Georgien – Batumi: In bester Gesellschaft! 01.05.2022 – 07.05.2022

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Es gießt. Aus Eimern. Der Wonnemonat Mai beginnt grau und nass. Da kann man sich getrost nochmal umdrehen und weiterschlafen.

Am späten Vormittag wandelt sich die Sintflut in Nieselregen, wir bummeln durch die Altstadt zum Tonofenbäcker.

Schon auf den Stufen hinab zur Kellerbackstube empfängt uns die Ofenwärme und der Duft des frischen Brotes.

In der winzigen Kammer steht der Tonofen, ein Sofa und ein Bett, auf den Regalen ringsum lagern Brote.

In ein Stück Zeitungspapier gewickelt bekommen wir zwei ofenwarme Brote gereicht. 0,50€ kostet umgerechnet eines. Wir probieren….Knuspriger Sauerteig, mild gesalzen, innen weich und locker – umwerfend gut! Jetzt schnell zurück nach Hause zum Frühstück!

Wenig Unternehmungslust, wir hängen gemütlich rum.

Bis ein zitronengelber Steyr auf den Platz rollt. Kurt ist da! Schon vor einiger Zeit haben wir uns mit Maren & Mathias verabredet, wir freuen uns so!!

In Griechenland haben wir einen Lockdown Winter zusammen verbracht und gemeinsam eine fantastische Fahrt zum Megalo Tourla gemacht

Megálo Toúrla

Zuletzt trafen wir uns im September kurz in der Schweiz beim Steyr Spezi.

Eine gute Stunde stehen wir im Nieselregen und erzählen, dann kommt jemand auf die glorreiche Idee, doch in ein Café zu gehen. Gesagt, getan. Später rollen wir unsere Markise aus, jetzt stehen wir draußen im Trockenen.

So viel zu erzählen!

Der Platzpatron kommt mit seinem fetten Jeep vorbei um uns zu begrüßen. Er zeigt auf die Wetterapp in seinem Handy: Regen und Sonne im Wechsel. „Putin, Putin!“ ruft er und zeigt auf die Wolke „Selenski, Selenski!“ und zeigt auf die Sonne. Georgischer Humor.

Zwei Hunde liegen unterm Steyr und gehen wütend bellend gegen jeden, der uns zu nahe kommt.

Der Mann, der im angrenzenden Park auf Pappkarton schläft, hat zusammengepackt und hoffentlich einen trockenen Platz gefunden.

Erst spät verziehen wir uns, ziemlich durchgefroren, in unsere Lkws. Bis morgen!

Aus der Hafenkellerdisko schallt Bumm Bumm Musik. Der Regen bleibt über Nacht und noch fast den ganzen nächsten Tag.

 

Abends klart es auf, wir spazieren durch die Stadt ins Restaurant „Randez-vous“. Ein schlichtes Lokal mit georgischer Küche.

Bald biegt sich der Tisch unter all den gefüllten Tellern.

Sehr gut!

Zum Nachtisch geht´s ins Sinbin, unserer Lieblings Rock´n´Rollkneipe. Die Karte mit den „Shots“ überzeugt. Martin und Mathias probieren etwas leuchtend grünes mit Absinth ( ziemlich scheußliches Gesöff wie sich herausstellt ) und ich einen schlammbraunen Schoko Minz Wodka ( mmmhh lecker! ) Und dazu Led Zeppelin.

 

 

Der Himmel ist blau, der Alphabet Tower reflektiert die Sonnenstrahlen, rauschend erwacht die Stadt.

Wir düsen früh los, mit den Fahrrädern zum Waschsalon „Speed Queen“, einen Riesenberg Wäsche in den Rucksäcken.

Auf dem Rückweg nehmen wir frische, heiße Brote vom Tonbäcker mit fürs Frühstück.

Noch die Wassertanks füllen, die Wäsche abholen, zum Wäsche trocknen verziehen wir uns an den Strand von Chakvi.

Bye, bye Batumi! Tolle Stadt!!

Der Tonscherbentelefonkollege freut sich, zückt sein „Handy“ und winkt uns fröhlich zu. Die Wäsche flattert im Wind, am Nachmittag zieht wieder Nebel auf, es wird saukalt. Was bis jetzt nicht trocken ist, wird im Steyr aufgehängt. Vor der Rappelkiste nehmen wir ein Feierabendgetränk und plaudern in den unsichtbaren Sonnenuntergang.

 

Eigentlich wollen wir morgen schon weiter, in die Berge, aber Maren wird krank. Wir bleiben hier.

Das Wetter bleibt kalt und nass. Ich sitze auf der Treppe und beobachte die Kühe. Plötzlich hebt eine den Kopf und schnuppert konzentriert in eine Richtung. Zwei andere werden aufmerksam und schnuppern ebenfalls. Was trägt ihnen der Wind zu? Ich schnuppere in die Richtung…..nüscht. Plötzlich machen alle drei Kühe kehrt und jagen in wildem Galopp in die Gegenrichtung davon! Huch!? Liegt hier Gefahr in der Luft? Wölfe? Bären? Waldbrand?

Ich kann nix erkennen oder erschnuppern….

 

Wir wandern nach Chakvi zum einkaufen, was man so braucht, Dill, Eier, Gemüse, Wein. In Deutschland herrscht angeblich Knappheit bei Öl und Nudeln, der Einkauf ist rationiert. Nur jeweils 1 Paket Mehl, 1 Paket Nudeln, was für Zeiten!

Von Knappheit ist hier nichts zu spüren.

 

Der Toast aus dem Grünpflanzenladen war so lecker, aber diesmal hat die schwarzgekleidete Dame nur gewaltige Crèmetorten im Angebot.

 

Dafür finden wir eine Tonbäckerei mit „Klatschbroten“. Der füllige Bäcker legt den Teig auf ein gewölbtes Kissen, taucht mit diesem tief kopfüber in den Ofen und klatscht den Teig an die Ofenwand. Fasziniert sehen wir zu.

Die Georgier sind zuerst zurückhaltend, ernst, schüchtern, aber dann von einer herzlich – handfesten Freundlichkeit, ruppig nett. Gefällt uns sehr!

Im Nieselregen zurück, wir sitzen noch zusammen draußen, bis alle schön nass geworden sind. Der Rotwein ist exzellent, nur viel zu schnell alle….

Drinnen ist es warm und trocken…die Heizung läuft….

 

 

Besuch kommt! Auf dem Rückweg von einem Spaziergang kommt uns ein grauer Steyr entgegen, Gaby und Andrea aus der Schweiz! Wir freuen uns sehr, haben die beiden irgendwann mal beim Steyr Spezi kennengelernt. Ja, dort treffen sich alle irgendwann.

Ein kleines Steyr Treffen in Georgien!

Martin hat den Blaumann an, das Fahrerhaus wird gekippt, schon seit der Einreise in die Türkei verlieren wir irgendeine Flüssigkeit.

Lecksuche. Geschmacksproben werden genommen. Schrauben nachgezogen. Gefachsimpelt….

„Schmeckt nach Hydraulik“ lautet die Analyse. Es wird nachgefüllt und abgedichtet.

Der Nebel lichtet sich, wir können Batumi wieder sehen. Und den Sonnenuntergang.

Maren raucht wieder, es geht ihr gut, wir testen den „Schwarzwein“ den Gaby und Andrea mitgebracht haben. Aus dem 5 Liter Kanister. Nicht schlecht. Was für ein schöner Tag in sehr netter Gesellschaft.

Alle sind bereit zur Weiterfahrt. Morgen soll es losgehen. Nach Osten, auf einen Gebirgspass. „Überall steht, daß der Pass noch geschlossen ist“ sagt Mathias. „Lasst uns einfach hinfahren und gucken, ob wir nicht doch irgendwie drüber kommen.“ Ausgezeichnete Idee!

 

 

Abschied von Gaby und Andrea, sie haben andere Pläne. Sehr schade….“Schickt uns euern Standort, wir kommen wieder vorbei“ sagt Andrea. Sehr gerne!

Wir anderen düsen in die wolkenverhangene Stadt. An der stinkenden Raffinerie entlang, mir tun die Anwohner leid, mit ihren schönen Gärten, der Dieselgeruch ist betäubend.

Durch Schlaglöcher, unter tiefhängenden Stromkabeln hindurch, an tristen Wohnhäusern vorbei.

Im Supermarkt wird der Großeinkauf erledigt. Die Hühner lassen wir im Kühlschrank.

Dann raus nach Osten.

Autoschrauberbuden, hier wird alles geflickt. Durchgerostetete Karosserie, na und? Die ist noch gut!

In die Vorstadt. Eigenheime unter hohen Bäumen, kleine Gassen, Gärten und gackernde Hühner….

die Beschreibung trifft´s vielleicht nicht ganz….

Vier rohe Wände, ein Wellblechdach, das qualmende Ofenrohr aus der Wand, Schlamm in den Gassen, Kanalisation fraglich – wie auch immer, es ist ein Zuhause.

 

Kurt, der gelbe Kasten, fährt voraus.

 

Wieviel tausend Schattierungen von grün gibt es? Georgien kennt sie alle!

Selbst bei diesem trüben Wetter leuchtet uns das Grün entgegen. Und mitten in dieser Grünorgie blüht wilder Rhododendron, traumhaft schön!

Wir wollen weg von der Hauptstrasse und uns im Hinterland einen Übernachtungsplatz suchen. Es geht über eine schmale Brücke.

Kurt stoppt. Steckengeblieben! Im Dörfchen ist die Strasse zugeparkt, wir kommen nicht vorbei. Die Dorfgemeinschaft versammelt sich, hier ist was los! „Wo wollt ihr denn hin?“ einer spricht englisch. Wir erklären unser Vorhaben, alle schütteln bedauernd den Kopf. „Das wird zu eng, hinter dem Dorf beginnt ein Pfad, dafür seid ihr zu groß…“

Auf Einheimische muß man immer hören. Unten am Fluss haben wir einen Fußballplatz gesehen, können wir da parken? Klar! Alle nicken zustimmend. Unter großer Teilnahme des Dorfes wenden wir die Steyr. Alle sind sehr, sehr nett.

Na also! Richtig schön hier! Die Kühe umrunden neugierig die Lkws. Schade, daß es zu kalt ist für ein Bad im Fluss.

Schluss für heute!

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

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