Jahreswechsel

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Die Weihnachtstage sind vorbei, auf dem Weg zurück nach Patras machen wir einen Zwischenstop im Erdbebenbergdorf. In den Ruinen wandern wir herum, ein alter Baum mit verdrehtem, ausgewrungenen Stamm erinnert an die „peitschende Weide“ aus den Harry Potter Büchern. Melina & Ekki sind noch mitgekommen, dann verabschieden sie sich auch. Gute Reise ihr Beiden!

Wir fahren durch bis zur Andirriobrücke, bleiben aber auf dem Festland in der Nähe des Fährhafens.
Über Silvester kommen uns Freunde von zuhause besuchen.


In der Nähe von Patras haben sie ein Haus gemietet, seit 2,5 Tagen sind sie schon durch den Balkan hierher unterwegs.
Während wir von unserem Schlafplatz aus die nächtlich erleuchtete Brücke bewundern,

sausen die beiden drüber und beziehen ihr Domizil in Kato Achaia, ca 30 Kilometer südlich von Patras.
Wir fahren morgens auf die Fähre, zum dritten Mal und schippern bei ruhiger See auf die Peloponnes.

Das gemietete Haus hat einen großen Garten, wir haben die Erlaubnis, unsere Rappelkiste da zu parken. Die letzten Meter Weg sind knifflig, der Pfad sehr eng, wir ernten im Vorbeifahren ein paar Oliven und positionieren einen Zaunpfahl neu, aber dann sind wir drin.
Wir freuen uns so, daß die Beiden gekommen sind!
Hatten wir über Weihnachten noch warme Sonnentage, sinken die Temperaturen jetzt rapide in den Keller. Unsere Freunde sind dem dauergrauen Norden Deutschlands entflohen in der Hoffnung auf Wärme und Sonne. Der Wind bläst eisig, beim Spaziergang am Meer stemmen wir uns fest dagegen. Die Beiden erfreuen sich an jedem Sonnenstrahl und findens gar nicht so kalt. Kato Achaia liegt auf einer Anhöhe, man hat einen phänomenalen Blick auf Patras und die verschneiten Berggipfel im Hintergrund.

Unbeschwert und fröhlich verbringen wir die Tage, Martin & ich genießen den Luxus von Spülmaschine und ständig verfügbarer heißer Dusche. Abends wird entweder gekocht oder wir gehen essen.

In Patras ist Markttag und wir machen einen Ausflug dorthin. Über rostige Gleise queren wir einen verlassen wirkenden Bahnhof zur Altstadt.

Auf dem Markt wird billige Kleidung angeboten. Bedauernswerte Singvögel sind in viel zu kleine Käfige eingesperrt, das tut einem in der Seele weh. Hier ist die Weihnachtszeit noch lange nicht vorbei. Wir werden fast erschlagen von all dem Weihnachts- und Spielzeugramsch. Wenn man sich vorstellt, wieviele Container voll mit diesem Plastikmüll auf riesigen Schiffsgiganten über die Weltmeere kreuzen, wird einem schlecht.

Nur die Neujahrstorten, die gefallen mir.

Am Silvestertag kochen wir abends ein superleckeres Essen und machen uns dann bereit für die Silvesterparty oben im Ort.
Mit Taschenlampen beleuchten wir den Trampelpfad hinauf ins Dorf. Sicher ist dort schon die Hölle los!
Oben angekommen, steuern wir die nächste Taverne an. Geschlossen. Überhaupt, fällt uns auf, haben alle Geschäfte und Tavernen geschlossen, wir stehen verloren zwischen den Weihnachtsblinkebäumen auf dem verlassenen Dorfplatz….ein Mann im Anzug springt noch fix in sein Auto und fährt schnell weg…..und nun? Wo erklingen die Bouzoukis, schallen die „OPPAH“ Rufe durch die Gassen, wo ist die warme Taverne in der fröhliche Menschen zum Jahreswechsel Sirtaki tanzen? Wo sind denn alle?

