Runter vom Berg – Abfahrt vom Megálo Toúrla

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„Na?“ zwinkert uns die Sonne zu und lächelt: „heute ist es so schön warm und hell….“

Nein, darauf fallen wir nicht herein! Wenn wir jetzt hierbleiben, sitzen wir in einer Stunde wieder im Nieselregen, das kennen wir schon zur Genüge! Fällt der Abschied von der Hochebene des Megálo Toúrla auch noch so schwer, wir kommen ja bestimmt mal wieder. Auf geht´s.

Die Kamera fliegt hinter uns her.

 

Bei der Kapelle wird der Akku des Fliegers kontrolliert, ach, das reicht doch noch…..nur noch diese eine Szene…..man sieht gerade unseren Weg so schön…..

 

 

PIEP PIEP PIEP fiept die Anzeige los – Warning! Low Battery! Jaja, ich lande ja schon! PIEP PIEP….

Wir halten an, ich steige aus – es folgt ein beispielloser Kampf zwischen Mensch und Maschine. Der Flieger möchte zum Startpunkt zurück, aber das ist mir zu weit weg. Ich versuche, auf dem Steyr zu landen, aber der Flieger verweigert sich und haut immer kurz vor Landung ab nach oben! Hey! Ohnehin nicht einfach zwischen den Tannen, das ständige Alarmgepiepe nervt – jetzt runter mit dir!! – zack haut er wieder ab! Arrrrgh!

Nach 7 Minuten Kampf und nur noch 8% Akku gebe ich den Flieger frei, er saust ab Richtung Kapelle. Jetzt kann ich nur noch hoffen, daß er keine Tannenwipfel streift und der Akku hält, bis der Kleine aus dem Wald heraus ist …..ich sehe das Dach der Kapelle auf dem Bildschirm…….der Empfang bricht ab…..

 

Wir gehen dann mal hinterher. Bange schauen wir uns um. Etwa 500 Meter hinter der Kapelle liegt was….

 

 

 

 

 

Jawoll! Unversehrt und sauber auf der Wiese gelandet. Astrein!

 

Was für eine Aufregung!

Erstmal beruhigen, alles einsammeln, ein Schluck Kaffee, dann rollen wir auf die Piste. Im Sonnenschein durch den Tannenwald, am Boden gelbe Butterblumen, Gänseblümchen, dazwischen etwas leuchtend blaues und magentafarbene Alpenveilchen.

Aha, jemand hat die umgestürzte Tanne weggezogen. Gestern waren ein paar Wanderer oben, dann waren die das wahrscheinlich. Der Megálo Toúrla winkt nochmal über die Wipfel, Yassas! Bis bald!

Unser Koffer schlägt auf dem unebenen Weg ganz schön weit aus…

 

Nach etwas mehr als einer Stunde haben wir die 8 Kilometer abwärts geschafft. Jetzt nur noch ein kurzes holpriges Stück. Oh! An diesem harmlos aussehenden Stein hat sich jemand die Ölwanne aufgerissen….

Es geht doch nichts über genügend Bodenfreiheit.

Über die Landstrasse düsen wir nach Agios Petros, kaufen ein ausnehmend gutes Baguette in einer kleinen Bäckerei. „Where you from?“ „Germany“ „Ah…guten Tag!“

Wir steuern direkt hoch zu unserer Kräuterwiese. Von dort aus geht diese lange Piste quer rüber Richtung Tripoli, das können wir uns nicht entgehen lassen.

 

Im Hintergrund das Parnongebirge, der höchste Gipfel sieht jetzt ganz vertraut aus. Toll, daß wir da oben waren. Während des Mittagessens kommt der Gedanke, heute einfach hierzubleiben….

 

aber die Neugier auf die Piste siegt. Wir fahren weiter.

Direkt hinter der ersten Kuppe hängt ein Schild am Baum – E4. Oh, wir fahren auf dem Wanderweg. Die Farmarbeiter in den Walnussplantagen sehen erstaunt von ihrer Arbeit auf. „Yassas!“

Laut Karte soll nach 3 Kilometern eine befestigte Strasse kommen. Ja, da ist es schon, wir rollen auf Asphalt. Allerdings nur wenige Meter….gleich hinter der nächsten Kurve beginnt wieder Piste, eine kleine, freudige Überraschung, umso besser!

