Wo ist hier die Ausfahrt?!

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Der Rio Tejo begleitet uns noch für ein Weilchen ans Meer. Die Landschaft um den Tejo ist von Landwirtschaft geprägt. Prächtige Gutsschlösser säumen die Strecke, die Felder sind großflächig, die Gutsbesitzer offensichtlich erfolgreich. Die Güter sind sehr gepflegt. Die kleinen Städte, die wir durchqueren zeugen vom Reichtum der Gegend, viele Häuser sind renoviert, wunderschön mit ihren verzierten Holzsprossenfenstern, den Blumenkacheln, dem Stuck und der bunten Farben. Andere warten noch auf ihre Neubelebung und zeugen von vergangener Pracht. Das zu sehen, tut schon ein bißchen weh, hoffentlich findet sich auch da jemand, der den Verfall aufhält. Dann kommen wir von den Feldern weg und durch ein grünes Tal mit Obstbäumen, die Landschaft hat wieder völlig gewechselt. Der Wind ist so heiß, das offene Fenster bringt kaum Abkühlung. Wir haben beide nasse Mützen auf, um den Kopf zu kühlen. Bei Caldas da Rainha wird der Wind plötzlich um einige Grad kühler, wir sind schon fast am Meer und das Klima ändert sich. In Foz do Arelho parken wir unten an der Lagune, der alte, halblegale Platz hat jetzt eine Höhenbeschränkung, aber der früher völlig runtergekommene Stellplatz ist renoviert worden! Für 4,-€ pro Nacht können wir direkt am Strand stehen, zwar dicht beieinander, wie die Sardinen in der Dose, aber wir haben Glück und stehen am Rand auf einem extragroßen Spot, prima!

Uns empfängt ein stürmischer Wind,wir haben uns sehnlichst Abkühlung gewünscht. Aber als wir zum Meer wandern, werden wir so kalt durchgeweht – das ist etwas mehr  Abkühlung, als wir suchten! Ist das ein normaler Sommer hier? Naja, bei diesem Wind werden wir wohl nicht lange an der Lagune bleiben…..

 

Am nächsten Tag ist es herrlich! Sehr warm, eine leichte Brise fächelt uns zu, wir sehen der Flut beim Kommen und Gehen zu und hängen den Tag in der Sonne rum. Abends bauen wir unser Paddelboot auf, damit wir morgen früh raus in die Lagune paddeln können.

Die Fischerin kommt morgens laut hupend auf den Platz gefahren. Wir kaufen Dorade und Sardinen für den Grill abends. Dann paddeln wir los, Sonnenwetter, einzelne Fische springen direkt vor unserem Boot hoch aus dem Wasser.

 

Nach einer Weile landen wir wieder beim Steyr am Strand. Den Rest des Tages verbringen wir mit Sonnenbaden. Später haben wir Termin: Portugal spielt gegen Marokko und wir haben am Strand eine kleine Bar mit Fernseher gefunden. Die Bar ist klasse, das Spiel nicht.

Aber die gegrillten Fische nachher zuhause sind ein Hochgenuß!! Einfach mit Salat zubereitet, sehr lecker!

Bei diesem Wetter werden wir wohl doch etwas länger bleiben, oder? Es ist alles da, was wir mögen: Strand vor der Tür, gutes Wasser zum Schwimmen, nachher eine frische Dusche, Sonnenschein, warme Abende mit Grill und laue Nächte mit Vollmond, der das Wasser glitzern lässt. Und so verlängern wir jeden zweiten Tag unseren Aufenthalt.

In der Strandbar spricht Martin drei junge Portugiesen an, wo wir am Samstag das Deutschlandspiel sehen können. Sie empfehlen das „Tibino“ im Ort, ein Restaurant mit sehr guter Küche und Fernseher. Und außerdem arbeiten zwei der drei jungen Leute auch dort. Das schauen wir uns mal an, als wir ohnehin in den Ort zum Einkaufen gehen. Das „Tibino“ hat einen liebevoll bepflanzten Vorgarten, in dem wir sitzen können. Der Service ist erstklassig, die frische Fischsuppe ebenfalls! Der Innenraum ist mit unterschiedlich geschnitzten Stühlen, alten Holztischen mit Blumen und Antiquitäten eingerichtet, wir fühlen uns sofort wohl und reservieren einen Tisch für den nächsten Abend. In Olhao habe ich ein neues Kleid gekauft, das kommt hier endlich zum Einsatz!

