Georgien – Nach Osten zum Paravani See 16.05.2022 -17.05.2022

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Unsere sonnigen Ausruhtage am Kvabliani sind vorüber, die Steyr WG hat sich getrennt. Jeder zieht wieder seiner eigenen Wege.

Wir düsen nach Osten, durch die Provinz Samzche-Dschawachetien. Schön, wieder unterwegs zu sein.

 

Am Strassenrand grasen die allgegenwärtigen Kühe. Gelassen und völlig unbeeindruckt von Rappelkisten überqueren sie ruhigen Schrittes die Fahrbahn.

Die nächstgrößere Stadt ist Askhaltsike. Dort wollen wir die leere Speisekammer auffüllen. Der Kvabliani begleitet uns ein Stück des Weges. Es gibt noch so manches schöne Plätzchen am Ufer zu entdecken.

 

In jedem Ort sind diese Überlandleitungen verlegt. Wasserleitungen?

Nein, Wasser würde im Winter einfrieren. Hm, rätsel…..Apropos: wir brauchen auch Wasser – und Diesel.

Ein mieses Wetter….und trotzdem leuchtet das Grün der Wiesen und sanften Hügel.

Wie gut, bei diesem Sauwetter gemütlich in der warmen Rappelkiste zu reisen und nicht mit dem Fahrrad…..

 

 

Der Tankwart der kleinen Tankstelle strahlt über´s ganze Gesicht, als wir bei ihm halten. „Full?“ fragt er. „150 Liters, please“ Mit Vergnügen!

Die Tankwartin bringt zuckersüßen Tee – ich verbrenne mir die Finger an dem heißen Becher. Sehr guter Tee! Trinkwasser haben sie leider nicht. Zum Trost bekommen wir Kekse geschenkt.

In Askhaltsikhe parken wir bei einem Autoteileflohmarkt. Auf den Motorhauben ihrer Kleinwagen bieten ein paar Männer Autoteile an. Gebrauchte Keilriemen und Reifen mit einem Hauch von Restprofil. Wir sind beeindruckt.

Ohnehin fahren hier viele Pkws in ungewohntem Zustand herum. Vielleicht liegen die Teile auf dem Flohmarkt?

Im örtlichen Spar füllen wir unsere Vorräte auf, es gibt nur wenig Gemüse aber eine große Auswahl an Wein.

Wieder wundern wir uns über die Überlandleitungen, diesmal in rot.

Einen Besuch der Sehenswürdigkeiten von Askhaltsikhe – Burg und Altstadt – heben wir uns für´s nächste Mal auf.

 

Der nächste Ort auf unserer Strecke ist Chacharaki. Der Name vereint gleich zwei hochprozentige Schnäpse in einem Wort, Prost!

Im Tal fließt die/der Kura, dort wollen wir nach einem Übernachtungsplatz schauen.

Durch das Dorf Minadze rollen wir über unbefestigte Wege bis zu einem Truppenübungsplatz.

Vielleicht nicht ganz das richtige für heute. Nochmal zurück und abgebogen, wir kommen zum Ufer der Kura. Flußabwärts befindet sich das Militärgelände. Die Soldaten grüßen freundlich herüber, sehr nett, aber direkt vorm Tor möchten wir nicht parken. Zurück in die andere Richtung, ein paar Meter flußaufwärts. Das sieht gut aus!

Am Ufer steht eine Gruppe junger Männer. Mit einem großen Kescher möchten sie Fische fangen. Einer hält einen Fünfzack bereit, wie Poseidon. Er versucht eine Unterhaltung: „Russkiy?“ „Njet…english?“ „Njet….“ Das war ein kurzes Gespräch, aber sehr sympathisch.

Maren und Mathias schicken ihren Standort, sie stehen 1500 Meter Luftlinie entfernt flußaufwärts am anderen Ufer. Schade, daß es so regnet, sonst würden wir nochmal loswandern.

 

Morgens hängt der Nebel über den Wiesen und dem Fluss. Mystisch. Wir sind früh auf und machen uns startklar.

Immer entlang der Kura, durch grüne Tunnel. Die sanften Hügel weichen schwarzen Felsen. Ein uralter CocaCola Laster fährt voraus.

Die Kura wird zum breiten Strom. Mohnbedeckte Wiesen leuchten. Die Schlucht mit den dunklen Felsen bleibt hinter uns zurück.

Asphalt wechselt auf Schlaglochpiste wechselt auf Asphalt, mitten im Verkehr tiefenentspannte Kühe.

Achtung! Gegenverkehr!

Das Pferd zieht einsam seine Kreise…..

Weißblühende Bäume sprenkeln die Hänge. Wir kreuzen durch Aspindza.

 

Auf der rechten Seite hellbraune Berge, links Terrassen, auf denen Weinstöcke gedeihen. Die Georgier besitzen die älteste Weinkultur der Welt.

Beinahe jedes Haus hat einen von Wein überrankten Hof.

Die Berge wirken wie mit grünem Samt bezogen.

Gelbe Blütenwiesen am Ufer der Kura, kleine Wasserfälle sprudeln die Hänge hinab, manche verborgen, man erkennt sie nur am Strom der dichten Blätter.

 

An der Strasse ein Dixiklo. Bezieht man die Schilder auf das Klohäuschen, ergibt sich eine ganz neue Bedeutung……

 

Wir passieren die berühmte Eisenbahnwaggonbrücke.