Alte Walnussbäume und weißblühende Kirschen, dornige Zweige, die unsere Rappelkiste zerkratzen, ein winziges, zartes Brücklein. Hält das, wenn wir drüberfahren? Na klar! Klein, aber stabil!

Verdammt enge Kurve, passen wir durch? Sicher! Da haben wir uns ja wieder was ausgesucht, eine wunderschöne Zuckelfahrt…

3 Kilometer Schlangenlinien, rauf und runter, im Schritttempo. Klasse Strecke!

Bei der Kreuzung in Koutroupha halten wir. Eigentlich wollen wir geradeaus weiter, aber der Weg hat ein ungeheures Gefälle. Hm, Martin geht mal nachsehen, was uns rechtsrum erwartet.

Rechts ist besser, entscheiden wir und tatsächlich: nach einer Weile auf Beton, folgt Schotter und plötzlich Asphalt. Ende der Piste. Zum zweitenmal an diesem Tag haben wir 8 Kilometer in einer Stunde geschafft, das wiederholt sich irgendwie. Jetzt sausen wir über die Strasse Richtung Tripoli, im Geschwindigkeitsrausch!

Blühende Kirschen überall, der Blick geht hinunter in die Ebene.

Um halb 6 sind wir unten. Von 1670 Metern runter auf 700.

Was soll man sagen? Tripoli besticht nicht gerade durch Schönheit.

Jedenfalls, was wir davon sehen. Nach einem kleinen Einkauf machen wir uns auf die Suche nach einem Nachtplatz. Bei Levidi steht eine Kapelle auf einem Berg, dort gibt es sicher einen ruhigen Parkplatz. Fast 70 Kilometer sind wir heute schon gefahren, die nächsten 20 schaffen wir auch noch.

Nachdem wir uns in Levidi durch die engen Dorfstrassen gequetscht haben, kapitulieren wir vor einem Waldweg. Die Zufahrt zur Kapelle ist was für Gocarts, nichts für uns. Umdrehen…irgendwie…..zum Glück finden wir eine breite Hofeinfahrt und drehen.

Also weitersuchen. Zur Rechten sichten wir 5 Kilometer später eine grüne Ebene, wie kommt man da runter? Okay, es gibt ein paar Zufahrten:

Erster Versuch: zu eng

Zweiter Versuch: Bäume zu niedrig

Dritter Versuch: schmale Zufahrt, aber machbar!

Ein Feldweg……eine Wiese…..zack, draufgefahren und geparkt. Sehr schön!

Auf jeden Fall viel schöner als das Wetter, wir haben es doch geahnt. Nachts beginnt es zu regnen und so bleibt es den ganzen folgenden Tag, wir haben keine Lust weiterzufahren.

Ein Schäfer winkt uns freundlich zu, ruft irgendetwas herüber. „Den katalawa tipota!“ rufe ich zurück – ich habe nichts verstanden – der Satz, den ich am besten kann. Er lacht, tippt an seine Mütze und zieht mit seiner Herde weiter durch den Regen.

Nachmittags schickt uns Sylvia Bilder aus Elea. Die großen Caretta Caretta Schildkröten sind wieder da und bereiten sich auf die Eiablage vor. Erschüttert sehen wir die Aufnahmen von einer verletzten Schildkröte, die sich in einem Nylonnetz verfangen hat. Tief schneidet die Schnur in den Hals, erwürgt sie fast. Eine Flosse ist abgerissen, die anderen Flossen verfangen in den Netzmaschen. Alfred und Benemsi heben das Tier aus dem Wasser und schneiden sie frei. Kaum zurück im Meer schießt sie befreit ab wie ein Torpedo! Hoffentlich überlebt sie.

 

 

Ein blauer Streifen Hoffnung am Horizont am nächsten Morgen. Draußen knistern, knattern und zwitschern die Vögel. Hunde bellen. Die letzten Wolkenfetzen verziehen sich langsam aus den Bergen.

