Patras, Aginara, Elea

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Von Etoliko sind es ungefähr 70 Kilometer bis nach Patras. Ein strammer Wind und kräftige Böen treiben ihren Schabernack mit der Rappelkiste. Die Strasse ist in den Fels gehauen, neben mir geht es 100 Meter schroff hinab ins Meer, gruselig, ich rutsche auf dem Sitz etwas mehr zu Martin rüber. Wir erhaschen erste Ausblicke auf die große Rio-Andirriobrücke. Eine architektonische Herausforderung, denn sie ist tief im Sand des Meeresbodens verankert, nicht auf Felsen gebaut und in einem Erdbebengebiet errichtet. Bei diesem Wind allerdings auch eine Herausforderung für uns: wir sind keine großen Brückenfahrtfreunde. Als Alternative gibt es immer noch die Fähre. Im Fährhafen unterhalb der Brücke werden wir sofort auf ein wartendes Schiff gewunken, rückwärts bitte und los geht´s. 11,-€ kostet die Überfahrt, die Brücke würde 20,80€ kosten. Heftiger Seegang, es schwankt und schaukelt, die Wellen donnern gegen die Fähre, die Lkws zittern jedesmal in den Federn. Wir steigen aus, wollen Fotos machen, aber der Wind reißt mir fast das Telefon aus der Hand! Also doch lieber im Steyr sitzen.

20 Minuten später ist das Geschaukel vorbei, willkommen auf dem Peloponnes!
Nach einer kurzen Irrfahrt durch Patras finden wir einen Übernachtungsplatz in einer Marina und stiefeln los in die Altstadt. Patras ist die drittgrößte Stadt Griechenlands und hat sich einen Ruf als Partymeile gemacht. In der Fußgängerzone finden wir dementsprechend viele Tavernen und Cafés, dazwischen ein paar Geschäfte. Alle Läden sind fantasievoll und üppig weihnachtlich geschmückt, es ist Anfang Dezember. Die Cafés platzen aus allen Nähten, schick und modern, hipsterstyle. Die Häuser eine gute Mischung aus modernisiert bis Ruine.

Das ist uns zu voll hier, wir suchen was anderes, laufen geradeaus, links, rechts, rauf und runter, halten Ausschau nach einer urigen kleinen Pinte zur Einkehr. Finden aber leider nichts.
Als es schon richtig dunkel ist, wird die Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen eingeschaltet, mit gemischten Gefühlen spazieren wir nach Hause. Patras ist schon schön, aber irgendwie funkt´s nicht.
Nächster Tag: Waschtag. Die Parkplätze vorm Easywash belegen wir komplett, wir sind halt etwas größer…. die Wäsche ist dank riesiger Maschinen schnell erledigt.

Noch einkaufen, volltanken für 1,29€/Liter – 400,-€ rein in den Tank und nix wie raus aus der Stadt. Wir brauchen einen Platz, an dem wir etliche Meter Wäscheleine spannen können. Manolada wurde uns gepriesen. Als wir ankommen, finden wir einen sehr schmalen Streifen Sand. Der Wind spült das Wasser hoch auf den Strand, hier ist kein Platz für uns, wir stünden mit den Reifen im Wasser. Vor dem Strand ein betonierter kleiner Platz mit Taschentüchern und Lümmeltüten garniert. Also nicht so toll….sollen wir noch einen anderen Platz ausprobieren oder gleich die sichere Bank Campingplatz nehmen? Unser Trinkwasser ist auch demnächst alle, die Sache ist entschieden, wir steuern Aginara Camping an.
Durch ein Blumenmeer fahren wir zu unserem Stellplatz, der Camping ist wunderschön angelegt als grünes Paradies am Meer.

Wir spannen ein paar Kilometer Wäscheleine und hängen alles voll. Später treffen Angela & Torsten ein – wir haben gemeinsam die Lagunenfahrt in Albanien gemeistert – https://youtu.be/4Uq8kghQeqo – ein überraschendes Wiedersehen! Die beiden mußten über die Patrasbrücke, die Fähren fuhren wegen zu heftigem Sturmwind nicht. Über die Brücke wurden sie mit Begleitschutz und Tempo 30 eskortiert, eine Überfahrt der besonderen Art.
Ein milder Abend, im nun sanften Wind weht sachte unsere Wäsche. Wir sitzen mittendrin, bleiben noch lange draußen, tunken frisches Brot in hervorragendes Olivenöl, mit ein paar Oliven und einem schönen Rotwein zusammen ergibt das ein köstliches Abendbrot.

