Mani – der Mittelfinger des Peloponnes

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Wieder in Kalamata: graue Wolken verdunkeln den Himmel, Regenschauer, das Wetter passt zu unserer Stimmung. Wir laufen durch die Stadt, entdecken wunderschöne Plätze und Ecken, aber uns kann gerade nichts so recht begeistern.

Dr Christopoulos untersucht mit tiefen Sorgenfalten Martins Gelenk. Es sieht nicht gut aus, für den nächsten Tag vereinbart er einen MRT Termin.
Bis zum Termin hängen wir lust – und kraftlos zuhause rum.
In einem wenig ansehnlichen Viertel, versteckt zwischen Fitness – und Boxbuden, verstaubten Geschäften und Autoersatzteilen befindet sich die moderne MRT Praxis. Nach der Untersuchung soll Martin ein Formular unterschreiben. Als wir nachfragen, wofür das Formular ist, antwortet die Assistentin mit verständnisloser Miene: „ you can read here!“ und zeigt auf die griechischen Buchstaben. Haha, witzig.
Die Ergebnisse bekommen wir erst nächste Woche, genügend Zeit also, um zum Dinostrand zu fahren. Mani, wir kommen!
„Oh die Mani, so wild und so schön…“ den Mittelfinger des Peloponnes hat man uns immer wieder gepriesen. Und: alle haben Recht!
Wälder, tiefe schattige Schluchten, rauhe Klippen, felsige Steilhänge zum Meer hinunter und hinter allem das gewaltige Taygetosgebirge, verschneit und schneeweiß leuchtend! Der höchste Gipfel Profitis Ilias ist 2407 Meter hoch. Es reizt uns, da demnächst hoch zu fahren.

Die Sonne läßt die Landschaft strahlen, während die Rappelkiste sich Serpentine für Serpentine bergauf schraubt, um anschließend alles wieder hinab zu kurven. Langsam fädeln wir uns durch die schmalen Ortsdurchfahrten. In Kardamyli wollen wir anhalten, aber Schulbusse versperren den Weg zum Parkplatz.

Karabostasi bietet einen kostenlosen Stellplatz am Meer, aber wir wollen noch weiter. An Limeni vorbei geht es steil nach oben, von dort schauen wir auf den Ort hinunter. Alte, enge Gässchen, total schön, aber zum Glück mußten wir da nicht durch.

Vor Pirgos Dirou müssen wir uns entscheiden: den einfachen Weg außenrum oder stürzen wir uns durch 8 Haarnadelkurven abwärts? Keine Frage, oder?
Runter geht´s, bergab auf dem kürzesten Weg zum Dinostrand. Der Betonbelag geht in Schotter über und wir sind unten.

„ Steine, groß und rund wie Dinosauriereier“ – daher der Name. Ja, stimmt. Weiße Steine, graue Steine, runde Steine, rosa Steine…….Steine……

Ein paar Bäumchen sollen eines Tages Schatten spenden, 3 Womos stehen schon da. Links und rechts von Felsen eingerahmt ist die Bucht nicht sehr groß.

Linkerhand sieht man den Eingang zur Tropfsteinhöhle von Pirgos Dirou, man kann sie mit Ruderbooten besichtigen. Ungefähr 25 – 30 Minuten dauert das Höhlenerlebnis, dafür bezahlt man 15,-€ pro Person.
Wir quartieren uns erstmal ein, die Kurverei war sehr anstrengend. Ein Mädchen begrüßt uns mit Blumen, wir kennen sie und ihre Familie schon von Elea. Es weht eine ordentliche Brise, dicke Wolken verhüllen die Berggipfel im Süden. Martin, der Feuerfuchs, sammelt gleich wieder Holz, zum Frühabendfeuer legt sich der Wind.

Wolken und Vollmond, märchenhaftes Licht. Ein leises Klickern, wenn die Wellen über die Steineier schwappen. Schakale heulen in der Dunkelheit. Funken sprühen aus dem knisternden Feuer und ein Käuzchen ruft…..traumhaft!

Die Tropfsteinhöhle schenken wir uns, nach 2 Tagen Dinosteinen starten wir nachmittags wieder Richtung Kalamata. In Kardamyli versperren diesmal keine Schulbusse den Weg, wir können hinunter zum Sportplatz am Strand fahren und parken. Perfekt, denn wir möchten in die Virosschlucht wandern. Kardamyli selbst ist eine Augenweide, am Meer gelegen, mit den typischen Mani Steinhäusern, kleinen Tavernen und Geschäften. Eine der Tavernen probieren wir gleich mal aus, verbringen den Abend draußen auf einem bequemen Sofa, der Rotwein ist gut.
In Deutschland tobt Sturmtief „Sabine“, bei uns herrscht eitel Sonnenschein. Mittags beginnen wir unsere Wanderung bei der alten Festung.

