Hierrrrr kommt die Sonne!!

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Wir bleiben 4 Tage am Barragem do Altar. Das Wetter ist durchwachsen, Sonne/Wolkenmix, insgesamt recht kühl. Zuhause schwitzen sie bei 32°C und wir in Portugal schaffen kaum die 20°C !! Am Freitag besuchen uns kurz unsere neuen Nachbarn, Nicole und Michael mit ihrem Hund Pluto. Sie haben ihren VW Bus in eine kleine Senke weiter weg von uns am See geparkt. Wir verstehen uns auf Anhieb!

   

Am Samstag setzt sich die Sonne mehr durch und wir gehen mit den Boards aufs Wasser. Nicole und Michael laden uns in ihren VW Bus ein, man kann erstaunlich gut zu viert drin sitzen und Wein trinken! Die Tage vergehen einfach so. Am Montagabend treffen wir uns alle bei unserem Lagerfeuer vor dem Steyr, verbringen wieder einen sehr lustigen Abend zu viert. Wir wollen alle am Dienstag weiter fahren, es ist unser feuchtfröhlicher Abschiedsabend. Das war ein Vergnügen, Euch kennenzulernen!

Der Dienstag begrüßt uns mit strahlender Sonne! Endlich! Der Barragem do Montargil ist unser nächstes Ziel, wir wollen nochmal an ein anderes Ufer. Die Strecke schwingt in weichen Wellen durch Korkeichenwiesen an uns vorbei, eine wunderschöne Landschaft. Ein verwittertes Schild in Galvaios weist uns den Weg zum Montargil-See. 14km lang ist die Piste ohne Herausforderungen, wir landen unten am Seeufer, aber alles ist mit Bäumen bewachsen, wir biegen erstmal nach links ab. Hier gibt´s nur Schattenplätze. Ausgerechnet jetzt, wo die Sonne endlich mal da ist, wollen wir nicht im Schatten von Bäumen stehen. Wir drehen um und hoppeln die Piste nochmal nach rechts am See entlang.

Wir sehen 2 Wohnmobile am Ufer stehen, eines gehört deutlich sichtbar an der aufgeklebten Internet-Adresse einem Portugalreise – Internetpromi. Die Piste wird hier unübersichtlich, den weiteren Verlauf müssen wir uns erst ansehen und steigen aus. Wir besichtigen den Weg, da geht nix mehr, es gibt nur ein schräges Plateau an einer Abrisskante. Von den Wohnmobilen kommt uns jemand entgegen. Ohne Begrüßung spricht er uns an: „Wie habt ihr hierher gefunden?!“ Wir sind erstmal etwas erstaunt über den rüden Tonfall, erklären dann, daß ein Schild an der Straße steht. “ Aber die anderen geben nach 5km auf…“ –  „Ähh, wir nicht…“ Ojeh, das läuft nicht gut. Unser Gegenüber versucht daraufhin mit allen möglichen merkwürdigen Argumenten uns loszuwerden. Seine Freundin und sämtliche Hunde kommen dazu und unterstützen ihn nach Kräften. Sie preisen andere Plätze an ( weniger Schnaken, viel schöner, blablabla…), die kennen wir aber schon und haben sie verworfen. Wir wollen sowieso nicht bei ihnen bleiben, aber können der Versuchung nicht widerstehen, noch ein Weilchen so zu tun, als ob. So was haben wir noch nie erlebt! Was soll man von Leuten halten, die im Internet alle möglichen schönen Plätze ausplaudern, aber für sich selbst verlangen, daß sie an „ihrem“ Platz allein bleiben? Schließlich verabschieden wir uns und suchen uns möglichst weit weg ein schönes Plätzchen auf einer Wiese in der Sonne.

 

Unser Wiesenplatz ist sehr schön, aber uns zieht`s weiter. Wir entdecken, daß die harmlos wirkende Piste geschafft hat, was keine schwierige davor vermochte: ein Staukasten ist gebrochen und die Klappe hat `ne fette Beule! Erstaunlich!

Wir wollen Richtung Küste, es wird jetzt tatsächlich irre heiß im Landesinneren. Die Strecke ist fast langweilig, geradeaus, geradeaus….

 

Parallel zu uns fließt der Tejo, wir wollen am Ufer übernachten und biegen in Vila Nova de Barquinha ab. Ein Schild vor der Innenstadt besagt, daß die Durchfahrt für LKW verboten ist, aber wir haben ja in diesem Fall keinen LKW sondern ein Wohnmobil! Wir fädeln uns durch die engen Gassen, schaffen eine Abbiegung erst nach Vor- und Rückrangieren, biegen nochmal nach links. Hoppla, warum stehen hier so viele Polizisten? Kaum haben wir uns gewundert, haben wir den Salat! Wir stehen mitten in einem Volksfest! Nix geht mehr! Kein Vor und erst recht kein Zurück!! Ich spreche den ersten Polizisten durchs offene Fenster an, reiche unser ipad mit dem beabsichtigten Ziel runter. Er schaut aufs pad, berät kurz mit seinem Kollegen und sagt: “ follow the car! “ Sein Kollege wedelt die hinter uns gestauten PKW zurück (niemand hat hier gehupt oder so!) und wir bekommen eine exklusive Polizeieskorte der GNR kreuz und quer durch den ganzen Ort,

die schließlich am Ufer des Tejo am unteren Ende des Volksfests mündet. Der GNR Polizist steigt aus, breitet seine Arme aus und lädt uns ein, uns auf der großen Wiese einen Platz zu suchen! Soooo freundlich!!

