Pamukkale und Hoyrun Gölü 10.11.2022

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Pamukkale, wir parken direkt vor den weißen Felsen, keine 500 Meter vom Eingang entfernt. Die Nacht war kalt, die Heizung läuft.

Plötzlich hört man draußen ein lautes Dröhnen….Moment mal, das Geräusch kennen wir doch? Schnell ein Blick aus dem Fenster:

Oh ja! Das kennen wir nur zu gut!

Bald heben die ersten Ballons ab und schweben mit dem Westwind in den Sonnenaufgang

Aufstehen! Bevor die Reisebusse kommen, wollen wir unterwegs sein!

Die Ladenbesitzer bereiten sich auf die kommenden Gäste vor, aus einem Pkw schallt ultralaut türkischer HipHop.

Wir zahlen zusammen 200TL = 11€ und wandern bergauf zum Wolkenschloss

Vor den Kalkfelsen stehen Bänke, der weiße Boden darf nur barfuß betreten werden. Also Schuhe aus. Durch einen Wassergraben hindurch. Brrrrrrrr! Heute Morgen sind es nur 12°C Lufttemperatur und nun barfuß ins Eiswasser.

Es rinnt über den Kalkboden, winzige betonharte Riffel machen den Untergrund rutschfest.

Eine Herausforderung für die zarten Füße…

Versteinerte Winterlandschaft statt „Wattebällchen“, wie Pamukkale auch genannt wird….

Die Riffel massieren die Fußsohlen.

Der Weg führt über die ehemalige Strasse, die in den 60er Jahren mitten durch die Travertinfelsen wurde. Am oberen Rand standen damals Luxushotels. Das warme Thermalwasser wurde in die Hotelpools umgeleitet. Das Abwasser aus den Pools lief anschließend über die Kalkterrassen und färbte alles grau. Umweltorganisationen schlugen Alarm, die Unesco drohte, den Weltkulturerbestatus zu entziehen. Endlich wurde reagiert: seit 1996 ist das baden in den natürlichen Terrassen verboten, die Hotels wurden abgerissen, die Strasse mit künstlichen Becken bebaut und so, optisch halbwegs gelungen, wieder in die Felsen eingegliedert.

Schneesteine……oder als hätte jemand dicken Zuckerguss drübergegossen

Die Füsse sind vereisen langsam, die Sohlen kribbeln von der ungewohnten Riffelmassage.

In den künstlichen Becken dürften wir baden, aber das kann nicht verlocken: auch dieses Wasser ist frostig…..

Wir tasten uns weiter aufwärts, auf dem knallharten „Wattebällchen“.

Die Aussicht von hier oben ist phänomenal

Aber hieß es nicht immer 35°C warmes Thermalwasser?

Weiter oben machen sich Mitarbeiter an einem Graben zu schaffen, ziehen Plastiktüten weg und endlich rauscht eine warme Flut in die künstlichen Becken! Wie das kribbelt, als wir die Eisfüsse ins Wasser stecken! Manch einer legt sich gleich ganz hinein….

Schnell erwärmt sich das glasklare Wasser in den Becken, Zeit für die Frühstückspause

Inzwischen sind die Busse unten angekommen und es wird voll….Fotoshooting mit und ohne Engelsflügel….

Die natürlichen Becken sind abgesperrt und trocken, kein helles Türkis leuchtet uns entgegen. Eine kleine Enttäuschung….

 

Oben auf einem Holzplateau ziehen wir die Schuhe wieder an. Das heiße Wasser rauscht durch den Graben und fällt über die Terrassen. Vielleicht füllen sie sich ja, bis wir zurückspazieren….

 

Pamukkale ist nicht nur das Wolkenschloss. Hinter den Sinterterrassen liegen die Ruinen von Hierapolis, einer antiken, einst griechischen Stadt.

An massiven Steinquadern vorbei treffen wir zuerst auf weitere Sinterflächen. Ebenfalls trocken und leicht grau. Betreten verboten, Wachleute verscheuchen freundlich, aber bestimmt, alle, die sich nicht daran halten wollen.

