Kleine Sehenswürdigkeiten

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Mit unserer notdürftig geflickten Bremsleitung rollen wir im Schneckentempo über die Landstrasse. Vorbei an Olivenbaumriesen, die  radikal gestutzt wurden.

Nach 8 Kilometern sehen wir eine Kfz-Werkstatt. Der Meister repariert leider nur PKWs, aber er empfiehlt uns Giorgos Werkstatt, nicht weit entfernt. Wenig später tuckern wir dort auf den Parkplatz und sind hocherfreut: nur Lkws auf dem Hof! Ein Fachmann! Perfekt!

Martin schildert kurz die Lage. Der Mechaniker schaut sich alles an, lacht erstmal herzlich über den Wundverband, den Martin der Bremsleitung verpasst hat und macht sich dann sofort ans Werk  Ein Blech dient als Rollbrett, er hockt ganz entspannt unter der Rappelkiste und demontiert den defekten Teil der Leitung.

 

Dann sucht er ein passendes Stück Kupferrohr. Zuerst in der Werkstatt, dann bei allen Lkws auf dem Parkplatz, die als Ersatzteillager dienen. Er wird nicht fündig, Giorgos, der Chef, steigt in sein Auto und fährt los, um Leitung zu besorgen. Wir besichtigen solange die Werkstatt, ne krasse Bude, aber toll!

In einem Haufen Schrott findet Martin ein passendes Stück Bremsleitung. Der gut gelaunte Mitarbeiter berät sich telefonisch mit Giorgos darüber, ob er das Teil einbauen soll. Dann schwingt er sich auf sein Moped und düst davon…jetzt sind wir allein in der Werkstatt…

Irgendwann kommen beide wieder, das alte Teil wandert wieder in den Fundus, Giorgos hat neue Leitung besorgt. Schnell ist alles zurechtgebogen, jetzt soll gebördelt werden. Wo war nochmal das Bördelgerät? Es wird gesucht….der Chef springt in sein Auto und düst davon, das Bördelgerät von einem Kumpel holen. Ist gleich wieder da……..

Alles klar, halbe Stunde später ist die Leitung gebördelt und montiert. Alte Bremsflüßigkeit fließt auf den Boden, neue in den Behälter, anschließend wird entlüftet…

Fertig! Prima! Der Chef persönlich begleitet uns noch zum Tor, das hat wirklich Spaß gemacht hier, die beiden sind sehr freundliche und fröhliche Menschen, klasse!

 

Hurra! Die Rappelkiste bremst wieder!

Quer durch die argolische Landschaft düsen wir Richtung Nafplio.

Bei Ligourio biegen wir ab auf einen Feldweg und rumpeln an einer, für uns rätselhaften Landmaschine vorbei, zur Kapelle Agia Marina. Hier gibt es eine Besonderheit: beim Bau vor ca 300 Jahren hat man sich in der nahegelegenen Ausgrabungsstätte von Epidaurus bedient und ein paar Säulen aus einem antiken Athena-Tempel verarbeitet. Das sehen wir uns mal an.

Ein rustikaler Bau, trutzig, wie alle diese kleinen, alten Kapellchen. Hoffentlich ist die Tür offen….

Ja, ist sie und führt in den hohen, düsteren Raum. Es duftet nach Bienenwachskerzen und Feuchtigkeit.

In diesen alten Gemäuern herrscht immer eine andächtige Stimmung. 4 antike Säulen stützen das Dach, die verputzten Wände zieren Bemalungen in dunklen Farben.

In die Bodenfliesen sind Inschriften gekratzt, außer den Jahreszahlen können wir nichts lesen. Vielleicht eine Art Fürbitten? Oder Danksagungen?

 

Eine schöne, sehenswerte Kapelle. Auf dem Rückweg zur Rappelkiste entdeckt Martin noch den Glockenturmbaum.

 

Wir klettern in den Steyr und fahren nach weiter Nafplio. Im Hafen stellen wir den Wagen ab. Am Kai liegt eine gigantische, hochmoderne Superjacht, du meine Güte! Riesig!

In der Dämmerung wandern wir durch die leeren Gassen von Nafplio. Beinahe alle Geschäfte haben geschlossen, vielleicht machen hier alle um 18 Uhr Feierabend? Eine ungewöhnliche Zeit für Griechenland. Die Gassen sind berankt von Bougainvillea, Blumentöpfe vor den Türen und Fenstern, hübsche Schaufenster. Die alten Häuser sind durchweg bewohnt, das ist schön. Nicht alle Läden sind touristisch ausgerichtet, es gibt viele normale Alltagsgeschäfte, die Stadt wirkt lebendig. Sehr schön.

Die Tür einer Kirche steht offen, wir schauen in den prachtvoll geschmückten Raum. Gold, Silber und Kristall, Ikonen und große Heiligenbilder. Ich denke an die kleine, düstere Agia Marina mit ihrer ganz besonderen Atmosphäre….

