Kappadokien – Rose Valley 16.04.2022

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Fünf Uhr morgens, Vollmond über Göreme. Wir eilen hinauf zum kleinen Plateau. Die Gebläse dröhnen schon im Tal, die Ballonfahrer sind deutlich früher dran als gestern.

Im Feuerschein der Gasflammen blinken die Ballons,

das grandiose Schauspiel beginnt erneut

Eilig wird gestartet, ein wolkenloser Himmel, heute können sie den Sonnenaufgang im Osten und den Vollmonduntergang im Westen gleichzeitig erwischen.

In der Morgendämmerung steigen die Ballons hoch hinauf

Fauchend schweben sie an uns vorbei, die Leute in den Körben jubeln und winken. Ein paar Ballons gleiten zwischen den Felsen hindurch über unsere Rappelkiste

Wir können uns nicht sattsehen, es ist einfach fabel – märchen – zauberhaft!

Um 6 Uhr beleuchtet die aufgehende Sonne die Burg von Uçhisar und Göreme und taucht alles in ein magisches Licht

Das müssen hunderte Ballons sein!

 

Es ist der Samstag vor Ostern. Wesentlich mehr Leute sind unterwegs als gestern. 3 junge Deutsche gesellen sich zu uns auf´s Plateau. Sonnenaufgangsreiter kommen rauf um Fotos zu machen. Der junge Mann auf dem Pferd weiß sehr genau welche Posen er fotografiert haben möchte. Seine Freundin muß ihre Jacke ausziehen und sitzt im bauchfreien Top in der Morgenkälte. Es sind gerade mal 2°C.

So, recht nett, aber jetzt lieber wieder Fotos von ihm selbst…..Der Pferdeguide knipst und knipst.

100 Meter weiter werden Hochzeitsfotos gemacht. Auf den Hügeln im Westen hebt ein Kran Frauen in wehenden Abendkleidern in die Höhe für Schwebebilder vor den unzähligen Ballons.

Es ist ganz anders als gestern, viel mehr Rummel. Aber das stört uns nicht. Wir lassen uns weiter verzaubern von den schwebenden Ballons….

 

Gegen 7 Uhr landen die ersten, für heute ist das Spektakel vorbei.

Diesmal legen wir uns aber nicht wieder hin. Vesperbrote werden eingepackt, die Wanderstiefel geschnürt, um 8 Uhr wandern wir los.

Gestern haben wir schon den schmalen Durchschlupf zwischen den Felsen gesehen und das rostige Schild, daß zum Rose Valley Wanderweg weist.

 

Zunächst folgen wir den Spurrillen, die die Pferdehufe der Reiterkarawanen ausgetreten haben. Hinunter ins Tal, vorbei an den Wellen der hellen Tuffsteinfelsen. In die Schlucht hinein geht es in einem halbtrockenen Bachbett.

Über uns faucht ein einzelner Ballon mit einem kleinen Körbchen.  Nur eine Person, ein Privatflieger.

Durch ein Felsentor geht es in den „Rose Valley“.

Ein lichter Wald, links und rechts erheben sich die hellen Felswände. Vögel schlagen laut zwitschernd Alarm. An einer Felsnase vorbei schlängelt sich der Pfad in die Schlucht. In den Felsen sehen wir überall Fenster, Türen, bis hoch hinauf in die Spitzen. Das Gestein ist so weich, daß man es mit den Händen abreiben kann. Festgebackener Sand.

Jahrhundertelang haben hier Menschen gewohnt. Über Trittmulden könnten wir nach oben klettern, die Höhlenwohnungen auf eigene Faust erforschen. Wir sehen, wo Wände abgebrochen und Decken eingestürzt sind, das ermutigt uns nicht gerade, da reinzusteigen…..In die Wände sind winzige Nischen gegraben, ebenmäßig und exakt wie Waben. Für Öllämpchen?

Es geht wieder durch ein großes Tor, immer auf dem matschigen Weg. Wasser plätschert im Weggraben.

Plitschplatsch, vorwärts durch den Matsch zum dritten Torbogen. Irgendwann in grauer Vorzeit ist das jetzt so kleine Bächlein hier als reißender Fluss durchgerauscht und hat alle diese Tunnel gegraben.

Die ganze Schlucht ist eine große Stadt. Die Felsen müssen völlig ausgehöhlt sein. Wir stellen uns vor, wie die Leute vor dieser Felswand standen, auf der Suche nach einer Bleibe…. wie sie anfingen Löcher hineinzukratzen, um sich hier eine Wohnung zu schaffen. Wie sie das Loch vergrößert haben bis sie einen Raum hatten und von da aus weiter, noch ein Zimmer nebendran oder nach oben……Was für eine Idee, den Fels von außen nach innen auszuhöhlen, bis Räume, Kammern, Küchen, Gänge, Fenster, Türbögen entstehen. Ein Lüftungssystem zu graben, Wasserrinnen anzulegen, Viehställe und Vorratskammern rauszukratzen – unglaublich!

Geschickte Kletterer müssen die Bewohner gewesen sein. Die Trittmulden gehen senkrecht am Fels in die Höhe. Was war mit den alten Leuten? Wie sind die da rauf und runter gekommen? Es wird sicher auch Leitern gegeben haben.

 

Etwas tiefer in der Schlucht steht in einer Höhle ein Sofa, daneben lehnt am Felsen eine verlassene Taverne. Nach 1 ½ Stunden wandern wäre eine kleine Rast jetzt höchst willkommen, aber hier geht nix mehr. Das Örtchen könnte man noch benutzen, wenn man müßte….

Außer uns sind noch keine Wanderer unterwegs, die Vögel in der Schlucht trillern und singen mit frühlingshaftem Elan….

