Die Löwin

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Ein Sandstürmchen weht uns morgens entgegen. Schlechte Sicht. Allerfeinste Puderzuckersandkörnchen. Kaum haben wir die Tür geöffnet sind sie überall im Wagen. Und nicht nur da, auch in der Kleidung, in den Haaren und knirschend zwischen den Zähnen. Erst mittags wird es ruhiger.

Aufbruch – unser Ziel: die berühmte „Löwendüne“. Wir starten die Motoren. Zuerst ziehen wir eine schöne, große Extrarunde um unseren Schlafplatz. Flott geht es voran, in Richtung Süden. Wir zuckeln hinterher. Nach einigen Kilometern kommt die Wende, falsche Richtung, auf dem gleichen Weg geht´s wieder zurück. Gen Osten, die Piste ist teilweise nicht erkennbar, die Sonne brennt, wir suchen…..

Überqueren immer wieder kleine Dünen. Der Reifenluftdruck ist stark reduziert. Eine Weile schlagen wir uns durch knochentrockenes Gestrüpp, Äste knacken unter unseren Reifen und zerbröseln zu Staub. Alle – bis auf einen! Elli erwischt in ungünstigem Winkel den einzigen, widerspenstigen Zweig und PFFFFFFFFT ! ist die Luft aus dem Reifen und der Ast drin. Nicht zu glauben, so ein winziges Zweiglein, gerade mal daumendick, hat den Reifen durchbohrt! Ein Platten!! Also Boxenstop, Reifenwechsel. Brigitte und die Männer machen sich mit Feuereifer an die Arbeit, unser Elektroschlagschrauber kommt zum Einsatz.

Sylvia und ich sitzen im Schatten, essen Joghurt und beobachten alles.

Wie Waldorf und Statler, die beiden Alten von den Muppets…

2 Stunden dauert der Wechsel, dann ist die Elli wieder startklar. Seit insgesamt 3 Stunden sind wir jetzt unterwegs und befinden uns ca 1 Kilometer Luftlinie vom letzten Schlafplatz entfernt! Das läuft ja prima heute!

Weiter, Richtung Norden, keine Piste zu erkennen, wir graben uns vorsichtig einen eigenen Weg durch Dünen und Gestrüpp. Erst nordwestlich, dann in hohem Bogen nach Osten, wo ist denn die verdammte Piste? Was für eine Irrfahrt, manchmal reicht es nicht, die Richtung zu kennen, man muß auch einen Weg in die Richtung finden! Wir ziehen den Bogen nach Südosten und….. da isse ja endlich, die Piste! Ein Geschaukel und Gewackel ist das, ein paar Stunden geht das noch so weiter. Schon wieder spät geworden, insgesamt 22 Kilometer haben wir zurückgelegt, die nächste schöne Dünenbucht wird unser Nachtlager. Brigitte zückt die letzte Flasche Prosecco aus dem Kühlschrank, Wolfgang gibt ´ne Runde kaltes Bier aus, wir stoßen an auf diesen ereignisreichen Tag.

Seit Tagen sind wir keinem Menschen mehr begegnet. Das kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen ( außer vielleicht in MeckPomm….) Ungefähr 20 Kilometer südlich verläuft die algerische Grenze. Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor Reisen in die Nähe der Grenze zu Algerien. Wir fühlen uns ganz und gar sicher, machen uns keine Sorgen. Ganz im Gegenteil, Marokko ist ein Polizeistaat, das marokkanische Militär hat uns hier unten garantiert im Blick. Aus diesem Grund bleibt auch meine „Luftkamera“ ab jetzt gut verstaut im Steyr.


Morgens Streckenbesprechung. Auf unserer Karte sind in einiger Entfernung zwei merkwürdige parallele graue Steifen eingezeichnet, vielleicht eine Landebahn? Laut Karte endet die Piste dort. Auf den Karten der anderen weder Landebahn noch Pistenende, interessant, da fahren wir auf jeden Fall hin. Weit hinten, südlich von unserer Strecke zieht sich ein grüner Pflanzengürtel entlang. Dort muß sich der Draafluss befinden. Wir sichten einen Storch, seltsamer Anblick hier in der Sahara.

Aber dann muß doch Wasser in der Draa sein? Noch ein paar Kilometer, bald muß die „Landebahn“ in Sicht kommen….und da ist sie: keine Landebahn sondern zwei langgestreckte parallele Lehmgebäude, jedes ca 80 Meter lang, verlassen und im Verfall. Vielleicht ein aufgegebener Militärstützpunkt? Wir erkunden lange die Gebäude, machen Vesperpause, wandern zu einem Brunnen in der Nähe. Das Wasser schmeckt leicht salzig.

Etwas weiter weg sichten wir eine echte Karawane. Etwa 15 Leute mit bepackten Dromedaren. Neugierig schauen wir rüber, seit langem wieder Menschen, echte Nomaden! Die möchten bestimmt nicht fotografiert werden….


