Nach Mytikas und Etoliko

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In unserer wunderschönen Bucht werden wir jeden Morgen pünktlich gegen 8 Uhr vom Glockengeläut einer großen Ziegenherde geweckt, die an der Rappelkiste vorbeizieht. Sobald die ersten Sonnenstrahlen über die Felsen scheinen, wird es warm. Herrliches „Sonnenbadwetter“. Wir trinken draußen unseren Kaffee, machen uns dann bereit zum wandern. Auf unseren Wegen treffen wir glückliche Kühe, die frei und ohne Zäune ihre tägliche Runde ziehen und eine Herde schwarz-rosa Schweine, die fröhlich grunzend die Erde mit ihren Schnauzen umpflügen. Oma´s Alpenveilchen blühen am Wegrand. Wir entdecken im Fels eine Ader mit Kristallnadeln. Stift an Stift, eng aneinander gedrängt, glitzern sie in der Sonne.

Das Meer hat uns einen sauber gewaschenen Ziegenschädel in den Sand gelegt, dankeschön! Einmal kommen 2 Angler vorbei und grüßen uns freundlich. Abends lodert unser Lagerfeuer, so geht es Tag für Tag bis die nächste Regenfront uns zum Aufbruch mahnt. Yassas, schöne Bucht, wir kommen bald wieder!

Aus der Bucht hinaus über Schotter und Stein, die Kühe auf dem Weg lassen sich durch uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir schrauben uns einen Berg hinauf in der Hoffnung auf eine schöne Pistenfahrt. Erst läuft´s auch vielversprechend durch wilde Landschaft an einer kleinen Schlucht vorbei. Ein Olivenhain macht uns dann einen Strich durch die Rechnung. Die Äste hängen zu tief, es wären nur ca 200 Meter mitten durch die Bäume. Aber so tolerant die Griechen auch sind, wenn wir ihre Olivenbäume abrasieren, hört der Spaß wahrscheinlich auf.

 

Also umdrehen und auf die schmale Landstrasse Richtung Süden. Hinauf geht es, in die Berge. Je höher wir kommen, desto grandioser wird der Ausblick weit über das Tal. Am Horizont glitzert das Meer.
Oben angekommen führt die Strasse durch ein großes verlassenes Dorf. Verfallende Steinhäuser, leere Fensterhöhlen, keine Türen, die Dächer zusammengebrochen. Einige Häuser werden als Stall genutzt, sind mit Wellblech gedeckt. Die beiden Kirchen sind restauriert, in den anderen Gebäuden wachsen Feigenbäume und Gräser. Was ist denn hier passiert? Vielleicht ist die Wassserquelle versiegt…nein, da ist das Waschhaus und der Brunnen läuft. Wir lesen nach: 1966 gab es hier oben ein schweres Erdbeben. Danach war das Dorf zerstört, die Überlebenden haben den Ort verlassen.

Die Rappelkiste rollt wieder abwärts und wir erreichen die Küstenstrasse nach Mytikas.
Kurvenreich verläuft die Strecke etwas oberhalb des Meeres. Ganz ungewohnt mal nicht bergauf und bergab sondern eben. Unterhalb der Strasse entdecken wir malerische Badebuchten. Der Blick geht weit über das Meer, überall im Dunst sehen wir Inseln. Manche sind winzig klein, nur ein paar Bäume und ein Häuschen darauf. Große Fischzuchtanlagen schwimmen im Wasser. Hoch und dunkel ragt die Insel Kalamos empor, in deren Schatten gegenüber auf dem Festland der Fischerort Mytikas liegt. Zeit, für heute Feierabend zu machen. Im kleinen Fischerhafen angekommen finden wir einen Parkplatz für die Nacht.

Mytikas, ein paar Strassen mit hübschen Häusern, eine kleine  Einkaufsmeile mit einigen Tavernen, das war´s. Die irre verlegten Stromkabel faszinieren uns, das ist StreetArt. Der Ort ist schnell durchwandert, zurück am Hafen sitzen wir auf der Kaimauer, sehen den Fischern beim slippen ihrer Boote zu, einige fahren noch raus. Nach 17 Uhr öffnen die Geschäfte, mit einem Abendspaziergang durch die nun belebten Gassen beschließen wir unsere Mytikasbesichtigung.

Unser nächstes Ziel ist Etoliko. Eine Stadt mit einer außergewöhnlichen Lage im Lagunennationalpark. Zuerst fahren wir weiter an der Küste entlang, weichen dann ab ins Landesinnere und durchqueren flaches Agrarland mit Orangen und Zitronen.

Zwei Brücken verbinden die Stadt mit dem Festland. Das 3,5t-Schild ignorieren wir, denn uns kommt ein 20Tonner entgegen. Eine Ringstrasse führt um den Ort, hier finden wir auch schnell einen Parkplatz für unseren roten Riesen. Die Stadt gefällt uns, schöne Häuser, die üblichen wirren Stromkabel, viel grün, viele Kirchen. Aber in der Einkaufsmeile sind die meisten Geschäfte leer. Etoliko ist schön, aber anders schön, denn gleichzeitig wirkt es resigniert.

Am westlichen Ufer liegt ein ruhiger Parkplatz bei einem Basketballfeld mit baufälliger Tribüne und wir quartieren uns nochmal um. Im Dunkeln ziehen wir wieder los durch jetzt düstere Gassen. Die wenigen Strassenlaternen stehen weit auseinander, wirken müde. Mit ihrem fahlgelben Licht beleuchten sie die Wege kaum. Die Einkaufsmeile ist belebt, die Cafe´s sind voller alter Männer die im grellen Neonlicht Fußball gucken oder Karten spielen. Wir möchten auch einkehren, bloß wo? In einer kleinen Pizzeria sitzen zwei junge Männer, wir fragen, ob wir hier etwas trinken können. „Not open now, but you can sit and drink but not eat“ sagt uns der freundliche Wirt. Genau unser Ding, wir bestellen Rotwein und bekommen interessant schmeckenden Rose´. Plötzlich kommt Leben in die Bude, ein großer Kühlschrank wird geliefert. Tische müssen verrückt werden, die jungen Männer schleppen, zerren und keuchen. „ We are having a great time“ ruft der Wirt lachend zu uns rüber und entschuldigt sich mehrfach für die Belästigung, der Wein geht auf´s Haus. Dabei macht uns das gar nichts aus. Es gefällt uns prima hier. Wir bestellen mehr Wein und bekommen heiße, gefüllte Weinblätter dazu. Die Neonlichtcafe´s leeren sich, die alten Männer schlurfen nach Hause. „Kitchen open now“ sagt der Wirt, die Köchin ist da. Ein Bote liefert emsig Pizza aus. Auja, wir essen hier auch. Eine Speisekarte gibt es nicht, wir sagen einfach, was auf unsere Pizza drauf soll. “ We make a greek Pizza!“ Und die schmeckt uns ganz ausgezeichnet!
Der Wirt schenkt uns einen Zopf Knoblauch, wir unterhalten uns. Er war schon oft in Berlin, kennt Kreuzberg gut. Wir fragen, wie es so ist in Etoliko – „Etoliko ist ein guter Platz für uns zum leben,“ sagt er, „aber nicht attraktiv für Touristen. Kein Strand. Deshalb sind hier so viele Geschäfte leer, keine Kundschaft. Aber für uns ist es gut hier!“
Die positive, herzliche Mentalität der Griechen gefällt uns sehr gut. Hier wird nicht groß gejammert über die Wirtschaftskrise.
Ein schöner Abend in dieser merkwürdigen Stadt, mit der Taschenlampe leuchten wir uns den Weg nach Hause und dann fängt es auch schon wieder an zu regnen.

Bis bald, liebe Grüße,

Julia & Martin

Drink positive!

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