Istanbul – Beyoglu, Bosporusfahrt und noch mehr Sehenswürdigkeiten

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein | 0

Die 16 Kilometer von gestern stecken in den Knochen, wir werden heute mal den öffentlichen Nahverkehr ausprobieren und stiefeln schnurstracks rauf zur Hauptstrasse. In der Shoppingmeile schleppen und ziehen die Müllsammler ihre übergroßen Säcke, gefolgt von den Paketbergen auf den Sackkarren der Lieferanten. Die Männer verschwinden fast unter ihrer Last.

An der nächsten Strassenbahnhaltestelle möchten wir am Automaten eine Istanbul Card kaufen. Diese Plastikkarte kostet 25,-TL,  das sind ca 1,60€. Man kann sie aufladen mit Fahrgeld für alle öffentlichen Verkehrsmittel: Bahn, Bus und Fähren. Eine Fahrt kostet 6,-TL = ca 0,40€. Fährt man zu zweit, legt man die Karte eben zweimal auf den Scanner am Eingang. Simpel und klasse gemacht!

Der erste Automat will irgendwie keine Karte ausgeben. Wir versuchen es ein paar Mal, ein Mann spricht uns an und möchte uns eine Karte für 500 TL verkaufen, nein Danke! Eine junge Frau will helfen und scheitert ebenfalls. „Does not work“ sagt sie schulterzuckend. Okay, wir laufen zur nächsten Haltestelle und probieren es wieder. Geht nicht….warum nicht? Martin fragt den Wachmann am Bahnsteig, der schickt uns zum nächsten Kiosk. „Istanbul Card?“ „Yes, 30,-Lira.“ Okay, kleine Gebühr obendrauf, egal. Das Aufladen am Automaten klappt problemlos, wir steigen in die nächste Strassenbahn.

Herrliches Wetter, die Bahn fährt vorbei an blauer Moschee, Hagia Sofia und Topkapi Palast. Am Fähranleger vor der Brücke nach Beyoglu steigen wir aus. Auf dem Bosporus herrscht reger Fährverkehr, unterhalb der Brückenfahrbahn sind viele Restaurants und Cafés. Hinter uns ragt die Süleymaniye Moschee empor, die wir gestern besucht haben. Dort in der Nähe sollen sich sehr schöne Dachterassencafés befinden, das müssen wir später noch genauer untersuchen. Wir laufen rüber nach Beyoglu.

Auf der Brücke stehen alle paar Meter Angler und werfen von oben ihre Schnüre aus. Auf dem Boden ihrer wassergefüllten Eimer liegen tote Fische, darüber zappeln die noch lebendigen.

Zuerst wandern wir an der Wasserlinie entlang durch ein Gaststättenviertel. Restaurant an Restaurant, dahinter Baustellen, die Zeile am Wasser wird komplett instandgesetzt.

Wir erklimmen die Hügel von Beyoglu.

Das Viertel ist deutlich jünger, Gründerzeithäuser, 5- bis 6-geschossig mit herrlichen Dachterrassen. Die Bausubstanz ist wesentlich besser, die meisten Häuser sind renoviert. An den Hinterhäusern sind Balkone und Aufzüge angestellt. Hier verbindet sich ein modern denkender Denkmalschutz mit zeitgemäßem Wohnkomfort. Manch eine Schönheit wartet aber auch noch auf Wiederbelebung. Es ist sicher ein teureres Viertel. Bildschön mit kleinen Geschäften, edle Antiquitäten und Kunsthandwerk in den Erdgeschossen und ruhigen Gassen.

Die Istiklal Caddesi ist die große Shoppingmeile von Beyoglu.  Alle internationalen Modemarken sind hier vertreten. Von einer solchen Masse an Einkaufswilligen können unsere Shoppingmeilen nur träumen….Gepanzerte Jeeps fahren Patrouille.

 

Von der Menschenmenge lassen wir uns etwas weiter bergauf treiben, biegen dann aber wieder ab in die Seitengassen auf der Suche nach den viel gerühmten Cafés von Beyoglu. Linksrum, rechtsrum, wo sind die denn?