Vier einsame Touristen irren allein durch die bitterkalte Dezembernacht von Gasse zu Gasse….Da, ein Licht! Eine Tankstelle hat geöffnet! Es ist so eisig, wir möchten Ouzo kaufen, aber sie haben keinen. Kein Ouzo?! In Griechenland?! Ist das hier „versteckte Kamera“?
„Wartet mal ab, die Griechen feiern bestimmt erst ab 1 Uhr, die sind wahrscheinlich jetzt bei ihren Familien“ sagt Martin. Das glaubt ihm keiner. Durchgefroren und zitternd geben wir auf, um halb zwölf stapfen wir bergab zurück zum Appartment. Dann feiern wir eben alleine! Wir lassen die Korken knallen, Sirtaki und „Oppah“ können wir auch, kurz vor Mitternacht zählen wir den Countdown zum neuen Jahr runter….4..3..2..1..Prost Neujahr!!!
Und während wir uns umarmen und mit besten Wünschen überschütten, was hören wir da?
Feuerwerk über Patras!! Überall hieß es doch, sowas gibt es in Griechenland nicht? Manno, das hätten wir von oben so gut sehen können!
Was soll´s – weiterfeiern, eine Stunde später können wir erneut den Countdown runterzählen, diesmal begrüßen wir das deutsche Neujahr, Yamas! Prost!
Nach 1 Uhr hören wir oben im Ort mehr und mehr Autos. Laute Musik von einer Open Air Veranstaltung klingt durch die Nacht – – oh, wir Ungläubigen: Martin hatte Recht.
Die Silvesterparty beginnt erst um 1 Uhr nachts. Für uns ist es zu spät, keiner hat mehr Lust nochmal durch die Eiseskälte zu laufen. Außerdem amüsieren wir uns ganz großartig auf unserer eigenen kleinen Sirtaki-Silvesterparty. Willkommen 2020! Kali Chronia! Vor uns liegen die „roaring twenties“ : wir sind gespannt!

Neujahr: oben im Dorf werden die Straßen weiterhin nonstop mit Weihnachtsmusik beschallt, eine Blaskapelle spielt „Frosty the snowman“, die Damen in Achaia tragen gerne flauschige Bademäntel. Nicht nur auf dem Balkon.

Abends ist richtig was los, die Lokale platzen aus allen Nähten, die Leute haben sich sehr schick in Schale geworfen. Um null Uhr gibt es ein kleines Feuerwerk, wir gehen nach Hause und feiern dort bis morgens weiter….
Das neue Jahr bringt den Sonnenschein und die Wärme zurück. Eine Freundin schickt ein kurzes Video vom Feuerwerk am Brandenburger Tor, ich bekomme tatsächlich etwas Heimweh. Starenschwärme ziehen über uns hinweg, was für ein Schauspiel…..

Langsam räumen wir zusammen, Jutta & Bodo haben die Fähre nach Ancona gebucht, die Woche ist schon wieder vorbei. Das war die Idee des Jahres uns in Griechenland besuchen zu kommen! Wir haben uns so sehr gefreut, euch zu sehen! Dieses absurde Silvester war mit euch zusammen einfach absolut großartig!
Eine halbe Stunde lang fädeln wir die Rappelkiste Zentimeter für Zentimeter vorsichtig über den Pfad zurück auf die Hauptstrasse. Den umgenieteten Zaun richtet Bodo nachher wieder auf.
Yassu ihr Beiden, wir sehen uns im Sommer!
Der Motor dröhnt, die Rappelkiste donnert wieder Richtung Süden, wir kommen zurück nach Elea…..
Liebe Grüße, bis bald!


Julia & Martin
Drink positive!

  1. Jutta Busch

    Hallo ihr zwei,
    war so lange nicht auf der Rappelkistenseite und sehe jetzt die wunderbaren Fotos vom Silvesterausflug, ach war das schön. Die vielen Damen in den Bademänteln hatte ich schon vergessen.
    Der „Tanz“ der Vögel ist unfassbar schön und es ist immer wieder erstaunlich, dass da keine Unfälle entstehen.
    Im übrigen geht das gute Olivenöl weg wie nur sonst was, wir haben schon überlegt, euch nochmal bei Fotis vorbei zu schicken..
    Liebe Grüße aus MeckPom, es wird langsam aber sicher Frühling, juhu.

    Liebste Grüße Jutta

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