Hierapolis:

Unser Rundgang beginnt auf der Nekropole. Mehr als 1200 Gräber bilden die größte antike Totenstadt Kleinasiens. Einzelne Totenhäuser sind vom Kalk umschlossen und versinken langsam darin

An der Roten Basilika vorbei. Einst ein Badehaus, später in frühchristlicher Zeit zur Kirche umgebaut. Das Gebäude hat die vielen Erdbeben der letzten Jahrhunderte nicht gut überstanden, aber die riesigen Torbögen trotzen eisern den Erschütterungen.

Vor dem Nordtor liegt der Friedhof

Ein bisschen Gruselfeeling…..als hätten Untote mit Vampirkräften die schweren Deckel angehoben um den Gräbern zu entsteigen…..

Die Steinsarkophage wurden teilweise übereinander gestapelt, einige noch auf die Dächer der Totenhäuser gestellt. Wie haben die das gemacht?

 

In den Häusern geht es hinab in die Gruft, darüber mehrere Stockwerke Steinbänke, auf denen die Toten lagen.

Fantastische Verzierungen. Die Inschriften erzählen Geschichten, unter anderem wurde hier die erste bekannte wasserbetriebene Steinsägemühle abgebildet.

Etwas weiter stehen runde, mit Gras bedeckte Gräber, Steinbänke laden zum Verweilen ein

Wirklich sehenswert diese Totenstadt!

 

Wir verlassen die Nekropole und wenden uns dem großen Stadttor zu.

Eine Inschrift verrät, daß es sich um das Frontinus Tor handelt. Wir wandeln über die Marmorplatten der Strasse, gleich links steht ein langgezogenes Gebäude. Die Infotafel erklärt recht anschaulich, was dieses Gebäude füher war:

Die Latrine. Hier hockten die Hierapolonier in Reihe, vielleicht hielten sie ein kleines Schwätzchen…..“Wie geht´s? Aha, immer noch Darmprobleme?“

Hinterher wuschen sie sich mit warmem Thermalwasser, durchaus luxuriös.

Hinter der Latrine befindet sich ein großer Marktplatz mit Geschäften, von denen nichts mehr zu erkennen ist, Reste von Tempeln sind zu sehen. Die Strasse führt geradeaus zum Südtor.

Um die 100.000 Menschen haben in Hierapolis gelebt. Erdbeben ließen die Siedlungen ringsum auf den Hügeln einstürzen, es ist nicht mehr viel davon übrig.

Querfeldein wandern wir zu Badetümpeln, man könne dort ein warmes Bad genießen hieß es….

Ähh….nein….alles eingezäunt. In einem klaren Tümpel wächst eine Miniaturmärchenlandschaft, ein Zwergenwald….

Weiter, der lange, steile Weg hinauf zum Amphitheater ist beschwerlich.

Aber die Mühe lohnt sich: schlicht atemberaubend!

 

Extrem steil stürzen die Zuschauerränge hinab. 15.000 Leute haben hier Platz. Auf schmalen Stufen kann man hinunterbalancieren. Wenn man hier stolpert, gibt es kein Halten mehr. Dann kullert man unaufhaltsam bis in den Orchestergraben. Wir lehnen uns automatisch nach hinten. Nichts für Leute mit Höhenangst!

Infotafeln zeigen Bilder aus der Zeit vor der Restaurierung durch italienische Fachleute 1992.

Fest an die Rückwand der Stufen gedrückt lassen wir die Szenerie wirken, tief beeindruckt von diesem Bauwerk

 

 

Wieder unten angekommen, biegen wir ab ins „Plutonium“, dem Lager für Säulenstücke und Reliefreste. Holzstege führen zu einer Tempelanlage mit einer mysteriösen Höhle. Einst stiegen von dort giftige Dämpfe auf. Eunuchenpriester hielten Opfermessen ab, bei denen ausgewachsene Stiere in die Gifthöhle gezerrt und den Göttern geopfert wurden. Oben auf den Balustraden riefen die Anbeter „Hallelujah!“ …..oder so….

 

Bevor wir zurück zu den Sinterterrassen laufen, besichtigen wir noch den Aphrodite Pool. Ein Erdbeben ließ den Boden des Aphroditetempels einsinken und ein wassergefülltes Becken entstand. Auf dem Grund schimmern die antiken Tempelsäulen. In den 60ern wurde der Pool exklusiv von den Luxushotelgästen genutzt, heute kann jeder gegen ein geringes Entgelt im klaren, warmen Wasser schwimmen.