In der frischen Meeresmorgenluft genießen wir, auf den Felsen am Strand sitzend, unseren Kaffee. Morgens habe ich meinen Tee über die frische Bettwäsche geschüttet, also nochmal waschen, bitte. Wir bleiben noch einen Tag in Aginara. Die ausgiebige heiße Dusche ist ein unschätzbarer Genuss. Unsere Außenküche wird endlich eingweiht. Berieselt von Weihnachtsliedern – Antenne Bayern, Internet machts möglich – schnitzen wir draußen unser Gemüse und kochen. Um 17 Uhr treffen wir Angela & Torsten auf der Terasse der geschlossenen Strandbar zum Sundowner. Ein grandioses Spektakel erwartet uns: Südsee in Hellas! Ein unbeschreibliches Leuchten, ein Feuerwerk aus Licht und Farbe!! Und wenn es der 900.000 Sonnenuntergang ist, wir werden uns nie sattsehen!

In treuem Glauben an unsere Wetterapp lassen wir die leicht feuchte Bettwäsche draußen hängen, bis morgen soll sie trocken sein. Mitten in der Nacht beginnt es dann zu schütten wie aus Eimern, unsere Wäsche ist wieder tropfnass, seufz…
Wir möchten aber weiter, also die nasse Wäsche in eine Kiste, wir verabschieden uns von Angela & Torsten, aber nicht für lange, denn die beiden kommen ein paar Tage später auch zu unserem nächsten Ziel: dem Strand von Elea.
Etwas völlig neues erwartet uns: wir treffen uns in Elea mit Instagram-Bekannten. Wir sind gespannt, das ist wie Brieffreunde treffen.
Die Fahrt geht flott voran auf gut ausgebauter Strasse, schnell erreichen wir Elea und biegen dann ab Richtung Strand. Vor 12 Jahren waren wir zuletzt hier, mal sehen, ob sich was verändert hat. Ein paar Kurven und wir durchqueren einen Pinienwald. Dahinter liegt, kilometerlang, ein breiter Sandstrand. Zwischen den Pinien sind in größerem Abstand schöne Wasserstellen eingerichtet.

Etliche Wohnmobile aller Art parken zwischen den Bäumen, überwiegend aus Deutschland. Offroader, Hippiemobile, Lkws und die klassischen Weißen, alt und neu. Wir fahren weiter durch die Pinien, hoffentlich finden wir ein einsameres Plätzchen.
Und wo stehen denn unsere Instagramer? Nach 2 Kilometern drehen wir nochmal um, auf einer Wiese stand einsam ein großer, weißer Truck, da sah es gut aus, mit viel, viel Platz ringsrum.
Ein Wagen kommt uns im Wald entgegen: die „dare2go“ , Yasha & Jürgen aus Australien auf Europatour. Die kennen wir von Instagram! Großes Hallo, sie haben den Standort von den anderen, wir hängen uns an sie dran und landen beim großen, einsamen Truck von vorhin. Achim vom „Wombat 92“ , auch Instagram, mit Gismo, dem Ridgeback und Pepe, dem Pinscherirgendwas aus einem spanischen Tierheim.

 

Jetzt fehlen nur noch die „Tinyriders“ – die kommen morgen, erzählt uns Achim.
Erstmal parken und einleben. Die Australier setzen ihren Wagen prompt in den Sand. Festgefahren. Macht nix, da helfen wir doch gerne, also Abschleppseil raus. Der Bolzen der Abschleppvorrichtung fehlt bei den „dare2goes“, wir knippern das Seil unter die Stoßstange. Los geht´s, die Rappelkiste zieht an – und mit einem lauten KRACH!! zerbricht die Kunststoffstoßstange!! Oh…äh…ups….etwas peinlich!
Seil wieder ab und um die Achse gewickelt. Jürgen fürchtet schon, daß die Achse auch zerbrechen wird, aber nein, diesmal gelingt das Manöver, der Wagen ist wieder frei.
Schadensbegutachtung. Achim: „ das klebe ich euch morgen wieder zusammen, kein Problem.“ Jürgen bleibt skeptisch, aber heute können wir sowieso nichts mehr machen.
Am nächsten Tag gehen wir joggen und schwimmen, entdecken eine tolle Freiluftdusche und kochen draußen. Dann kommen die „Tinyriders“ mit ihrem Steyr an. Silke & Roland mit den Ridgebacks Fargo & Gustav. Unsere socialmediacomunity ist komplett. Schnell und leicht kommen wir ins Gespräch, lernen uns alle kennen, freunden uns an.

