Kappadokien – Wandern im Ihlara Tal 21.04.2022

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Auf dem Weg nach Ihlara halten wir kurz um Wasser zu tanken. Von hier können wir schon mal einen ersten Blick in die Ihlaraschlucht werfen, den „Grand Canyon“ Kappadokiens.

Einmal steil hinunter ins Städtchen, wir überqueren den Melendiz Çayi, dessen Wasser die Schlucht gegraben haben. Dann wieder rauf zum Parkplatz, hier werden wir sehr nett von gleich 2 Parkwächtern eingewiesen und zahlen 1,60€ Parkgebühr.

Vesperbrote sind eingepackt, Wanderstiefel geschnürt – wir ziehen los. Ziemlich überrascht stopppen wir vor einem Ticketoffice. Die Wanderung durch die Schlucht kostet Eintritt. 55TL – ca 3,40€ – das ist völlig in Ordnung, wir haben das bloß vorher nicht gewußt.

Vom Schluchtrand schauen wir 100 Meter tief auf den reißenden Fluss. Eine lange Treppe mit ungefähr 400 Stufen führt hinunter.

Auf dem ersten Treppenabsatz spricht uns ein Mann an: „Guten Tag! Ich bin auch deutsch! 50 Jahre Düsseldorf! Seit 1973 bin ich da!“ Er erzählt, das seine Familie die Felder unten am Fluss hatte. „Da in der Höhle hab ich gespielt und im Sommer haben wir hier übernachtet. Dann hat die Gemeinde alles genommen, was soll man machen?“ lacht er. Er ist in Rente und pendelt: „Halbes Jahr hier, halbes Jahr Düsseldorf. Unsere Kinder sind alle deutsch, die wollen nicht hierher.“ Solche Begegnungen haben wir oft, werden oft angesprochen von Menschen, die den Großteil ihres Lebens in Deutschland gearbeitet haben und jetzt in der Heimat ihre Rente genießen. Immer sehr interessant und vor allem sehr freundlich.

Wir plaudern noch ein wenig, dann steigen wir die Treppen weiter runter.

Im Ihlaratal haben byzanthinische Mönche ab dem 7. Jhd etwa 50 Höhlenkirchen in die Felsen gegraben und mit wunderbaren Malereien ausgestattet.

Gleich am Beginn des Wanderweges können wir eine besichtigen, die Daniel Pantonassa Kapelle.

Komplett videoüberwacht, kein Wunder, zuviele Leute wollen dringend ihren Namen in die Jahrhunderte alten Fresken kratzen. Wir wandern flußabwärts auf frisch geharkten Wegen. Unsere sind die ersten Fußspuren an diesem Morgen. Am Wegrand stehen Hochsitze und phantasievolle Skulpturen aus Treibholz.

 

Zwischen großen Felsbrocken geht es hindurch. Alles irgendwann abgebrochen und hinuntergepoltert. Manch ein Brocken balanciert wie auf Zehenspitzen hoch oben auf der Kante. Hoffentlich hält der sich noch für die nächsten Minuten……Adler kreisen am Himmel.

Immer am rauschenden Fluss entlang, überall stehen Bänke und Müllkörbe. Nach einer ¾ Stunde laufen wir durch ein großes Camp mit Picknickhütten am Ufer. Wir rasten später auf einem bescheideneren Bänkchen.

Aus einer Astgabel sprudelt frisches Quellwasser, wir füllen unsere Wasserflaschen auf.

Die Felsen sind durchlöchert von Höhlen, eine steile Treppe führt hinauf zur St. Georgs Kirche.

Etwas außer Puste stehen wir oben vor der Kapelle. Die Fresken sind zerkritzelt, manche der Kritzeleien sind von 1843 oder 1822. Fällt das dann auch unter Denkmalschutz?

Wahrscheinlich erhoffte man sich höheren Beistand, wenn man seinen Namen in den Putz kratzt.

Die einstige Schönheit der Bilder ist dennoch gut zu erkennen. Sehr feine, detaillierte Malerei, hier waren wahre Künstler am Werk. Im Boden sind offene Gräber ( zum Glück leer! ) Neben den Gräbern ein Brunnen.

Und eine tolle Aussicht über das Tal bis hinüber zur Moschee von Belisirma.

