Der 100ste Beitrag! Lakonien Teil 2 – die Westküste

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Ein kräftiger, kalter Wind und ein leerer Kühlschrank sind überzeugende Argumente für den Aufbruch. Die Rappelkiste schickt ein Rauchzeichen gen Himmel und rumpelt über die schiefe Piste zur Landstrasse nach Skala.

In der Stadt finden sich die bekannten Supermärkte, nicht alle mit geräumigem Parkplatz. Der Tankwart gegenüber lässt uns auf seiner Tankstelle parken. Diesel kann er uns nicht verkaufen, die Zapfsäule hat momentan keinen Strom. Aber falls wir Wasser tanken möchten, oder einen Kaffee trinken?

Nach unserem Einkauf steuern wir ostwärts. Wieder durch endlose Plantagen, diesmal zur Abwechslung links Orangen und rechts Oliven und schmucklose, bäuerliche Orte. An der Kreuzung rechts oder links rum? Rechts geht´s zum nächsten Strand – gut, dann rechts.

Ein weißer Pickup überholt uns und ich denke: „der ist aber laut….“ Es wird aber nicht leiser, im Gegenteil. Die Rappelkiste schlägt ganz neue Töne an: ein tief röhrender, satter Bass, begleitet von einem hellen Pfeifen.  „Das klingt nach Auspuff kaputt“ sagt Martin.

Am Strandparkplatz angekommen, inspizieren wir den Schaden.

Glatter Durchbruch. Jetzt heißt es improvisieren. Martin kramt in der Werkzeugkiste und macht sich an die Arbeit. Eine Schelle, ein dünnes Stahlseil und ein Kabelverbinder…..

 

und fertig ist die Behelfsreparatur!

Jetzt können wir uns mal umsehen: schöner Strand, 2 englische Womos sind da, aber wir haben alle Platz genug. Eine niedliche, dicke Dame ist hier die Streunerin vom Dienst. Morgen suchen wir in Skala eine Werkstatt.

Am nächsten Tag fragen wir zuerst den Tankwart. „Psáchnoume gia ergastírio?“ hab ich vorher auswendig gelernt, wir suchen eine Werkstatt. Er erklärt etwas zu schnell, 1Kilometer, rechts, links, okay? Ähh, okay. Wir finden das schon. Bei der ersten Kreuzung biegen wir nach rechts ab und fahren in die Landschaft. Hm, das ist ja wirklich ein Schuss ins Blaue …..keine Werkstatt, nur Landschaft. Wir wollen gerade aufgeben, da tauchen mehrere Autowerkstätten an der Strasse auf. Super! Gleich bei der ersten halten wir, Martin spricht mit dem Meister. Der schaut sich´s kurz an und bestellt uns für 5 Uhr.

Um die Zeit zu überbrücken, suchen wir nach der kürzesten Route zum Strand. Ein auf der Karte als weiße Straße eingezeichneter Weg führt direkt zum Wasser.

Wir rollen durch Elos, dann an einer Orangenverladehalle vorbei. Die Arbeiter wuchten die schweren Kisten per Muskelkraft auf den LKW, nix Gabelstapler oder so. Teer wird zu Schotter, Schotter wird zu Gras. Bei dem Gerumpel gibt unser Provisorium auf, wir dröhnen wieder durchs Grüne. Die weiße „Strasse“  führt in eine Apfelsinenplantage, breit genug, gar kein Problem.

Das Problem kommt nach ein paar Kilometern. Der Weg wird schmaler und schmaler. Wir passen hier kaum noch durch….geht das so weiter? Nein, es wird noch schlimmer…..Die Bäume ragen mehr und mehr in den Weg, ein dichter Orangenwald. Dabei ist das doch auf der Karte eine ganz normale Strasse?! Mal wieder schlagen Äste und Zweige auf die Rappelkiste ein, oje……es geht nicht mehr vorwärts, wir stecken fest. Keine Chance, hier passen wir einfach nicht durch.

Umdrehen ist natürlich ausgeschlossen, wir müssen rückwärts raus. Ohne Sicht in den Spiegeln, denn die sind nach hinten verdreht. Keine Möglichkeit sie im dichten Orangengeäst wieder nach vorne zu klappen. Blindfahrt für Martin.

Ich steige aus und dirigiere ihn per Telefon. Das knirscht, als die Rappelkiste anfährt! Die Spiegel werden mit Gewalt wieder nach vorne verdreht, es knackt! Langsam geht es rückwärts.

