Akka Tata Tolos

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80km fliegen wir auf Teer Richtung Akka. Kurz vor der Stadt biegen wir nach Norden ab. Die Menschen hier sind dunkelhäutiger als bisher, die Frauen tragen weite, doppelte Röcke mit eingewebten Goldfäden oder mit glitzernden Pailletten, die in der Sonne blitzen. Die Kopfschleier sind mit Spitzenbordüren verziert, manche schwarz, manche enorm farbenprächtig, türkis mit orange, helles grün mit knallrot. Ein toller Kontrast zur braunen, lehmfarbenen Landschaft. Wir halten oberhalb eines Friedhofs und genießen den Blick über die Lehmstadt und den hektarweiten Palmenwald.

Diese Lehmstadt ist noch bewohnt. Fast überall zerfallen die Altstädte langsam, aber sicher wieder zu Staub. Stattdessen wachsen Betonbauten in den Dörfern, nur selten verputzt, billig und schnell hochgezogen. Oft sehen wir nur Bauruinen. Häßlich. Einerseits verständlich, wer würde nicht lieber in einem Haus mit Strom, fließend Wasser und Kanalisation leben. Andererseits unendlich traurig, denn die Lehmhäuser fügen sich perfekt in die Landschaft und sind klimatisch bei den hohen Sommertemperaturen unschlagbar. Eine Jahrhunderte alte Kultur löst sich hier auf, die verlassenen Häuser werden wieder zu Erde.
Sylvia und Alfred fahren voraus, sie kennen den Weg zum Treffpunkt mit Brigitte und Wolfgang. Es geht durch ein kleines Kaff, links und rechts zweigen enge Gäßchen ab. Alfred setzt den Blinker – das kann doch nicht sein Ernst sein?! Doch!! Der Unimog biegt links ab und verschwindet in der Gasse. Okay, dafür müssen wir erst zurücksetzen und ausholen. Rings um uns rum sind Leute auf der Strasse unterwegs, Kinder wuseln, Radfahrer, vor uns ein kleiner Marktstand an der Ecke. „Attention, Attention“ rufe ich warnend aus dem Fenster, um niemanden zu überfahren. Alle winken, lachen fröhlich, machen uns Platz, wir biegen ab. Links und rechts bleiben die Leute in den Hauseingängen stehen, damit wir vorbeifahren können. Es ist eng, aber in Spanien sind wir schon durch engere Gassen gefahren. Langsam sind wir abgehärtet.

Auf dem Fussballplatz kommen wir raus, dahinter beginnt die Piste, wir verlassen den Ort. Trotz Gerumpel kommen wir die nächsten Kilometer gut voran. Und irgendwann taucht hinter einer Anhöhe die Elli auf – wir sind da!

Die Gazellenhörnchen und wir werden freudig begrüßt, erstmal Kaffee trinken und Kekse essen. Wolfgang erzählt, daß noch Freunde kommen, die ein paar Tage mit uns fahren. „ Sie haben gesagt, sie kennen euch schon, Stichwort „Tolo“ soll ich sagen?“ Ahh, Kerstin und Tilo, die beiden, die wir am Marjane bei Guelmim getroffen haben. Was für ein Zufall!
Nachmittags treffen die beiden ein, abends sitzen wir umgeben von 6 Bayern am Lagerfeuer und trinken Rotwein.

Fahrtag. Wir fahren die Piste Richtung Tata. Ich setze mich heute hinters Steuer. Viel zu lange bin ich schon nicht mehr gefahren, völlig aus der Übung. Zu Beginn ist es etwas ruckelig, ich schlage uns die Sträucher um die Ohren, jage uns in flottem Tempo über große Steine. Tiefe Bodenwelle? Nehm ich mit! Es kracht ein paarmal im Getriebe, zweimal würge ich den Steyr ab, die Rappelkiste und Martin lassen alles äußerst geduldig über sich ergehen. Dann wirds besser, ich fahre vorausschauender, ruhiger, unaufgeregter. Und das macht total viel Spaß!!


Vor Tata wechseln wir wieder, Strasse und Stadt überlasse ich gerne Martin.
Eine große Stadt in der Steinwüste, bekannt für ihr Heilklima. Wir zählen 4 Campingplätze, alle gut besucht, viele Touristen. 0,90€ für den Liter Diesel kommt uns zu teuer vor, tanken wird verschoben. Endlich wieder Internet, schnell fügen wir Fotos in einen Blogbeitrag ein, wir sind ziemlich im Rückstand. Fix veröffentlichen, dann treffen wir die anderen im Café und genehmigen uns große Bierkrüge voll frisch gepresstem O-saft. Später finden wir auch noch eine günstigere Tanke und brechen auf Richtung Osten.
Die Berge zur linken sind kupfergrün, tiefrotviolett und ockerfarben, manchmal alles auf einmal. Dann wieder der kilometerweite Blick in die Ferne, Hochebene, Ziegenherden und Akazien. Links taucht ein großes Erosionsfeld auf. Quadratkilometer sandfarbene Auswaschungen, Mondlandschaft, da würden wir ja zu gerne reinfahren!

Wir erreichen Akka N´ait Sidi, ein Postkartenmotivtraum! Wir halten zum bewundern und fotografieren. Oberhalb einer ausgedehnten Palmenoase gelegen, sieht die Stadt auf einen Fluss hinunter. Unser Weg führt unten am Wasser entlang durch eine Schlucht zwischen den Palmengärten hindurch. Elli und die Tolos waren vorausgefahren, hier treffen wir sie wieder und biegen bald von der Strasse ab auf die Piste. Der Untergrund ist erst locker sandig, dann feinsandig, dann tiefsandig. Geländegang und Kreuzsperre rein, die Rappelkiste gleitet über den Sand wie auf Wasserskiern und hat jede Menge Spaß! Tilo und Kerstin haben nicht ganz so viel Spaß, sie sinken ein, fahren sich fest. Also Schippen raus und Sand schaufeln! Noch Reifendruck runter, starten und….nix. Elli kommt zurück und zieht den Lkw raus.