Hoppla, da ist es schon Samstag geworden! Vor Dienstag fahren wir nicht weiter haben wir inzwischen  beschlossen. Die Tage vergehen einfach so schnell mit Paddeln, Schwimmen, Grillen, Nichtstun. Wir essen am Abend ausgiebig im „Tibino“, die beiden Jungs vom Strand arbeiten an dem Abend, erkennen uns sofort wieder und begrüßen uns sehr herzlich. Einer der beiden ist der Chef . Alles, von der Vorspeise über das Hauptgericht bis Dessert ist wunderschön angerichtet und auf den Punkt zubereitet, wir sind ehrlich hingerissen! Das Lokal ist voll bis unter die Decke, die Stimmung ausgelassen, gut, das wir reserviert haben und diesen schönen Abend hier erleben können!

Den Abend beschließen wir wie jeden, wieder auf der Bank am Sandstrand im Mondschein. Oh, das wird schwer, hier wegzufahren! Wir könnten hier noch locker drei Wochen bleiben.

Nach acht Tagen reißen wir uns schließlich los. Seufz. Wir wollen nach Porto. Alle Vorräte müssen aufgefüllt werden, wir verbringen viel Zeit mit Einkaufen und fahren dann gar nicht mehr so weit bis Costa Lavos. Hier auf dem offiziellen Stellplatz, wunderbar direkt am breiten Strand gelegen, treffen wir einen anderen Steyrfahrer. Toni fährt ein anderes Modell als wir, sein runterfahrbarer Heckträger interessiert uns sehr. Darüber haben wir seit der Reifenpanne in Barcelona auch nachgedacht. Hier können wir uns schon mal eine Anregung holen. Für den Sonnenuntergang setzen wir uns auf´s Rappelkistendach. In der Dämmerung umschwirren uns plötzlich daumengroße Insekten. Sie brummen mit tiefem Bass um uns herum, lieben aber besonders die Ersatzreifen! Uns wird´s ungemütlich und wir verziehen uns nach drinnen……

   

Am nächsten Tag brausen wir nach Porto,

 

bzw nach Afurada, einem kleinen Fischerdorf am Douro.

Und verfransen uns wie jedesmal, wenn wir hierher kommen. Diesmal liegt´s daran, daß die Strecke an der Küste entlang schon 10km vorher für alles über 3,5t gesperrt ist. Wir versuchen, auf anderen Wegen nach Afurada zu gelangen und scheitern noch zweimal an der 3,5t- Hürde. Afurada ist sehr eng und verwinkelt und wir werden keine Experimente wagen, haben wir uns geschworen. Schließlich finden wir den Weg zum Stellplatz, der zwischen Afurada und Vila Nova de Gaia liegt. Sicher keine Schönheit, aber praktisch. Nehmen wir. Es war ein heißer Tag und wir sind vom Herumirren und ständigen Wenden ziemlich ermüdet. Wir schnappen uns die Räder und radeln nach Afurada. Im Hafen, wo wir sonst immer standen und auch diesmal hin wollten – ist – man ahnt es schon – ein Volksfest aufgebaut! Das war ja klar! Diesmal ist es Sao Pedro, der gefeiert wird. Die kleinen Gassen sind mit Lichterketten geschmückt, alle Leute haben ihre Grills auf die Strasse gestellt.

Das kennen wir schon von Afurada (nur ohne die Lichterketten) und deshalb lieben wir dieses winzige Städtchen so. Alle sind draussen, haben ihre Stühle und Tische rausgestellt, die Haustüren stehen offen und man schaut den Leuten direkt ins Wohnzimmer oder in die Küche. Die Grills nebeln alles gnadenlos ein. Dieses Mal wird alles noch aus großen Lautsprechern mit portugiesischer Popmusik flächendeckend beschallt. Vorm Cafe´1962 – da muß ich natürlich einkehren

– tanzen ein paar alte Männer zu der Musik. Wir finden ein kleines Restaurant mit Fernseher, sie stellen extra für uns das Deutschlandspiel ein. Die Mannschaft latscht über den Platz, als wäre sie ein Haufen unwilliger Schüler auf dem Wandertag! Über das schlechte Spiel und das gerechte Ausscheiden der deutschen Mannschaft muß man nicht mehr reden.

