Neue Reise – neues Glück

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Der Himmel über Berlin ist grau, leichter Regen fällt, der Duft des Spätsommers liegt in der Luft…..Startschuß für die neue Reise! Die Rappelkiste steht bereit.

Es ist Anfang September, nach 3 wunderbaren Sommermonaten in der Stadt und Umgebung feiern wir ein furioses Abschiedsfest mit unseren Freunden und starten durch gen Süden. Tschüß ihr Lieben! Tschüß Berlin!

Autobahnfahrttage….wir beginnen die Tage im Morgennebel. Auf den Feldern sammeln sich Wildgänse und Störche für ihren weiten Flug. Wir donnern Kilometer um Kilometer über die Autobahn. In Butzbach bewundern wir beim Abendspaziergang die Fachwerkhäuser, am nächsten Morgen halten wir auf die Skyline von Frankfurt zu. Am Rhein verbringen wir einen schönen Sonnentag. Abends tanzen große Mückenschwärme eine Erntedankfestpolka um uns herum.

 

Unser erster längerer Stop ist in der Schweiz beim Steyr Spezi zum großen Rappelkistenservice. Öle wechseln, abschmieren, die Heizung im Fahrerhaus reparieren, den gerissenen Faltenbalg kleben. Der Auspuff, der in Griechenland nur geflickt wurde, wird durchgeschweißt. Zwischendurch gibt´s auch mal ne Pause.

Die Krönung wird eine umfangreiche Heißdampfwäsche. Zuerst die Motorwäsche – sieht aus wie neu die Maschine!

Dann einmal mit Hochdruck vorwaschen, mit Waschmittel einweichen und voll Dampf drauf!!

 

BLUUUT!! Die arme Rappelkiste hängt da oben wie am Schlachterhaken!

Rote Farbe tropft auf den Boden, wir haben schon damit gerechnet. Der 2K-Epoxidharzlack einer bekannten Firma, den wir damals gerollt haben, hat sehr schnell den Geist aufgegeben. Schon kurze Zeit später holte man sich rote Finger, wenn man über den Steyr strich. Die Firma hat keine Erklärung und zeigt auch keine Kulanz. Der heiße Wasserdampf der LKW- Waschanlage löst die Farbe im Nu, in Strömen läuft das Rot zu Boden. Die Tarnflecklackierung der Bundeswehr wird langsam wieder sichtbar. Sieht gar nicht so übel aus…..vielleicht machen wir jetzt einfach Klarlack drüber ….

Die Arbeitstage sind vorbei, die Rappelkiste steht wieder bei ihren Kollegen auf dem Hof.

Tobias kommt zu Besuch, fast genau ein Jahr haben wir uns nicht gesehen. Wir veranstalten ein Abendessen in der Werkstatt.

– Danke Dani, daß du uns das erlaubt hast!

Am nächsten Tag rollen Maren und Mathias auf den Hof. Prima Überraschung!

Nach einer kleinen Reparatur ihres Flammstartrelais verabschieden wir uns vom Steyr Spezi Team, es war mal wieder wunderbar! Uf Wiederluege! 

Mit Maren und Mathias fahren wir noch für einen Tag an die Aare, dann trennen sich unsere Wege. Die Zwei reisen gen Osten und wir gen Süden. Gute Fahrt, bis irgendwann, ihr Beiden!

Ade´ Schwyz!

 

Bonjour France! Abseits der großen Strassen kurven wir über Berge ins Rhonetal hinab. Unter uns liegt Seyssel. Dort gibt es einen wunderschönen kostenlosen Stellplatz, großartig am Flussufer gelegen mit einer Badestelle. Wir möchten ein paar Tage bleiben.

