Kappadokien – Göreme Rundfahrt, ein Ausritt und das Red Valley 17.04.2022 – 19.04.2022

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein | 0

Ostersonntag, halb 5 Uhr morgens im Mondlicht. Das Stativ steht bereit, als Kamera dient das Telefon, der Zeitraffer ist eingestellt.

Auf dem großen Parkplatz im Tal bewegen sich viele Lichter, aber kaum Ballons sind zu sehen…. was ist los? Ein paar Gebläse laufen. Dann fahren die meisten Autos mit den Ballonkörben wieder ab. Merkwürdig…..

Wir bleiben trotzdem in der Morgenkälte stehen, wärmen uns mit heißem Tee und erfreuen uns an den wenigen blinkenden Riesenglühbirnen, die heute starten. Trotzdem schön, auch wenn es wenige sind.

Mit Vollgas fauchen die Flammen die heiße Luft in den Ballon, um ihn aufzurichten. Sicher nicht so einfach, das Ganze dabei nicht abzufackeln…

 

Es wird langsam hell –

und da kommen sie! Aus ganz anderer Richtung als bisher, über den Bergkamm von Osten.

Die Körbe sind voll.

 

Viele Zuschauer versammeln sich auf den Hügeln ringsum. Die ersten Reiter kommen vorbei. „Hello again! Good morning!“ werden wir von dem netten Horseguide begrüßt, der gestern unsere Rappelkiste bewundert hat.

Am Himmel immer mehr Ballons, unsere Befürchtung, es könnten heute nur wenige starten, war unbegründet.

Der kräftige Wind in den oberen Sphären macht den Ballons ordentlich Tempo.

Neben der Rappelkiste landet für ein paar Minuten ein Einzelflieger, ein Aerofotograf.

 

2 Stunden später sinken die ersten Ballons, die vollbesetzten Körbe werden auf die Anhänger gezerrt. In Zeitlupe fallen die Ballons zu Boden, erst wenn alles gesichert ist, können die Fahrgäste aussteigen.

Wir packen zusammen. Es war wieder großartig! Auch am dritten Tag ist unsere Begeisterung ungebrochen!

Wie ist der Zeitraffer geworden?

 

 

 

Heute machen wir einen Stadtbummel nach Göreme. Martin lädt die Honda Dax aus und wir düsen los. Auf der Fahrt in die Stadt treffen wir den Horseguide von morgens wieder. Hinter ihm hoch zu Roß sein Gast, eine junge Frau aus Deutschland. Ich bin hoch erfreut, es geht auch alleine? Ohne Gruppe? Martin fragt, was ein Ausritt kostet. 200TL, das sind umgerechnet 12,50€ für eine Stunde. Ich mach´s! Verabrede mich mit Ramazan zum Ausritt morgen irgendwann, wir telefonieren nochmal. Juhuhhh!

Die Strassen Göremes sind mit einer dicken Staubschicht bedeckt, vor uns fährt die Feuerwehr und sprüht Wasser auf die Fahrbahn. Große Restaurants zu allen Seiten, bunte Geschäfte und die berühmten Cave Hotels. Am Strassenrand parken Oldtimer, zu Cabrios umgebaut, sehr gut gemacht! Würde uns auch gefallen….

Wir knattern durch das Städtchen, die Dax trägt uns klaglos jeden Berghang hinauf und hinab.

 

Nach der Rundfahrt wandern wir ein wenig herum. Martin möchte Börek essen, aber es gibt keins. Unglaublich!

Vor den Geschäften und Restaurants werden wir oft angesprochen. Immer sehr freundlich, mit einem Lächeln und unaufdringlich. Uns gefällt´s in Göreme!

Zurück über die Pisten, an hunderten von Quads vorbei.

Im Sommer muß hier die Hölle los sein. Bei einer kleinen Extrarunde entdecken wir im Norden noch eine Felsenstadt, deren gesamte Front abgebrochen zu sein scheint.

Von da aus erklimmt die Dax die steilen Pisten hinauf zur Rappelkiste. Wir lehnen uns nach vorn, sonst hebt der Vorderreifen ab!

 

 

Martin hat noch nicht genug und düst noch ein wenig herum.

Der Muezzin ruft zum späten Nachmittag. Windböen wirbeln Staub auf, es wird plötzlich kalt.

Wir verziehen uns nach drinnen und suchen unsere Osterhasen. Im Weinladen haben wir einen Rotwein mit vielversprechendem Namen erstanden, den gibt es zum Hasen dazu. Feierabend!

 

Nachts legt der Wind enorm zu. Morgens bleibt es dunkel im Tal, kein Ballon startet. Als es hell wird, ist alles hinter Staubwolken verschwunden. Von Göreme und Uçhisar ist nichts mehr zu sehen. Windböen fegen den Staub über die Hügel, schon vormittags steigt das Thermometer auf 27 Grad. Wir können kaum ein Fenster öffnen. Und der Wind wird zum Sturm. Ostermontag – Sandsturmtag!

Mittags kämpft sich Ramazan durch den Staub um mir zu sagen, daß wir heute nicht ausreiten können. Das ist sehr nett, ich hatte mir das schon so gedacht.

