Konvoi – Igoumenitsa, Kanalí, Prevezza, Lefkada

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Der Wecker klingelt, ein ungewohntes Geräusch. Draußen ist es noch dunkel, wir müssen früh raus. Heute kommt die Fähre mit unseren Freunden an. Im ersten Morgenlicht düsen wir nach Igoumenitsa. An einem Häuschen ein Gruß von 1UP aus der Heimat Kreuzberg.

Die Rappelkiste wird mit Hafenüberblick platziert, wir sind vorbereitet: mit Kaffee, unseren Griechenlandfähnchen und Fernglas ausgerüstet sitzen wir auf dem Dach und halten Ausschau. Immer wieder mal ein Blick auf die Schiffsfinderapp, die Hellenic Spirit dümpelt auf den Hafen zu, schon über eine Stunde zu spät. Wir warten……..DA! Endlich schiebt sich der weiße Bug an den Felsen vorbei in die Hafeneinfahrt.

 

 

Aufgeregt beobachten wir das Entladen. Alle nichtgriechischen LKWfahrer müssen zum Coronatest. Lange Zeit nur Lkws, dann fährt der Unimog von Sylvia und Alfred an den Kontrollpunkt. Hurra! Wir schwenken wild unsere Fähnchen, rufen, sie entdecken uns und winken freudestrahlend zurück. Die nächste: „INGRID!!!“  in ihrem Mercedes Bremer 4×4 sieht sie uns erst, als Martin laut ruft. Keiner muss zum Test, alle kommen zum Parkplatz gefahren, die Freude ist riesig groß!! Die Überraschung ist voll gelungen!!

Wir verteilen unsere griechischen Fähnchen, lernen Herbert kennen, der sich spontan entschlossen hat, Ingrid mit seinem Hymer Wohnmobil zu begleiten. Zufälligerweise sind auch Claudia und Uwe mit ihrem Feuerwehrlkw an Bord der Hellenic Spirit gewesen. Die beiden haben wir 2018 in Marokko kennengelernt. Alle schnattern eine Stunde aufgeregt durcheinander, schließlich steigen wir in die Autos und die Karawane zieht los.

Alle hinter uns her, unsere fünf Wagen erregen einiges Aufsehen. In Karavastosi findet jeder einen Platz, Claudia und Uwe stürzen sich sofort jauchzend in die Fluten. Es gibt viel zu erzählen, wir plaudern uns durch den Nachmittag.

Abends hören wir plötzlich mehrere krächzende Schreie in der Dunkelheit. Unheimlich, ein verletzter Rabenvogel? Mit der Taschenlampe leuchten wir ins Gebüsch, zwei glühende Augen starren uns an….ein Fuchs! Später in der Nacht schnappt der sich Uwe´s Flipflops und kaut sie ordentlich durch.

Der nächste Tag verregnet, in den Regenpausen wird gefachsimpelt, geplaudert, gelacht und was buntes getrunken. Blitz und Donner begleiten uns durch die Nacht.

Der Morgenhimmel verheißt weiterhin mieses Wetter – Aufbruch! Die Feuerwehrler suchen die nächste Welle, wir anderen suchen den nächsten Strand. Tschüß ihr beiden, wir treffen uns sicher wieder!

Mit dem Konvoi durch das enge Anthousia zu fahren ist nicht ohne, den Schulbus treffen wir zum Glück erst am Ortsende.

In Höhe des Acheron Deltas klart der Himmel auf, bei Vrachou biegen wir ab, durch eine schmale Gasse geht es zum Meer. 50 Meter vorm Ziel muß Herberts Hymer passen. Durch diese hohle Gasse wird er nicht kommen. Wendemanöver, vorsichtig wird rangiert, die Reifen drehen im Matschboden durch, rutschen weg, der lange Überhang nur noch Zentimeter über dem Boden. Die Schürze beinahe in den Zaun gesetzt, die Rückseite fast in die Mauer gefahren, nach vier Anläufen ist er rum. Mückenschwärme fallen währenddessen über uns her, alle sind froh, als wir aus der Sackgasse raus sind. Nur wenig später führt eine bequeme Teerstrasse hinunter zum Strand, über einen breiten Schotterweg finden wir zu unserem Plätzchen. Steiniges Ufer, braune Algenfetzen überall. Die Algen sollen ja sehr gesund sein, antioxidantiv und antibakteriell, aber das lockt uns auch nicht ins Wasser, schwimmen fällt heute aus.

Am nächsten Tag haben sich die Wolken verzogen, Zeit für einen Strandspaziergang im Sonnenschein.

Noch ein Steinmännchen gebastelt, dann ziehen wir 8 Kilometer weiter über Nebenstraßen zum Paralía Kanali.

 

Oberhalb eines langgezogenen Sandstrandes parken wir. Eine verlassenene Beachbar wird unsere Privatterrasse mit Blick. Die hohen Wellen wälzen sich dunkelbraun vor Algen an den Strand. “ Die Fussel sind morgen weg“ prophezeit Martin. In der nahen Taverne gehen wir abends essen, leider nicht empfehlenswert. Man kann auch nicht immer Glück haben. Aber die Katze ist niedlich

Ein wundervolles Morgenrot lockt uns früh raus, tatsächlich: die Algenfussel sind weg. Sylvia und Ingrid backen Apfelkuchen, den verputzen wir später auf unserer Terrasse, Wäsche flattert im Wind, das Bier schmeckt, wir bleiben……

 

Nach zwei Tagen wollen wir weiterfahren, zuerst noch Wasser tanken. Kaum ist der Schlauch angesteckt, beginnt auch der Himmel zu tröpfeln. Wahrhaftig aus heiterem Himmel – vorhin haben wir noch in der Sonne gelegen, na bravo! Unerwartet stehen wir im Regen, aber damit nicht genug: auf einmal Donner und Blitz, ein kräftiger Wind, Sturm peitscht den Regen über den Strand. Wir haben nur Glück, daß wir im Windschatten der Rappelkiste stehen! Eisern trotzen wir dem Wetter, füllen unseren Wassertank, klettern anschließend gut durchnässt ins Fahrerhaus.

