9 Tage Italia

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Guten Morgen Mittelmeer!

Ausgeruht starten wir nach Sanremo, dem Monte Carlo Italiens. Es ist halb 10, auf den Strassen ist noch nichts los, alle Mopeds sind noch geparkt. Italien wacht jetzt erst langsam auf.

Parallel zur Strasse verläuft über 26 Kilometer ein breiter, neu angelegter Radweg. Die alte Bahntrasse wurde dafür umgebaut. Eine sehr gute Idee, den vielen Rennradfahrern eine eigene Strasse zu geben.

Wir suchen einen Parkplatz am Meer um endlich in die Wellen zu tauchen. Der erste Versuch über eine kleine Küstenstrasse scheitert an einer Baustelle. Der nächste Versuch endet an einem Hafen, nett hier, aber keine Bademöglichkeit.

Inzwischen ist Italien aufgewacht und unterwegs. Wir stauen uns gemütlich nach und durch Imperia.

Nächster Versuch weiter östlich: wir übersehen das LKW Verbotsschild und fahren durch eine kleine Strasse bis zu einem großen Parkplatz. Perfekt: direkt am Meer mit sehr viel Platz für uns und alle anderen.

Kaum geparkt erntet die Rappelkiste mal wieder viel Aufmerksamkeit. „Madonna! Che bello! Una bestia!“ Spaziergänger bleiben stehen, machen Fotos und sprechen uns an. Alle sind sehr freundlich.

So, jetzt aber ab ins Wasser: 25 Grad warm, leichter Wellengang, lang ersehnt, traumhaft!

Den Tag verbringen wir auf dem groben Steinstrand und im Wasser. Zum Sonnenuntergang sitzen wir auf den großen Steinblöcken der Uferbefestigung, die die Wärme des Tages gespeichert haben. Es duftet nach Oregano, in unserem Ofen backt eine Pizza. Gleich nach dem Essen sind wir wieder draußen, hören italienische und französische Chansons und genießen den Sternenhimmel. Entspannung pur…..

Wir könnten auch noch bleiben…..aber es zieht uns weiter, Richtung Genua.

Wir brauchen Brot, aber vor keiner Panificio können wir halten. Am Ende holen wir ein Brot vom Discounter, nur dort finden wir einen Parkplatz.

An den Stränden stehen noch die „Sunbeds“. Zwischen den Badegästen fahren Bagger umher. Große LKWs kippen frischen Sand auf den Strand, den die Bagger verteilen. Anscheinend wird hier zu Saisonende nochmal der Sandstrand aufgefüllt.

Die Strasse hangelt sich an den Felsen entlang, unter uns schlagen die Wellen an die Klippen. Dann geht es übergangslos von Stadt zu Stadt, nur durch Ortsschilder getrennt. Überall Höhenbeschränkungen.

Es ist brüllend heiß, wir haben Hunger, aber es gibt keinen Platz für eine Frühstückspause oder einen Badestop.

Selbst auf den kleinsten Fleckchen Sand aalen sich die Sonnenanbeter. Wir würden uns auch gerne mal kurz abkühlen, aber wir können nicht halten. Nirgends.

 

Oder doch? Unterhalb der Strasse stehen plötzlich viele Womos auf einem staubigen Felsplateau. Da muß doch was gehen? Wir sehen uns das genauer an. Ein Bezahlparkplatz. 10,-€ für die ersten 12 Stunden, das ist etwas teuer für eine reine Frühstückspause, denn baden kann man hier nicht. Ein Flop.

Also weiter. Keine Haltemöglichkeit bis Savona, dann plötzlich eine winzige Nische neben der Strasse, Halleluja! Die Rettung! Endlich Pause und Frühstück.

Am Nachmittag erreichen wir Genua. Im Hafen liegen die Riesenkreuzfahrtpötte. Gewaltige, schwimmende Hochhäuser. Vor der Stadt wird ein Ufo gebaut, uns erinnert es an Raumschiff Orion. Wer kennt das noch?

In Genua herrscht der normale Großstadtverkehr: 1000 Mopeds, die sich von allen Seiten vor die Rappelkiste schlängeln, wagemutige Fußgänger, die sich plötzlich auf die Fahrbahn stürzen, viele Ampeln, die Fahrt durch Genua zieht sich ewig lang hin. Wir brauchen 2 Stunden um die Stadt zu durchqueren. Anstrengend.

Es wird auch nicht viel besser. Wir kurbeln Berge hinauf und wieder hinunter, Kurven, Serpentinen, Steigung, Gefälle – kurz Pause machen? Fehlanzeige! Nichts, nirgends! Wir müssen immer weiter fahren ohne Pause. Jeder Parkplatz wäre uns recht, aber es gibt nichts.

