Zur iranischen Grenze 16.11.2022

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein | 1

 

Sonnenaufgang über dem Van See.  Was für ein Auftakt!

Das goldene Licht auf den Bergspitzen! Unbeschreiblich!! Beinahe unwirklich…..

 

Um halb 8 rollt die Rappelkiste über den Asphalt. Auf zur letzten Etappe vor der iranischen Grenze.

Vorbei an Bauernhäusern und über den Güzelsu

Hohe, schneebedeckte Berge im Süden, grünsamtene Hügel im Norden

Der Wasserstand des Zernek Stausees ist niedrig, vielleicht ist das aber normal nach dem Sommer.

Der Güzelsu mäandert durch Matsch und Schlamm zum See, am östlichen Ende liegen große Flächen trocken.

 

Rappelkiste saust zwischen den Bergspitzen hindurch nach Hosab. Zwei Kontrollpunkte: zuerst der moderne und dann der altertümliche, das  Hosab Kalesi.

Der Güzelsu ( übersetzt: Schöner Saft ) begleitet uns noch ein Stück, dann dreht er ab.

Über diese Schneegipfel müssen wir rüber, der letzte Pass vor der Genze….Na denn mal los….Rappelkiste zieht bergauf

6 Kilometer Schlangenlinien. Ein phänomenaler Blick übers Land

Auf diesen 6 Kilometern schraubt die Strasse sich 300 Höhenmeter hinauf. 20 Meter pro Kilometer. Vor dem Pass machen wir eine Pause. Die Sicht reicht weit bis über den Zernek Stausee

Auf 2730 Metern erreichen wir die Passhöhe. Im Schuppen warten die Schneeräumfahrzeuge. Super! Wir haben es noch vorm Wintereinbruch geschafft. Freunde von uns sind letztes Jahr hier oben im Schnee steckengeblieben, das wollten wir auf keinen Fall selbst erleben. Einer der Gründe für unsere eilige Fahrt.

Huiiiii….segeln wir abwärts…..

Die Wiesen sind längst abgeerntet, in großen Haufen lagert das Winterfuttter. Manchmal auch auf dem flachen Dach der Bauernhäuser, das ist gleichzeitig eine gute Isolation gegen die Kälte.

Wer staubt hier so rum? Eine Schottermühle……Hust….

Sind wir bald mal unten?

Nö…. immer noch weiter abwärts…der Lauf des Çigli Suyu begleitet uns

Ist das nicht wunderschön? Man kommt aus dem Staunen nicht heraus……der Talblick – wie ein Gemälde….

Die raue Bergwelt Kurdistans wird durchtunelt für die Schnellstrasse zum Iran

Wir sausen mutig hinein in alte, niedrige Tunnel

vergleichen alte und neue Brücken

Wieder eine Passkontrolle. Danach der Abzweig ins Nehil Tal. Dieser Fahrtag bietet uns heute die allerschönsten Landschaften! Kurdistan ist eine wahre Augenweide!

 

Was qualmt denn da? Da brennt was….Was ist das?

Ach du meine Güte!

Ein brennender Müllberg…..Flammen lodern, es stinkt, beißender Qualm verpestet die Luft. Müllwagen stehen oben und kippen ihre Fracht über den Rand.

Ein Schock inmitten all dieser Naturschönheit

 

Vor Yüksekova die nächste Passkontrolle: „Where you from? Berlin?! Hertha BSC!“ Jawoll, ein Mensch mit Fußballahnung!

Der Dieselpreis im Iran ist unvorstellbar niedrig, um die 5 Cent/Liter heißt es. Allerdings ist es wohl schwierig, als Tourist Diesel zu bekommen und die Qualität soll nicht gut sein. Vorsichtshalber tanken wir nochmal in der Türkei, füllen vor allem den Heizungstank. Erstens, damit wir nicht frieren müssen und zweitens, damit die Heizung nicht durch schlechten Diesel verrust. Wasser dürfen wir auch tanken.

Währenddessen rieselt leichter Schnee vom Himmel

Die Tankwarte sind lustig, sprechen etwas englisch. Einer zeigt auf den Schafschädel am Kühlergrill: „Der sieht aus wie der Kopf von deinem Großvater!“ sagt er zu seinem Kollegen. Alle kringeln sich vor Lachen….

Yüksekova ist das wohl trostloseste Kaff, das wir je gesehen haben. Inmitten grauer Schuttberge schnappen staubige Bäumchen nach Luft. Müll, Müll, Müll. Keine Farbe, noch nicht mal bunte Wäsche oder ein Teppich an einem Balkon. Der einzige Blumenschmuck hängt an einem Laternenpfahl an der Kreuzung.

Mindestens 10 Meter ist der Yüksekova Baraji abgesunken.

Nächste Passkontrolle. Vier schwer bewaffnete Männer umstellen den Steyr. Das ist ziemlich gruselig, was wird das?

„Hello! Welcome! Where you going? Have a safe trip!“ Auch diesmal waren sie nur neugierig und in Plauderlaune, alle sind sehr freundlich.

10 Kilometer vor der Grenze zum Iran biegen wir ab, rumpeln eine Staubpiste hinauf und stellen die Rappelkiste auf eine Wiese. Es ist Mittag, wir machen hier für heute Feierabend.

Beim Spaziergang entdecke ich wilden Safran. Blüten um diese Jahreszeit?

Heute haben wir noch eine große Aufgabe: die letzten Alkoholvorräte müssen ausgetrunken werden! Im Iran herrscht striktes Alkoholverbot.

Was haben wir denn noch auf Lager? Dessertwein aus Frankreich und ein Bier, Prost!

Das zischt! Was gibt´s noch? Der Old Sports Gin aus Griechenland reicht noch für 2 Gin Tonic, her damit! Yamas!

Mission accomplished! Aufgabe erledigt, alles ausgetrunken! Hui! Reichlich beschwipst ziehen wir uns zurück für einen Mittagsschlaf.

20 Minuten später klopft es an der Tür. Ein Schäfer steht draußen und begrüßt uns auf seinem Land. Ist es in Ordnung das wir hier stehen? Natürlich: „You are welcome!“ Aus seiner Tasche kramt er ein Brot und eine Tupperdose mit Schafskäse, wir sollen essen! Wir füllen den Käse um, geben ihm seine Tupper wieder und wollen ihm eine Birne schenken „No No!“ Er lehnt ab. Woher? Wohin? Falls wir irgendetwas brauchen, sein Haus steht uns offen. Gute Fahrt, bye bye! Dann wandert er seinen Schafen hinterher.

Der Käse ist mit Kräutern gewürzt und ein Gedicht!

Saukalt ist es hier oben, unsere Heizung bollert die ganze Nacht. So still, der Wind streicht manchmal leise um die Rappelkiste.

Alle Alkoholvorräte sind leer, alle Papiere sortiert, alles ist vorbereitet. Morgen reisen wir in den Iran. Wir sind ein bißchen aufgeregt.

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagramm: Rappelkisteberlin

  1. Matthias Aner

    Liebe Julia, lieber Martin.

    Wir planen ab Februar eine ähnliche Reise wie ihr und würden gern zu euch Kontakt aufnemen. Bitte sendet uns doch eure Email-Adresse zur weiteren Kommunikation.
    Herzliche Grüße
    Matthias und Marina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert