Brasilien – Inhoutim: Kunst und Natur sind eins 12.12.2025

Veröffentlicht in: Aktuell, Allgemein, Archiv, Brasilien | 0

Die ersten Sonnenstrahlen gelten dem Buddha auf dem Hügel.

Um dem morgendlichen Verkehr zu entgehen, starten wir schon um ¼ nach 6 Uhr morgens. Ein Markt wird aufgebaut, wir erstehen noch einen frisch geernteten Salat für ein paar Cent. Der „Einparkhelfer“ ist auch schon unterwegs, er winkt uns fröhlich zum Abschied:

„Boa viagem!“

Durch die leeren Gassen schiebt Rappel sich bergauf, wir nehmen einen anderen, wesentlich leichter zu fahrenden Weg hinaus aus der Stadt.

Auf der Karte haben wir eine Piste entdeckt, die zu einem Wasserfall mit Badepool führt. Das ist genau das richtige heute morgen. Noch ein Blick auf Ouro Preto, weiter hinauf, immer schön hart an der Kante entlang

Ein paar Kilometer durch den Wald, dann stehen wir vor der Pisteneinfahrt.

Beide wie aus einem Munde: „Nein!“

Roter Lehm, glitschig und nass, das wird uns 100%tig sofort das Reifenprofil verkleben, dann verliert Rappelkiste den Grip. Auf eine abenteuerliche Rutschpartie haben wir beide heute keine Lust. Adé Wasserfall!

Umdrehen.

Wunderschön, wie das Sonnenlicht durch die Bäume fällt

Die Fassaden der Nachbarorte sind weit entfernt von Ouro Pretos Pracht.

 

Wir wollen zum Centro de Arte Contemporaneo Inhoutim, 120 Kilometer Fahrt liegen vor uns.

Hinauf auf über 1300 Meter durch bizarre Felsen, vorbei an aufgerissenen Bergen, manche Mine ist immer noch in Betrieb.

Nach zwei Stunden der Abzweig auf eine gepflasterte Strasse. Nichts Böses ahnend geraten wir auf eine Höllenabfahrt ins Tal.

13 Kilometer mit 16% Gefälle, ohne Staubremse. Schwierig aufs Foto zu bannen, wie steil das runter geht. Im Kriechtempo schleichen wir abwärts.

Überstanden, jetzt bremsen uns nur noch die Bodenschwellen in den Ortschaften. Kühler Schattenwald im Wechsel mit grünen Wiesen voller Termitenbauten.

Affenbrücken führen über die Strasse.

In der Hitze kriechen wir durch den Verkehr von Brumadinho, die letzten Kilometer bis zum Eingang des Centro de Arte Contemporanea Inhoutim.

Erst 10 Uhr. Super, jetzt erstmal ausgiebig Frühstück und dann los.

Halber Eintrittspreis für Ü60 Leute, ach Brasilien, du bist super nett zu älteren Herrschaften!

 

 

140 Hektar tropischer Wald erwarten uns. Ein botanischer Garten, gestaltet von Burle Marx, der als einer der größten Landschaftsarchitekten weltweit gilt. Im Garten integriert 20 außergewöhnliche Pavillons, erbaut für Kunst aus aller Welt, teilweise nur einem einzigen Künstler oder Künstlerin gewidmet.

Auf einem Tisch liegen Wegepläne,

Wir folgen zuerst dem gelben Weg durch den atemberaubend schönen Garten.

Am tiefgrünen See steht der erste Pavillon, die Galeria Praça.

Mehrere Künstler stellen hier aus.

Im ersten, offenen Raum liegt ein Haufen Betonbananen vor bunten Flaggenwänden. Aus Lautsprechern hört man schrebbelige Musik, Klopf- und Schaufelgeräusche.