Ca 35 km hinter Genuas Stadtgrenze, erst hinter Rapallo, entdecken wir linkerhand eine große Parkfläche am Schwimmbad. Und es gibt Platz für uns! Endlich!

Dieser Tag war nur anstrengend. Wir sind müde und erschöpft. 6,5 Stunden für 170 Kilometer. Der Parkplatz liegt direkt an der viel befahrenen Strasse und der Bahnlinie, aber das ist so egal, Hauptsache wir können stehen.

Hinter den Schienen ist der Strand, wir schnappen die Badesachen, unterqueren die Bahnlinie durch eine stinkende, dunkle Unterführung und tauchen in die Fluten. Hohe Wellen, die Strömung zieht uns sofort hinaus. Das ist leider kein Badespaß, aber die kurze Abkühlung hat gut getan.

Jetzt nur noch was essen und Feierabend. Buona notte!

 

Die ganze Nacht donnern die Eisenbahnwagons an uns vorbei. Unmengen an Containern werden hin- und herbewegt. Ab halb 6 belebt sich auch die Strasse, wir wollen auch früh weiter.

 

Die Fahrt beginnt wunderschön. Hinauf in die ligurischen Wälder, das Sonnenlicht lässt die Bäume leuchten. Ein fantastischer Ausblick auf die Küste und schon tauchen wir wieder in die grünen Tunnel. Am Rand stehen die Wegweiser zu den Cinque Terre, später nach Porto Venere und Portofino, so schöne Orte, die wir von früheren Reisen kennen. Irgendwo da unten liegen sie versteckt an der Küste.

Durch stille Dörfer und über einen klaren Fluss kommen wir langsam hinunter in Küstennähe. Wir bleiben im Landesinnern, denn die Küstenstrasse ist nicht besonders schön. Dort reiht sich Bagno an Bagno, Liegestühle und Sonnenschirme dicht nebeneinander, alles ist organisiert. Das mögen wir nicht so.

Die Apuanischen Alpen ragen hoch empor, der Monte Pisanino ist mit 1946 Metern der höchste Gipfel. Ist das Schnee da auf den Bergen?! Kann nicht sein….

Ist es auch nicht, das sind die Steinbrüche von Carrara. Der Berg ist aufgerissen und der weiße Marmor leuchtet in der Sonne. Wenig später sehen wir die geschnittenen Blöcke, jeder einzelne muss etliche Tonnen wiegen.

Der Streckenabschnitt bei Massa ist auch im Landesinnern nicht besonders schön. Das ändert sich erst wieder, als wir weg von der Küste hinauf in die Berge fahren. Auf den grünen Alleen rackert sich so mancher auf dem Fahrrad ab. Wir möchten nicht tauschen.

Kurz nach La Spezia wenden wir uns nach Osten, weg von der Riviera, Richtung Lucca.

Unterwegs sichten wir ein ganz entzückendes „Wohnmobil“:

190 Kilometer in 6 Stunden, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca 31km/h. Eigentlich ein schönes Reisetempo.

In Vinci, östlich von Lucca,  halten wir für die Nacht auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz. Das Leonardo-da-Vinci-Museum im Ort ist sehr empfehlenswert, wir kennen es schon von früheren Besuchen. Durch die kleine Stadt schlendern wir hinauf zur Bar Leonardo, bestellen einen toskanischen Rotwein und entspannen.

 

Apropos toskanischer Rotwein…..da gibt es doch diese Cantina Sociale, die Winzergenossenschaft, nicht weit von Poggibonsi…. Kommen wir da nicht vorbei?

Das machen wir.

Morgens holen wir Focaccia und knuspriges Brot und gehen auf die Piste Richtung Süden. Große Teile der Strecke sind inzwischen sehr gut ausgebaut als Strada Statale. Wir kommen sehr gut voran. Aber irgendwann zieht es uns wieder auf die kleinen Wege durch die Weinfelder des Chianti. Durch dunklen Wald geht es steil bergauf, vor einem kleinen Bergdorf wollen wir abbiegen, aber: Stop! Ein Schild warnt uns: 2,20 Breite. Das passt beim besten Willen nicht. Wir müssen hinauf ins Dorf.

Und bleiben stecken.

Auf engstem Raum wird gewendet, etwas knifflig….

Die Öffnungszeiten der Cantina zwingen uns, jetzt ein bißchen Gas zu geben. Wir geben die Ministrassen auf und sausen auf der Superstrada direkt zur Cantina Colline del Chianti.