Nach 50 Metern findet sich ein winziger Platz zum wenden, geschafft! Nichts wie raus hier!

Ein großer Greifvogel fliegt ein Stück des Rückwegs vor uns her. War das ein vorwurfsvoller Blick, den er uns am Ende zuwirft?

Mit unseren verstellten Spiegeln eilen wir zurück zum Strand der dicken Dame. Und was da eben so geknackt hat ist jetzt auch klar, der oberste Spiegel auf der Beifahrerseite ist hin.

Als wir aussteigen, verströmt die Rappelkiste einen zarten Orangenduft. Kokett hat sie sich eine Apfelsine hinters Ohr gesteckt, die flotte Biene…..Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, daß sie ein wenig ramponiert ist

 

Es wird gehämmert und gebogen, bis alles wieder einigermaßen sitzt und schon ist es Zeit, zur Werkstatt zu dröhnen. Der Meister macht sich sofort an die Arbeit.

Nach 20 Minuten ist er fertig: „Hält ungefähr ein Jahr“ sagt er. Die Dichtung hat gelitten, wir sollen es nochmal richtig schweißen lassen. Gut! Ahhh, die Rappelkiste schnurrt wieder wie ein Tigerbaby…..

Wir surren zurück zum Strand der dicken Dame.

 

Wir haben uns einen Ruhetag verdient. In der Nähe liegt ein kleiner, neu angelegter Hafen. Als wir hinspazieren weht uns fauliger Gestank entgegen. Eine Tavernenruine steht am Rand. Der Hafen ist zur Hälfte versandet, gammelige Algen schwimmen an der Oberfläche. Das Ganze sieht nach einem verfehlten Bauprojekt aus, da träumte wohl mal jemand von einem schicken Yachthafen. Wind sprüht die Gischt über die Kaimauern, brrrr, ganz schön kalt heute…..

 

Der Nachmittag schenkt uns zuerst noch Sonne, dann verregnet´s. Zum Ausgleich bekommen wir ein großes Wolkentheater

 

Und früh morgens ein zauberhaftes rosa Licht auf den Schneegipfeln. Heute geht´s weiter, Martin putzt die Scheiben, ich habe Zeit für einen kleinen Rundflug

 

Nur noch Wasser tanken, dann los!

Boah……das dauert ja ewig, bei dem schlappen Wasserdruck………. ist das langweilig………gähn….

Ein Tank ist voll, wir haben´s schon fast nicht mehr geglaubt! Eine dreiviertel Stunde für 100 Liter!

An der Westküste entlang, mit Blick auf die Mani, sausen wir gen Süden. Blühende Bäume, knallrote Anemonen und gelbe Blüten – der Frühling ist da!

Bei Asopos lenken wir Richtung Paralía Bosa, ein Strand, den uns mehrere Leute empfohlen haben. Zuerst aber noch ein kleiner Abstecher nach Poulia, einer winzigen Bucht davor. Der Weg dorthin durch ein gelbes Blütenmeer, führt in einen Schilftunnel und dann an den steinigen Strand.

ja, ganz okay und wir wären alleine……ein andermal, wir drehen um und fahren nach Bosa.

6 Wohnmobile stehen hier, ganz schön voll. Ach, für eine Nacht ist das in Ordnung. Stühle an den Strand und ein schönes Getränk dazu – passt.

 

Wer sagt´s denn? 2 Womos sind abgereist, heute morgen ist es sonniger und weniger windig, da bleiben wir doch noch ein bißchen länger und gehen durch die Olivenhaine auf der Klippe wandern.

Was vom Strand aussah, wie eine schöne Villa auf Traumgrundstück, entpuppt sich als verlassenes Häusl am Wegrand. Aber nur etwas weiter, auf den Klippen, steht eine Megavilla mit Meerblick. Um eine Ferienanlage herum geht es durch eine kahle Feigenbaumplantage und wir stehen oben auf dem Plateau. Hier ist es sehr schön….“ Auf der Wiese könnten wir auch stehen, da könnten wir hinfahren“ sagt Martin. Wir überlegen, dann fällt unser Blick auf die windschiefgewachsenen Bäumchen, hier oben weht´s anscheinend recht kräftig. Also lieber doch nicht.

Eine Kältewelle beschert uns Tagestemperaturen von 4 bis 6°C, Eiswind und Schauer. Wir bleiben 2 Tage im Lkw, feuern unser Öfchen und kuscheln uns ein. Am dritten Tag ist es immer noch saukalt und windig, aber sonnig.