 

Wieder unten winken uns ein paar fröhliche Gesellen wenig später herauf zum nächsten Kafé, aber uns reicht´s erstmal mit Treppensteigen.

Die Mülleimerhose ist doch wirklich klasse, oder?

Nicht mehr weit und wir stehen vor einem Schlagbaum. Nach 1,5 Stunden ist der Wanderweg zuende.

Wir wollten eigentlich nach Belisirma und dann am anderen Ufer zurück…..

Stattdessen drehen wir um. Und sind kurze Zeit später völlig verblüfft:

bisher waren wir fast allein unterwegs im Tal, jetzt strömen uns plötzlich große Reisegruppen entgegen! Da haben wir aber Glück gehabt, daß wir das Tal so für uns genießen konnten!

Über eine Brücke überqueren wir den Melendiz. Willkommen auf der wilden Seite des Tals! Der Weg schlängelt sich ungeharkt durch die Felsbrocken, manchmal so eng, daß ich mich mit dem Rucksack durchquetschen muss. Hier ist es total schön!

Was sind das für Schnörkelbäume? Überall schlängeln sich die Äste. Und da sind auch schon die nächsten 100 Treppenstufen zu einer Höhlenkirche.

Martin verzichtet und setzt sich lieber in die Sonne. Ich steige hoch. Uff!

Es lohnt sich. Die Fresken der Yilanli Kirche datieren aus dem 9. – 11. Jhd.

Nebenan und darüber befinden sich Mönchszellen, zwei schaue ich mir an. Was für ein karges Leben und sicher bitterkalt im Winter.

Links neben der Kirche ist noch ein Eingang in der Felswand, oh, das ist aber niedrig! Mit meinem Wanderstock messe ich die Höhe, etwa 1,40 Meter, ich krieche mal rein….

und stehe in einem hohen, kahlen Raum. Ringsum sind Sitzbänke in den Stein gemeißelt. Sonnenlicht fällt durch ein Loch in der Decke.

Vielleicht das Refektorium? Eine mystische Atmosphäre, ich kann mir gut vorstellen, wie die Mönche hier andächtig zusammen in der Höhle gesessen haben, im Winter vielleicht um ein Feuer und einer liest aus der Bibel vor. So könnte es gewesen, oder?

So, jetzt wieder rauskriechen und die Treppen hinunter.

Unten wartet Martin und hat inzwischen herausgefunden, was das für knorrige Bäume um uns herum sind: Pistazien!

Wir machen uns auf den Heimweg, über eine Brücke wieder hinüber ans andere Ufer.

 

Eine letzte Kraftanstrengung, hoch oben thront das Besucherzentrum und wir müssen alle 400 Stufen wieder hinauf.

Langsam und stetig, wir zählen mit. Irgendwas zwischen 384 und 390 Stufen. Völlig außer Atem sinken wir oben auf die erste Bank…..

und holen uns dann einen frischen Granatapfelsaft ( „Pommmgranate“ ) bevor wir zur Rappelkiste gehen.

 

 

Das Ihlaratal ist gut durchorganisiert, eher wie ein angelegter Landschaftspark. Sehr schön gemacht und gepflegt mit den Skulpturen, vielen Bänken und Mülleimern. Aber ein bißchen wie Disneyland. Wir vermissen etwas die Wildheit vom Rose Valley oder Red Valley.

Auf dem Parkplatz könnten wir übernachten, aber es zieht uns heute noch weiter. Zurück nach Osten, nach Avona, der Töpferstadt.

Durch Ihlara, mit Blick auf den mächtigen Hasan Dagi Vulkan,

durch triste Ortschaften, dann auf die Landstrasse Richtung Nevsehir

bis wir schließlich wieder durch die kappadokische Zipfellandschaft sausen.

Am frühen Abend erreichen wir Avona und verfahren uns, quetschen uns dadurch verbotenerweise über die zu enge Brücke ( ernten dafür ein paar erstaunte Blicke…) und parken am Kizilirmak, dem längsten Fluss der Türkei. Er fließt 1355 Kilometer ausschließlich durch die Türkei.

Feierabend. Morgen ist Markttag, der Markt von Avona soll außergwöhnlich schön sein. Wir sind gespannt!

 

Bis bald! Liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

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