Natürlich müssen wir uns das Fest genauer ansehen. Kleine Geschäfte haben Ausstellungszelte mit ihren Produkten bestückt, Liköre, Kuchen, Stickereien, handgenähte Puppen usw. Vereine aus der Gegend haben Restaurantzelte und Getränkewagen aufgebaut. Wir entscheiden uns für das Zelt vom Coral do Tancos, einem Gesangsverein. 2 Damen bemühen sich redlich, die Tische zu bedienen, sind aber kurze Zeit später völlig überfordert. Wir haben zum Glück gerade noch die richtige Zeit getroffen, um einen Tisch zu bekommen, jetzt stehen die Leute Schlange am Getränkewagen und warten auf freie Plätze. Das hätten wir nie erwartet! Das Essen ist sehr, sehr gut, der Wein auch, der Lärmpegel ist enorm, die Stimmung sehr ausgelassen! Und die beiden Damen rennen und rennen, können den Andrang kaum bewältigen, lachen und sind erstaunlich freundlich trotz der wirklich stressigen Situation. Manche Gäste müssen lange warten und zicken die Beiden an, aber sie bleiben freundlich. Wir genießen die Atmosphäre, sind die einzigen Ausländer hier weit und breit! Als wir schließlich bezahlen und Trinkgeld geben, ist unsere Kellnerin so verblüfft, sie kann`s kaum fassen! “ It`s for us?!“ ruft sie ungläubig. Wir bedanken uns herzlich, versichern beiden Damen, daß sie einen sehr guten Job hier machen und lernen noch kurz den Lehrer kennen, der im Getränkewagen arbeitet und fließend deutsch spricht. Ganz begeistert vom Fest gehen wir zum Steyr. Ein junger Mann von der GNR (Polizei) spricht uns an, ihm gefällt die Rappelkiste. Er spricht sehr gut englisch und wir unterhalten uns eine Weile. Dann gibt er uns den ultimativen Tip: wir sollen einfach einen Bombeiros (Feuerwehr)  – Aufkleber anbringen und wir können parken, wo wir wollen, ganz egal, niemand wird uns jemals behelligen, trust me! Ein Polizist! Was für ein Abend!!

 

Nach einer warmen, ruhigen Nacht ruft uns die Arbeit: wir müssen Wäsche waschen und einkaufen, beides können wir beim Intermarche´ erledigen. Dann machen wir uns weiter auf den Weg Richtung Küste immer am Tejo entlang. Eine Nacht würden wir gern noch am Fluss bleiben. Wir finden am Ufer einige schöne Plätze, die uns aber irgendwie nicht zusagen. Keine Ahnung warum, aber das ist es irgendwie nicht. Bis wir nach Escaroupim kommen. Hier fühlen wir uns sofort wohl, ein winziger Ort direkt am Tejo, wir können im Schatten parken, es ist sooo heiß! Wir trinken auf der Ufermauer Wein, als die örtliche GNR anrauscht. Die interessieren sich aber gar nicht für uns, sondern starren auf das gegenüberliegende Ufer. Drüben fährt Blaulicht am Ufer. Der halbe Ort versammelt sich plötzlich, ganz aufgeregt, irgendwas ist passiert. Wir bieten den Polizisten unser Fernglas an, sie suchen den Fluß ab. Ein Anwohner rennt mit Benzinkanister zu seinem Boot, die Polizisten steigen ein und fahren raus. Was ist hier los? Ein Mann erklärt uns, daß ein Boot mit 3 Leuten gekentert ist. Von ihnen gibt es kein Lebenszeichen. Bis zur Dunkelheit suchen alle Kräfte, aber sie finden niemanden…..

   

 

Ein freundlicher Luxemburger spricht uns auf deutsch an, er lebt hier im Ort und erzählt uns vom gerade stattfindenden Volksfest in Salvaterra do Magos, der nächstgrößeren Stadt. Was er beschreibt klingt so großartig, daß wir beschließen, morgen nach Salvaterra zu fahren.

Wir waren auf dem Hinweg schon durch Salvaterra gekommen und mußten Umwege fahren, weil die Hauptstrasse wohl wegen einer Baustelle gesperrt war. Das ist keine Baustelle, sondern die Stierarena für dieses Fest! Die Strasse ist zu einem Drittel gesperrt, dick mit Sand bestreut und mit Balken abgeriegelt, hier werden abends jeweils 2 Stiere losgelassen, mit denen sich die Stadtjugend messen kann. Was für ein Spektakel! Wir können uns der Faszination nicht entziehen, wenn einer dieser riesigen, hunderte Kilo schweren Stiere in atemberaubender Geschwindigkeit die jungen Männer über die Balkenbarrikaden jagt! Die gesamte Stadt wird über Lautsprecher mit portugiesischer Partymusik beschallt. Es ist total aufregend!