Auf der windabgewandten Seite öffnen wir das Küchenfenster einen Spalt breit und schnüren es fest, damit der Wind es nicht aufschlagen kann. Auf dem Tisch, auf allen Flächen und im Gesicht legt sich der Staub nieder. Draußen heult der Wind, zieht und zerrt an der Rappelkiste. Windböen bis zu 90 km/h pfeifen und rütteln und es ist sehr, sehr warm. Abends macht der Wind eine kurze Atempause und legt dann für den Rest der Nacht unfassbar wütend los! Mit einer Kraft und Ausdauer, wie wir es noch nie erlebt haben. Würde die Rappelkiste irgendwann abheben – es würde uns nicht wundern. Ein lautes Getöse, ein Pfeifen und Brausen die ganze Nacht. Wirklich beeindruckend, diese Naturgewalt.

 

Und am nächsten Morgen? Klare Luft, als wäre nichts gewesen!

Auf dem Steyr sieht man die Spuren des Sandsturms. Wir sausen mit der Dax in die Stadt zum einkaufen.

Und dann bin ich verabredet – zum Ausreiten!!

Auf der Ranch von Ramazan warten zwei gesattelte Pferde. Ramazans Bruder bringt eins für mich. “ Beginner?“ Ich erkläre, daß ich als Kind und Teenager viel geritten bin. „Aha!“ Er winkt seinem Bruder, der macht kehrt und holt ein anderes Pferd. Tuschan heißt es und ist wunderschön. Zack, Helm auf und in den Sattel geschwungen, es geht gleich los!

Kaum sind wir vom Hof, wird munter angetrabt und kaum auf der Piste sausen wir im Galopp die Hügel bergan. Genauso hatte ich mir das erhofft! „Are you okay?“ fragt Ramazan. „Very okay!!“ Ich bin begeistert!

Die Pferde reagieren auf kleine Geräusche. Ein leises Schnalzen sorgt für Tempo, Tuschan galoppiert sofort an, ein leises „sssss“ bremst. Wunderbare Pferde. Wir reiten auf schmalen Pfaden zwischen den Felsen, bergauf und bergab, grandios! Die Stunde geht viel zu schnell vorbei.

Mit Gummibeinen steige ich ab. Ich bin so froh, daß ich das gemacht habe!

Martin wartet mit der Dax und wir düsen nach Hause.

 

Nachmittags schnüren wir die Wanderstiefel. Der Himmel wechselt von blau zu grau, aber das soll uns nicht aufhalten.

Zuerst geht es auf dem bekannten Weg, dann zweigen wir ab ins Red Valley. Eine dunkle „Tür“ führt in den Felsen, ein enger Tunnel schlängelt sich hindurch.

Durch Äste und Gestrüpp bahnen wir uns den Weg durch die Red Valley Schlucht.

Unter einem dicken Stein tauchen wir hindurch

und stehen vor dem nächsten Tunneleingang. Dunkel und eng….

Dahinter öffnet sich die Schlucht. Kleine Felder sind angelegt, Obstbäume und Weinstöcke gepflanzt. Der Red Valley Teegarten ist leider geschlossen.

Jetzt geht´s bergauf…..7%Steigung verkündet Mapout, na Bravo!

Harter Aufstieg! Von oben blicken wir zurück ins Red Valley. Bunte Felsen, die Erde der Felder ist rot, der Himmel dunkelgrau, es donnert….

Da werden wir wohl demnächst im Regen stehen….

Eine Gruppe Dromedare schaukelt an uns vorbei.

 

Auf breitem Weg geht es durch den einsetzenden Regen weiter, wir halten Ausschau. Irgendwo muss es eine Treppe hinab ins Rose Valley geben.

Da sind die Stufen!

Abwärts. Unten steht ein idyllisches Felskegelhäuschen. Davor ein im Unkraut eingewachsenes Motorrad.

Dahinter ein Müllberg. Es beginnt zu hageln. Noch durch zwei Felsentore und wir sind wieder im Rose Valley, bei dem schönen Kafé, wo es den guten Granatapfelsaft gibt.

Der Wirt schließt gerade ab, als wir um die Ecke biegen. „Hello!“ begrüßt er uns „Kafé?“ und schließt wieder auf. Was für ein Glück! Es donnert, blitzt und gießt in Strömen! Wir setzen uns in seinem gemütlichen Häusl auf die Bodenkissen, nebendran bollert der Ofen und der freundliche Herr macht Granatapfelsaft für uns.

 

Das Gewitter läßt etwas nach, durch den Rose Valley geht es zurück. Den Weg kennen wir bereits, aber aus der anderen Richtung. Und so sieht doch alles wieder anders aus. Im Wald singen die Vögel gegen den Donner an….

Der Sturm von gestern hat Äste abgerissen und Bäume umstürzen lassen.

Pitschnass kommen wir nach Hause.

 

Ganz schön geschafft….morgen verlassen wir unseren schönen Platz. Kappadokien hat noch viel mehr zu bieten, als das magische Ballonballett. Ein bißchen wehmütig sind wir schon, einfach zu schön hier….aber auf uns warten eine unterirdische Stadt und das Ihlaratal….

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.