Grenzerfahrung: Basra, Ausreise Irak und Einreise Kuwait 23.11.2022 – 24.11.2022

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Die Rappelkiste fährt voraus, hinter uns der Steyr von Elke und Bernhard und der MAN von Marietta und Martin. Auf dem kürzesten Weg wollen wir Basra durchqueren, über den Schatt-al-Arab und dann für die Nacht am Fluss einen Platz finden. Es ist nachmittags, halb 4, das schaffen wir noch locker vor der Dunkelheit.

Wir fahren durch den Irak! Unglaublich!

Wow! Hier geht das Level aber noch eine Stufe runter. Die Siedlungen versinken im Müll, die Wohnverhältnisse wirken ärmlich.

Vor der großen, modernen Brücke werden wir rausgewunken. Wir dürfen nicht rüberfahren. Warum? Keine Ahnung. Okay, dann am Fluss entlang zur nächsten Brücke.

Davor ebenfalls ein Polizeikontrollpunkt. Die Brücke sieht nicht tragfähig aus….wirkt baufällig, nee, das machen wir nicht….rechts raus, quer durchs Viertel und dann in großem Bogen aussenrum fahren, entscheiden wir.

Die Strasse ein Mix aus Matsch, Teer und Müll. Bis hierhin ist alles gut, dann geraten wir mitten in die Einkaufsstrasse.

Mopeds, Menschen, Gewusel von allen Seiten. Müllgeruch in der Luft. Aus schrebbeligen Lautsprechern werden die Angebote des Tages über die Strasse geschrien, eine enorme Geräuschkulisse!

Es ist sehr anders, als alles, was wir bisher gesehen haben.

Selfmade Stromversorgung

 

Weiter durch die Holperstrassen von Basra. Wir schieben uns vorwärts, die zwei anderen Lkws immer hinter uns.

Die Sonne verlässt diesen staubigen Ort, irgendwo da hinten ist die nächste Brücke über den Schatt-al-Arab.

Gefunden! Stabil und wir dürfen sie befahren. Im Fluss liegen versunkene Kähne, irgendetwas brennt, es stinkt nach Schwefel und Fäulnis. Alles wirkt wie eine einzige Umweltkatastrophe….

Wir sind etwas erschüttert

Staub wirbelt auf……Plötzlich – völlig unvermutet – Grün! Ein paar Bäume. Am Basra Family Park quietschen sich Vögel die Seele aus dem Leib.

Dahinter sterben die Bäume

Jetzt nochmal richtig rein in den Feierabendverkehr von Basra. Wir müssen nach links, laut Karte gibt es aber keinen Linksabbieger. Etwas Verwirrung, dann freudige Überraschung! Ein mutiger Polizist steht mittendrin und regelt den Verkehr. Es geht doch linksrum!

Die Wohnviertel…..ohne Worte. Welche Zukunft wartet auf die Kinder?

 

Dunkelheit fällt über die Stadt. 40 Kilometer rumpeln wir schon durch Basra. Die „kürzeste Strecke“ ist es nicht geworden… An der großen Ausfallstrasse stoppen wir zur Beratung. Wie weit wollen wir noch fahren? Nur noch bis zur nächsten Großtankstelle.

 

 

 

Jede Tankstelle hat einen Vorposten. Eine kleine Bude, bei der das Kfz Kennzeichen notiert wird. Die Spritabgabe ist streng reglementiert.

Wir fragen, ob wir übernachten dürfen. „No Problem!“ ruft der junge Mann begeistert. „Tourists?!!“

Schnell geparkt, wir stehen draußen zusammen, plaudern, lassen den Tag revue passieren. Die irakische Grenze war ein echtes Erlebnis!

Ein Junge kommt zu uns. Die Tankstelle gehört seiner Familie, sie würden sich sehr freuen, wenn wir zum Essen kommen. Das machen wir gerne. Der Chef bittet in sein Büro, die Söhne holen Essen. Und das schmeckt! Wir langen ordentlich zu

Nach dem Essen servieren die Söhne Tee. Wir versuchen eine Unterhaltung, Allawi spricht englisch. Mr Mohamed ist sehr stolz auf seine Tankstelle und seine Söhne. Und freut sich über seine Gäste. „Don´t be shy, you are here with family“ übersetzt sein Sohn.

Satt und zufrieden – jetzt werden wir zum Fotoshooting gebeten. Gruppenbild mit Tankstelle.

Unzählige Bilder später verabschieden wir uns. Vielen, vielen Dank für den tollen Abend! Sehr sympathische, freundliche Menschen, ein herzlicher Empfang im Irak.

Da stehen unsere Häuser. Mit Geburtstagskerzen auf dem Dach

Unsere fröhliche Grenzertruppe geht morgen auseinander. Marietta und Martin überlegen, länger im Irak zu bleiben. Für Elke und Bernhard stehen wir zu früh auf, sie wollen erst später los. Ein lustiger Tag, ein sehr spezielles einzigartiges Grenzerlebnis, ein prima Abend. Hat riesig Spaß gemacht mit euch! Wir sehen uns bestimmt irgendwann wieder!

