Saudi Arabien: Riad, Edge of the World – durchkreuzte Pläne: 05.04.2023 – 11.04.2023

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Zum drittenmal reisen wir in Saudi Arabien ein. Von unserem 90 Tage Visum sind noch 65 Tage übrig.

Passport, Fahrzeugkontrolle. Warten. Ich suche die Waschräume auf. Die Popoduschen setzen alles unter Wasser, ein Rätsel wie die Frauen mit all ihren Tüchern, Gesichtsschleiern und bodenlangen Stoffmassen hier zurechtkommen.

Als nächstes X-Ray. Martin fährt die Rappelkiste auf die Rampe. Der Röntgenlkw fährt zweimal dran vorbei, durchleuchtet alles. Warten. „Custom will come“. Okay……10 Minuten später sollen wir zum Custom fahren für eine weitere Fahrzeugkontrolle. Auch gut.

Martin geht zum Büro um uns anzumelden. Erstmal warten. Dann „You can go!“ Custom hat keine Lust auf Fahrzeugkontrolle.

Wir bekommen unseren kleinen Zettel, fahren zum letzten Schlagbaum, Zettel abgeben und sind eingereist. Eine Stunde hat´s gedauert.

Ab auf die Autobahn Richtung Riad. Heißer Wind fegt Wüstensand auf die Strasse. Sehr langweilige Strecke. Mal ein paar Strommasten, Ölbohrtürme. Für Abwechslung sorgt die Haube vom Reserverad. Sie fliegt ab und muß neu befestigt werden.

Mal ein paar Kamele. Ausgebrannte Fahrzeuge……

 

Drei Loks ziehen einen ellenlangen Containerzug mit unzähligen Wagons

Fahrn fahrn fahrn auf der Autobahn…links Sand, rechts Sand. Stundenlang, bis in die Dämmerung.

In einer Seitenstrasse zwischen Feldern halten wir für die Nacht. Nicht toll, aber geht heute mal nicht anders.

Ein Hund bellt sich nachts die Seele aus dem Leib, der einsame Kerl. Lkws rauschen alle 20 Minuten an uns vorbei, die kleine Strasse ist überraschenderweise die Abkürzung zur Autobahn. In der Nähe laufen die Bahnschienen, die kilometerlangen Züge fahren auch nachts. Uff….

Kein Wunder, daß wir früh wach und unterwegs sind. Ein dicker Mond steht noch über den Palmen als wir aufbrechen.

Die Tankstelle gestern hatte keinen Diesel – in Saudi Arabien! – heute haben wir mehr Glück. Die Tankwarte erklären uns, daß wir vormittags tanken sollen. Sie werden nachts beliefert, bis mittags ist immer genug Diesel da, danach wird´s knapp.

360 Liter rauschen in den Tank für umgerechnet schlappe 66,-€ – so macht tanken Spaß!

Es ist sehr heiß, stickig. Lustig sind die Höhenschilder an den Brücken. Für uns steht da: 0,0 Meter.

Die arabische Fünf sieht für uns aus wir eine Null. Oder wie ein Sack. Heißt natürlich 5,5 Meter.

Wir verlassen die Autobahn und rumpeln bald über eine Steinpiste auf der Suche nach den Heet Caves.

 

Ein Loch im Boden, ein tiefer Schlund. Darüber ein Felsvorsprung aus bröckeligem Sandstein. Weit unten ein Süßwassersee.

Wir gehen mal näher ran.

Drei Leute kraxeln gerade hoch, wir fragen ob sie schwimmen waren. „No, no, the water ist dirty. Lots of garbage.“ Oh, klingt schlecht. Welche Vollar….löcher werfen denn Müll in so einen See???

Der Abstieg ist sehr mühsam, Kletterei. Und dieser bröselige Felsvorsprung über uns, abschreckend.

Wie gerne hätten wir uns im Wasser abgekühlt, aber hier gefällt es uns nicht.

Vorbei an den bunten Kabeltrommeln, anschließend stehen wir zwei Minuten vor dem Bahnübergang, 55 Containerwagons zuckeln gemütlich an uns vorüber.

Bald erreichen wir die Vorstädte von Riad.

Die Fahrweise der Saudis ist eine Herausforderung. Kreuz und quer, noch schnell überholen und dann haarscharf rüberziehen in die Ausfahrt. Anstrengend. Dazu die Hitze und Ramadan – die Leute haben Hunger und Durst. Die Unfallstatistik im Ramadan würde uns mal interessieren.

Strassenschilder auf arabisch.  Wir versuchen einen Supermarkt mit großem Parkplatz zu finden. Völlig unerwartet rollen wir durch eine begrünte Seitenstrasse. Nach einer Stunde geben wir durchgeschwitzt und völlig entnervt auf.

Nix wie raus hier. Riad ist uns zu groß, zu voll, keine Lust auf Stadtspaziergänge.

Lieber weiter, zum Edge of the World, dem Grand Canyon von Saudi Arabien.

Die Luft ist extrem trocken, ich bekomme starke Kopfschmerzen. Wir wollen früh Feierabend machen.

