Ab in die Wüste

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Das Wetter ist großartig an diesem Wochenende! Das Meer glitzert und wogt ganz leicht vor sich hin. Perfekt um endlich mal unsere Boards rauszuholen und mit den SUPs aufs Wasser zu gehen. Schnell alles aufbauen, Neopren anziehen und schon wandern wir runter zum Meer. Als wir unten am Strand stehen, sehen wir, daß die leichten Wogen eher beachtliche Wellen sind. Wir schieben die Boards ins Wasser. Und werden erstmal kräftig zurück an den Strand geworfen! Beim zweiten Versuch gelingt es uns, über die ersten Wellenkämme hinaus zu paddeln, dann kann es endlich losgehen. Eine Stunde schaukeln wir mit den Wellen über das Meer. Als wir zurück kommen, werde ich übermütig und will wie eine Wellenreiterin auf den Wellen an den Strand surfen. Ich warte die passende Welle ab, versuche aufzustehen und werde sofort in hohem Bogen abgeworfen! Meine Lieblingsbaseballkappe sinkt auf Nimmerwiedersehen auf den Meeresgrund, ich komme nicht mehr aufs Board und muß mit dem Brett im Schlepptau an den Strand schwimmen! Naja, einen Versuch war es wert! Hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht! Jetzt müssen wir erstmal alles trocknen, trinken erstmal Kaffee.

Anschließend belohnen wir uns in unserem bevorzugten Restaurant mit einer großen Boqueronesplatte und einer Flasche Rosé.

Dann kommt tatsächlich der Tag, an dem wir uns von Roquetas de Mar verabschieden. Wir fahren Richtung Tabernaswüste. Unterwegs machen wir Pause auf einem Parkplatz an dessen Rand es überall in strahlenden Farben blüht.

    

Die Landschaft wird karg und bergig und wir schrauben uns über Serpentinen hoch hinauf in die Sierra Alhamilla.

Spektakulär sind die Ausblicke auf dieser Fahrt, weit hinten sehen wir noch das Meer, vor uns Berge und rechts unter uns eine verlassene, staubige Ebene mit einer einsamen Palmenallee.

  

Was sind das für merkwürdige Häuschen da unten? Ich erkenne Filmkulissen.

Wir fahren weiter bis nach Balnéario de Sierra Alhamilla, hier endet die Strasse. Ein bezaubernder Ort hier oben!

Wenige Häuser, eine kleine Bar, ein Gemüseverkäufer, der seine Waren an einer Strassenecke aufgebaut hat. Als wir vorbei gehen schenkt er jedem von uns eine kleine Bohne. Aus einer Quelle sprudelt kristallklares, sehr warmes Wasser. Es gibt eine Therme mit einem schönen Restaurant, wir wandern die Strasse entlang. Es geht nicht weit und wir sehen eine verlockende Schotterpiste, die bergab ins Tal führt. Sehr steil und schmal.

Sollen wir? Wir gehen zurück und fragen in der Bar, wohin die Piste führt. Ja, durch das Tal zurück nach Pechina. Das wär schon toll! Wir fragen, ob es auch mit dem LKW möglich wäre und ernten zweifelnde Blicke. Egal! Wir holen die Rappelkiste und steuern zur Piste. Durch den Ort ist es schon so eng, wir müssen vorsichtig rangieren, damit wir dem Gemüsemann nicht die Waren abräumen oder eine Ecke aus dem Quellbecken rausfahren. Dann stehen wir am Rand der Piste. Von oben aus dem Fahrerhaus betrachtet sieht sie noch enger und noch steiler aus…..hm. Wir beraten und entscheiden uns um! Lieber doch nicht!

Zurück durch den Ort, der Gemüsemann winkt und lacht, wir fahren wieder die Strasse bergab. Dann sehen wir die Zufahrt zu der weiten, staubigen Ebene mit den Filmkulissen. Da wollen wir runter! Über eine lange Piste rumpeln und schaukeln wir bergab und rollen unten angekommen in die Hauptstrasse der kleinen Kulissenstadt hinein.

 

Was ist hier gedreht worden? Aha, wir stehen in der Stadt der Dothraki aus Game of Thrones! Hier unten ist es wunderschön, wir wollen bleiben. Weiter hinten steht die lange Palmenallee, da stellen wir uns hin. Wir haben den weiten Blick über die Ebene und das Dothrakidorf im Hintergrund.

 

Die Sonne steht über den Bergen, ganz weit hinten sehen wir die tief verschneiten Gipfel der Sierra Nevada, die Stimmung ist fantastisch! Erst gegen 21 Uhr verschwindet die Sonne hinter den Bergen, die Umrisse zeichnen sich scharf am Horizont ab. Der Mond erscheint als schmale Sichel und Abermillionen von Sternen blinken und glitzern am Nachthimmel. Wie schön das ist!!

 

Am nächsten Tag erforschen wir die Dothrakistadt. Wir sind hier ganz allein, haben unsere Instrumente mitgebracht und machen nur für uns Strassenmusik.

 

Die Kulissenbauer haben liebevoll kleine Details eingebaut. Es gibt einen Brunnen, in manchen Räumen sind offene Kamine „gemauert“ worden, oder kleine Öfen. Hier und da sind die „Hauswände“ schon umgefallen, wir wandern neugierig durch kleine Gassen, an deren Ende dann nur eine Querwand steht und dahinter wieder freie Natur. Zurück beim LKW sitzen wir in der Sonne und genießen die Atmosphäre. Am frühen Abend schnaufen Mountainbikefahrer an unseren Liegestühlen vorbei. Sie sehen angestrengt aus, haben sich den ganzen Berg über Schotter hier hoch gequält. Aber jeder presst noch ein freundliches holá durch die zusammengebissenen Zähne.  Eine halbe Stunde später sausen sie fröhlich winkend talwärts wieder an uns vorbei. Der Tag geht schnell um und schon zieht wieder eine sternenklare Nacht herauf.

