Zur türkischen Grenze

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Die Strasse wie mit dem Lineal gezogen. Kilometer um Kilometer. Links Felder, rechts Felder, flaches Land.

Über den nächsten Berg, an schneeweiß blühenden Bäumen vorbei, Felder, Felder, Felder. Hin und wieder ein Dorf, wie ausgestorben, niemand zu sehen. Die Strassengräben voller Unrat und Plastikflaschen. Weiter geradeaus….

Vor der Stadt Larissa triste Wellblechbaracken und wilde Schrottplätze, Baumwollflocken in jedem Gestrüpp. Felder, Felder, Felder. Seit einer Stunde geradeaus.

 

Huch! Eine Kurve! Aufwachen!

In den nächsten Dörfern sehen wir endlich Menschen. Ein paar alte Leute, die Frauen gehen schwarz gekleidet mit Kopftuch und Schürze, die Männer mit buschigen Bärten hüten die Schafe. Blühende Obstplantagen bringen etwas Farbe ins Spiel, am Horizont schneebedeckte Gipfel, schrumpelige Bäume am Strassenrand.

Am Strand von Leptokarya stellen wir abends die Rappelkiste ab. Im Hintergrund der wolkenverhangene Olymp, der Himmel ist diesig, die Sicht übers Meer = null. Ganz schön kalt. Außer uns stehen noch 4 Wagen hier. Wir lernen Elisabeth und Wayne aus Australien kennen. Neben ihrem Truck ( Instagram:#ausworldroamers) sieht die Rappeline ziemlich klein aus.

Die beiden sind so freundlich und drucken uns die Zusatzversicherung für den asiatischen Teil der Türkei aus, die wir abschließen mussten. Danke sehr! „See you on the road!“ verabschieden wir uns am nächsten Tag.

Zum erstenmal in Griechenland fahren wir auf die Autobahn. Mutterseelenallein unterwegs…..

Um Thessaloniki herum zahlen wir zweimal Maut, insgesamt 8,40€. Dafür sparen wir uns das Chaos durch die Stadt. Die Fahrbahn verengt sich, der dafür aufgestellte Schilderwald ist ungaublich! Dann der erste Wegweiser Richtung Türkei.

Aber wir machen noch einen kleinen Umweg. In der Region Chalkidiki sausen wir auf dem westlichen Finger namens Kassandra gen Süden. Gegen Abend finden wir einen schönen Strand an der Westspitze. Es weht ein kalter Wind, hohe Sträucher bieten uns Windschatten. Irgendwo haben wir noch eine Flasche Portwein, genau das richtige für heute….sitzen noch lange draußen, das Leuchtturmlicht streicht regelmäßig über unsere Gesichter.

 

Einen Tag müssen wir ausharren, bei grauem Himmel und strammem Wind. Wir machen einen Spaziergang zur Landspitze. Ruhige See am Westufer, stürmische Wellen am Ostufer. Martin lässt flache Kiesel übers Wasser flitschen.

 

 

Erster April, unser Hochzeitstag und ein absolutes Traumwetter! Wir ziehen um, in eine Nische vorn am Strand. Hier können wir opulent frühstücken, anschließend in der Sonne braten und einfach gar nichts machen.

Aber Martin muss später doch noch arbeiten, unser Türschloss klemmt mal wieder, er baut es aus. Nanu? Wie sieht das denn aus?

Links das alte, rechts das neue, wie hat sich denn den Stift dermaßen verbiegen können? Gut, daß wir noch ein neues Schloss dabei haben.

Zum Sonnenuntergang entkorken wir unsere letzte Flasche vom „Origine“ Rotwein aus Frankreich und genießen ein fürstliches Abendmahl. Ein ganz wunderbarer Tag.

 

 

Wir wollen noch nicht weiter, zu schön hier. Und es gibt auch schon wieder was zu tun. Martin kramt nochmal das Werkzeug raus, die unterste Treppenstufe ist durchgerostet.

 

Zeit für einen Rundflug…

 

18 Uhr 30, Gin o´clock, Martin mixt drinks. Sonnenuntergang mit Windvorhang…

Unser fabelhaftes Hochzeitstagswochenende auf Kassandra geht langsam zuende.

 

Ein zartrosa Wölkchen am frühen Morgen, starker Wind jagt die Wellen an den Strand. Wir sind startklar!

Richtung Nordosten. 175 Kilometer entfernt gibt es ein verlassenes Thermalbad, heiße Quellen, für jeden zugänglich. Wieder eine heiße Wanne? Das klingt verlockend.