Schon von Weitem sehen wir niemanden dort stehen, das bedeutet nichts Gutes… Und tatsächlich: eine Höhenschranke versperrt die Zufahrt zum alten Uferplatz. Weiter vorne dürfen die Wohnmobile jetzt eng gedrängt auf einem neuen Platz hinter hohen Gittern, wie im Käfig, stehen. Gegen Gebühr. Sehr unattraktiv. Wir rollen flussaufwärts am Rhoneufer entlang bis wir einen großen leeren Parkplatz finden. Da bleiben wir heute Nacht, aber morgen werden wir weiterfahren. Schade, wir waren immer sehr gerne hier. Ein kühler Rose´vor der Bar Le Cellier wird über den Schmerz hinweghelfen. Bevor wir bestellen dürfen, müssen wir unseren CovPass, den digitalen Impfnachweis vorzeigen.

Ja, selbst draußen vor der Bar dürfen wir nur bleiben, wenn wir einen aktuellen Test oder Impfnachweis haben.

 

Nach einer ruhigen Nacht starten wir schon früh morgens wieder. An den Türen und am Heck der Rappelkiste kleben die Angles morts – Schilder. Sie sollen Radfahrer und Fußgänger vor dem Toten Winkel warnen. In Frankreich sind sie Pflicht, ob sie auch sinnvoll sind, sei dahingestellt.

Auf der Karte haben wir einen kleinen See entdeckt, vielleicht können wir da schwimmen gehen.

Dort ist es wirklich schön! Auf der großen Picknickwiese um den See sitzen viele Leute auf Klappstühlen, alt und jung. Ihre Campingtische biegen sich von den Mengen an Essen. Die fest installierten Grills rauchen, Kinder springen im klaren Wasser herum.

Das machen wir jetzt auch – ab ins erfrischende Nass!

Da haben wir doch noch einen feinen Platz gefunden. Einige Leute kommen zu uns rüber, bewundern die Rappelkiste und stellen ein paar Fragen: wie alt? Wieviel trinkt der? Wieviel CV beziehungsweise PS? Oh lálá, damit kommt ihr aber überall durch! Fahrt ihr in die Wüste? Alle sind sehr freundlich.

Am Abend packen die Ausflügler ihre sieben Sachen wieder ein und fahren nach Hause. Wir bleiben allein am See und trauen unseren Augen nicht: nicht ein Fitzelchen Müll ist liegengeblieben! Vorbildlich!

Im Abendlicht stupsen unzählige Fische an die Wasseroberfläche, Fischfutterzeit. Wunderschön….

Unser nächstes Ziel ist Uzès in der Provence. Ein weiter Weg, den wir nicht an einem Tag fahren. Wir kommen erst spät mittags los, folgen auf den ersten 50 Kilometern der Rhone, dann verlassen wir den Fluss und gelangen schließlich an die Isère.

 

Dort wollen wir jetzt irgendwo einen Platz für die Nacht finden. Zunächst scheint es hoffnungslos, nach einer Weile erfolglosen Suchens biegen wir kurzerhand ab zum Rugbystadion von Eymeux. Einen Parkplatz finden wir dort sicher. Wahrscheinlich nicht schön, aber egal.

Von wegen nicht schön! Hinter dem Stadion biege ich die langen Zweige einer riesigen Weide zur Seite, damit wir bei der Durchfahrt zum Parkplatz nichts abreißen. Zwischen einem kleinen Park und dem Rugbyfeld stellen wir die Rappelkiste ab.

Eine Rentnergang spielt Boule. Mit einer Geschicklichkeit und Treffsicherheit, die uns staunen lässt. Wie sie mit einem präzisen Wurf die gegnerische Kugel wegknipsen! Chapeau! Einer der Boulespieler spricht uns an: „Ah Berlin! 1965 war ich als Soldat in Berlin, die Mauer bewachen. West Berlin, hell erleuchtet und lebendig! Ost Berlin – dunkel und trist! Une triste époque“ fasst er seine Erinnerungen zusammen. Wir unterhalten uns ein wenig, er sammelt alte Autos.