Nicht mehr weit bis Achalkalaki, dem Verwaltungssitz von Dschawachetien. 90% der Einwohner sind ethnische Armenier, die Grenze zu Armenien ist nur 30 Kilometer entfernt.

Die Kura ist schon vor einiger Zeit abgebogen, neben uns rauscht jetzt der Paravani Fluss.

 

Achalkalaki: schon von weitem sieht man die hohe Fußgängerbrücke.

 

Wir biegen ab Richtung Stadtzentrum und bleiben bald vor Marktständen stecken. Wir wenden, kommen aber nicht zum Zentrum: an jedem Abzweig sind Lkw-Verbotsschilder. Das bedeutet: einmal ganz außen um die Stadt herum.

An der Burgruine von Achalkalaki vorbei schlängeln wir uns ins Tal durch die Vorstadt.

Bei einer Tankstelle füllen wir Diesel für unsere Heizung auf und fragen nach Wasser. Der Tankwart zeigt uns einen dicken Schlauch. „Good water!“ sagt er und beweist es, indem er selbst trinkt. Aber der Druck reicht nicht bis nach oben zu unserer Einfüllöffnung. Schade.

Kaum sind wir wieder losgefahren, pfeift uns der Tankwart zurück. Er hat eine Lösung gefunden. Es gibt noch einen anderen Anschluß. Der Druck passt! Die Kollegen aus der Werkstatt, zuerst zurückhaltend, kommen jetzt auch mal zum gucken, alle gut gelaunt und hilfsbereit. „Gamarjoba!“

 

Im nächsten Lädchen kaufen wir ein, es gibt nicht viel: Trinkwasser in Plastikkanistern, ein paar Äpfel und Zwiebeln, ein paar Dosen. Nur das Schnapsregal ist bestens sortiert. Aber Schnaps steht nicht auf dem Einkaufszettel.

 

Hinter Achalkalaki ändert sich die Landschaft abrupt. Statt Schluchten und samtenen Bergen jetzt weites Grasland, begrenzt von schneebedeckten Vulkanen, für uns fremd und neu und umwerfend. Wir sind begeistert!

Mittendrin Großbauprojekte, ebenfalls Teile der Seidenstrasse, diesmal wird der Schienenverkehr ausgebaut. Gewaltige Brücken und Containerumladebahnhöfe entstehen.

Die Erde auf den gepflügten Feldern ist dunkelbraun, schwerer Boden, wie Torf oder Moorerde. Über den Gipfeln türmen sich Wolkenwände. Was für eine Landschaft! Großartig!

Etwa 20 Kilometer hinter Achalkalaki erreichen wir Ninotsminda.

Auf jedem Strommast balanciert ein bewohntes Storchennest.

 

Zuerst sieht Ninotsminda verschlafen und öde aus, aber es ist ein äußerst lebendiges Städtchen. An einer Strassenecke stehen zwei Marktstände, wir halten und kaufen Kräuter und Obst.

Geradeaus geht es zur armenischen Grenze, wir schwenken nach links. Am Saghamo See, nicht mehr weit, hoffen wir ein Nachtlager zu finden.

Der See kommt bald in Sicht, sehr schön. Auf den Wiesen könnte man parken, aber wir wären gern etwas weiter abseits der Strasse.

Ein paar Kilometer entfernt liegt der Paravani See. Da schauen wir mal…

In den Dörfern stehen robuste Häuser aus Stein, die jedem Winter trotzen. Schafswolle hängt zum trocknen auf der Leine. Und am Horizont hohe Berge, der Didi Abuli, 3300 Meter hoch und der 2921 Meter hohe Mount Korogli.

Die Gartenmauern aus Torf werden wahrscheinlich im Winter verheizt. Einige der dunkelbraunen Flächen sind keine Felder, sondern Torfstich.

Kurz hinter Ganzani biegen wir ab nach Poka. Ein Friedhof, eine Tankstelle, ein sehr kleiner Markt.

Hier gefällt es uns auf Anhieb. Es wirkt sehr entspannt. Ein erster Blick auf den See – traumhaft! Die alten Männer am Brunnen winken scheu zurück. Erstmal gucken, was das für Leute sind in dem Lkw.

Über Holperpiste geht es hinunter zum Ufer des Paravani Sees. Ist das schön!!

Die Rappelkiste wird am Wegrand abgestellt, wir testen zuerst, ob die Wiese aufgeweicht ist. Bloß nicht festfahren….

Im Gras bunte Farbtupfer, von leuchtend orangenen Flechten überzogene Steine.

Hier und da glitzern große Scherben- und Glasflaschenhaufen.

Uns wird das nicht abhalten, der Boden ist fest, der See ein Traum! Wir holen die Rappelkiste und steuern an einen beinahe ebenen Wiesenplatz in der Sonne, ganz ohne Scherben.

Der Blick von oben auf den Paravani See…

 

Abends treiben Reiter ihre Rinder nach Hause. Danach kommt eine riesige Schafsherde.

Ein Fischer leert seine Reusen. Möwen kreisen, Zugvögel rufen sich etwas zu. Der Himmel bewölkt sich. Es wird kalt hier auf 2000 Metern.

Wir gehen uns mal aufwärmen.

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

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