Kassandra mit seinen schönen Stränden, ist touristisch sehr gut erschlossen. Feriensiedlungen und Hotels ballen sich in den Ortschaften und es wird weiter gebaut. Die Südspitze ist ein einsames Kleinod, wer weiß, wie lange noch.

Hinauf in die grünen Hügel, einmal quer durch das Hinterland Chalkidikis.

Bei Apollonia fahren wir entlang des Volvi Sees und treffen kurz darauf wieder auf die Küste.

Ein kleines Warnschild weist zum Thermalbad Eliftheria: „Kleista!“ – Geschlossen! Wir biegen ab und folgen der Strasse längs des Flusses bis vor das große Tor. Es gibt wenig Platz zum parken, wir quetschen uns an den Rand, die Strasse ist sehr schmal.

Über einen Pfad um das Tor herum betreten wir das Gelände. Verlassene Gebäude, ein paar Leute mit Badesachen laufen vorbei.

Wir hören ein paar Stimmen, gehen runter zum Fluss. Zwei junge Männer sitzen in einem winzigen Tümpel, in den ein Rinnsal aus dem Uferrand fließt. Hm…..es dampft nirgends. Martin testet die Flusstemperatur…

Kalt. Anscheinend kommt das warme Wasser aus den kleinen Zuflüssen vom Ufer. Hm…das haben wir uns ganz anders vorgestellt…

Gläserklirren und laute Musik, auf einer Terrasse feiern einige Leute eine Party in der Sonne. Wir hatten schon gelesen, daß das Gelände teilweise besetzt wurde und bewohnt wird. Wir wandern weiter. Nochmal zwei Leute in einem Minipool. Einer liegt auf dem Rücken, sein Bauch guckt raus, so niedrig ist das Wasser. Der ist nicht dick, der Bauch….

An den Ruinen der Unterkünfte vorbei kommen wir durch einen kahlen Wald.

Der Wald ist das beste bis jetzt: wild verdreht und verknorzt. Es würde uns nicht wundern, wenn diese Bäume nachts loswandern, tanzen und singen würden, ein Märchenwald!

Im Fluss wieder ein aufgestautes Becken.

Überall hören wir Stimmen, weiter oben muß noch ein größerer Pool sein. Die Natur ringsum und die Atmosphäre sind wirklich sehr schön, aber die flachen Planschbecken…..es lädt uns nicht ein. Immer mehr Leute strömen aufs Gelände, es wird richtig voll. Na, dann viel Spaß euch allen, wir wenden die Rappelkiste und ziehen weiter…

 

Bei der Burgruine von Anaktoroupole gibt es einen Parkplatz am Meer, vielleicht können wir dort für heute halten und noch etwas die Sonne genießen. Über Staubstrassen rumpeln wir dorthin – ohje….

Nein!

Der nächste Versuch am Hafen von Nea Peramos macht uns auch nicht glücklich, schließlich landen wir am langen Strand von Nea Iraklitsa. Ja, hier ist es schön! Eine Stunde Sonne bleibt uns, dann zieht es zu.

aber wir werden grandios entschädigt

 

und verbringen noch einen schönen  Abend

 

 

 

 

 

 

 

Guten Morgen!

Am Strand entlang gehen wir ins nette Städtchen mit vielen Restaurants und Cafe´s. Wir brauchen etwas Bargeld, aber interessanterweise gibt es keine Bank und keinen Automaten. Man verweist uns in die nächste große Stadt, nach Kavala. Unterwegs sehen wir viele schöne Strände, zugebaut mit Ferienanlagen und Hotels. In Kavala gibt es mehrere Banken aber keinen Parkplatz. Durch das hohe Viadukt fahren wir weiter und können in Chrysoupoles unsere Bankgeschäfte erledigen.

Um uns die weite Landschaft des Nestos Deltas. Müll überall. Auf den Sumpfwiesen, in den Flüssen, am Ufer, an Strassenecken, überall Müllhaufen. Eine Raffinerie mit einem gelben Schwefelberg davor,  aufgelassene Marmorsteinbrüche, abgeerntete Baumwollfelder. Große Wellblechställe, aber keine Bauernhäuser.

Im Dörfchen Dikkela tanken wir Wasser auf.

Noch 13 Kilometer bis zur türkischen Grenze. Vor Alexandroupoli biegen wir ab zum Strand und parken neben einer Strandbar. Von der Sonne am Morgen ist nichts mehr übrig, trübes Wetter. Feierabend. Wir nutzen unser griechisches Internetkontingent nochmal voll aus, erledigen Bürokram, hören unseren Berliner Radiosender. In Berlin schneit es. Morgen fahren wir in die Türkei, seit langem mal wieder über eine sichtbare Grenze, raus aus der EU. Wir sind gespannt!

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappellkisteberlin

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