Die Draa ist nur noch 1 Kilometer entfernt, da könnten wir doch kurz mal hinfahren und schauen, ob Wasser fließt? Na klar! Wir starten, die Nomadenkarawane hat sich zur Rast unter einer Akazie niedergelassen, spannend, unser Weg führt direkt daran vorbei! Wir nähern uns….und staunen nicht schlecht: die Gesichter unter den Turbanen sind kreideweiß, diese Karawane befördert Touristen durch die Landschaft!! Unsere PS-starken Wüstenschiffe rufen keine große Begeisterung bei den Bleichgesichtern hervor. Unser freundliches Winken und Grüßen wird weitgehend ignoriert. Na, dann eben nicht….
Je näher wir dem Fluss kommen, desto weicher wird die Piste. Allerfeinster Staub, wir wirbeln mächtige Wolken auf.

Am Draafluss angekommen, steigen wir aus und besichtigen die Furt. In der Draa könnte man ein prima Staubbad nehmen, sonst nix. Wirklich nur Sandstaub. Wir könnten jetzt auch im Flussbett durch den Staub nach Osten weiterfahren.

Nein, wir wollen erst noch zur Löwendüne. Immer mehr Sandfelder kommen in Sicht, Dünen, größer, kleiner, Sand, Sand, Sand. Ein paar Dromedare. Die laufen aber komisch….aha, Fußfesseln. Eines bewegt sich auf den Knien vorwärts, was ist da los? Als wir näher kommen, sehen wir, daß eines der Vorderbeine hochgebunden ist. Wie schmerzhaft das sein muß! Das große, elegante Tier kann nur schwer auf 3 Beinen laufen und robbt deshalb auf den Knien vorwärts. Gedemütigt und gequält sieht das aus, der Anblick macht uns ziemlich zu schaffen.

Endlich erreichen wir die Löwendüne, gewaltig erhebt sie sich in der Sahara, vielleicht 50 Meter hoch. Für die Nacht finden wir einen fantastischen Platz in einer Bucht mit Löwendünenblick. Es ist früher Abend, der Sonnenuntergang läßt die Sandberge rötlich leuchten. Dieses unbeschreibliche Licht!

Was ist das denn da auf der Löwendüne? Wir sind ganz und gar nicht mehr allein! Viele Leute versammeln sich auf dem Gipfel um den Blick zu genießen. Unser lauschiger Nachtplatz ist auch nicht einsam müssen wir feststellen, in direkter Nachbarschaft, verborgen von der nächsten Düne, liegt ein Touristenzeltlager. So viele Leute, das sind wir gar nicht mehr gewöhnt.

Martin und ich hüten die Lkws, während unsere Reisegefährten ebenfalls zum Sonnenuntergang zur Riesendüne wandern. Wir klettern aufs Rappelkistendach, hören Musik, tanzen und verabschieden von hier aus für heute die Sonne. Kaum ist sie am Horizont verschwunden, wird es schlagartig sehr kalt.

Im Frühtau sind Martin und ich unterwegs, warm verpackt gegen die Kälte. Im Schlepptau haben wir die Boogieboards.

Mühsam erklimmen wir die ersten Dünenberge, ganz schön anstrengend! Die erste Abfahrt entschädigt uns sofort für die Mühen. Yes Sir, I can boogie! Das macht Riesenspaß! Wieder rauf, keuchen, und huiiiii, die nächste Spur in den Sand ziehen, wieder runtersausen!

Immer näher kommen wir der Löwendüne. Die soll unsere Meisterabfahrt werden. Steil aufwärts, Schritt für Schritt auf dem Dünenkamm, kämpfen wir uns langsam nach oben. Ankunft auf dem Gipfel, die Aussicht ist grandios.

Natürlich sind wir nicht allein, 4 Österreicher und ihr Tourguide sind auch schon da. Sie machen eine mehrtägige, geführte Wanderung durch den Erg Chegaga. Das Gepäck und Zelte werden mit Dromedaren transportiert, genau, das haben wir ja schon gesehen.

Kaffeepause, wir schauen abwärts, 50 Meter, haben ganz schön Respekt vor der Tiefe. Warten, bis wir alleine sind. Etwas entfernt sehen wir Wolfgang über die Dünenkämme wandern. Und dann geht´s los, ich stürze mich als erste kopfüber auf dem Boogieboard hinab. Gewinne sehr schnell Tempo, irre viel Tempo, definitiv viel zuviel Tempo! Versuche auf halber Strecke zu bremsen und überkugel mich ein paar mal! Alles gut gegangen, ich bleibe da sitzen. Martin startet oben, ich will filmen. Mit einem Affenzahn saust er an mir vorbei, ich komm gar nicht so schnell mit!

Dann sause ich hinterher, das ist der absolute Oberhammer! Eine geniale Abfahrt, wir stehen unten, breit grinsend, völlig unter Adrenalin! Wirklich eine Meisterabfahrt!
Martin hat noch nicht genug und quält sich nochmal hoch. Der Aufstieg ist steil und dauert lange. Oben wartet Wolfgang, Martin setzt sich die GoPro auf die Mütze. Die Sonne steigt und sieht schon über den Gipfel. Jetzt schnell, bevor der Sand zu weich wird! Abwärts…….

Ganz, ganz großartig!! Ebenfalls mit spektakulärem Überschlag!!
Gemeinsam mit Wolfgang wandern wir zurück zu unserer Wagenburg, aufgeregt und glücklich. Was für ein tolles Leben!

Bis bald, liebe Grüße,

Julia & Martin

Drink positive!

  1. Brigitte

    Was für schöne Bilder und Videos von diesem tollen Leben. Wie schön, dass wir ein Puzzelteil in Eurem sind.

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