Aha……

Der zweite Raum macht optisch nicht viel her. Aber akkustisch ist es ein Erlebnis: aus Lautsprechern ringsum tönt der Gesang des Kirchenchores der Cathedrale von Salisbury.  Aus jeder Box klingt eine andere Stimme. Die Künstlerin Janet Cardiff hat jeden Sänger einzeln aufgenommen. In diesem Raum kommen sie als Chor wieder zusammen. Unglaublich beeindruckend.

Und der Dirigent….ein Meister!

 

Der dritte Raum:

ethnografische Fotos von Paulo Nazareth. Die Personen verwischt, teilweise verdeckt von weißen Lichtpunkten, blinden Flecken…

Dies hier erinnert uns an unsere Gießharz-Experimente in der Kindheit:

 

Die Bootsausstellung gefällt uns:

An den Außenwänden des Pavillons klebt große Drei-D-Kunst

Wir spazieren weiter durch den herrlichen Garten

Überall stehen Schattenbänke aus gewaltigen Baumstämmen, manche bequem, manche so unbequem, daß sie mehr Kunst als Erholungsort sind.

„Troca-Troca“, Kunst mit drei bunten VW Käfern. Joah….hm….

Die Natur durch bunte Filter betrachtet….joah…hm…

Wir betrachten lieber ohne Filter….

Der nächste Pavillon gehört allein Pipilotta Rist.

Zuerst: Schuhe aus bitte!

Ein dunkler Raum. Dicker, weicher Teppichboden, auf dem Liegesäcke verteilt sind. Wir lassen uns nieder auf die gemütlichen Kissen und betrachten sehr entspannt die Videoinstallation an der Decke. Kaleidoskopische Bilder.

Hypnotisch….fast schlafen wir ein….

besser wieder raus in die Natur

Elefantenfüße heißen diese Bäume

Überall Kunst

Licht und Schattenspiele im petrolfarbenen See

Hinein in die Galeria Mata

Im Eingangsbereich Wände mit bunten Tafeln

Auf einem langen Tisch stehen mystische Figürchen

 

Im Inneren des Raumes erwartet uns eine große Installation. Begehbare Kunst, die uns mega gut gefällt. Licht und Schatten, Projektionen, Spiegel, Verzerrungen, Durchbrüche.

Ist das Spiegel oder Durchbruch?

Die Figuren inspirieren uns, wir beginnen sofort mit der Skulptur zu spielen, werden ein Teil davon. Macht sehr viel Spaß!

Hier sind wir eine Weile beschäftigt, echt klasse!

 

Zurück zum Eingangsbereich, zu den bunten Wänden. Erst jetzt sehen wir, daß Kreide bereit liegt.

Wir werden selbst zu Künstlern…

Galeria Mata ist ein absolutes Highlight für uns!

 

In Traumlage am See: die Galeria True Rouge.

Eröffnet 2002 als das erste Haus, das nur einem Künstler – Paulo Orsini – und einem einzigen Kunstwerk gewidmet ist.

Ein Mobile? Ein Fangnetz? Eine weinselige Orgie im Chemielabor? Auf jeden Fall sieht man rot.

 

Kleine Pause mit Seeblick

Da kriecht die Skulptur über die Wiese…auf dem Weg in den See?

Wir wechseln auf den pinken Weg. Nicht alle Galerien sind offen, ein paar wenige sind wegen Bauarbeiten geschlossen.

Die Ausstellung in der Galeria Marcenaria ist nicht so unser Ding

Was?! Schon wieder Pause?!!

Es ist aber auch heiß heute….

 

KIT, die Überschrift der Galeria Lago.

Die Erdhaufen lassen uns etwas ratlos

Aber vom Familienausflug mit Motorschaden sind wir vollkommen begeistert.

Und diese beiden hier sprechen uns auch sofort an, berühren uns.

Im Nebenraum eine Kerzenwerkstatt mit Kofferradiomusik…..joah….

Vor der Tür erfreut uns die größte aller Künstlerinnen – die Natur…

Der farbenfrohe Magic Square wirkt von Weitem viel interessanter als aus der Nähe.

