Quarantänecamp

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Ende März: vor 2 Tagen sind wir wieder mal in Elea angekommen. Ab jetzt herrscht Fahrverbot, unsere Reise ist für unbestimmte Zeit zum Stillstand gekommen. Für die nächsten Wochen richten wir uns in unserem Quarantänecamp ein.

Alle, die es vor dem Fahrverbot hierher geschafft haben, feiern nochmal zusammen, spielen eine allerletzte Boulerunde, essen und trinken noch einmal gemeinsam.

Danach ist die Partyzeit vorbei und der Quarantänealltag beginnt.

Was machen wir so die ganze Zeit?

Ich probiere mal slackline aus

 

Patrick bastelt einen Grill aus einer Gasflasche, der Ofen aus einem alten Kanister wärmt draußen an kalten Abenden.

Regen und Sturm wühlt das Meer auf. Hohe Wellen schlagen fast bis über die Düne.

Im Wind spazieren wir am Strand

Beim gestrandeten Boot sind die Wellen besonders beeindruckend

Die nächsten slackline Versuche, schon besser….

Dürfen es noch ein paar Sonnenuntergänge sein?

Jeden Samstag freuen wir uns auf das Highlight der Woche: einkaufen fahren!

Dafür müssen wir ein Permit ausfüllen mit Namen, Datum, Uhrzeit und dem Grund, weswegen wir auf der Strasse unterwegs sind.

Kontrolliert wurde das bis jetzt noch nie. In den Supermärkten geht es nach wie vor sehr ruhig und gesittet zu. Die Regale sind voll, es gibt keine Hamsterkäufe, die Kassierer arbeiten hinter Plexiglaswänden, die Leute halten Abstand in der Kassenreihe.

Wir verkleiden uns jedes Mal bevor wir einen Laden betreten.

Noch vor Kurzem wären wir sofort verhaftet worden, wenn wir in dem Aufzug einen Laden betreten hätten…..

Anschließend Wasser tanken und dann ist der schöne Ausflug schon wieder vorbei, bis nächsten Samstag.

Zur Abwechslung gehen wir in den Hügeln wandern. Zwei Stunden streifen wir durch uralte Olivenhaine. Der Frühling läßt alles blühen, es summt, dicke Hummeln sammeln Pollen und wunderschöne Schmetterlinge flattern überall.

Wir pflücken Salbei und Bärlauchblüten, alles duftet so gut.

Morgens ist Sport angesagt, eine große Runde laufen und Yoga. Fit bleiben für die Weiterreise.

Nachmittags spielen wir manchmal Crossboule oder Crocket, zu zweit oder zu mehreren, dann achten wir auf Abstand zueinander. Auch wenn es nach wie vor befremdlich ist, alle bemühen sich.

Abends sorgen Wolken und Sonne für Dramatik.

Willi probiert mal was mit Drachen und Snowboard aus, klappt prima!

Den Drachen probiere ich auch, aber das Snowboard besser nicht.

Wir entdecken beim Spaziergang ein besonders schönes Exemplar von „greek antik“

Der Duft der Orangenblüten macht uns ganz schummrig im Kopf.

Manchmal passt der Himmel farblich perfekt zum Sonnenuntergangsgetränk:

Abends spielen wir Karten oder telefonieren stundenlang mit Freunden und tauschen unsere Erlebnisse aus. Zwei harren mit ihrem LKW im tief verschneiten Finnland bei Minusgraden aus, andere zuhause haben als Musiker kein Einkommen mehr. Die Ersparnisse sind bald aufgebraucht. Wieder andere arbeiten ganz normal weiter, können aber die Freunde nicht treffen. Für alle hat sich das Leben komplett verändert.

Bei uns kommt der Sommer. Am ersten Tag haben wir noch in der Sonne vor unserer Markise gesessen und den Schatten verschwendet. Das ändert sich schon am nächsten Tag, die Sonne brennt auf der Haut. Schnell in den Schatten!

Mal wieder ein Abendspaziergang zum Boot. Tief im Sand versunken rostet es vor sich hin. Nur die Edelstahlteile blitzen silbern im Licht

Ja und so vergehen einfach mal vier Wochen. Zu Beginn haben wir damit gehadert, stehen bleiben zu müssen. Wir sind doch Reisende!

Irgendwann hat sich das entspannt und wir haben uns daran gewöhnt.

Die Botschaft organisiert ein Schiff nach Italien für alle gestrandeten Wohnmobilisten. Wir tragen uns nicht in die Liste ein, wollen nicht nach Hause, dort wartet nur Heimquarantäne in der Großstadt auf uns. Wenig verlockend.

Vor Ostern kommt die Polizei und fordert uns auf, den Strand zu verlassen. „Wie sollen wir das machen? Wir dürfen doch nicht fahren?“ fragen wir. Weiß die Polizistin auch nicht. Trotzdem. „Aber wo können wir hin? Alle Campings sind geschlossen?“ Keine Ahnung, aber hier ist campen verboten. Was für ein Quatsch. Wir beschließen, das einfach zu ignorieren – gute Entscheidung, es kommt danach niemand mehr um uns fortzuschicken. War wohl die jährliche Routine vor Ostern.

Ein Platznachbar entwickelt verdächtige Symptome, seine Frau und er werden positiv auf Corona getestet. Daraufhin stellen sie sich isoliert und wir organisieren Einkauf und was sie so brauchen. Zum Glück geht alles gut und die Infektion nimmt einen eher leichten Verlauf.

Zehn Wagen mit unterschiedlichsten Menschen stehen zusammengewürfelt seit Wochen auf dem Platz. Keiner darf weiterfahren. Natürlich bleiben auf Dauer Zwistigkeiten in dieser Gruppe nicht aus. Wir fühlen uns manchmal wie Teilnehmer an einem umfangreichen Sozialprojekt. Könnte man aber auch „Dschungelcamp live ohne Maden fressen“ nennen.

Ist dieser Himmel nicht umwerfend?!

Die jüngeren unter uns feiern ausnahmsweise einmal bis spät in die Nacht mit lauter Techno Musik. Während wir das komplett verpennen ( wir sind das gewöhnt, Kreuzberger Nächte sind lang….) reagiert ein anderer darauf extrem allergisch. Lagerkoller und Geschrei bricht aus. Das wird uns zu aggressiv und wir beschließen, umzuziehen. Einen Kilometer weiter den Strand rauf finden wir unseren neuen Platz in den Dünen. Der Tapetenwechsel war überfällig…

Tag 34 im Quarantänecamp. Uns geht´s gut.

Es heißt, daß wir Anfang / Mitte Mai die Reiseerlaubnis innerhalb Griechenlands bekommen. In zwei Wochen – die schaffen wir auch noch.

Bleibt gesund, bis bald, liebe Grüße!

Julia & Martin

Drink positive!

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