Brasilien – Inhoutim: Natur und Kunst sind eins -> Teil zwei 13.12.2025

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Gleich morgens sind wir wieder unterwegs zu unserer zweiten Runde durch den Park von Inhoutim.

Wir buchen Transport dazu, denn die Entfernungen zwischen den Pavillons sind heute wesentlich länger. Für etwas Aufpreis können wir die Elektrotaxis benutzen und uns durch den Park fahren lassen.

Wir starten auf dem pinkfarbenen Weg. Was haben wir hier noch nicht gesehen?

Es raschelt im Gebüsch…..Huch?! Wer huscht denn da so flink davon?

Ein kleines Guyana Hörnchen….

Da isses….hat sich was zum Frühstück geholt…

Den Weg hinunter kommen wir zum „Bisected Triangle“ von Dan Graham

Interessante Perspektiven…

Am Ufer gegenüber der Farbklecks des „Magic Place“

Von den Blüten und Blättern tropft der Morgentau

Zwanzig, dreißig Meter hoch ragen Palmen und Bambusstäbe in den Himmel

 

Die rote Hummerschere ( heißt die so? Bin mir nicht ganz sicher…) sammelt Wasser in ihren großen Kelchen

Wir möchten zum „Mahagony Pavillon“ von Simon Starling….

Ääähmmm…….

Äähhh…so ´ne Art Kinski-Fitzcarraldo-Hommage?

Keine Ahnung….

 

Handgroße Kannenpflanzen. Wahre Killer. Vom süßen Duft angelockt rutschen ihre Opfer in die spiegelglatten Kannen und plumpsen unrettbar verloren in den Verdauungssaft….

Ob ich mal den Finger reinstecke?

 

Dieses Iglu weckt unser Interesse.

Ein Warnschild: Achtung, Stroboskoplicht! Man soll nicht länger als 30 Sekunden drin bleiben.

Drinnen ist es so:

30 Sekunden reichen völlig….das flackernde Licht stresst total da drinnen….

 

Draußen können sich die Sehnerven sofort erholen….

Ein bißchen Fotokunst…was Telefone heutzutage alles können…..

 

Haha! Und jetzt kommt´s!

Statt den weiten Weg zu den nächsten beiden Galerien zu laufen, entern wir eines der wartenden E-Taxis und lassen uns gemütlich fahren.

Voll der Luxus!

Erste Station ist die Galeria Miguel Rio Branco. Ein rostiger Bunker, tief im Dschungel versunken.

Völlig unvorbereitet stoßen wir auf brutale Fotografien. Bilder aus den 70er- und 80er Jahren aus der Altstadt von Salvador in Brasilien. Erschütternd und verstörend.

Diese Auswahl hier zeigt die harmlosen.

Harte Kost.

Danch tut der Spaziergang durch den Wald zur Galeria Claudia Andujar sehr gut.

 

Schon das Gebäude ist eine Augenweide.

Handgeformte, versetzt gemauerte Ziegel und edle Tropenhölzer. Die Yanomani, denen die Ausstellung gewidmet ist, tauften das Gebäude „Maxita Yaho“ – das Erdhaus.

Große Fenster integrieren das Grün ringsum, im Innenhof laden Hängematten zum Entspannen ein

In der Mitte ein schlichter Raum voller Fotografien.

Fünf Jahre lang wurde ausgewählt und kuratiert aus 500 Fotografien, die Andujar der Stiftung Inhoutim überließ.

Die Bilder gewähren uns Einblicke in schamanische Rituale der Yanomani

Zeigen das brutale Eindringen der Weißen in ihr Stammesgebiet

Ihr Alltagsleben

Viele Jahre hat Andujar um Vertrauen geworben, um diese Fotos machen zu können

 

Wir sitzen im E-Taxi auf dem Weg zu zwei sehr weit abgelegenen Pavillons. Unterwegs überholen wir Fußgänger, manch einer schreitet entschlossen voran, während das Gefolge ermattet hinterherschlurft…die Wege sind lang….

Es ist wieder sehr heiß heute, die feuchte Hitze macht einem zu schaffen.

Auf einem Hügel thront der Rundpavillon von Doug Aitken.

Wir wendeln eine Rampe hinauf. Von oben fällt kreisförmig Sonnenlicht hinein, im Boden ist ein Loch.

Im Raum hört man ein sehr leises rauschen, brummen und knacken…manchmal ein leises jaulen, wie aus weiter Ferne….

Ist das eine Sonnenuhr? Wir linsen in das Loch…..tja, ein Loch. Schwarz, nix zu sehen….

Rätselhaft….

Erst sehr viel später finden wir raus, daß dieses Loch 202 Meter tief in die Erde führt und wir Erdgeräusche hören.

Sehr mystisch….

Das hätten wir gerne vorher gewusst. Dann hätten wir uns ganz anders mit den Geräuschen beschäftigt…

 

 

So wundern wir uns nur und bestaunen draußen die Schönheit von zwei Echsen

Zwischen den Bäumen ist ein Ufo gelandet

Was mag da drin sein?

 

Eine Monstermaschine.

Ein Baumausreißer, wie er im Amazonaswald tagtäglich benutzt wird.

Der pure Horror

Im bleichen Stamm stecken Äxte, Hacken und Gewehre

 

Die Ausmasse sind so gigantisch.

Übermächtig rückt er der Natur zuleibe, unaufhaltsam. Die Reifen mit rotem Lehm beschmiert, als käme er direkt vom Schlachtfeld.

Erschüttert stehen wir vor dieser Zerstörmaschine.

Wie in einem Kaleidoskop gespiegelt durch die vielen Dreieckscheiben des Pavillon.