Schon etwas ermattet finden wir schließlich eines, das Swedish coffee house, an einem sonnigen Platz. Ein Pause vom rumwandern, mein Karottenkuchen ist vorzüglich aber Martin knabbert den trockensten Keks seines Lebens. Auffallend viele junge Männer führen wuschelige Schoßhündchen spazieren. Kleine Fellwölkchen mit Seerobbenblick.

Steil bergab geht es wieder zum Bosporus. Ein Blick auf den Galataturm, auf dessen Aussichtsplattform sich viele Menschen tummeln.

Das alte Postgebäude strahlt weiß und frisch renoviert, in den Geschäften ist nicht viel los. Von der Uferpromenade sieht man auf die Bosporusbrücke hinüber zum asiatischen Teil Istanbuls.

Was machen wir jetzt? Weiter durch Gassen streifen? Uff, schon ziemlich laufmüde…Nach Hause? Nö, auch keine Lust.

Wie wär´s mit Boot fahren?

Die Istanbul Card deckt auch Fährfahrten ab, für je 0,40€ machen wir eine schöne Bosporusfahrt und setzen über von Karaköy nach Kadiköy – nach Asien.

Ungefähr 25 Minuten, sehr schön zum ausruhen. In Kadiköy betreten wir Asien. Auf 3 Kontinenten sind wir schon gereist: Europa, Afrika und Amerika. Asien ist für uns der 4. Kontinent. Jetzt fehlt uns nur noch Australien.

In welche Richtung laufen wir los?

Ähh, laufen wir überhaupt noch weiter? Angesichts der erneuten Anstiege auf die Hügel werden wir ganz schwach… nee, nicht mehr laufen. Es ist 17 Uhr 30, ach dann nehmen wir einfach die nächste Fähre und lassen uns nochmal so nett über das Wasser schaukeln. Vorbei am Leanderturm zurück nach Eminönü.

 

Und von dort direkt in die proppevolle Strassenbahn nach Yenikapi. In der Einkaufsstrasse stehen die Angler von heute Morgen und verkaufen ihre gegrillten Fische.

Jetzt würden wir gerne irgendwo einkehren und noch ein wenig dem geschäftigen Treiben zusehen, aber keine der Teestuben kann uns entzücken.

Wir würden auch lieber etwas anderes trinken als Tee oder Kaffee.

Also nach Hause. Am Stellplatz kann man die Waschmaschine des Sportclubs benutzen und so flattert bald unsere Wäsche vor dem schönsten Sonnenuntergangshimmel. Für Abendunterhaltung ist ebenfalls gesorgt: während wir einen kühlen Gin Tonic genießen, jagt eine Freizeitmannschaft auf dem Fußballplatz dem Ball hinterher.

Unsere heutige Streckenbilanz beträgt 28 Kilometer, mehr als 6 Stunden waren wir unterwegs. Aber diesmal nicht alles zu Fuß, hurra! Ein großer Teil entfällt auf Strassenbahn und Fährschiff.

3 Tage Istanbul sind uns genug. Morgen fahren wir weiter. Eine tolle Stadt, überfordernd, hektisch, umwerfend, laut, chaotisch, voll. So viele Menschen, Autos, Häuser, Gassen, Einkaufsparadiese, Parks, Sehenswürdigkeiten – damit muß man erstmal fertig werden. Aber wir kommen sicher wieder.

 

Apropos Sehenswürdigkeiten….

Am nächsten Morgen fragen wir uns: was ist denn mit den Sehenswürdigkeiten? Hagia Sofia? Topkapi Palast? Yerebatan Zisterne? Taksimplatz? Und den Cafés in Beyoglu? Irgendwie sind wir noch nicht fertig….

Wir hängen noch einen Tag dran. Auf zur Strassenbahn bis zur Hagia Sofia.