Uff, Schatten….

Jetzt wechseln wir auf den orangefarbenen Weg.

Fast übersehen wir den schmucklosen Bunker mitten im Wald. Keine Fenster. Der Eingang der Galeria Lygia Pape verbirgt sich tief im Schatten. Was wird das sein?

Drinnen führt uns ein finsterer Gang immer tiefer in die Dunkelheit

Hand voraus tasten wir uns an einer Wand entlang und stehen plötzlich in einem von Goldfäden durchzogenen schwarzen Raum. Je nach Lichteinfall verschwinden die Goldfäden, andere tauchen auf. Mit jeder unserer Bewegungen verändert sich die Skulptur. Absolut gigantisch! Jedes Geräusch hallt verstärkt von den Wänden zurück, eine Akustik, die sofort zum Töne machen animiert.

Es erinnert an die Sonnenstrahlen im Wald, die wir heute morgen gesehen haben.

Wir sind total begeistert!!

Nach der Galeria Mata ganz klar unser Highlight Nummer 2!

Hinaus, zurück ans Licht!

 

Durch den Orchideengarten, in dem gerade leider nichts blüht, wandern wir an einem See entlang. Ein gelber Tretbootschwan dient als Blickfang.

Dickwurstige grüne Raupenschlangen kriechen einen Baum hinauf…..

 

Auf einer Lichtung steht ein kleiner Gartenpavillon. Außen komplett verspiegelt, reflektiert er seine Umgebung. Wären die Spiegel nicht inzwischen etwas blind, würde er ganz wunderbar mit dem Wald verschmelzen.

Hm, sieht erstmal nach nix Besonderem aus.

Lass uns mal reingehen….

WOW!

Spiegel vergrößern den Innenraum ins Unermessliche. Geisterhafte Tänzer drehen sich zu „The look of love“ von Dusty Springfield. Wir drehen uns mit, verlieren die Orientierung und lassen uns ganz ein auf die Reflektionen. Obwohl wir ganz allein sind, füllt sich der Raum scheinbar mit Personen -> unsere Spiegelbilder.

„Folly“ von Valeska Soares. Unser Highlight Nummer 3 heute!

 

Seit 4 Stunden wandern wir bereits durch den Park und lassen uns von Pflanzen, Architektur und Kunst beeindrucken. Langsam werden wir müde.

Aber einer geht noch…

Die Galeria Psicoativa Tunga: ein Glaspavillon über mehrere Etagen, mitten zwischen den hohen Regenwaldbäumen – ein architektonischer Traum. Tunga war ein enger Freund des Inhoutim Gründers Bernardo Paz und gemeinsam mit Burle Marx an der Ausgestaltung des Parks beteiligt.

Die Werke beschäftigen sich mit Alchemismus, Mythen und Legenden.

Da wir die brasilianischen Mythen und Legenden nicht kennen, erschließt sich für uns der tiefere Sinn nicht ohne Weiteres.

Für uns bleibt die Architektur der Hit hier.

Jetzt sind unsere Köpfe wirklich randvoll mit Bildern und die Beine müde vom vielen laufen. Genug für heute.

Zurück zur Rappelkiste.

Auf dem Parkplatz dürfen wir leider nicht übernachten, wir fahren 5 Kilometer zu einer Pousada.

Hier stehen wir gut unter Schattenbäumen und können Beine und Köpfe abkühlen lassen.

Inhoutim begeistert uns! Abends, auf der Treppe lassen wir den Tag Revue passieren

 

 

Stundenlang sind wir herumgewandert durch Natur und Kunst. Haben gestaunt, gerätselt, interpretiert und bewundert. Sind selbst zu Künstlern geworden.

Und haben doch bis jetzt nur einen Teil gesehen.

Wir freuen uns auf morgen, auf die zweite Runde Kunst und Natur

Liebe Grüße, bis morgen!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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