Die Schneegrenze ist gesunken. Der Taygetos ist noch tiefer verschneit als vorher.

Schönes Wetter für einen ausgedehnten Spaziergang.

Am Weg stehen bunte Bienenkästen, uns begleitet ein stetes Summen. Die Bienen sind durstig.

 

Querfeldein laufen wir abseits der Wege durch eine Olivenplantage, klettern über Mäuerchen und sehen, daß alle Berge der Umgebung nun eine Schneemütze haben. Etwas später entdecken wir eine wunderschöne Blumenwiese: rote und weiße Anemonen wippen mit ihren Blütenköpfchen im Wind.  „Jetzt ein bißchen wärmer, eine Picknickdecke ausbreiten und in den Himmel schauen“ sage ich träumerisch….

Dicke, knorrige Olivenbäume aus uralter Zeit stehen fest auf grünem Gras, unerschütterlich. Vor wieviel Generationen wurden die gepflanzt? Pro Jahr legt ein Olivenbaum ca 1cm Stammumfang zu, also kurz gerechnet…..1Meter Umfang = 100 Jahre. Die hier haben wesentlich mehr, vielleicht so 5 Meter? Oder mehr? Wahnsinn!

Schöne Tage verbringen wir in Bosa, inzwischen ganz allein, alle anderen sind längst abgereist. Das Wetter beglückt uns wieder mit Wärme und Sonne. Da können wir doch nicht fahren, jetzt, nach dieser Kältewelle?!

Nein, wir hängen noch einen dran, sitzen draußen, das Gesicht in der Sonne und wärmen uns auf.

Ein toller Platz, Paralía Bosa. Der Strand und die ganze Umgebung ist wunderschön.

Aber irgendwann kommt es immer: Aufbruchstimmung! Freunde haben uns ihren Lieblingsplatz verraten – unser nächstes Ziel. Statt der Teerstrasse wählen wir einen staubigen Weg „hintenrum“, eine Akürzung nach Papadanika.

„Prima Weg“ denken wir……..bis es kommt, wie es kommen mußte: Weiterfahrt mit stark eingeschränktem Sichtfeld…..

Der Weg endet mitten in Papadanika. Die Kinder auf dem Schulhof laufen zum Zaun und staunen, als die Rappelkiste plötzlich aus dem Feldweg auftaucht.

Einige Kilometer sausen wir über die Landstrasse, dann kommt unser Abzweig in ein trockenes Flussbett. Eine herrlich rumpelige Fahrt über Stock und Stein, was uns wohl am Ende der Piste erwartet?

Ein Traum. Ein super Platz! Danke Silke und Roland @thetinyriders für diesen Tip!

Selbstverständlich bleiben wir hier ein paar Tage, alles andere wäre Verschwendung.

Rings um unseren Platz gibt es kein Feuerholz einzusammeln. Wir wandern zum großen Strand, da liegt es in Hülle und Fülle. Mit fetter Beute kehren wir heim. Das Abendprogramm ist gesichert.

Gegen Mitternacht ist der gesamte Holzvorrat verfeuert, alles an einem Abend, bis zur letzten Glut haben wir gesessen. Unser Rotweinlager ist ebenfalls ordentlich reduziert worden, ein wunderschöner, lustiger Abend.

Eine Nebelbank zieht am Morgen übers Wasser.

 

Eine Nebelbank zieht auch durch unsere Köpfe…..Wir liegen tagsüber etwas schwach in der Sonne. Um wieder frisch zu werden, steige ich mal den Berg gegenüber hoch. Auf einem Ziegentrampelpfad durch stachelige Büsche. Anemonen leuchten auf dem Weg, in jeder noch so kleinen Felsnische blüht und wächst etwas. Die größte Gärtnerin der Welt erschafft die schönsten Beete….

 

17:50 Uhr, der Sonnenuntergang beginnt unspektakulär, düster…..

und entzündet dann ein loderndes Feuer, das uns unendlich begeistert

Eineinhalb Stunden sitzen wir da, staunen und bewundern die Farben.

Ach, warum vergehen die Tage immer so schnell? Unsere Vorräte gehen zur Neige, wir müssen einkaufen. Also heißt es Abschied nehmen von diesem fantastischen Fleckchen Erde. Noch ein letzter Tag

dann packen wir zusammen und machen uns wieder auf den Weg. Vor uns liegt ein neues spannendes Ziel: wir steuern einen Fährhafen an, wir setzen über auf eine kleine Insel…..

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Instagram: Rappelkisteberlin

 

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