 

 

Auf dem Rückweg kommen wir am archäologischen Museum vorbei. Zwei Räume zeigen aufwendig verzierte Marmorsarkophage und Skulpturen.

Ein großes Wandbild veranschaulicht die Stadt. Links unten das Frontinus Tor mit den anschließenden Latrinen und dem großen Marktplatz.

Besonders interessant ist die Sammlung von Tongefässen, Gläsern und Tränenfläschchen

der filigrane Schmuck

und die Münzen aus dem 7.Jhd vor Christus. Sie gelten als die ältesten Münzen der Welt

All diese Dinge hat man den Toten in der Nekropole abgenommen. Die Münzen hielten die Verstorbenen in der Hand. Im Museum sind diese Gegenstände natürlich sehr gut aufgehoben, aber ist es nicht auch ein wenig traurig, das den Toten ihre letzten Reiseschätze abgenommen wurden?

 

Bei den Holzstegen oberhalb der Kalkterrassen ziehen wir die Schuhe wieder aus und machen uns an den Abstieg. Jetzt ist das kühle Wasser auf den Felsen eine Wohltat für die heißgelaufenen Wanderfüße.

Viele Leute kommen uns entgegen. Ein paar wenige Terrassen füllen sich langsam mit Wasser, wir können das leuchtende Türkis der Becken, das wir auf vielen Fotos gesehen haben, nur erahnen.

 

Es wird eifrig posiert.

Kamera an: Körper aufrichten, Brust raus, Füße spitzen, in die Ferne blicken
Kamera aus: zusammensinken, runder Rücken, Füße baumeln lassen, Blick nach unten

Oder mit rosa Engelsflügeln, die man hier mieten kann. Flatterkleid, koketter Blick…..

Auch sehr beliebt: Yogaposen. Überall stehen „Kriegerinnen“ und „Bäume“

Ein älteres Paar sitzt im Lotussitz in tiefer Meditation versunken, mitten zwischen den Besucherströmen. Es wirkt……amüsant, ich kann es nicht anders sagen.

Und jetzt wir: die Kamera auf uns und die Zuckergußwand richten….knips!

Zur Mittagszeit verlassen wir Pamukkale.

Toll war´s! Das hat sich voll gelohnt, vor allem wegen Hierapolis.

 

Um 14 Uhr rollt die Rappelkiste aus der Parklücke auf die Strasse. 200 Kilometer wollen wir heute noch fahren.

Die Berge schimmern durch die kalkstaubige Luft. Auf den Feldern wirbeln Traktoren dicke Staubwolken auf. Erst nach ein paar Kilometern wird die Luft endlich klarer.

Einer Stunde später erreichen wir einen großen Salzsee, den Acigöl. Es riecht stark nach Schwefel.

Mehr als 10 Kilometer düsen wir an seinem Ufer entlang, links der Strasse ragen hubbelige Felsen empor. Die Felsen weichen zurück, es geht weiter, immer geradeaus, längs der unendlichen Felder.

Hinab in die Ebene

und durch Dinar

111 Kilometer haben wir schon zurückgelegt……

Wir durchqueren Uluborlu und Senirkent

In der tiefstehenden Sonne leuchtendes Herbstlaub, haufenweise liegen Äpfel vor den Lagern

Äpfel, Äpfel, Äpfel….

Die Rappelkiste frisst Kilometer um Kilometer….

 

Kurz nach 17 Uhr sichten wir den Hoyran Gölü, den großen Hoyran See. Unser Ziel für heute.

Am Ufer gibt es angelegte Picknickplätze, einen davon steuern wir an zum übernachten.

Die Einfahrt ist vermüllt…..

ebenso der Picknickplatz und der Strand

So ein schöner See, so schöne Berge….und wie so oft alles voller Müll….

Wir genießen unser Feierabendgetränk. Lassen den langen Tag Revue passieren. Pamukkale und Herapolis waren toll…..

Kaum ist die Sonne weg, wird es zu kalt. Drinnen läuft die Heizung – schnell rein und aufwärmen.

Für morgen haben wir uns 400 Kilometer Strecke vorgenommen. Wir möchten unbedingt nochmal nach Kappadokien, bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bis morgen also!
Gute Nacht!

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!
Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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