In der Luft hängt der schwere, süße Duft von Robinien.

Schwarzgraue Felswände, aus denen kleine Wasserfälle tropfen. Wilder Rhododendron wuchert auf den Hängen.

Nach einer Stunde Fahrt setzt Mathias den Blinker. Rechts am Fluss erstreckt sich eine Wiese unter Bäumen. Wir holpern zum Ufer, sehr schön hier! Da machen wir mal früher Feierabend!

Ein schwarzer Hund kommt begeistert angallopiert. Ein fröhliches, mageres, zerlumptes Ding, dem das Fell ausgeht.

Er bekommt erstmal ein Festessen serviert. Der weicht uns nicht mehr von der Seite…..

 

Die geklebte Fettkappe hat den Stresstest nicht bestanden. Nach dem Mittagessen muß eine neue Lösung her…

Während wir essen, rumpelt ein Wagen auf die Wiese. Ein großer, grauer Steyr, jawohl! Andrea und Gaby! „Wir haben euch von der Strasse aus gesehen!“ Prima! Da sind wir wieder zu dritt!

Gemeinsam wird an der Fettkappe getüftelt. Brainstorming.

Dann die Idee!

Ein Fettkappendeckel muß her. Wir sichten das Material. Aus was könnten wir das bauen? Aus einem Stück Siebdruckplatte schnitzt Martin ein 8-eck. Andrea zieht eine Klammer zur extra Befestigung aus dem Fundus, es wird geflext, gefräst und gebastelt. Am Ende fädelt Martin einen Spanngurt durch die Felge. Dieser hält den Fettkappendeckel an Ort und Stelle. So. Das muß jetzt halten! Sieht super aus!

Maren hat schon Holz gesammelt, wir setzen uns ums Feuer. Der kleine Lumpi hat Gaby´s Herz erobert, während sie ihn streichelt entschwebt er ins Hundeparadies. Nein, er stirbt nicht, er ist bloß völlig hin- und weg….Haushund Asma ist eifersüchtig, nervös und zappelt rum, es gibt etwas Zank. Später kommt noch ein friedlicher, honigfarbener Riese in Zeitlupe angeschlichen, na, dann sind wir ja komplett.

Um 22 Uhr gehen wir rein, telefonieren mit Freunden in Deutschland. Dort ist es noch taghell, komische Vorstellung. Die Zeitverschiebung beträgt zwei Stunden.

 

 

Vögel zwitschern, ein Hund bellt. Autos und Flussrauschen. Gaby spielt Querflöte – die Geräusche des Morgens.

Gegen Mittag brechen wir auf, wir fahren vorne weg. Die wilden Hunde sind für heute nochmal gut gefüttert.

Nach ein paar Kilometern erste Fettkappenkontrolle: Hält!

Duftende Robinienwälder, wackelige Hängebrücken überspannen den Fluss, auf den steilen Hängen rutscht eine Familie auf Knien bergauf um den Acker zu hacken. Reine Handarbeit.

Andere habens da leichter, auf flachem Grund am Flussufer.

Unsere Kolonne zieht vorbei an Minimärkten und erntet erstaunte Blicke.

Der georgische Zebrastreifenmann geht besonders energisch über die Strasse, finde ich.

Bei einer der mittelalterlichen Steinbrücken machen wir Pause. Fotostop.

Eine Stunde sind wir unterwegs, da wird die Rappelkiste plötzlich lauter….“Hörst du das auch?“ „Klingt verdammt nach Auspuff kaputt“ sagt Martin.

Wir halten, Martin rutscht unters Auto. Verflucht! Glatter Durchbruch….

Alle wieder ran. Maren füllt eine Dose Hühnersuppe um. Andrea hat stabilen Draht. Bastelstunde auf nassem Schotter.

Ich kaufe im Laden gegenüber zwei große Dosen Tomatensuppe, man kann nie wissen, wann wir den nächsten Dosenverband brauchen. Später stellt sich heraus, daß es keine Suppe, sondern zwei Riesendosen Tomatenmark sind….

Eine ¾ Stunde später sind wir wieder unterwegs.

Nur noch kurze Abschnitte auf Teer, überwiegend rollen wir über graue Steinchen-Lehmpisten durch die wunderschöne Schlucht.

Die Landstrasse wird rumpeliger, direkt neben den Reifen geht es tief abwärts in den Adjari Tskali, gruselig…

Ein großes Warnschild verkündet: Goderzi Pass Road closed!

Das darf einfach nicht wahr sein! Da wollen wir doch rüber! Egal, wir ignorieren das. Das klappt schon. Wir haben Offroadfahrzeuge, das wär doch gelacht!

Was sehe ich denn da am Himmel? Blaue Flecken! Kommt jetzt endlich schönes Wetter?

Zunächst kommen wassergefüllte Schlaglöcher und Schlammpisten.

Eine Schlammschlacht. Und wir wissen immer noch nicht, ob unser Ziel, der Goderzi Pass, überhaupt befahrbar ist.

Von den Berghängen rauschen Wasserfälle, der Adjari Tskali wird zum See aufgestaut.

Vor einer Baustelle müssen wir kurz warten. Der Kollege will erst die Strasse für uns räumen.

Dankeschön!

Die Rutscherei im Matsch ist anstrengend. Viele Baustellen. Manchmal wird es ganz schön eng – Spiegel einklappen, eine Handbreit Platz zur Kante, nur noch wenige Zentimeter und wir schlittern ab…

Pause. Maren und ich gehen Brot holen. Als wir zurückkommen stehen mehrere Polizeiwagen um die Steyr herum. Nanu?!

Alle plaudern in netter Runde, einer kann englisch, sie wollen sich nur die Lkws ansehen. „Was meint ihr? Ist der Goderzi Pass offen?“ fragen wir die Polizisten. Kurze Beratung, dann: „Der ist schwierig. Aber für eure Fahrzeuge kein Problem. Ihr könnt den fahren!“ Jippieh!!

 

Fettkappenkappe hält, da quillt nix mehr raus. Hühnersuppenverband hält auch! Weiter!

Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 8 km/h heute. Anstrengend. Ein Übernachtungsplatz wäre bald willkommen. Nichts in Sicht. Baustellen, Schlamm und Matsch, nichts zum parken über viele Kilometer. Der große Gelbe fährt jetzt voraus.

Endlich eine Wiese! Direkt neben der Baustelle. Mathias stoppt, Maren springt raus, testet den Untergrund. Fest genug für drei Steyr? Oder zu aufgeweicht?

Daumen hoch! Prima!

 

Reicht für heute. Im Tal rattert ein Schotterwerk, die Sonne scheint tatsächlich für eine Stunde, wir können uns draußen erholen. Aus allen vorbeiziehenden Fahrzeugen wird gehupt und gewunken. Auf der Wiese hüpft ein Schwarm Schafstelzen um uns herum.

Guter Platz! Klasse Tag und ein super Team!

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

2 Antworten

  1. Claudio

    Sehr cool, Julia & Martin, chapeau! Lieber Gruss aus Hellas und bis bald wiedermal, Claudio & Carla (reisekiste.ch, unterwegs Richtung Iran)

    • rappelkiste

      Hallo ihr Beiden, schön von euch zu hören! Das wäre toll, wenn wir uns im Winter unterwegs treffen würden! Unsere Richtung soll sein: Türkei, Iran, Oman.
      Wer weiß, vielleicht passt´s ja! Bis denn, liebe Grüße! Julia & Martin

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