Barcelona

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Durch Sturmböen und Dauerregen kurven wir eine beeindruckende Schlucht hinauf zum Grenzpass.

Oben in Perthus / La Jonquera in Spanien ist es noch ruhig, später werden sich hier wieder die Wochenendeinkäufer aus Frankreich stauen, aber wir rutschen locker durch. Wir wollen nach Barcelona.

Vorher müssen wir aber leider noch ein paar Tage mieses Wetter aussitzen. Südlich von Girona finden wir in Santa Susanna einen Parkplatz am Meer. Hier stehen wir windgeschützt und montieren außen schnell unser Ofenrohr, vielleicht wird es ja abends so kalt, daß wir ein Kaminfeuer anzünden können? Das wär toll!

 

Wir entkorken den 10 Jahre alten Taylors Portwein, den wir im Sommer in Portugal gekauft haben und machens uns gemütlich. Samstag…..Sonntag…..endlich, nachmittags eine Sturmpause! Wir gehen spazieren. Viele Leute nutzen die Gelegenheit, die Promenade ist voll. Die Aerobic – Gruppe stapft betont fröhlich zu Musik am Strand auf der Stelle.

  

Santa Susanna ist ein beliebtes Urlaubsziel, die Hotelrestaurants sind gut besetzt.

Nach einer Stunde regnet es wieder, zurück in der Rappelkiste schauen wir uns abends den Halloween – Tatort aus Bremen an. Nicht schlecht! Morgen soll sich das Wetter beruhigen, wir gucken schon mal nach einem Stellplatz in Barcelona. Auf dem Olympiaberg gibt es was, bewacht, sehr zentral, super gelegen aber 30,-€!! Nur für´s parken!! Nö, also da finden wir doch was Besseres!

Montag, Aufbruch nach Barcelona. Wir suchen und suchen, unser Übernachtungsplatz soll gut an die S-Bahn angeschlossen sein, nicht zu weit weg und uns das Gefühl geben, den Steyr sicher abgestellt zu haben. Vergiss es! Wir verbringen den halben Tag in Badalona mit der Suche und dann, kurz gesagt, fahren wir auf schnellstem Weg zum Olympiaberg und zahlen eben die 30,-€ pro Nacht, egal.

Martin hat jedes Jahr im Frühjahr in Barcelona gearbeitet, jetzt zeigt er mir seine Orte in Barcelona. Wir fahren nach Hospitalet, das Viertel, in dem er immer gewohnt hat. Ein Arbeiterwohnviertel, rote Backsteinhochhäuser, nichts dekoratives, kein schmückendes Beiwerk verfälscht den Blick auf die Realität. Wir spazieren durch die Strassen und Martin ist zunehmend entsetzt: „sein“ Gemüseladen – geschlossen! „Seine“ Bäckerei – geschlossen! Und dann der ultimative Schock: „seine“ Lieblingsbar – geschlossen! Es wird renoviert, das Viertel verändert sich.

Soviel hat er mir von den Feierabenden mit den Kollegen und Ma´olo, dem Kneipenunikum, erzählt, ich hab Fotos und Videos gesehen und mich so drauf gefreut: vorbei!! Wir setzen uns in eine typisch spanische Bar an der Ecke, verkraften das erstmal. Der Kellner ist ein fröhlicher Bursche und zu Scherzen aufgelegt, er lenkt uns gut ab. Zum Abschied ruft er uns noch ein munteres „tschüß“ hinterher und so ist es doch noch ein schöner Abend in Hospitalet geworden.

Am nächsten Tag erwartet uns strahlende Sonne! Um es gleich vorweg zu sagen: außer der Rambla haben wir uns keine einzige der berühmten Publikumsmagneten angeschaut. Dafür aber andere fantastische Sehenswürdigkeiten entdeckt. Von der Rambla mit ihren Prachtbauten

  

biegen wir ab ins alte Viertel Barri Gótic. Wir wandern durch die Gassen, können in die Hauseingänge linsen und die prächtigen Treppenaufgänge und Innenhöfe bewundern. Die Häuser sind hoch, manche sehr schmal, auf einigen Balkonen wachsen fast Wälder.

