Kappadokien – Markt in Avona, Heißluft und Tödürge Gölü 22.04.2022 – 24.04.2022

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Wir sind früh wach, ich schaue aus dem Fenster. Im Süden steht der Halbmond und darunter schweben in der Ferne die Heißluftballons am blauen Himmel.

Ach, das war so schön, letzte Woche…..

Jeden Freitag findet in Avona ein großer Wochenmarkt statt. Am anderen Ufer des Kizirlimak stehen große Markthallen, in denen die Stände aufgereiht sind. Unser erster Gang führt in die Molkereiabteilung. Zu Zöpfen gedrehter „Mozzarella“, getrocknete Schafskäsechips, honiggelber Käse in Wurstform. Auf den Tischen lagert Schafskäse in großen Blechkanistern, Quark und Joghurt in Eimern.

Dahinter viele Reihen mit Gemüse, sorgfältig aufgeschichtet und dekoriert. Auberginen in klein, groß, dick, tropfenförmig und wie lange Schlangen. Blankgeputzte Möhren, Zucchini in groß, klein, lang oder rund. Tomaten winzig wie Perlen oder groß wie Kindsköpfe, von dunkelrot bis blass. Marktfrauen sitzen auf dem Boden, haben vor sich Lauchzwiebeln und Kräuter ausgebreitet und halten Schwätzchen.

Wir kaufen ein, volles Programm für eine Woche. Aber während alle um uns herum das Gemüse kiloweise einsammeln, brauchen wir nur 3 Auberginen, 3 Zucchini etc. Der Zwiebelverkäufer ist fassungslos: wir möchten nur 6 Zwiebeln. Mit ungläubiger Miene lacht er uns an….oder aus?

6 Zwiebeln??!! Das kann seine Waage nicht, gibt er uns zu verstehen. Er weiß nicht, was er dafür nehmen soll. Wir zahlen ein paar Cent.

Im nächsten Gang Gewürzstände mit merkwürdigen Dingen. In Eimern quillt etwas, das aussieht wie Perücken, in goldgelb oder rotbraun….

Später finden wir heraus, daß das Tabak ist.

Ein Mann spricht uns auf französisch an, wir plaudern ein wenig. Er fragt, woher wir kommen? „Ah, dann können wir auch deutsch sprechen!“ Er hat viele Jahre im Elsaß gelebt. Sehr nett.

Zurück zu den Käseständen. Wir fragen einen jungen Mann nach „Koyun“ = Schaf. Er hat Feta, wir kaufen einen Block „Ezine“. Wie sich herausstellt, einer der besten Schafskäse, den wir je gegessen haben.

Mit vollen Einkaufstaschen wandern wir zurück zur Rappelkiste

laden alles ab und schauen uns anschließend die Stadt an. Vor allem auf die berühmten Töpferwaren sind wir sehr gespannt.

Eine nette Altstadt, die Häuser von restauriert bis verfallen, alles dabei. Die restaurierten Häuser sind alle Hotels. Hübsch.

Aber wo sind die Töpferwaren? An einem kleinen Platz finden sich ein paar Geschäfte mit Tongeschirr. Bunt oder erdfarben, Pötte, Kannen und Kitsch, überall dasselbe. Hm….

 

In einem Weinladen kaufen wir kappadokischen Rotwein aus Ürgüp, den guten Öküzgözu und nehmen den Uferweg zurück zur Rappelkiste. Auf dem Rückweg schwärme ich von den Ballons am Morgenhimmel……ach, warum nicht? Wir fahren nochmal nach Göreme, nur diesmal an einen anderen Platz!

Richtung Ortahisar zieht der Steyr die steilen Serpentinen hinauf, vorbei am Freilichtmuseum von Göreme. Dort ist ordentlich was los, Busse und Besucherströme kommen uns entgegen.

Über eine Staubstrasse rumpeln wir zu dem versteckten Platz hinter einem Felsen, den wir auf einer der Wanderungen entdeckt haben. Windgeschützt, sonnig und fernab dem Trubel. Zeit für ein Sonnenbad….und Nichtstun….