Unser Ziel ist ein See im Helmosgebirge im Norden des Peloponnes. Oder? Nicht doch lieber Strand?

Wir müssen nicht lange überlegen: Strand!

Ein paar Vorbereitungen und wir verlassen unsere hübsche Blümchenwiese.

Quer rüber Richtung Westen durchs Land. Heute soll kein langer Fahrtag werden, auf der Karte haben wir uns einen Platz ausgesucht, nur ca 40 Kilometern weiter. Dort macht uns der Wochenmarkt im Ort einen Strich durch die Rechnung. Wir können nicht abbiegen.

Ist ja noch früh, also weiter.

Rings um Lampeia sprudelt klares Wasser aus vielen Quellen. Wir brauchen auch noch ein paar Liter, können aber nirgends anhalten.

Irgendwann tauchen wir ein in einen frischgrünen, verwunschenen Eichenwald. Jede Menge breite Wege führen hinein, wir könnten im Wald verschwinden. Aber Schatten suchen wir gerade nicht. Die Sonne brazzelt heute so schön.

Ein Schäfer macht sich´s leicht, fährt mit dem Auto voraus und die ganze Herde galoppiert hinterher. Am Ende mühen sich 3 lahme Humpelchen….

Die hohen Gipfel des Helmos grüßen herüber.

 

Der Abzweig zu einem Stausee kommt. Wir halten und beraten. Ja? Nein? Doch, den steuern wir jetzt mal an. Gute Idee, denn wir finden eine Wasserstelle mit anständig Wasserdruck. Tankpause. Im Hintergrund eine Melodie aus Hühnergackern, Schafsglocken und Pfauenrufe.

Nicht lange und wir sehen den Stausee in der Ebene. Grüne Wiesen, Zypressen, Eichen, eine ganz andere, idyllische Landschaft.

Durch die Bäume blitzt das blaue Seewasser, die Strasse wird einspurig, die Ortschaften kleiner.

In Souli tasten wir uns vorsichtig an zwei geparkten Autos vorbei, ein Mann beobachtet uns und reckt die Fäuste zum Sieg, als wir durch sind. „Bravo!“ Eine Piste führt zum Seeufer.

Mist, ein Zaun…..so kurz vorm Ziel. Und wie schön es hier ist…..aber eingezäunt. Zum Umdrehen müssen wir auf die Wiese fahren, ich öffne das Gitter. Könnte auch nur ein Schafzaun sein….wir fahren mal weiter rein. Ein Gänseblümchenwiesentraum am Seeufer! Wenn man nur jemanden fragen könnte…..niemand da. Wahrscheinlich hat keiner was dagegen, wenn wir hier stehen. Aber ohne um Erlaubnis zu fragen, fühlen wir uns nicht wohl. Wie schade. Wir drehen und verlassen die Wiese.

Was nun? Müde sind wir und schon wieder viel zu lange unterwegs. Kurzer Fahrtag war wohl nix.

Es gibt noch eine andere Zufahrt zum See, wir halten da und laufen die Strecke ab. Am Weg wunderschöne Distelblüten, am Ende dasselbe in grün: ein Zaun.

Noch 50 Kilometer bis zum Meer. Eigentlich zu weit für heute, aber wir machen das. An Feldern und Weinreben vorbei, wir sehen Gewächshäuser voller Erdbeeren und die wie immer miesen Behausungen der Feldarbeiter.

Weiße Flamingos stehen in der Kalogria Lagune, wir ziehen vorbei, schwenken auf die Piste bergauf nach Gianiskari. Hoffentlich ist das was…..Von oben bekommen wir einen ersten Eindruck von der Bucht:

Traumhaft, oder? Nur noch die Piste abwärts und wir rollen direkt auf den festen Sandstrand. Einige Ausflügler parken hier, wir fahren nach hinten durch und haben unseren Platz gefunden.

Unglaublich schön!

Hier bleiben wir erstmal….

Liebe Grüße, bis bald!

Julia & Martin

Drink positive!

Auf Instagram: Rappelkisteberlin

 

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