Breit, glatt geschoben und in Topzustand. So sieht die Piste aus.
Wir fahren durch Mennoniten-Land.
Die Felder exakt ausgerichtet. Kein Unkraut, alles geradlinig und geordnet. Riesige, stabil gebaute Scheunen in grau oder ziegelfarben.
Die GÀrten voller Blumen, sorgfÀltig gestutzte Hecken.
Prachtvolle Einfahrten zu groĂen FarmhĂ€usern, die wiederum sehr schlicht und schmucklos daherkommen.
Dieses Bild von Landleben ist ganz schön anders, als das, was wir bisher in Paraguay gesehen haben. Als wÀren wir in einem anderen Land.
Wir sausen dahin, vorbei an gewaltigen Silos
Alle MĂ€nner in der typischen Latzhose
Die BlumengÀrten sind die einzigen Farbtupfer. Alles andere kommt eher funktionell und schmucklos daher. Aber eine Palmenallee gehört wohl unbedingt zu einem Haus dazu..
Nach 19 Kilometern wechselt die Piste plötzlich auf Asphalt, jetzt fliegen wir dahin!
Und sind wieder in Paraguay!
Farbenfrohe HĂ€user, Leute, die im Schatten sitzen, alles etwas chaotisch und unordentlicher.
Alles wieder etwas kleiner und bunter
AuĂer den Silos und den Sojafeldern. Soja, wohin das Auge reicht….
Wir durchqueren kleine Ortschaften
Und rollen durch weites, grĂŒnes Land
10 Uhr morgens. Eben hingen die armen Schweine noch vor den LĂ€den am Haken, jetzt schmurgeln ihre Einzelteile schon auf den qualmenden Asados.
36°C, warmer Fahrtwind föhnt durch die Kabine.
Mitten auf der Strasse steht ein Mann und hÀlt ein Schild hoch. Das sehen wir hier immer wieder. Sind das Protestschilder? Wir können es nicht lesen.
Unser Ziel ist die Laguna Blanca. Ein groĂer Badesee.
Die letzten zwei Kilometer zum See rumpeln wir ĂŒber eine Piste.
Laguna Blanca, die weiĂe Lagune….das klingt romantisch…wir haben schöne Fotos im Netz gesehen.
Tja… Internet und RealitĂ€t….
Laguna Blanca entpuppt sich als durchorganisierte Badeanstalt. Der Campingplatz ist nur fĂŒr Zelte, aber wir können davor auf dem Parkplatz ĂŒbernachten.
NatĂŒrlich gegen GebĂŒhr. Wie lange wir bleiben wollen? Wir wissen es nicht, sagen dann erstmal fĂŒr drei NĂ€chte.
30.000 GuaranĂ wechseln den Besitzer.
WĂ€hrend wir mittagessen, denken wir, daĂ uns das hier gar nicht so gut gefĂ€llt…..irgendwie merken wir, daĂ wir nur bis morgen bleiben werden….
Wir wandern zurĂŒck zur Kassiererin und erklĂ€ren, daĂ wir morgen wieder fahren und deshalb unser Geld zurĂŒckhaben möchten.
Sie reicht mir einen 10.000 PYG Schein. No, no! Morgen! Wir fahren morgen wieder! Also nur eine Nacht!
Tja…
Der Preis wird nicht pro Nacht, sondern pro Tag berechnet. Tricky! So zahlen wir zweimal, fĂŒr heute und morgen, statt fĂŒr eine Nacht. Alles diskutieren nĂŒtzt nichts, sie besteht darauf. Es ist nicht viel Geld, aber trotzdem fĂŒhlt es sich etwas neppig an.
Der Eintritt zum See kostet dann nochmal 30.000 PYG pro Person.
Die Lagune an sich ist wirklich schön.
Wie in einer Badeanstalt gibt es abgetrennte Badebereiche, in denen wir planschen dĂŒrfen. Das Wasser ist pisswarm und reicht uns gerademal bis ĂŒber den Bauch. Aber immerhin: Wasser!
Wir finden einen netten Schattenplatz unter einem Strohschirm.
Lustig sind die Picknickinseln im Wasser. Dort hocken die Leute auf kleinen Schemeln und sĂŒffeln ihre Caipirinha.
Ist doch ganz schön hier…
Abseits steht eine Gruppe Menonniten im Wasser. Die Frauen und MĂ€dchen stehen eng zusammen, in ihren dunklen Kleidern, den StrohhĂŒten und mit Sonnenschirmen. Etwas seltsam wirkt das schon…
Getrennt davon stehen die MĂ€nner und Jungs im Wasser. Alle in Latzhose und Karohemd. Die toben wenigstens ein biĂchen herum. Die MĂ€dchen in ihren altbackenen Kleidern dĂŒrfen das anscheinend nicht.
Schon krass, der Unterschied zu den BadegĂ€sten an den Picknickinseln…
Wir liegen im Schatten, dösen, lesen, gehen wieder baden.
SpĂ€ter holt Martin uns zwei winzige Dosen kĂŒhles Bier, du meine GĂŒte, das reicht fĂŒr zwei Schluck! Ich glaube, wir brauchen nochmal zwei….
Schöner Nachmittag!
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Ein herrlich kĂŒhler Morgen. Im Wald viele unbekannte Vogelstimmen.
FrĂŒh sind wir wieder auf Strecke.
Kleine Kapellen in leuchtenden Farben. Soja in grĂŒn und braun. Hin und wieder letzte Reste des Dschungels.