Unsere Freundin Josie bringt 3 vermittelte Hunde aus dem Hundeshelter bei Igoumenitsa nach Deutschland. Während ihrer Abwesenheit wird uns Benni besuchen kommen, super, wir freuen uns! Unsere kleine WG macht total Spaß, wir sitzen zusammen, lassen uns von Regenschauern und Gewittern nicht irritieren, wozu haben wir jetzt eine Markise?

Die Tage vergehen wie im Flug. Wir erledigen Reparaturen, verbringen die Zeit mit Gesprächen und viel Gelächter. Benni kommt dazu, mit dem Landrover und dem vierten Ridgeback Filos. Kurzes Kennenlerngeraufe der Hunde, dann ist alles geklärt, Filos und Gustav entbrennen in tiefer Freundschaft und toben jeden Tag bis zum umfallen.

Benni, Roland & ich starten unsere Drohnen, machen Quatsch in der Luft, um Zusammenstöße zu vermeiden, werden laufend die Flughöhen angesagt. Roland erklärt mir die Active Track Funktion meiner Drohne, sie verfolgt anschließend Martin auf der Honda Dax, astrein! Silke beobachtet alles von ihrem Adlerhorst aus….

Angela & Torsten kommen dazu, die Runde am Lagerfeuer wird größer.

Ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten um 80km/h tobt in einer Nacht, wir haben extra noch mal unsere Luftbalge unterm Shelter aufgepumpt und schaukeln kein bisschen. Nach dem Sturm ist das Meer in Aufruhr, unsere Lkws stehen ca 60 Meter weiter weg, aber eine Welle schafft es fast bis zu uns. Ein perfekter Regenbogen entschädigt uns für das wechselhafte Wetter. Benni & Martin fahren einkaufen und lieben es, wie bei wilder Fahrt das schlammige Wasser der tiefen Pfützen über dem Landrover zusammenschlägt.

Roland & Benni machen außergewöhnliche Landroverfotos.

Dann wird es richtig warm, 20 – 22°C im Schatten. Achim holt seine Dji – Spezialbrille: sie versetzt einen virtuell ins Cockpit der Drohne. Wir fliegen wieder los. Vollkommen irre! Man fliegt sofort leichtsinniger, riskanter, unvorsichtiger! Nach 15 Minuten wird mir schwindelig, ich lande. Das Ding beamt einen völlig weg aus der Realität!

Roland & Martin schwingen sich auf die Mopeds und kommen mit gebündeltem Feuerholz hinten drangehängt wieder zurück. Das kennen wir doch aus unserer Zeit in Marokko.

 

Benni & Torsten gehen abends Brandungsangeln, aber die Fische haben wohl gerade woanders zu tun.
Später am Lagerfeuer beobachten wir Sternschnuppen. Maroni rösten in der Glut. Wir haben eine herrliche Zeit!

Nach einer Woche brechen Yasha & Jürgen auf, ihr Schengenaufenthalt läuft ab, recht kompliziert das alles, sie müssen zu einem bestimmten Datum aus der EU in die Türkei ausgereist sein. Alle winken zum Abschied, gute Reise ihr beiden, schön euch kennengelernt zu haben!
René aus der Schweiz zieht in unsere Runde ein mit seinen Hunden Ayla und Angie. Kennt ihr Game of Thrones? Mit ihren eisblauen Augen sehen die beiden aus, als gehörten sie zu den „Anderen“, den „Weißen Wanderern“ aus dem Land des ewigen Winters hinter der Mauer.

Wie beinah jeden Abend sitzen Martin & ich zum Sonnenuntergang wieder vorne am Meer.

Benni ist am Mittag abgereist, die „Tinyriders“ ziehen morgen weiter und auch für uns wird es Zeit loszufahren; wir sind zu Weihnachten in der „Weihnachtsbucht“ verabredet. 12 wunderbare Tage haben wir mit neuen und alten Freunden in Elea verbracht. Noch ein letzter gemeinsamer Abend unter sternenklarem Himmel am großen Feuer mit viel Spaß, Gesprächen und Gelächter, etwas Rotwein könnte auch im Spiel gewesen sein – dann trennen sich unsere Wege. Vielen Dank euch allen für die unvergesslich schöne Zeit!

Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin
Drink positive!

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