Durch die Gorge du Verdon zum Mittelmeer

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Im Morgennebel brechen wir auf. Ein Abzweig nach links, bald schrauben wir uns hoch zur Passstrasse. Durch die schlanken Stämme des Kiefernwaldes schimmert das Blau des Lac de Ste Croix.

Beständig geht es aufwärts, der Ausblick ist fantastisch. Weit unten sehe ich die Brücke, unter der wir gestern auf den See hinaus gepaddelt sind.

Nackter Fels um uns herum, ein niedriges Mäuerchen vor dem Abgrund am Stassenrand soll …..was verhindern? Tatsächlich fühlt man sich sicherer mit dem kleinen Steinwall. Vor uns ragt der Felsensporn empor, den wir gestern beim paddeln schon als Wegpunkt ausgemacht haben. Tief unter uns schlängelt sich der Fluss durch die Verdonschlucht, noch sind keine Boote unterwegs.

Höher, höher führt die Strasse hinauf, die Sonne beleuchtet die Felsspitzen. Noch einmal blicken wir hinunter in die Schlucht auf das grünliche Wasser des Verdon, dann verliert sich die Spur. Auf einer kleinen Hochebene ein einsames Gehöft, die Gegend ist was für Einsiedler.

Steineichenwälder beschatten den Asphalt, erste Wanderparkplätze  tauchen auf. Mehrere Wanderwege führen in die Berge über der Schlucht, einige Wanderer machen sich bereit. Sollen wir hierbleiben und einen Wandertag einlegen? Oder weiterfahren und heute Abend in die Wellen des Mittelmeers tauchen?

Hin- und hergerissen entscheiden wir uns für´s Mittelmeer.

Aber es steht fest, daß wir irgendwann wiederkommen und wandern gehen – ganz sicher! Auf der Karte markieren wir herrliche Übernachtungsplätze. Über 800 Meter hoch, aber der Pass ist noch nicht erreicht.

Vor uns türmen sich die Alpes-Maritimes. Umrahmt von den Bergen liegt eine grüne Hochebene. Kurz vor La Palude de Verdon kommt die Passhöhe auf 1160 Metern. Karg, sturmerprobt und winterfest wirkt das Städtchen. Hinterm Ort liegt ein wunderschöner Campingplatz, den merken wir uns auch fürs nächste Mal.

Eine herrliche Strecke. Ausgerechnet an der schmalsten Stelle kommt uns ein LKW entgegen. Der Fahrer kennt kein zögern und fährt uns beim passieren an den Spiegel. Nur wenige Zentimeter Platz bleiben, um aneinander vorbei zu kommen.

Zuerst geht es ein paar Kilometer bergab, dann steigt die Strecke schon wieder an. Vor den engen Tunneln wird laut gehupt um entgegenkommende Autofahrer zu warnen. Wir fahren immer noch am Rande der Schlucht. Da unten muss der Verdon fließen.

Es geht weiter, atemberaubend schön auf schmaler Strasse zwischen Felswand und Abgrund. Ah! Da ist der Fluss ja wieder!

Wie eine riesige Fratze lehnt sich ein Felsüberhang über die Strasse. Die Risse in den Felsen sehen nicht sehr vertrauenerweckend aus, hoffentlich hält´s noch eine Weile.

Wir überqueren den Verdon. Leuchtend rot kündigt sich der Herbst auf den Blättern des wilden Weines an. Die grauen, hohen Berge werden zu grünen Hügeln, Alleen säumen die Strasse und führen auf die nächste Hochebene. 1174 Meter hoch, im Winter versinkt hier wahrscheinlich alles unter einer glitzernden Schneedecke.

Beim einsam gelegenen Hotel Chez Marius erstehen wir ein paar Croissants und machen Mittagspause.

Jetzt fahren wir quer durch die Alpes-Maritimes. Inmitten der Berge liegt der Vallon de Nans, ein riesiges Waldgebiet, durchzogen von Wanderwegen. Bis hierher ging unser Weg durch einsame, dünn besiedelte Landschaften.

In St Vallier de Thiey findet sich der erste Wegweiser zur Cote d´Azur. Wir überlegen, einen Zwischenstop in Grasse, der Parfümstadt, zu machen und uns die berühmte Altstadt anzusehen. Aber die Chance auf einen Parkplatz in Grasse geht gegen 0.