Die Burganlage ist recht klein und alle Gebäude sind geschlossen, also wandern wir zügig weiter Richtung Agia Sophia, einer Kapelle auf dem Berg. Es geht aufwärts und wie! Der Pfad ist mit Feldsteinen gepflastert, steil und schmal, Büsche streifen uns, der Ausblick von oben auf Kardamyli ist grandios. Ab und zu halten wir an, Luft holen – der Aufstieg ist wirklich anstrengend! Irgendwann erreichen wir den oberen Kamm, der Weg führt direkt am Rand der Schlucht entlang, so eng, neben uns fällt es schroff hinab in die Felsschlucht, nur das Gestrüpp könnte den langen, tiefen Absturz aufhalten. Ein Stück des Weges balancieren wir wie auf einer Mauer am Rand entlang, die Felswand läßt keinen Platz mehr für den Trampelpfad und man hat dafür Steine aufgeschichtet.

Nach strapaziösen eineinhalb Stunden kommen wir oben zur Kapelle Agia Sophia und setzen uns auf die Eingangsstufen. Schön ist es hier. Eine Tür an einem verlassenen Haus schlägt im Wind, sonst ist es ruhig und still. Erstmal Pause.

Gestärkt brechen wir wieder auf, ein breiter gemütlicher Wiesenweg führt uns hinab in die Schlucht. Ungläubig stehen wir unten vor einem trockenen Flussbett. Das soll der Wanderweg sein?! Die Wanderzeichen sind eindeutig: ja!
Also gut, über große, kleine, runde, spitze, eckige Steine stolpern und wackeln wir flussabwärts durchs Flussbett. Nur langsam kommen wir voran, vorsichtig, jetzt bloß nicht umknicken oder stürzen. Es macht total Spaß, die Steine sind weiß, hellgrau, rosa oder gelblich, wir müssen gut aufpassen wo wir hintreten. Aber das Beste kommt noch: plötzlich stehen wir vor einem kleinen, trockenen Wasserfall, vielleicht 4 Meter, den wir irgendwie hinunterklettern müssen. Und Martin nur mit einer Hand. Ab jetzt ist klar, wenn wir da hinuntergeklettert sind, können wir nicht zurück. Einhändig kann man das nicht wieder raufklettern. Wir überlegen, rutschen und springen runter, was für eine Kletterpartie, völlig genial! Und das war nur der erste von mehreren ausgetrockneten Wasserfällen, die wir bezwingen müssen. Immer wieder suchen wir den Weg, wie kommt man da runter? Ausprobieren, runterhangeln, rutschen, eine Herausforderung, fantastisch! Große Felsbrocken sind in die Schlucht gestürzt, spektakulär, wir klettern weiter über die Steine durch die Schlucht. Bäume liegen quer über dem Weg, wir tauchen drunter hindurch, irgendwo plätschert ein kleiner Bach aus den Felsen, eine unsichtbare Kröte quakt uns an. Hoch ragen über uns die Schluchtwände empor, rote Erde und Felsen, Schwalben kreisen sirrend am Himmel. Leichter, warmer Wind zieht zwischen den Felswänden durch, schaffen wir es noch vor der Dunkelheit bis nach Kardamyli? Nach 2 Stunden kraxeln öffnet sich die Schlucht, wird breiter, vorsichtig setzen wir die letzten Schritte über die Steine und kommen zurück in den Ort. Noch eine halbe Stunde und wir sinken erschöpft auf das wackelige „Erdbebensofa“ vor unserer Taverne und genehmigen uns zur Belohnung den guten Rotwein. Was für eine grandiose, überraschend spannende und abwechslungsreiche Wanderung! Toller Tag!

Nun ist es soweit, wir müssen zurück nach Kalamata, die Ergebnisse vom MRT sind da. Bevor wir starten, entdecken wir beim Kontrollgang um den Steyr, daß die Halterung von einer Staukiste zerbrochen ist. Falsch dimensioniert. Aber ein Spanngurt hilft – davon kann man nie genug dabei haben!

Durch den stillgelegten Bahnhof von Kalamata laufen wir an riesigen Dampfloks vorbei, die hier abgestellt sind. Der Bahnhof ist zu einem schlichten, sehr schönen Park umgewandelt worden. Alte Dieselloks, Waggons und angerostete Züge stehen auf den Schienen, ein Freilichtmuseum.

Die Zeit bis zum Termin bei Dr Christopoulos um halb neun abends vertreiben wir uns im Altstadtviertel von Kalamata. Die Gassen sind bereits für den Karneval geschmückt.

Aber so richtig können wir das alles nicht genießen, wir sind mit unseren Gedanken woanders.

Pünktlich sitzen wir beim Doktor und hören den Bericht. Niederschmetternd. Im Handgelenk sind 2 Bänder abgerissen. 4 Wochen muß das Gelenk ruhig gestellt werden, dann könnten sie von allein anwachsen. Anschließend wird wieder ein MRT gemacht. Wenn alles gut geht, muß nicht operiert werden. Bedrückt laufen wir nach Hause.
Wir ändern unsere Pläne, Martin soll nicht mehr so viel fahren. Jetzt brauchen wir einen Platz mit guter Infrastruktur, wo man 4 Wochen in Ruhe stehen bleiben kann. Die Süd- und OstMani, Lakonien, Rindomo Schlucht und alle anderen tollen Vorhaben können wir vergessen. Uns fällt nur ein Platz mit optimalen Bedingungen ein: Elea.
Also packen wir unsere Sachen, kaufen ein und fahren auf dem schnellsten Weg nach Elea. Zum dritten Mal.
Bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin
Drink positive!

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