 

Nun heißt es Kopf einziehen:

die nächste Tunneldecke ist niedrig, der Weg windet sich durch ein Labyrinth in den nächsten Felsenbogen. Diesmal kathedralenartig hoch, Achtung! Steinschlag! Am Boden liegen große Brocken, die aus der Decke herabgestürzt sind. Da hilft auch kein Helm mehr, schätze ich…Hoffentlich hält es jetzt gerade in diesem Moment…..

Spektakulär!

Und nach nur wenigen Metern das nächste Highlight: eine wunderbare Taverne in einem blühenden Garten.

Pause!

Vom freundlichen Wirt bekommen wir einen frischen Granatapfelsaft gepresst. Natürlich aus seinen selbst geernteten Früchten. Im Garten singen die Vögel….

Dieses Kafé ist so liebevoll ausgestattet, mit viel Sinn für Details, wie den Wasserhähnen aus Baumwurzeln. Ein wunderschöner Ort zum Verweilen.

 

Gut, daß wir uns gestärkt haben, denn jetzt geht es steil bergauf! Uff, fast oben angekommen, schauen wir nochmal zurück ins Tal.

Etwas außer Puste! Oben belohnt uns der weite Ausblick. Wilde Mandeln in voller Pracht und Weinfelder. Auf einem rot blühenden Feld steht ein großes Bett unter einem Baum, ein Bett im Krautfeld…

Wir finden einen Picknicktisch und packen unsere Brote aus. Von hier sieht man die Burg von Uçhisar, diesen durchlöcherten Felsen. Und auf der anderen Seite den Vulkan Erciyes Dagi, dessen Ausbrüchen die märchenhaften Felskegel Kappadokiens größtenteils zu verdanken sind. Fast 4000 Meter ragt er auf, schneebedeckt, dort soll es ein Skigebiet geben. Aha! Das wär noch was….wir sehen schnell nach: Saisonende! Schade!

Auf dem Kamm entlang geht es weiter, zu den großen Panoramic Plätzen. Auch von hier starten Ballons. Und der Überblick ist morgens sicher grandios. Wir schauen auf Rose Valley und weiter östlich auf Red Valley.

Auf den Panoramic View Plätzen stehen Tische und Bänke, eine fröhliche spanische Jeepgruppe schießt Selfies, ein paar Pferde warten auf Reiter.

Wir schauen hinunter ins Tal nach Göreme. Irgendwo muss doch…..wo ist die Rappelkiste?

Da!

 

Der Sand knirscht unter den Wanderstiefeln, wir trotten bergab, durch die hellen Wellen des Tuffsteins.

Ganz schön steil runter, zum Glück sind wir den Weg nicht umgekehrt gelaufen, das alles bergauf?…….Phhhhh…..

Bald sind wir am Abzweig angekommen, der uns morgens ins Rose Valley geführt hat. Wieder in den Spurrillen des Pferdepfads, da kommen sie uns schon entgegen, die Reiterkarawanen und die Wanderer. Im Tal wirbeln die Quads Staub auf, willkommen zurück im Trubel!

 

Wir sind fast zuhause, der Weg führt um einen großen Felsen herum. Und den werden wir uns jetzt mal von innen ansehen:

 

Hereinspaziert!

Vom Eingangsraum führt ein niedriger Gang weiter nach oben. Kopf einziehen…

Der nächste Raum, scheinbar eine Sackgasse. Aber in eine Wand sind Kletterhilfen gegraben. Durch einen senkrechten Schacht könnten wir weiter hinauf.

Ich versuch´s. Die Kletterhilfen sind perfekt gemacht. Eine kleine Mulde für den Daumen, die Finger legen sich in der Nische fest um einen kleinen Griff.

Wieviele Menschen haben schon ihren Daumen in die kleine Mulde gelegt, um sich an der Wand hochzuziehen? Mir fehlt dazu ganz schlicht leider die Kraft…

Also verlassen wir diese Wohnung und betreten stattdessen nebenan eine Bäckerei? Oder eine große Küche? Mehrere Feuerstellen mit Rauchabzügen, ein Wasserbecken mit Regenwasserzulauf, eine Vorratskammer, überall Nischen in den Wänden. Auch hier führen Trittmulden nach oben, aber das obere Stockwerk ist eingestürzt, der Weg versperrt.

Ein Eingang weiter befindet sich eine Kirche. Über ein paar Gräber hinweg steigen wir in die Kapelle. Klein und dunkel….

 

 

Nur noch ein kurzer Weg zur Rappelkiste. Es ist längst Mittag geworden. Gleich früh morgens loszuwandern hat sich gelohnt. Was wir alles gesehen haben!

Den Rest des Tages verbringen wir zuhause, versüßen uns den Nachmittag mit selbstgebackenen Apfelkrapfen. Ein Pferdeguide kommt vorbei: „Hello! Good car!“ ruft er rüber, Daumen hoch. „Beautiful horses“ rufen wir zurück. Wirklich wunderschön, silbrig glänzend und temperamentvoll. Ähnlich den arabischen Pferden. Er hat nur 2 Reitgäste dabei, das geht also auch ohne die Riesenkolonne. Vielleicht sollte ich doch?

Immer mehr Wolken ziehen auf. Martin spielt Ukulele, später schallt der Gesang des Muezzin über das Tal, hinter den Felskegeln geht der Vollmond wieder auf.

 

 

Ob das Wetter umschlägt? Morgen ist Ostersonntag, da wird´s sicher voll….werden die Ballons starten?

Wir sind bereit für noch eine Runde, morgen früh um 5 Uhr werden wir da sein, wenn die Magie erneut beginnt….

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

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