Die Geschäfte unten gehobener, hier finden sich Galerien, Juweliere, aber auch viel Graffity an den Türen. Ein Gitarrenbauer in einer winzigen Werkstatt macht mit einem großen Schild an der Tür darauf aufmerksam, daß sein Laden kein Filmset ist. In einer wunderschönen Pastelería kaufen wir unser Frühstück, Sandvitgx,

 

und wir essen auf einer Bank. Wir schlendern durch eine Markthalle.

   

Torbögen bieten Durchschlupf

 

und wir lassen uns Richtung Hafen treiben.

Im Hafen liegen absurd riesige Jachten, private,wahre Kreuzfahrtschiffe!

Weiter runter zum Strand, überall sind am Boden „Pareos“ ausgebreitet, Händler sprechen uns alle 2 Minuten an. Die Leute flanieren und bevölkern die Restaurants. Im Vorübergehen herrscht eine ältere, deutsche Dame ihren noch älteren Begleiter an: “ Pass auf deine Tasche auf!!!“ Streng fügt sie hinzu: “ Und geh´ aktiv!!!!!!“ Geh´ aktiv?!

Vom Strand schlägt Martin den Weg nach Barceloneta ein. Die Einwohner von Barceloneta betonen, nicht in Barcelona zu wohnen. Das Viertel wurde in schmalen Streifen angelegt, wie Heizungsrippen, die Strassen zum Meer ausgerichtet. Jeweils ein Haus steht an der Stirnseite und dahinter reihen sich hohe Altbauten. Hier gibt es keine geschwungenen Treppenaufgänge sondern eine schmale Stiege, im Eingang blättert der Putz, keine Grünflächen auf den Balkons, Wäsche und die katalunische Fahne wehen hier im Wind. Durch die Rippenbauweise flutet das Sonnenlicht durch die Strassen. Die Wohnungen wirken licht und hell.

Unglaublich, in dieser Toplage am Meer im Stadtzentrum heutzutage noch ein ganz normales, wunderschönes Wohnviertel mit ganz normalen Bewohnern, unauffälligen Geschäften, Metzger, Gemüse, Minimarket, Kleider, Schuhmacher etc und kleinen Restaurants! Hier wohnen ( noch ) keine reichen Leute. Hoffentlich kann sich das Viertel so erhalten. Wir sind ganz und gar begeistert!!

Nach einem späten, üppigen Mittagessen mit sehr guter Paella und Sardinen am Meer ziehen wir weiter durch Barceloneta, rasten in einer Bar,

bummeln anschließend durch Born, alt, prachtvoll und wesentlich edler als Barceloneta,

 

pausieren wieder in einer winzigen Bar. Innen ein Original von 1909, außer der Kaffeemaschine, aber der Kellner? Könnte hinkommen….

Über die Rambla hinweg spazieren wir ins Viertel Raval, es dämmert schon, die Strassenlaternen beleuchten die Altstadt. Die Strassen sind kurvig, verworren, enden auf Plätzen mit Platanen, romantisch. Die Restaurants und Cafés sind touristischer, trotzdem schön, das Viertel ist voller Leben, quirlig.

Wir bleiben eine Weile hier, ruhen uns nochmal aus, nehmen noch ein Getränk, bevor wir schließlich den Weg zur nächsten U-bahn einschlagen. Hier ändert sich Raval noch einmal, indische und pakistanische Geschäfte übernehmen, Frauen in Saris kaufen hier ein. In Seitengassen hängen Junkies rum. Auch hier ist total viel los, aber statt Fussgängerzone zwängen sich auch Autos durch die Strassen.

Müde kommen wir spät abends heim zur Rappelkiste. Was für ein schöner Tag! Martin´s Begeisterung für Barcelona hat mich voll angesteckt, wir wollen auf jeden Fall nochmal hierher, ganz sicher!

Am nächsten Morgen meldet sich der Sturm aus der Pause zurück,

wir packen und fahren weiter Richtung Süden, Richtung Sonne……

Bis demnächst!

Viele Grüße,

Julia & Martin

Drink positive!

 

 

 

  1. Elke

    Ach, Barcelona! 16 Jahre ist es her. Wird höchste Zeit, da noch mal hinzufahren. Auch wenn sich offenbar manches verändert hat. Euch eine gute Weiterfahrt!

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