Dort ist es sehr voll. Keine Lust, lange anzustehen. Ganz in der Nähe ist die Yerebatan Zisterne. Anderthalbtausend Jahre alt, ein 80.000 Kubikmeter Wasser fassender Speicher. Der „versunkene Palast“ Istanbuls. Auch Sean Connery alias James Bond ließ sich dort schon unterirdisch bis zu einer Geheimtür rudern. Am Medusa House vorbei, stehen wir bald vor einer Baustellenwand. Bis auf weiteres geschlossen wegen Renovierung. Schade.

Bleibt noch der Topkapi Palast. Auch nicht weit zu laufen. Oh Oh, die Schlange vor dem Ticketoffice ist demotivierend….Zumal wir gelesen haben, daß man vorm Eintritt in den Palast nochmal Schlange steht.

Möchten wir wirklich bei dem schönen Wetter lange anstehen, um dann 2 Stunden in einem Museum herumzulaufen? Eher nicht. „Nächstes Mal kaufen wir eine Müzeum Card, damit brauchen wir nirgends anstehen“ sagt Martin. So wird´s gemacht.

Die nächste Strassenbahn ist unser, wir schaukeln hinüber nach Beyoglu und steigen, auf anderen Wegen als gestern, Treppen um Treppen hinauf.

Noch mehr Treppen….

 

dann stehen wir auf dem Taksimplatz. Im angrenzenden Gezi Park kam es 2013 zu heftigen Protesten gegen ein großes Bauprojekt im Park, die äußerst gewaltsam von der Polizei aufgelöst wurden. Die schwere Gewalt löste im ganzen Land Unruhen und Proteste gegen die als autoritär empfundene Regierung der AKP aus. Um die Baugenehmigung streiten bis heute Gerichte.

Taksim ist ein großer, verkehrsreicher Platz. Hier beginnt die Istiklal Caddesi, die Supershoppingmeile.

Wir wenden uns nach Westen. Zuerst eine Hauptverkehrsstrasse entlang, dann durch kleinere Gassen – so, jetzt wird´s interessant…

Ruinen stehen neben schick renovierten Häusern. Im Erdgeschoß und im ersten Stock befinden sich die lang gesuchten Cafés und Bars. Endlich gefunden! Teilweise sitzen die Gäste draußen unter Wellblechschutzdächern, weil von oben die Ruine bröckelt. Zeit für eine ausgedehnte Pause. Im RocknRolla bestellen wir 2 frisch Gezapfte, das tut gut! Lemmy grüßt aus dem Fenster, die Atmosphäre und auch das türkische Stimmengewirr um uns rum erinnern uns sehr an unser Zuhause in Kreuzberg. Sherife! Prost!

Die Rechnung wird, dem Namen angemessen, in einer passenden Videohülle präsentiert. Sehr originell!

 

Um die Ecke gibt es ein kleines Restaurant, die „Falafel Zone“. Nach etwas Wartezeit ergattern wir einen der beiden Tische im Sonnenlicht und essen die wohl besten Falafel unseres bisherigen Lebens.

Dermaßen gestärkt wandern wir durch Seitenstrassen zurück zur Istiklal Caddesi und dort durch die Menschenmassen hinab zum Bosporus.

So wie das Kätzchen fühlen wir uns mittlerweile auch…

und machen trotzdem noch einen Abstecher zur angepriesenen, romantischen „Französischen Strasse“

die uns jedoch nicht wirklich überzeugt.

Die Strassenbahn schaukelt uns zurück nach Yenikapi, vorbei an der Hagia Sofia, deren Vorplatz fast überquillt vor Besuchern.

!8 Kilometer heute, in sechseinhalb Stunden, okay, davon entfallen mindestens eine oder zwei auf Bier trinken und Falafel essen. Ein sehr schöner Tag! Gut, daß wir noch geblieben sind.

Wir machen es uns vor der Rappelkiste gemütlich und gucken Fußball

bis es Nacht wird über Istanbul.

Nun haben wir wirklich genug. Auch ohne die Top Sehenswürdigkeiten. Man soll sich ja auch was für´s nächste Mal lassen…

 

 

Istanbul – wir kommen wieder!

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.