 

 

 

 

Halb 8 Uhr morgens stehen wir an der Zapfsäule. 30 Cent kostet der Liter Diesel. Offiziell dürfen wir nicht mehr als 100 Liter tanken, Diesel ist rationiert. Irakisches Geld haben wir nicht, aber unsere Dollars sind sehr willkommen.

Hinein in den Wahnsinn von Basra

 

Durch die Vorstadtsiedlungen….

Nochmal harte Kost

Es gibt auch hübsche Häuser…..Irakische Baukunst

 

Ca 44 Kilometer bis zur Grenze nach Kuwait.

Da wirbelt jemand ordentlich Staub auf….oder? Nein, ein Lkw vor uns qualmt so, was hat der denn getankt?

An der Grenze treffen wir Andreas wieder, der es gestern auch nur bis zur nächsten Shishabar geschafft hat. Geschlafen hat er im Haus von Irakern, die er dort kennengelernt hat.

 

Vorhang auf für das nächste Grenzabenteuer im Irak

Zweiter Akt: die Ausreise

Zuerst Passportkontrolle, Frauen und Männer in getrennten Linien, schnell abgehakt. Ein Typ heftet sich an uns und begleitet uns zu einer Tür, klopft und wir betreten einen düsteren Raum mit verdunkelten Fenstern. 1 Schreibtisch, 3 Sofas, auf einem fläzt sich ein Mann in Zivil und sieht fern. Die beiden unterhalten sich. Der eine erhebt sich vom Sofa, macht Licht an, setzt sich hinter den Schreibtisch. Unsere Papierstapel von der Einreise werden durchgestempelt. Wir sollen 20$ bezahlen. „Wofür?“ fragt Martin. Nach langem Hin und Her stellt sich raus, daß es für den Schlepper ist, der sich an uns geklebt hat. „No! We don´t need him!“ sagt Martin. Aber wir hätten ihn engagiert! behauptet er. „No, no, we don´t need him“! Martin bleibt hart. Der Schlepper bekommt Ärger und fliegt raus. Ohne 20$ zu bezahlen geht es weiter.

Aber wohin? Keiner weiß es…..da hinten irgendwo, wird uns gesagt. Wir irren übers Gelände. Baustellen, Schutt, Staub, Dreck und Fliegenschwärme. Überall Müll, wilde Hunde suchen darin nach Futter. Zwischen schäbigen Baracken tauchen wir unter tiefhängenden Stromkabeln hindurch, suchen jemanden, der zuständig ist.

Alle laufen hier in Zivil herum, nicht zu erkennen, wer hier überhaupt Bescheid wissen könnte. Schwierig. Fragen uns weiter durch. Niemand kennt sich aus.

Nichts gefunden, zurück zu den Autos. Ein Mann nuschelt uns in völlig unverständlichem englisch an, wir sollen mitkommen. In einem winzigen Verschlag redet er lange auf uns ein, stempelt dann wild drauflos unsere Papiere und schickt uns wieder weg. Wohin? Alle zucken mit den Schultern…. Schlepper bieten sich wieder an. No!

Ein Mann nimmt uns schließlich mit, klopft an eine schrottige Baubaracke. Ein Typ in Unterhosen öffnet die Tür. Im Hintergrund geifert ein großer Hund. Der Unterhosenmann schickt uns weiter, zu anderen heruntergekommenen Baracken. Alles verschlossen, niemand da. Der nächste Mann kommt vorbei. „Wait!“ und verschwindet für eine Weile. Kommt wieder, holt ein Stempelkissen aus einer Bude und schickt uns zur nächsten Bauhütte.

Klopf, klopf…..Tür geht auf, wir stehen vor dem Wohncontainer eines Mannes. Er nimmt unsere Papierstapel, setzt sich auf sein Bett und stempelt. Bei Andreas findet er den vorigen Stempel nicht auf der richtigen Seite, er soll nochmal wiederkommen. Wir sollen 20$ bezahlen. No!

Zurück zum Verschlag am Grenzposten. Langes Gebrabbel, Diskussion wegen irgendetwas, wir verstehen kein Wort. Dann stempelt er unsere Carnets aus. Jippieh! Diese Klippe haben wir gemeistert!

Von wegen! Wir bekommen einen Minizettel, sollen zurück zur letzten Hütte und 20$ bezahlen! Wofür verdammt?!

Andreas bekommt sein Carnet nicht gestempelt. Der Brabbelmann versteht nicht, wieso er für 2 Fahrzeuge 3 Carnets stempeln soll?? Steyr und Honda Dax haben ihre Stempel, aber Andreas Auto bekommt keinen.

AAAAAAAAHHHHHHHHHH!!!!!!!!

Erstmal 20$, dann will er vielleicht doch das dritte Carnet stempeln…..aha….

Martin und Andreas ziehen los und suchen ein Kassenhäuschen. „Irgendwo da hinten“ jemand wedelt mit der Hand in mehrere Richtungen….