 

Ab hier ist Schluss mit der Einsamkeit. Eine Ortschaft geht in die nächste über. Alle Hügel sind bis in die Spitzen bebaut, das Meer und die Cote d´Azur sind nicht mehr fern. Statt hutzeligen Steineichen wachsen hohe Palmen vor den Häusern. Wir erhaschen einen kurzen Blick aufs Meer bevor wir auf einer Schnellstrasse nach Nizza sausen.

Auf hohen Stelzen führt die Schnellstrasse durch Nizza, direkt hinter der Schallschutzwand stehen die Wohnhäuser. Breite Boulevards führen ans Meer. Da ist der Bahnhof, von dem aus wir, bei unserem letzten ausgiebigen Nizzabesuch, abends jedesmal nur knapp den letzten Zug hinaus zurück zu unserem Campingplatz erwischt haben.

 

Prächtige Jugendstilhäuser mit traumhaften Dachgärten säumen die Strassen, wieviel Fantasie in den geschmückten Fassaden steckt.

In Nizza finden wir wahrscheinlich keinen guten Übernachtungsplatz. Wir müssen noch ein bißchen weiter. Außerhalb der Stadt wird sich schon was finden lassen.

Eine Stunde fädeln wir uns mitten durch die Stadt, kommen nur langsam vorwärts. Dann wieder hinauf in die Hügel. Oben reiht sich eine Topvilla an die nächste, unten auf dem Meer tummeln sich Superluxusjachten. Jede Bucht ist zugebaut, die Jachthäfen randvoll.

Keine Chance, auch nur kurz für eine Pause anhalten zu können. Noch nicht mal am Strassenrand können wir halten. Jetzt wird es wirklich anstrengend. An jedem Ortsrand Verbotsschilder ab 3,5t.

Bald sehen wir den Grimaldifelsen von Monaco vor uns. Also gut, dann eben noch durch Monaco durch. Danach finden wir bestimmt was. Vor einigen Jahren waren wir schon mal in Monte Carlo, allerdings zu Fuß unterwegs. Damals hat es uns sehr gut gefallen.

Diesmal: ein einziger Alptraum. Tunnel, Tunnel, Tunnel, der schlimmste ellenlang in einer einzigen Kurve. Das Internet fällt aus, ich verliere komplett die Orientierung. Kaum Wegweiser. Von einer Brückenschleife auf die nächste, völlig verwirrend. Wir irren durch Monaco.

Überall Baustellen, Hochhäuser dicht an dicht. Luxuslimousinen und Jachten. Ein Mann holt ein paar neue Manschettenknöpfe aus der Schmuckschatulle und knöpft sie ein, bevor er in den Tesla steigt.

Während ich weiterhin den richtigen Weg suche, bleibt Martin ganz entspannt am Steuer und freut sich, als wir schließlich auf der Formel 1 Rennstrecke fahren.

 

 

Wir stauen uns weiter bis nach Frankreich, nach Roquebrune Cap Martin. Ein- und Ausreise ist kaum zu bemerken, zwei Gendarmen stehen am Strassenrand, das ist alles. Ein letzter Blick zurück auf die Hochhäuser von Monaco im Dunst. Sicherlich ist in Monaco alles sehr viel edler und teurer, aber ein wenig erinnert es doch an Benidorm.

In Menton hoffen wir am Ende der Promenade einen Parkplatz zu finden. Seit dem Hotel Chez Marius in den Bergen haben wir nicht mehr anhalten können. Nicht zu reden von unserem heiß ersehnten Badestop im Mittelmeer.

Aber in Menton ist es so voll, daß wir auch diese Hoffnung aufgeben müssen.

Sieht so aus, als ob wir noch heute nach Italien einreisen.

Und so ist es. Adieu France! Saluti Italia!

Ohne jegliche Grenzkontrolle sausen wir durch bis kurz vor Sanremo.

Hinter dem Sportstadion stehen ca 40 Wohnmobile, wir können uns einreihen und stellen den Motor ab.

17 Uhr. Wir sind echt fertig, müde und erschöpft. 8 Stunden Fahrt fast ohne Pause. Noch ein kleiner Spaziergang, etwas Bewegung tut gut.

Zurück bei der Rappelkiste öffnen wir eine Flasche Rose´von St Firmin. Martin bringt die Energie auf und zaubert uns ein paar köstliche Schnittchen zum Rosé. Die Nacht bricht herein und tausende Lichter erleuchten die Küste. Die Stadionscheinwerfer werfen den Schatten der Rappelkiste aufs Wasser.

 

Ein großer Moment: nach 4 Monaten schauen wir wieder aufs Mittelmeer.

Bis bald, liebe Grüße!

 

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: rappelkisteberlin

 

 

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