Die Strasse flimmert in der Hitze.
In Tacuati machen wir Mittagspause.
Am FuĂballplatz könnten wir fĂŒr heute Feierabend machen, aber es gefĂ€llt uns dann doch nicht so.
Kaum aus dem Ort raus, sehen wir einen traumschönen Platz am Rio Ypané.
Wir wenden, ein kleiner Weg fĂŒhrt hinunter zum Ufer
Superschön!
Es duftet nach Heu, die Wiese ist frisch gemÀht.
Ich steige aus, um Rappel zwischen den BĂ€umen durchzulotsen und merke zu spĂ€t, daĂ ich in einem Ameisenhaufen stehe…AUAAAHHHH! Das tut weh!!
Die MĂ€hmaschine hat nicht nur Gras, sondern auch eine Menge MĂŒlltĂŒten zerhĂ€kselt. Ăberall liegen Plastik und Gammelreste herum.
Och menno….. Inmitten von MĂŒll wollen wir auch nicht stehen. Schade. So ein schöner Platz!
Wir ziehen weiter, bis nach Conception.
Eine groĂe Stadt am Rio Paraguay mit wirren Kabeln, die uns manchmal zögern lassen, denn einige hĂ€ngen ziemlich tief.
Concepcion hat eine sehr schöne Altstadt aus der Kolonialzeit.
Wir rollen zum Hafen und schauen nach einem Platz fĂŒr die Nacht.
Na….das ist doch was!
Direkt am Rio Paraguay. Okay, dafĂŒr in der prallen Sonne, aber man kann eben nicht alles haben, irgendwas ist ja immer….
Wir machen einen kleinen Rundgang ums Karree. In der Bodega Lucy holen wir uns kalte GetrÀnke.
Lucy, eine wasserstoffblonde Wucht, steht hinter der Theke, sehr freundlich und lustig.
Krasser Laden. GefÀllt uns.
Leider schlieĂen sie gerade, sonst hĂ€tten wir schön drauĂen vor dem Laden sitzen können.
38°C, sehr warmer Wind. Jedes LĂŒftchen ist willkommen. Beim HafengebĂ€ude setzen wir uns auf eine zerbröselte Betonbank im Schatten und schauen auf den FluĂ.
Ein paar MĂ€nner lehnen an der Rappelkiste. Was machen die da?
Gehen wir mal besser gucken.
Es sind Fischer, die im Schatten der Rappelkiste ihr Sandwich essen. Stolz zeigen sie ihren Fang: ein prall gefĂŒllter riesiger Sack voller Douradas. 50 Kilo erklĂ€ren sie uns sehr zufrieden. Wow!
Wir sitzen auf der Rappelkistentreppe. Eine groĂe Schrecke klammert sich ans Fliegengitter.
In der prallen Sonne ist es viel zu heiĂ. Zum Schutz klemmen wir unseren groĂen Sonnenschirm zwischen die Treppenstufen.
Der nĂ€chste krĂ€ftige WindstoĂ fĂ€hrt in den aufgespannten Schirm und verbiegt den Stiel, na bravo! Das Ding war nicht billig! Taugt aber echt nicht viel…
Am spÀten Nachmittag kommen immer mehr Leute. Familien, zu dritt oder viert auf den Mopeds, mit Picknick und Musikbox. Kinder planschen im Fluss.
Wir beneiden sie um die AbkĂŒhlung. Aber der Rio Paraguay ist uns nicht ganz geheuer.
Im Fluss leben nicht nur Tigerwels und Dourada, sondern auch Piranhas.
Davor fĂŒrchtet sich offensichtlich auĂer uns niemand. Noch abschreckender fĂŒr uns ist, daĂ der Rio sĂŒdlich von Asuncion extrem verschmutzt sein soll. Asuncion hat immer noch keine vollstĂ€ndige Kanalisation und leitet Stadt- und IndustrieabwĂ€sser in den Fluss.
Concepcion wird es Ă€hnlich halten, nehmen wir an. Paraguay hat ein groĂes, ungeklĂ€rtes Abwasserproblem.
Das klingt echt eklig.
Da bleiben wir lieber auf unserer Treppe und schmelzen vor uns hin.
Etwas fluĂabwĂ€rts stehen junge Leute neben ihren Pickups.
Von der LadeflÀche dröhnt schlechte Ballertechnomukke.
Aber so richtig schlecht.
Die Monsterbox blinkt bunt im Bassgewummer. Gemixt mit der Salsamusik aus den Boxen vor uns am Ufer ergibt das ein interessantes Hörerlebnis.
Gelassen nehmen wir das hin, wackeln mit den Köpfen mal zu diesem, mal zu jenem Takt….đ¶.boom, boom, boom, boomđ¶
Sonnenuntergang
Gegen 19 Uhr packen alle Familien zusammen und fahren nach Hause.
Ein wunderschöner Sichelmond steigt auf
Die Luft kĂŒhlt ab, welche Erleichterung.
Die jungen Menschen fluĂabwĂ€rts erfreuen uns noch bis halb zehn mit ihrem speziellen Musikgeschmack, dann ist auch diese Party vorbei.
Liebe GrĂŒĂe, bis morgen!
Julia & Martin
Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin


































































































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