Kaum drinnen hört wie auf Knopfdruck alles auf – die Sonne kommt raus, nicht zu fassen!!! Wir haben es geschafft, genau in den 15 Minuten Wasser zu tanken in denen es gestürmt hat!!! Die anderen tanken gemütlich im Sonnenschein, dann reisen wir weiter nach Prevezza. Wir mögen die kleine Stadt sehr gerne und die anderen kennen sie noch nicht. Auf dem Parkplatz steht die Feuerwehr, so schnell trifft man sich wieder. Wir schlendern in die Stadt zu unserem Lieblingsrestaurant. Der Abend ist mild, wir sitzen unter dem duftenden Jasmindach draußen und schlemmen, drinnen spielt die Liveband inbrünstig ihre schmachtenden Lieder.

Den nächsten Vormittag verbummeln wir in der Stadt.

Nach einem Bad in der leicht müffelnden Lagune starten wir die Motoren.

Die Reiseleitung im Steyr voraus. Unser Ziel ist die Insel Lefkada. An Salzwiesen vorbei, über die Schwenkbrücke und die schmale Landzunge entlang fahren wir zur Westseite der Insel. Parallel zum 7 Kilometer langen Yirastrand mit seinen Windmühlen geht es weiter, dann schrauben wir uns rauf in die Berge. Von oben haben wir einen wunderschönen Blick auf die Inselhauptstadt Lefkas und die Lagune, die Ortsdurchfahrten sind erfreulich entspannt

 

Bis Kalamitsi uns den Wind aus den Segeln nimmt. Holla, diese Ortsdurchfahrt ist eher was für Kleinwagen. Heikel, aber zu schaffen, der gesamte Konvoi quetscht sich durch die engen Gassen.

Weiter bergauf, am Strassenrand Sträucher im Herbstlaub, voraus grüne Tannenwälder, Lefkada ist wunderschön!

Im Bergdorf Chortata winkt uns eine freundliche alte Dame. „Die lebt bestimmt schon immer hier“ denke ich. Wenig später biegen wir rechts ab zum Paralía Gialo. Nichtsahnend rollen wir durch einen Olivenhain.

 

Und dann kommt´s:

jäh geht´s abwärts, höllisch in die Tiefe. Achterbahnfahrt runter durch 11 enge Serpentinen. Im hohen Fahrerhaus wirkt es, als ob wir in den Kurven direkt über dem Abgrund schweben – bitte, liebe Bremsen, haltet durch!!

Das Meer tief unter uns leuchtet türkis, atemberaubend wie die ganze Strecke, erleichtert kommen wir unten an

Erstmal durchatmen und parken.

Am Ende des Schotterweges steht ein großer Truck…….Arne und die ganze Familie! Eine kleine Beachbar hat geöffnet, das nutzen wir sofort aus.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange plaudernd vor dem Unimog, irgendwann gehe ich ins Bett. Mitternacht, ich bin noch wach, als draußen plötzlich Taschenlampen aufleuchten. Unter meinem Fenster erhebt sich vielstimmiger Gesang:  „Happy Birthday“  – denn ich habe heute Geburtstag! Was für eine tolle Überraschung, ich freue mich sehr! Danke für das Geburtstagsständchen!

Ein lustiger Tag mit Geschenken, Prosecco und Kuchen. Freunde und Geschwister rufen an und singen für mich. Wir schwimmen im Meer, hängen in der Sonne rum, abends kocht Ingrid für alle, danach sitzen wir mit Rotwein am Lagerfeuer – ein wunderschöner Geburtstag! Danke euch allen!

Aber die Party ist noch nicht vorbei, denn am nächsten Tag hat Herbert Geburtstag. Weiter geht´s mit Prosecco, Apfelkuchen und Schlagsahne – zwei Tage Geburtstag feiern macht Spaß!

Paralía Gialo ist ein Traum. Was für ein Blick morgens aus dem Fenster! Am Horizont die Fähre nach Patras, später, beim Lagerfeuer, sieht man sie, beleuchtet wie ein Christbaum, wieder zurück nach Igoumenitsa fahren.

Wir wandern am Strand entlang zum verlassenen Campingplatz. Ein hölzerner Cerberus faucht uns an

Lustige grüne Büschelchen überziehen jeden Hubbel, es duftet nach Rosmarin

Die ehemalige Imbissbude mit Meerblick ist komplett verfallen

Fast eine Woche verbringen wir mit schwimmen und faulenzen, einfach zu schön um weiterzufahren. Aber irgendwann kommt dann doch der Moment der Abreise.

Ungern verlassen wir den Strand, am späten Nachmittag rollen wir auf die Fahrbahn und erklimmen die Serpentinen. Ein letzter Blick zurück hinunter zum türkisfarbigen Wasser, seufz, war sehr schön hier…

Bergauf geht´s eindeutig leichter, acht Minuten brauchen wir, hier verkürzt auf zwei Minuten ( Achtung Schwindelgefahr ) – los geht´s:

 

Unser nächstes Ziel ist die kleine Bucht von Vasiliki am südlichen Ende von Lefkada.

Bis dahin, liebe Grüße!

Julia und Martin

Drink positive!

Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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