1. Versuch: ein Picknickplatz oberhalb eines Dörfchens. Mit Aussicht, aber gefällt irgendwie nicht.

2. Versuch: ein Wadi. Aber der Himmel wird immer grauer, die Luft immer schwüler. Bei Gewitter im Wadi? Nein!

3. Versuch: neben dem Wadi, am erhöhten Ufer. Müll, Müll, Müll….

4. Versuch: 20 Kilometer weiter mitten in der Landschaft. Ja, das nehmen wir.

Drückende Hitze und Fliegen. Mir geht´s inzwischen richtig schlecht. Döse im Liegestuhl, ich glühe, der Kopf platzt.

Dann bekomme ich Fieber. Stillstand für die nächsten Tage. Martin erwischt es auch.

Ostern verbringen wir in stickiger Hitze auf dem Bett, schnaufend, schwitzend und hustend

Drei Tage später ist das Fieber weg. Martin fühlt sich fit genug, wir starten die Rappelkiste.

Hurra! Wir fahren wieder!

Ich bin noch ziemlich wackelig. Es macht wenig Sinn, 40 Kilometer über üble Rumpelpisten zum Grand Canyon Edge of the World zu schaukeln, wenn ich zu schlapp bin, um bis zum Rand der Monsterschlucht zu laufen. Also lassen wir dieses Highlight aus. Sehr schade.

Stattdessen sausen wir Richtung Ha´il.

Oft wird gehupt und gewunken, Beifahrer filmen uns während des Überholens oder rufen uns „Welcome!“ zu.

Eine wunderschöne Moschee am Wegrand. Wüstenschiffe in Kamelhaardecken.

Dieses Kreiseldesign haut uns um…..diese künstlerisch äußerst gelungene Darstellung von…….Wüstenimpressionen?

Den nächsten Kreisel überragt ein riesiger Uhrturm. Die Strassenschilder immer noch auf arabisch.

Schrottplätze, die Martins Herz höher schlagen lassen

So sehen moderne Nomadenzelte aus:

Der Himmel grau und grauer, die Luft ist heiß und trocken, wir schütten Unmengen von Wasser in uns rein.

Weiter durch orange leuchtende Wüstenlandschaft. Wunderschön….

Der Wind weht inzwischen kräftig, die Sicht ist undeutlich. Dichter Staubnebel hüllt uns ein.

Unwirkliches Licht, schwer zu atmen in dem Staub

Zum Glück kommen wir bald wieder raus. Farbenfrohe Tankstellen, ewig lange Geradeausfahrt….

OH! Eine Kurve! Schon weit vorher stehen Warnschilder: „Dangerous Curve!“

Freundliche Hirten grüßen uns

Vier Stunden Fahrt, für heute ist es genug. Bei Midhnab steuern wir einen Freizeitpark an mit einem tollen Blick auf die Stadt im Tal.

Ein heftiges Gewitter mit Windböen bis zu 50km/h soll kommen. Es regnet die ganze Nacht, Blitze zucken über den Horizont, aber der Wind bleibt zahm.

 

Der Himmel klar und frisch am Morgen, Martin putzt die letzten Sandschlieren von den Fenstern.

In Burdiya erledigen wir ein paar Einkäufe. Dann heißt es wieder: metern.

Am Strassenrand ein schwarzer Bach. Ein Öltanklaster ist umgefallen, ungehindert fließt das Öl aus dem Tank

Die Strecken in Saudi Arabien scheinen endlos. 1000 Kilometer sind da garnichts, hat man das Gefühl. Zum Glück gibt es immer wieder künstlerische Höhepunkte, die einen aufheitern.

Drückend schwüle Luft, aber wenigstens etwas kühler als die Tage zuvor. Jemand hat die Ausfahrt verschlafen und kommt uns rückwärts entgegen, das passiert hier relativ häufig.

Bei Hail erwischt uns ein Regensturm mit kräftigen Böen, eine Viertelstunde lang, dann – zack! Aus.

Vor uns rötliche Berge, es scheint, als hätten wir die flache Wüstenlandschaft hinter uns. Oh? Ein Stau?

Die Polizei winkt uns vorbei…oha! Das sieht übel aus. Ein umgekippter Laster. Und ein sehr unglücklicher Fahrer.

Kurz führt die Strasse durch die Berge.

Dann wieder über eine Ebene. Na, das sieht doch schon wieder nach Regen aus? Jawoll….

445 Kilometer heute. Genug. Obwohl der Boden aufgeweicht ist, wagen wir die Fahrt mitten hinein in die Landschaft. Die Rappelkiste sinkt ein. Sperren rein, so geht´s. Bei einer kleinen Hügelkette stoppen wir für heute Nacht. Draußen Gewitter, drinnen gemütlich.

Fast 1000 Kilometer haben wir in den letzten Tagen abgerockt. Martin ist müde, ich bin immer noch angeschlagen. Morgen werden wir die Einfahrt für eine Strecke durch die Nefud Wüste erreichen. Danach wollten wir uns Wadi Disah ansehen. Lisa und Moritz stehen gerade dort und schreiben uns, daß der Wadi für Lkw gesperrt worden ist. Eine Enttäuschung. Demnächst soll es ohnehin nur noch geführte Touren durch den Wadi Disah geben. Das Projekt „Vision 2030“ schreitet voran. Die Wirtschaft des Landes soll unabhängig von Öl werden, unter anderem setzt man verstärkt auf Tourismus im Luxussegment. So schließen sich bereits ein paar Türen für Reisende wie uns.

Aber noch ist alles gut.

 

Liebe Grüße, bis morgen!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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