Als die Herrschaften einpacken, beginnt auf der anderen Seite das Rugbytraining. Alle Altersklassen gemeinsam auf dem Platz. 4-5jährige tragen stolz ihre Bälle durch einen Parcours, 10jährige üben werfen, fangen und sich übereinander stapeln, bei den Teenagern ist die Gruppe gemischt und trainiert Taktik. Ganz hinten spielen die Großen ein kleines Match. Rugby ist ein tolles Spiel und wir fühlen uns großartig unterhalten.

Schnell schauen wir nach, aber das nächste Rugbygame der Mannschaft ist erst kommende Woche. Schade….

Morgens joggen wir einen steilen Pfad durch eine Walnussplantage bergauf, unten im Tal fließt träge die Isère, hunderte Schwalben schwärmen zirpend aus auf die Jagd.

Leichter Regen setzt ein, als wir weiterfahren. Eine Super-Monster-Car-Show gastiert in einem kleinen Ort, das würden wir schon mal gerne live sehen, startet aber leider auch erst nächste Woche….

Wir überqueren die Drome, rollen durch Platanenalleen wieder an der Rhone entlang, am großen Kraftwerk vorbei. Nach etwas mehr als 120 Kilometern suchen wir nach unserem nächsten Platz. Am Rhoneufer wäre schön. 3,5T Beschränkung für die Brücke, wir biegen vorher ab und finden ein schönes Plätzchen unter Platanen am Fluss. Sehr schattig hier, gut bei praller Sonne. Aber bei grauem Himmel, so wie heute, geradezu dunkel….ach nö. Weiter.

Bei Donzère gelangen wir über eine Brücke auf eine Insel zwischen Rhone und Canal Donzère. Vielleicht findet sich etwas auf der Inselspitze? Wir donnern über die Staumauer, aber der Platz ist ein Flop: direkt unter mehreren Strommasten. Etwas weiter südlich ist ein See, mal schauen. Flop Nr 2: es ist ein eingezäunter Baggersee. Über kleinste Sträßchen und durch grüne Tunnel gurken wir ewig auf der Insel herum, am Strassenrand die ersten Lavendelfelder und die vom heißen Sommer ermatteten Sonnenblumen.

Der nächste Versuch bei Pierrelatte, auch ein See: Flop Nr 3 – Höhenschranke! Das wird nix. Also weiter südwärts bis nach Pont-St. Esprit. Sieht aus, als gäbe es dort Zufahrten zum Rhoneufer.

Der 1. Versuch ans Ufer zu kommen, endet auf einem Radweg. Verflixt nochmal! Inzwischen regnet es in Strömen.

Wir probieren es von der anderen Seite und es klappt! Ein schöner Blick über die Rhone auf die Stadt. Guter Platz. Feierabend…

Oder? Auf G….earth sehen wir einen Parkplatz am Stadtrand von Pont-St. Esprit voller Womos. „Ein bißchen durch die Altstadt bummeln?“ fragt Martin. Wäre schön! Also wieder los.

Fest und stabil steht die Brücke aus dem 13./ 14. Jhd über der Rhone. Seit Jahrhunderten läuft und rollt der Verkehr über die schmale Fahrbahn. Heute auch wir.

Wir stoppen bei Flop Nr 4: der Parkplatz hat ebenfalls eine Schranke. Das Satellitenbild war zu alt. Mist, also kein Altstadtbummel. Schade, wir hätten uns die Stadt gerne angesehen.

Also doch der nette Flussplatz gegenüber der Stadt. Wieder zurück über die alte Brücke, unter der neuen Brücke durch und parken. Der Blick ist wirklich schön.

Feierabend für heute….

Bis bald, liebe Grüße!

Julia und Martin

Drink positive!

Auf Instagram: rappelkisteberlin

 

2 Antworten

  1. Lüko

    Liebe Julia !

    Joyeux anniversaire, speziell zum Eintritt in das 60. Lebensjahr,
    an dessen Ende ich ja ein Lied Deiner Wahl schmettern soll…

    Best Grüße auch an den werten Herrn Gemahl,

    Lüko

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