 

 

Durch ruhige Hintergassen laufen wir Richtung Hafen und sehen durch die Fenstertüren auf die extrem steilen Treppenaufgänge in den Häusern.

 

Wir möchten uns noch diese Monsterjacht ansehen. Den „Maltese Falcon“.

Gigantisch, schnittig, hochmodern. 88 Meter lang, angeblich die drittgrößte Yacht der Welt.

Sieht schon toll aus, wenn auch sehr kühl, glänzend und glatt. Die 3 frei drehbaren Masten sind 58 Meter hoch. Das Schiff muß unter vollen Segeln äußerst beeindruckend sein. Charterpreis 460.000 – 522.000 € pro Woche zuzgl irgendwelcher Sonderkosten. Nee, machen wir nicht, wär uns auch zu groß…..

Lieber zurück in unser 8qm Appartment mit Vollkomfort namens Rappelkiste.

 

Natürlich wollen wir Nafplio auch noch bei Tageslicht sehen:

Ein schönes Städtchen im Winterschlaf.

Es riecht intensiv nach Olivenöl, die Rauchwolke einer großen Ölmühle zieht über die Stadt. Mittags wollen wir weiterfahren, zur Burg von Argos. Der Ausblick von dort über den argolischen Golf soll atemberaubend sein. Doch unsere Pläne fallen ins Wasser. Es gießt, braune Rinnsale fließen auf die Strasse, die Burg wird von Regenwolken vernebelt – Fernsicht = null.

 

Nicht verzagen, auf der Sehenswürdigkeitenliste steht als nächstes eine Felsenkirche. Die steuern wir jetzt an.

Dort angekommen schreckt uns der strömende Regen nicht, wir wandern los. An einem Ausflugslokal vorbei, der Regen prasselt auf die Tische, bald stehen wir vor dem Eingang zur Felsenkirche.

Martin zückt die Taschenlampe, wir betreten gespannt die Höhle….

Tja, was soll man sagen….halt ne dunkle Höhle….Am Ende eine verschlossene weiße Tür, vielleicht verbirgt sich dahinter etwas besonderes, wir wissen es  nicht….

Der Weg führt einmal im Halbkreis, dann sind wir schon wieder draußen. Hm….

Von der Balustrade vor der Felsenkirche sieht man auf einen smaragdgrünen Tümpel, im Sommer wird ein kleiner See geflutet mit einer Wasserfontäne. Dann ist das sicher ein angenehm kühler Ort in der Sommerhitze. Wir laufen zurück – geduldig wartet sie schon auf uns, die patschnasse Rappelkiste.

Gut, das war jetzt nicht so der Knüller, aber wir haben noch einen: nicht weit entfernt steht die Pyramide von Hellenikon! Nichts wie hin!

Seit Ende des 18.ten Jhds wird gerätselt, was für eine Funktion die Pyramide hatte. Zuerst dachte man an eine Grabstätte, aber dann fand jemand heraus, das die Tür von innen zu verriegeln war. Also ein Wachturm. Aber ohne Fenster? Wie bekommt man dann mit, was draußen vor sich geht? Statisch kann es niemals eine Pyramide gewesen sein, hat dann jemand berechnet. Oder doch? Nee, doch nicht. Doch ein Grab, sagt der nächste Forscher. Nein, eine Unterkunft für ziehende Soldaten sagt ein anderer. Oder ein landwirtschaftliches Gebäude? Jeder Forscher hat da so seine Theorie, insgesamt bleibt es unklar.

Unser erster Eindruck:

nicht viel übrig von der Pyramide.

Aber das wird besser, als wir ringsrum gehen. Gewaltige Blöcke sind exakt auf Maß zusammengefügt worden. Die Türsturzspitze hält seit dem 4. Jhd vor Christus.

Die tolle Aussicht vom Bänkchen können wir leider witterungsbedingt nicht so genießen.

Triefend nass klettern wir wieder in die Rappelkiste. Also, heute haben wir wirklich alles getan, um etwas aus diesem grauen Tag zu machen. Jetzt wird es Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir fahren runter ans Meer und entscheiden uns für den Strand von Kiveri. Direkt am Kiesstrand stehen wir in Gesellschaft von 3 anderen deutschen Wohnmobilen. Draußen ist es nach wie vor scheußlich, drinnen gemütlich. Der Wind legt zu, die Ölmühlenwolke schwebt über dem Wasser. Nafplios Lichter blinken in der Ferne, die Wellen rauschen uns in den Schlaf.

Morgen verlassen wir Argolien, der Impftermin in Kyparissia rückt näher. Für die Fahrt dorthin haben wir uns eine schöne Bergstrecke ausgesucht.

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

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