   

Wir trennen uns ungern, aber wir wollen schließlich weiter in die Tabernaswüste. Morgens besuchen wir noch eine Westernstadtkulisse, die wir weiter oben entdeckt haben, dann holpern und rappeln wir die Palmenallee über Schotter und Steine bergab bis nach Pechina. Wir gehen auf die Schnellstrasse nach Tabernas. Dort angekommen, wollen wir einkaufen. Der einzige geöffnete Supermarkt hat ein sehr eingeschränktes Angebot zu gesalzenen Preisen, unser Einkauf fällt wesentlich schmaler aus als gedacht. Für ein paar Tage in der Wüste wird es schon reichen, denken wir. Wir fahren Richtung Fort Bravo, der Westernstadt, in der unter anderem „Spiel mir das Lied vom Tod “ gedreht worden ist. Hier wird 20,-€ Eintritt verlangt, dafür kann man noch ein paar Cowboys vom Pferd fallen sehen. Nichts für uns!

Kurz vor dem Fort schwenken wir links auf eine Schotterpiste in einen spektakulären Canyon hinein.

  

Langsam fahren wir tiefer und tiefer in die Schlucht. Links und rechts erheben sich hohe Felswände, teilweise sind riesige Felsbrocken abgestürzt, die Erosion hat tiefe Rinnen in die Felsen gewaschen. Wir wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Wir entdecken kleine Höhleneingänge, kreisrunde Felsverwerfungen, einsam stehen gebliebene Felsnadeln, es ist großartig! Eine hohe Felsspitze sieht mit ihren Schatten aus wie ein riesiger Totenkopf. Nach ein paar Kilometern finden wir einen Übernachtungsplatz in der Schlucht, den wir dank Allrad gut erreichen können. Wir sind wieder ganz allein in dieser Nacht. Um den der Schatten der Erde, die den Mond zur Sichel werden lässt, sehen wir einen leicht leuchtenden Ring und wieder blinken unendlich viele Sterne über uns.

Der Tag beginnt mit strahlender Sonne. Wir wandern noch etwas durch die Schlucht und brechen erst spät auf. Heute wollen wir nochmal in eine andere Richtung durch die Wüste fahren. Heraus aus dem Canyon geht es in eine flache Ebene. Hier verzweigen sich etliche Schotterpisten, wir biegen mal links, mal rechts ab. Es ist nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben. Nach einigen Kilometern sind immer noch einzelne Farmen zu sehen oder Strommasten. Nicht so einsam, wie wir dachten. Überall an den Rändern der Pisten stehen Schilder: „Coto privado de casa“, Privatgelände. Wir sehen etwas über uns ein Plateau ganz und gar mit hohem Gras bewachsen. Hier würden wir uns gerne hinstellen. Unser Steyr könnte uns mühelos über die Steine den Hang hinaufbringen. Coto privado. Wir könnten rechts neben der Piste ein schönes Plätzchen erreichen. Coto privado. Wir sehen nach weiteren Kilometern eine einsame Palme in einer versteckten Senke. Da geht´s vielleicht! Hat sich schon jemand vor uns gedacht, das Palmenplätzchen ist besetzt. Dann bei den Palmen dahinten? Coto privado. Schon etwas frustriert biegen wir auf eine schmalere Piste ab, landen in einer Sackgasse in einem ganz engen Felskessel. Hier haben wir gar keinen Blick, wir fühlen uns wie eingesperrt, das gefällt uns gar nicht. Wir können vorsichtig wenden und fahren wir weit, weit zurück. Geht vielleicht bei einem anderen Abzweig was? Coto privado, coto privado….nochmal quetschen wir uns in eine schmale Piste. Sehr langsam rumpeln wir über große Steine und fahren in Schräglage durch tiefe Rinnen. Wenden könnten wir hier nicht! Hoffentlich müssen wir nicht rückwärts wieder raus! Weiter, weiter, endlich kommt eine Gelegenheit, wo wir umdrehen könnten. Was machen wir? Vor uns verengen sich die Felswände immer mehr, wir geben auf. Wieder ein zentimetergenaues Wendemanöver und wir rütteln und knirschen wieder zurück. Das wird nichts mit uns und diesem Teil der Tabernaswüste! Wir verabschieden uns und fahren zur normalen Strasse zurück Richtung Granada. Weit kommen wir nicht mehr, der Tag ist schon fast vorbei, deshalb nehmen wir den nächsten Stellplatz in Abla-Montagón. Komisch, nach den einsamen Nächten wieder mit anderen Womos in einer kleinen Stadt zu stehen.

Wir erinnern uns noch sehr gut an den Anblick der verschneiten Sierra Nevada. Wie wär´s: doch noch skifahren gehen? Wir checken die Schneehöhe und die Temperaturen. 23°C tagsüber und 13°C nachts verheißen nichts Gutes für die Schneeverhältnisse. Und dann sehen wir, daß in 2 Tagen Saisonende ist. Wir müßten morgen rauffahren, um übermorgen für einen Tag skifahren zu können. Das lohnt sich nicht, finden wir und haken diese Idee ab. Mal schauen, wohin es stattdessen als nächstes gehen soll. Es gibt viele Ideen aber noch kein Ziel. Erstmal weiter Richtung Granada.

Bis demnächst, viele Grüße!

 

 

 

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