Auch hier sind die Grills angeheizt und wir bleiben gleich hier zum Essen. Wir sitzen draussen in der warmen Abendluft und bestellen Sardinen. Der Kellner spricht sehr gut deutsch, es ist jede Menge los auf der Strasse. Afurada ist immer noch sehr ursprünglich trotz seiner Nähe zu VN Gaia und Porto. Hier tragen die Frauen ihre großen Wäschebütten noch auf dem Kopf zum Waschhaus und zurück. Erst spät nachts kehren wir zur Rappelkiste zurück, sitzen noch draussen und plaudern.

Das Wetter meint es gut mit uns: angenehme 24 Grad, perfekt um sich Porto mal wieder anzusehen. Wir schlängeln uns auf dem schmalen Bürgersteig auf der Dom Luisbrücke auf die andere Seite des Douroflusses. In dieser Stadt gibt es nur zwei Richtungen: bergauf oder bergab! Erstmal geht es für uns am Ufer entlang und dann bergauf, bergauf über schmale Gassen und gefühlt 1000 Treppenstufen nach oben. Porto, die schlafende Schönheit unter den Städten, hat sich gemacht, seit wir das letztemal da waren. Selbst in den kleinsten Gassen wird renoviert und erneuert. Viele Baustellen und Kräne sind in den Strassen. Das ist wirklich schön zu sehen. Aber noch viel mehr prächtige Altbauten rotten weiter vor sich hin. Ein Fass ohne Boden, so scheint es, aber in ein paar Jahren wird wahrscheinlich alles durchrenoviert sein und ob es dann noch so romantisch ist? Man kann eben nicht alles haben….. Ein kleines Viertel mit langgezogenen, dunklen Geschäften und finsteren Bars begeistert uns, wir kommen ins Schwärmen und können uns nicht satt sehen an den schönen Häusern, von denen jedes ein besonderes Detail bietet: mal außergewöhnliche Fenster oder verzierte Lichthofdächer mit Krönchen drauf oder speziell gemusterte Kacheln,  geschnitzte Türen, schmiedeeiserne Kunst am Balkon und und und…..

Nach einer stundenlangen Wanderung gehen wir zurück auf die Vila Nova de Gaia Seite und kehren bei Kopke, unserem Lieblings-Portweinhaus ein. Wir bestellen ein Gedeck: einen Weißwein, einen Rotwein und drei unterschiedliche Ports. Ein fine white, ein roter Late bottled vintage und ein 1981 Tawny. Der Portwein-Sommelier ist sehr freundlich, erklärt uns alles genau, bringt noch Pralinen und überlässt uns dann der Weinprobe. Das gemütliche Sofa haben sie leider entfernt, wir sitzen auf den nicht so bequemen Stühlen, aber der Wein ist gut!! Und der Portwein!! Wir haben noch Zeit für eine zweite Runde. Martin plaudert ein wenig mit dem netten, jungen Mann und erzählt unter anderem, daß wir vor ein paar Jahren für Martins fünfzigsten Geburtstag einen 1960er Colheita für 180,-€ gekauft haben. Damals schon ein stolzer Preis! Der ist leider mittlerweile ausverkauft, aber der junge Mann überlegt, was er uns adäquates bringen könnte. Und wir staunen  nicht schlecht, als er uns zu den bestellten Getränken noch drei zusätzliche Portweinproben bringt!! Einen im Eichenfass gereiften, letztes Jahr abgefüllten 2003er Tawny, einen 38 Jahre im Fass gereiften weißen Portwein, der unverkäuflich ist und einen Colheita Portwein single harvest von 1966!!! Ein unbeschreiblicher Genuss, zu dem er uns eingeladen hat! Wir können unser Glück kaum fassen und lassen uns Zeit mit der Verkostung.