Finden den Kassierer. Andreas wird von Schleppern bedrängt und hat keine Dollars. Tumult. Dem Kassierer wird es zu doof, er zückt seinen Geldbeutel und legt 20$ in die Kasse. ( Wieso hat er 20$ ? )

Martin braucht nichts zu bezahlen. Zurück zum Auto. „You pay?“ Ja, Andreas bekommt seinen Carnetstempel. „Finish“ sagt der Stempelmann. Ungläubig fragt Martin zurück: „Finish?“ Yes, finish.

Wir rollen vor zum letzten Posten.

Und werden postwendend zurückgeschickt. Der Kassenmann hätte uns einen Zettel mitgeben müssen…..

AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!

Ein paar Schlepper wittern ihre Chance und bedrängen Martin. Tumult, bis ein Soldat die Schlepper fortjagt.

Den Zettel bekommen wir nicht vom Kassenmann, sondern beim Policeoffice. Also da hin. Damit wieder zur letzten Kontrolle und …..

Halleluja!! Geschafft!!! Wir sind ausgereist!!!

23 Stunden im Irak, was für ein Erlebnis!

 

Jetzt kommt Kuwait, Einreise….

Spannend. Laut Internetinfo würde man bereits am ersten Schlagbaum zurückgeschickt ohne E-Visum. Stimmt zum Glück nicht.

Die Grenzgebäude sauber und klimatisiert. Im gekühlten Eingangsgebäude beantragen wir unser Visum. Alle tragen Uniform, sind sehr höflich und freundlich. Bieten uns Pralinen an. Wir treffen Bernhard und Elke wieder. Für das Visum werden Fotos gemacht und alle 10 Fingerabdrücke genommen. Digital und hochmodern. „Bei uns hast noch Tinte an den Fingern“ lachen die Österreicher.

Wir sollen unsere Daten notieren. Laut selbiger Internetinfo sei es unbedingt wichtig, daß man eine Adresse und Telefonnummer in Kuwait angeben kann. Haben wir nicht. Wir schreiben Camping Kuwait ohne Adresse und ohne Telefonnummer – gar kein Problem.

Es dauert, Gebetspause. Wir sollen bitte Platz nehmen. Noch ein Pralinchen?

Endlich ist alles ausgefüllt, wir zahlen 3 Kuwait Dinar. Andreas hat keine, wir helfen aus. Zum nächsten Schalter, Einreisestempel – „Welcome to Kuwait“

Man zeigt uns, wo wir als nächstes hin müssen. Hier kennt man sich aus.

Nach dem irakischen Vollchaos ein angenehmes Gefühl.

Weiter zur Fahrzeugkontrolle. Elke und ich werden auf bequeme Sofas im Schatten gebeten, die Männer verschwinden mit den Papieren im Gebäude. Es dauert……über uns hängen riesige Ventilatoren, die im Sommer die Hitze quirlen. Andreas muß alles aus dem Auto ausräumen lassen. Dann verschwindet er auch im Gebäude. Dort wird geraucht, ferngesehen, über Fußball geplaudert….gewartet……

Zu uns kommt ein Mann in weißem Hemd und blauer Weste. Stumm schenkt er uns aus einer großen Kanne Arabic Coffee in kleine Tässchen und stellt eine Schale Datteln dazu. Der Kaffee ist goldfarben, schmeckt fremd, intensiv nach Kardamom – sehr gut. Dazu eine Dattel, ja, so lässt´s sich gut warten. Eisern bleibt der Kaffeemann neben uns stehen, schaut mit regloser Miene über uns hinweg und wartet……das ist gewöhnungsbedürftig. Kaum ist das Tässchen leer, schenkt er nach. Nach dem dritten sammelt er Tassen und Datteln ein und geht davon. Okay….etwas merkwürdig….

Andreas ist fertig und verabschiedet sich. Gute Fahrt nach Qatar!

Bernhard ist beim X-Ray, Martin soll als nächstes dorthin fahren. Elke und ich sitzen auf den Sofas und warten…..

Nach dem X-Ray passiert erstmal nichts mehr. Die Männer sind wieder im Gebäude. Nach einer Stunde oder länger kommt Martin: „Wir warten auf die Hunde“

Na gut………..warten……………………………………

Endlich kommen sie. Vier Schäferhunde. Drei sehr aufgeregte Zappel schnüffeln nacheinander fieberhaft ums Auto herum, springen die Leiter rauf und fegen durch die Kabine. Das sind die Lehrlinge. Dann kommt der Profi. Ruhig und konzentriert untersucht er alle Kästen, Schläuche, Tanks und Aufbauten. Nichts zu finden.

„Finish!“ Yeah, mit einem großen Papierstapel fahren wir zum letzten Kontrollpunkt, geben dort ein Zettelchen ab, werden fröhlich begrüßt:

„Welcome to Kuwait!“

5 Stunden, das ist ganz gut.

Elke und Bernhard wollen noch Strecke machen, wir verabschieden uns. Bis bald, ihr Beiden, im Oman!

 

Wir steuern durch Kuwait!

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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