Es duftet nach dem Trester der frisch ausgepressten Trauben. Hier wird gerade alles umgebaut. Der Verkauf findet durch ein kleines Fenster statt, wir können die Weine nur von einer bebilderten Tafel aussuchen, das trübt das Einkaufsvergnügen etwas. Die Verkäuferin ist ganz aus dem Häuschen wegen der Rappelkiste und macht viele Fotos.

 

Kurze Beratung: heute schon an die Adria? Oder mal ein kürzerer Fahrtag und ausruhen? Ausruhen!

An Siena vorbei düsen wir bis nach Castiglione del Lago am Lago Trasimeno. Der offizielle Stellplatz ist ein wirklich schöner Platz direkt am See, prima! Motor aus!

Der See hat sehr wenig Wasser, das schlammige Ufer lädt nicht zum baden ein. Ein Segelboot fährt sich im schlickigen Untergrund fest und muß rausgezogen werden.

Nach einem Tag Erholung geht es weiter. Heute wollen wir rüber auf die Ostseite. Von der Toskana hinüber in die Marken. Diesmal zügig nur über die Strada Statale. Auf sehr gut ausgebauter Strecke donnern wir zuerst am riesigen Lago Trasimeno entlang, dann vorbei an Perugia und Assisi. Es beginnt eine außergewöhnliche Tunnelfahrt auf der SS77.

 

Was für eine Strecke! 31 Tunnel, die meisten davon über viele Kilometer lang. Es geht nur rein in den Tunnel – raus aus dem Tunnel, ca 50 Kilometer Tunnelblick. Zwischendurch mal ganz kurz ein Landschaftsbild der Marche, dann wieder ab in die Röhre. Wir fahren fast nur im Berg. Erst bei Belforte del Chianti kommen wir wieder raus ins Flachland. Tolle Strecke!

Zack! Sind wir an der Adria. Jetzt halten wir uns nicht lange mit der Stellplatzsuche auf und steuern direkt den Stellplatz „Oasi“ in Lido tre Archi an. Als wir auf den Platz fahren, trägt der Besitzer sofort eine Leiter herbei, um mir das Aussteigen zu erleichtern. Netter Scherz! Ein lustiger, freundlicher Mensch. Der Platz liegt direkt am Strand, sehr schön. Ab in die Wellen!

Den Sonnenaufgang um 7 Uhr lasse ich mir nicht entgehen

 

Die Wettervorhersage verheißt ein Unwetter für die nächsten Tage. Schlechtes Wetter für mindestens die gesamte nächste Woche. Sollen wir noch bis Brindisi runterfahren? Durch Regen und Sturm?

Nein! Schnell fällt die Entscheidung. Wir werden jetzt schon von Ancona aus nach Patras übersetzen. Schade, wir wären gerne noch bis Süditalien weitergefahren. Kurz entschlossen buchen wir die Überfahrt, diesmal mit Kabine, um uns den Stress mit dem Nachtlager zu ersparen. Den letzten Sonnentag verbringen wir am Strand. Abends ziehen dann bereits die ersten dunklen Wolken auf, die Sonne ist eine trübe Scheibe dahinter, es wird kühler.

Bei Regen fahren wir nach zwei Tagen „Oasi“ nach Ancona. Es ist nicht weit. Nachmittags klart es auf, wir finden einen akzeptablen Übernachtungsplatz bei einem Park. Morgen geht unsere Fähre. Hoffentlich wird das Unwetter nicht zu schlimm.

Es regnet die ganze Nacht, am Morgen ist der angekündigte Sturm da. Blitz, Donner und Sturmwind: ein Horrorwetter für eine Fährüberfahrt!

Wir kaufen nochmal ein, eine Menge italienischen Formaggio und Kaffee. Am Eingang zum Supermarkt steht die Fiebermessschranke. Bei Martin alles okay. Bei mir: 44,3 Grad! Oje! Ich bin tot! Ich darf aber trotzdem in den Laden.

Wir fahren zum Terminal um einzuchecken. Wieder Fiebermessschranke: alles gut. Covid-Pass, Einreiseformular, Tickets, alles kontrolliert und abgestempelt. Wir bereiten uns Essen vor und stellen uns in die Warteschlange. Es gewittert, die Windböen schaukeln die Rappelkiste…..

In 9 Tagen durch Italien, im Sauseschritt. Eigentlich wollten wir länger bleiben. Schön war´s und sehr anstrengend, nun heißt es: Ciao Italia!

An Bord bringen wir unsere Sachen in die Kabine, bestellen oben an Deck ein Bier und essen unsere Semmeln. Angesichts der hohen Wellen da draußen könnte dies unsere letzte Mahlzeit für die nächsten 24 Stunden sein. Mal sehen, wie seefest wir sind….

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: rappelkisteberlin

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