Oben auf einem kleinen Hügel mit Überblick, klingt der Tag aus, leise klirren Eiswürfel im Gin Tonic zum Sonnenuntergang. Schön, daß wir nochmal hergefahren sind….

 

 

 

Ein klarer, kalter Morgen – von Osten kommend fliegen sie über uns hinweg.

Sie tanzen auf und ab am blauen Himmel und ziehen uns erneut in ihren Bann….

 

 

Der Tag wird so warm, daß wir die Markise ausrollen und uns freiwillig in den Schatten verziehen. Martin repariert die instabile unterste Stufe unserer Leiter. Die gute Tat des Tages. Ansonsten ruhen wir nur aus

und sitzen abends wieder auf unserer Sonnenuntergangsterasse, bis es zu kalt wird. Feierabend!

 

 

 

Heute ist unser Abreisetag. Kurz vor Sonnenaufgang lauschen wir zum fünften und letzten Mal dem Getöse der Heißluftgebläse im Tal.

Der Wind treibt die Riesenbirnen heute direkt über den Rose Valley, sie fliegen tief zwischen den Felsen hindurch und nehmen am westlichen Talende den Aufzug nach oben

Nein – das wird niemals langweilig!

 

Zehn ganz wunderbare, unvergessliche Tage liegen hinter uns. Wir müssen uns losreißen und langsam mal vorwärts kommen. 320 Kilometer Strecke haben wir uns für heute vorgenommen. Ein langer Fahrtag  –  nach Ostanatolien.

Auf Wiedersehen, Kappadokien!

 

 

 

Wir verstauen unsere Sachen und starten.

Auf der D300 sausen wir immer geradeaus Richtung Kayseri.

Eine Dunstglocke hängt über der Stadt, die sich – aufgereiht wie eine kilometerlange Kette aus Hochhäusern – vor grandioser Bergkulisse dahinzieht.

Die gigantischen Neubauprojekte stehen in hartem Kontrast zu den Nomadenzelten am Strassenrand. In jedem Strauch und auf den Feldern liegt Plastikmüll.

Dreieinhalb Stunden geradeaus, ganz schön einschläfernd…..

Ab Sivas wird es etwas hügelig und wir fahren auch mal eine Kurve!

Aber nur kurze Zeit, dann…….gähn……sechseinhalb Stunden lang…..boah, bin ich müde……Martin zum Glück nicht!

Endlich kommt der ersehnte Abzweig zum Tödürge Gölü, unserem heutigen Fahrziel. Schlagartig werde ich wach!

Wir rumpeln über die Piste, halten Ausschau nach einem schönen Platz.

Die Piste endet vor einem geschlossenen Freizeitpark, wir wenden und laufen ein paar kleinere Pfade ab, hinab zum See. Dann wissen wir wohin.

Zwischen den Steinen staubt feinpudrige, braune Erde. Ein Hirte hoch zu Pferd zieht mit einer großen Kuh – Ziegen – Pferdeherde vorbei und winkt uns freundlich zu. An seiner Seite trabt ein kalbsgroßer Monsterhund, wie eine Riesenhyäne. Zu unserer Erleichterung interessiert der sich für uns nicht die Bohne.

Wenig später hält ein föhliches, junges Pärchen im schicken Geländewagen neben uns. Wir unterhalten uns auf französisch-englisch und sie empfehlen uns ein Tal ganz in der Nähe, wo ein Wolfsrudel lebt und man Bärenspuren finden kann. Auf eine nächtliche Begegnung mit Bären verzichten wir heute gerne, wir bleiben lieber hier.

Über uns trillern, schnalzen und gurgeln sich Feldlerchen die Seele aus dem Leib. Die Abendsonne läßt das Wasser erst intensiv türkis leuchten und taucht es schließlich in glänzendes Gold.

Feierabend!

Für morgen haben wir uns wieder eine lange Strecke vorgenommen, in die Berge und durch die Hochebenen Ostanatoliens.

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

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