Dasselbe Spiel etwas später nochmal und nochmal, dann sind wir alle glücklich auf unserem Schlafplatz gelandet. Zwei Kinder kommen angerannt, sind aber höflich und in Ordnung. Ansonsten nur Ruhe, Lagerfeuer und Sternenhimmel. Noch nicht einmal Flugzeuge sieht man.
Superschnelles 4G Netz haben wir hier abseits der Ortschaften, kaum zu glauben. Sehr angenehm, „Büroarbeit“ wird am nächsten Morgen erledigt. Mittags sind wir immer noch nicht startklar, schwatzen noch, essen in Ruhe. Erst am frühen Nachmittag geht´s weiter. In Tissint machen wir einen kurzen Stop, Kinder betteln um Stifte „ Stylo, Stylo!“ Ein alter Mann verjagd die Kinder und kommt dann selber, um nach Stiften zu fragen. Ein Bleistift wechselt den Besitzer. Wir fahren nach Foum Zguid. Hier bummeln wir herum, Berberschmuck und mehr oder weniger echte Antiquitäten werden angeboten. Riesige Haustürschlösser mit noch größeren Schlüsseln, merkwürdige Öllampen oder Kohlebehälter. Macht Spaß zu stöbern, die Händler sind angenehm unaufdringlich. Ich schaue mir die schönen Berbertücher an, schwarz mit farbenfrohen Stickereien, „good price, good price“ heißt es sofort. Jaja, good price, aber wieviel? 40,-€ will der Händler für ein Tuch, nein, danke, ich wüßte ohnehin nicht, wofür ich das brauche. Aber sehr schön sind sie. Foum Zguid ist klein, überschaubar, schmuddelig und echt entspannt. Wir kaufen einen Gasflaschenadapter für marokkanische Gasflaschen und gehen anschließend Pommes essen. Ob wir Ketchup und Majo möchten, fragt der Kellner – ja, bitte. Er bringt uns knusprige Pommes, Ketchup und Senf, okay, probieren wir mal Pommes mit Senf…..gar nicht übel! Richtig gemütlich ist es in Foum Zguid. Wir verabreden, uns hier am 06.02.2034 wieder zu treffen. Erst gegen 17 Uhr fahren wir weiter. Ein Berg, der aussieht wie ein Tajine- Deckel weist uns die Richtung.

Sandpiste, Luftdruck runter. Ein verrostetes Schild verbietet die Durchfahrt, Militärgelände. Aber wenn wir zu der Salzoase wollen, müssen wir da durch. Also los! Am Wegrand liegen weiße Dromedarknochen. Wir schauen uns das genauer an. Der Schädel komplett mit Unter- und Oberkiefer, große Oberschenkelknochen, sonnengebleicht. Die breiten Füße sind nur getrocknet, nicht verwest. Die Wirbelsäulenknochen weiß, kräftig, unten drunter leicht sandbedeckt noch das Fell. Sehr interessant.

Wieder „schwimmen“ wir über den losen Sand, dann wird der Boden etwas fester, wir werden übermütig und fahren ein kleines Rennen gegen den Unimog….RUMMS! knallen wir durch eine Bodenwelle!! Juhuuuh!! Aber vielleicht doch etwas langsamer….Am Horizont sehen wir die ersten Palmen, halten uns leicht links und kommen über feste, ausgewaschene Sandhügel zur Salzoase. Brigitte, Wolfgang, Kerstin und Tilo sind schon da, ein wahrhaft paradiesisches Plätzchen! Um uns herum hohe Berge. Große Palmen, der Boden sieht stellenweise schneebedeckt aus, ist aber nur salzig. Hier wollen wir morgen auch noch bleiben. Einfach zu schön hier!

 

Nachts geht die Temperatur bis auf 6 Grad runter, kühl sind die Morgenstunden. Bis mittags hat die Sonne die Luft aufgeheizt, es ist heiß. Ich liege in der Hängematte unter Palmen, trinke meinen Kaffee und schreibe Blog. Ganz entspannt, bis zu dem Moment, an dem ich den Kaffee über meine Notizen und den Computer schütte! Alarm! Ist aber alles gut gegangen, Rechner funktioniert noch….Martin zieht lockere Rappelkistenschrauben fest, die Pistenfahrten fordern Tribut. Wir wollten wandern gehen, durch die Berglandschaft, aber es ist zu warm, die Hängematte zu bequem.

Zum Sonnenuntergang gibt es einen kühlen Weißwein, den letzten aus Frankreich. In der Dunkelheit dann ein großes Lagerfeuer aus Palmenwedeln. Die brennen wie Zunder, schnell hoch und schnell wieder runter, wir rücken mit den Stühlen ständig vor und zurück. Was für ein schöner Tag, wir könnten gerne noch bleiben…..
Die Aussicht auf Sandfahrten in Wüstendünen zieht uns weiter.

Abschied von Kerstin und Tilo, unsere Wege trennen sich, die beiden wollen nach Foum Zguid. Bis später, wir sehen uns bestimmt noch einmal!

Nachdem wir beim Start noch kurz eine Palme gerammt haben ( was steht das dumme Ding auch im Weg rum ) nehmen wir Kurs auf die Sandwüste Erg Chegaga.

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

  1. Brigitte

    Was für ein Glück, das alles erlebt zu haben. Das ist auch nachträglich noch einmal die volle Packung Glückshormone.

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