   

   

 

Am selben Tag läuft abends das erste WM- Spiel von Portugal gegen Spanien, das wir gleich in der „Cabana dos Parodiantes“, einer empfehlendswerten Kneipe, mit vielen Portugiesen verfolgen. Der Laden kocht! Später treffen wir Claudio, den Luxemburger, auf der Strasse und kehren gemeinsam nochmal ein, das passt prima, so können wir uns für den Supertip bedanken!

Spät in der Nacht wandern wir nach Hause, kommen an der großen Festbühne vorbei, auf der gerade ein paar Rockopis ihre grauen, langen Haare schütteln und ordentlich Heavy-Metal-Stimmung verbreiten, ein super Konzert! Echt gut die alten Männer!

Das absolute Highlight folgt aber am Samstag: die „Barettes“ reiten die Strasse rauf und runter, auf ihren stolzen Pferden, in ihrer typischen Tracht mit den grün-roten Mützen und treiben eine Stierherde durch die Strasse. Ein wunderschönes Schauspiel. Vorher konnte man sie schon beobachten, wie sie an jeder Bar haltgemacht und sich „gestärkt“ haben! An den Holzbarrikaden jubeln viele Leute ihnen zu, schon wieder Bombenstimmung!

   

Kurz vor Mitternacht schlendern wir durch die musikbeschallte Hauptstrasse, überall sind große Grills aufgebaut, die Kohlen glühen schon, viele Leute haben sich mit Kühlboxen und Campingstühlen positioniert. Punkt 0 Uhr fährt ein LKW langsam durch die Strasse und verteilt kistenweise Sardinen an die Leute! Ein kleiner Laster fährt voraus und stellt zu jedem Grill einen großen Papiersack mit Broten, kleine Weinfässer werden auf die Bürgersteige gestellt. Die Grills werden mit Sardinen vollgepackt, alle grillen, nehmen die gegrillten Sardinen zwischen zwei Brotscheiben, trinken Wein und feiern zusammen! Eine Atmosphäre, einfach unbeschreiblich! Und für alle ist mehr als genug da, niemand kommt zu kurz. Was für ein Fest!! Alle sind so freundlich zu uns, wir sind auch hier die einzigen Ausländer und unser ungläubiges Staunen wird mit viel Lächeln und freundlichen Worten quittiert! Wir haben so etwas noch nie erlebt und sind ganz hin und weg! Es ist rappelvoll und unglaublich laut! Um 1Uhr gibt´s noch ein Stierrennen, um 3 Uhr sind wir völlig fertig und wandern nach Hause! Was für ein Megazufall, der uns hierher geführt hat, ein Wahnsinnserlebnis!!

          

Wir müssen unbedingt das erste WM-Deutschlandspiel in der „Cabana“ sehen. Dort kennt man uns schon und begrüßt uns lebhaft. Grottenschlecht, das Spiel, ganz schlimm. Eines Weltmeisters nicht würdig. Zum Glück gibt es anschließend draussen wieder ein Stierspektakel. Diese 2 Stiere haben es in sich!  Tiefschwarz, riesig, schwer und unvorstellbar flink und wendig jagen sie die jungen Männer über die Balkenzäune. Das ist teilweise sehr knapp, sehr, sehr knapp – und dann erwischt`s einen! Ein junger Mann ist nicht schnell genug und der Stier erfasst ihn mit seinen Hörnern und reißt ihm den Arm auf! Ein Raunen geht durch die Strasse, kein Geschrei oder so, alle schauen hin. Der Stier wird sofort abgelenkt, Bombeiros kümmern sich um den jungen Mann, der zweite Stier wird aus der Arena gebracht, Ruhe kehrt ein. Keine Hektik oder Panik, alles ganz ruhig. Eigentlich haben alle ja auch darauf gewartet. Um diese Art von Spannung geht´s ja dabei.

   

Nur kurz wird innegehalten, dann feiern alle ausgelassen weiter, wir auch, bis wir irgendwann spät in der Nacht zum Steyr gehen. Noch lange in der Nacht hören wir an unserem Stellplatz die Diskobässe wummern, einige „Donuts“ werden mit Kleinwagen auf dem Schotter gedreht, es ist schon hell, als Ruhe einkehrt.

Das war ein außergewöhnliches Fest, daß wir nicht vergessen werden! Wir sind nach den Partynächten erschöpft. Es ist tagsüber so heiß, der Wind kühlt nicht, sondern facht mit seiner Hitze das Ganze noch an. Was macht man bei so einer Brüllhitze? Wir müssen jetzt wirklich ans Meer. Am Montag reparieren wir noch im Schweiße unseres Angesichts einen Abwassertankabfluß und dann geht es ohne Umwege an die Küste!

Bis dann, viele Grüße!

Julia & Martin

 

Drink positive!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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