Ganz beseelt radeln wir später am Douro entlang Richtung Stellplatz.

Auf dem Weg kommen wir an einem kleinen Restaurant etwas oberhalb der Strasse vorbei, in dem wir schon immer mal einkehren wollten. Heute ist es endlich so weit! Wir sitzen zuerst draussen bei einem Wein, noch unschlüssig, ob wir hier essen sollen. Der pfiffige Kellner bringt nach einer Weile ein paar Kostproben an den Tisch und das ist so gut, daß wir nicht mehr überlegen müssen. Drinnen ist es winzig klein, es gibt nur fünf kleine Tische, die Wände sind vollgehängt mit alten Fotos und Schiffszeug, sehr gemütlich! Das Essen ist schlicht und hervorragend, ein schöner Abschluss für diesen schönen Tag.

Unseren letzten Tag in Porto verbringen wir mit Einkäufen bei Kopke und noch einer langen Wanderung durch andere Stadtviertel von Porto. In einem Weingeschäft finden wir in der verschlossenen Vitrine tatsächlich noch eine Flasche 1960er Colheita Port von Kopke zum Preis von sage und schreibe 1490,-€ !!!

 

In großem Bogen landen wir schließlich über viele Treppen abwärts bei einer Bar mit einer wunderbaren Aussichtsterrasse über die Dom Luisbrücke und den Douro. Hier erholen wir uns, bevor wir auf der VN Gaia Seite den beschwerlichen, sehr steilen Aufstieg zu Taylors Portweinhaus auf uns nehmen. Es lohnt sich immer. Die Restaurantterasse mit der fantastischen Aussicht ist leider nicht offen, aber der Rosengarten blüht und wir finden einen schönen Platz um noch etwas Portwein zu probieren. Bei Taylors sitzt man sehr schön inmitten des Rosengartens und der Portwein ist sehr gut. Aber die Atmosphäre ist eher anonym. Statt einer persönlichen Beratung, wie bei Kopke, bekommt man hier eine Broschüre mit Erklärungen zum Port dazu. Bei Kopke sitzt man nicht so elegant, aber es ist viel persönlicher.

Wir kaufen etwas ein, bringen unsere Schätze zum Steyr und radeln nach Afurada weiter für unseren letzten Abend. Im Cafe´1962 nehmen wir ein Getränk. An diesem Abend wird die Stadt nicht mit Popmusik beschallt, sondern wir hören alle über die großen Lautsprecher in den Strassen

die Live – Übertragung der Abendmesse aus der Kirche von Afurada. So wird auch uns säumigen Schäflein das Seelenheil gerettet! Ein außergewöhnlicher Service, den man hier bei einem Gläschen Wein bekommt.

Ein einziger Tisch ist draussen vor unserem Restaurant von neulich noch frei. Wir nehmen Platz. Zu uns wird noch eine portugiesische Familie gesetzt, sehr freundliche Leute. Wir sitzen noch keine 15 Minuten, da stauen sich die Leute schon in einer langen Schlange, die auf einen Platz warten.

Glück gehabt! Alle tragen sich in einer Liste ein, wann sie gekommen sind um die Reihenfolge zu klären. Der Grillmeister und die Kellnerinnen ackern wie verrückt, freundlich und schnell. Man fühlt sich wohl und hat nicht den Eindruck, daß man sich beeilen muß. Wir essen gemütlich, lassen die Atmosphäre auf uns wirken und machen uns schließlich mit einem kleinen Umweg über Cafe´1962 auf den Weg zurück zur Rappelkiste.

Gerade, als wir zuhause sind, beginnt es zu regnen. Das war unser letzter Abend in Porto, Gaia und Afurada.

Fahren wir jetzt weiter in den Norden in den Minho oder in den Parque da Peneda-Geres oder den Douro westwärts? Es gibt viele, viele Möglichkeiten! Jede Strasse führt immer nur in noch schönere Landschaften……Tatsächlich sollten wir jetzt langsam mal den Ausgang aus Portugal finden….das wird schwer….wo ist hier die Ausfahrt?!

Davon berichten wir das nächste Mal!

Viele Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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