Wow, das nimmt einen richtig mit. Gefühle von Entsetzen, Wut bis hin zu Hilflosigkeit.

 

Wir brauchen eine Pause. Ein Golfkarren bringt uns zurück zum See an der Galeria Mata. Gestern haben wir uns schon eine Bank mit Blick auf die Installation „Kurz nach dem Regen“ von Rebeca Carapia ausgeguckt, für ein Picknick.

 

Gestärkt und erholt schauen wir in der Galeria Mata nach unserem Bild.

Ja, gibt´s denn des?

Schon übergemalt!

Dann können wir ja nochmal, jippieh!

Unterwegs zum orangen Pfad begegnet uns dieser schöne Vogel, wir sehen die Elefantenfüße wieder

und entdecken hoch oben am Baum Orchideen

Auf jedem Meter ein neuer Eindruck

Die Galeria Yayoi Kusama ist ein architektonischer Schatz. Der Vorgarten soll als Raum zum Verweilen genutzt werden, nur zu gerne…

Wir werden zu einer kleinen weißen Box begleitet. Nicht mehr als drei Personen sind erlaubt, maximaler Aufenthalt: 1 Minute.

„Folgen der Auslöschung der Ewigkeit“ – wir sind gespannt….

In einem endlosen Lichtermeer verlieren wir sofort und völlig das Raumgefühl. Wir drehen uns im Kreis – das ist total abgefahren!

 

Highlight! Fast wird einem ein bißchen schwindelig.

Eine Minute um, die Tür wird geöffnet.

 

Das zweite Werk von Kusama: „I´m here. But nothing“

Ein von Schwarzlicht beleuchtetes Wohnzimmer, gefüllt mit fluoreszierenden Punkten, die durch den Raum zu schweben scheinen.

Es soll ein Gefühl der Selbstauslöschung bewirken, das tut es bei uns zum Glück nicht.

 

Ein schmaler Pfad bringt uns tiefer in den Wald hinein…

Jetzt halt doch mal still, du kleiner Flattergeist

Gut versteckt zwischen den Bäumen der „Vegetation Room“ von Cristina Iglesias

 

Auf einer hellen Wiese steht die klotzige, wehrhafte Galeria Cosmococa.

Hier erstmal wieder: Schuhe aus

und dann ab in die Spielzimmer…

Ganz lustig, ein bißchen wie Kindertagesstätte mit Bällebad

Richtig klasse sind die Ruheräume.

Wir haben die Wahl:

auf blauen Sofapolstern rumlümmeln

oder, viel besser, in bunten Hängematten schaukeln.

Egal wo, in jedem „Ruheraum“ dröhnt einem megalaut Jimi Hendrix Gitarrensound um die Ohren.

Lustige Vorstellung von Entspannung und Ruhe…..

 

Der 12°C kalte Eispool ist leider geschlossen, der wäre uns heute gerade recht gekommen.

 

Ist das angenehm, sich die weiten Wege mit dem Karren fahren zu lassen! Beste Entscheidung!

Die Stahlskulptur „Beam Drop“ von Chris Burden. Er ließ die Stahlteile in nassen Beton sinken, die Anordnung entstand dabei zufällig. Ganz interessant, erinnert uns entfernt an Pablo Atchugarry.

Und was haben wir hier?

Eine moderne Version von Stonehenge? Eine Raketenabschußrampe? Umfallende Fassaden eines Dorfes? Oder ist es diesmal eine Sonnenuhr?

Wir finden es nicht heraus….

Gleich mit dem nächsten Karren sausen wir zurück….

Marila Dardot will uns zum Blumen pflanzen animieren. Schürzen, Formen, Gießkannen, Blumensamen, alles liegt bereit.

Wir würden ja gerne, aber alle Pflanzschalen sind besetzt.

 

Richtig fies bei der Hitze ist der „Piscina“ von Jorge Macchi. Schwimmen ausdrücklich erlaubt. Hätten wir das bloß gewusst!!

Voller Neid sehen wir den Leuten beim planschen zu….

 

 

In diesem Teil des Parks befinden sich botanische Themengärten. Am meisten begeistert uns der Kakteengarten:

Wieder sind wir seit Stunden unterwegs, langsam werden wir müde….genug für heute.

Hui…sausen wir an den Blumen vorbei Richtung Ausgang.

Umgeben von den schönsten Blüten schlurfen wir auf müden Beinen zum Parkplatz

zum Parkplatz. Total begeistert und glücklich über diesen schönen Tag.

Zurück zur Posada für die Nacht.

Was für ein erlebnisreicher Tag!

Das Centro de Arte Contemporaneo Inhoutim ist für uns eine der beeindruckendsten Parkanlagen und Kunstausstellungen, die wir bisher gesehen haben.

Unsere Köpfe sind voll mit Bildern. Wir könnten gut ein ruhiges Plätzchen gebrauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten.

Stattdessen werden wir ab morgen ein paar Tage lang fahren. Hier ist unser Wendepunkt nach Süden.

In etwas über zwei Wochen müssen wir aus Brasilien ausreisen und wir möchten unbedingt noch Zeit für die Wasserfälle von Iguazu haben.

Aber für heute ist Feierabend und wir lassen die Bilder des Tages nachwirken…..

Kleine Anmerkung: laut Youtube Detailinfo ist die Wiedergabe des „gesperrten“ Musikstückes erlaubt. Hier widerspricht sich Youtube. Keine Ahnung, warum. Aber ihr könnt das Video natürlich auf Youtube ansehen. Kein Problem. Einfach nur -> Auf Youtube ansehen <- anklicken

Viel Spaß!

 

Liebe Grüße, bis morgen früh!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

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